Im Jahr 2001 gegründet, erlebte das britische Audiounternehmen Pure eine Zeit des tiefgreifenden Wandels in der Musikwelt. Mit der Einführung des iPod zu Beginn des neuen Jahrtausends begann der Siegeszug digitaler Musik, der schließlich in den Streamingdiensten von heute mündete und klassische Tonträger scheinbar in den Hintergrund drängte.
Doch trotz der anhaltenden Dominanz von Streaming erfahren lange totgesagte physische Medien wie Schallplatten, CDs und sogar Musikkassetten ebenso wie das klassische Radio ein bemerkenswertes Comeback. Gemeinsam mit TEAC ist Pure der Frage nachgegangen, wie Menschen verschiedener Generationen – von den Babyboomern bis zur Generation Z – heute Musik hören. Die repräsentative Studie untersucht, welche Rolle Streaming, Radio und physische Tonträger im Alltag spielen und warum selbst die Kassette im digitalen Zeitalter wieder Käuferinnen und Käufer findet.
Die Joyful Listening Studie wurde im April 2026 durchgeführt. Befragt wurden 2.230 Menschen in Deutschland und Großbritannien, davon 1.018 in Deutschland. Die Studie offenbart zwei treibende Kräfte an den entgegengesetzten Enden des Altersspektrums: Die Gen Z nutzt physische Formate als Teil von Identität, Ritual und Selbstausdruck. Die Babyboomer schätzen analoge Medien für ihre Vertrautheit, Zuverlässigkeit und die Qualität des Hörerlebnisses.
Diese Ergebnisse ergänzen die Erkenntnisse des Vinyl Alliance Gen Z Report (2025), für den über 1.100 Gen-Z-Vinylfans in den USA, Großbritannien und Deutschland befragt wurden. Dort zeigte sich: 76 % kaufen mindestens einmal im Monat Schallplatten, 80 % besitzen einen Plattenspieler, 87 % legen Wert auf Klangqualität bei ihrem Heim-Setup und 61 % würden digitale Hörgewohnheiten zugunsten von Vinyl reduzieren, um ihr mentales Wohlbefinden zu fördern.
Zwei Generationen, zwei Motivationen
Laut der neuen Studie von TEAC und Pure haben 38 % der deutschen Gen Z einen eigenen Hörplatz oder Hörraum zu Hause eingerichtet, im Vergleich zu nur 22 % der Babyboomer. Für junge Hörer und Hörerinnen ist analoges Hören eng mit persönlichem Raum und Selbstausdruck verknüpft.
Besonders auffällig: 26 % der Gen Z legen beim analogen Hören bewusst ihr Smartphone außer Reichweite – ein Zeichen dafür, dass Hören für diese Generation ein bewusstes, bildschirmfreies Ritual ist. Bemerkenswerterweise ist dieses Verhalten in Deutschland sogar über alle Generationen hinweg stärker ausgeprägt als in Großbritannien: Auch 31 % der deutschen Babyboomer legen das Handy beiseite, gegenüber nur 15 % im Vereinigten Königreich.
Die Babyboomer erleben analoges Hören dagegen eher als alltäglichen Begleiter. 64 % der deutschen Babyboomer stimmen zu, dass sie das Radio gern einschalten, weil es auch ohne einen Bildschirm Gesellschaft leistet. Bei der Gen Z liegt dieser Wert bei 40 %.
„Was uns überrascht hat: Analoges Hören spricht zwei Generationen auf völlig verschiedene Weise an“, erklärt Jasper Bol, Senior Brand Manager Europe bei TEAC. „Für jüngere Hörer und Hörerinnen geht es um Ritual und Selbstausdruck. Für ältere um Vertrauen, Vertrautheit und ein ruhigeres Hörerlebnis.“
Radio: Der klangvolle Begleiter zuhause
Radio zeigt in Deutschland einen der deutlichsten Generationenkontraste. 54 % der Deutschen haben im letzten Monat Radio über ein eigenständiges Gerät gehört. Damit liegt Radio in Deutschland deutlich vor Smart Speakern (33 %) und ist nach Streaming-Apps (63 %) das zweitmeistgenutzte Format. 57 % aller deutschen Befragten stimmen der Aussage zu, dass Radio „Gesellschaft leistet, ohne einen Bildschirm zu brauchen“. Bei den Babyboomern sind es sogar 64 %, bei der Generation X 66 %.
Für jüngere Hörerinnen und Hörer spielt hingegen Design eine größere Rolle: 21 % der Gen Z sehen Radios und Lautsprecher primär als Designobjekte, die gut im Raum aussehen sollen. Bei den Babyboomern liegt der Schwerpunkt klar auf dem Praktischen: 37 % nennen Bequemlichkeit als Hauptgrund für die Radionutzung.
Hubert Eiter, CMO bei Pure, erklärt: „Radio hat das Zuhause nie wirklich verlassen, aber die Gründe, warum Menschen es schätzen, verändern sich. Für die einen ist es Vertrautheit, für die anderen Ruhe, Design und Einfachheit. Was sie eint: Radio schafft Atmosphäre ohne Ablenkung.“
Vinyl und Plattenspieler: Comeback bei der Gen Z
Vinyl hören ist in Deutschland kein Randphänomen: 21 % aller Befragten haben im letzten Monat Schallplatte gehört, gleichmäßig verteilt über die Generationen. Beim Kaufinteresse zeigt sich ein klarer Generationeneffekt: 49 % der Gen Z würden einen modernen Bluetooth-Plattenspieler kaufen. Bei den Millennials sind es 42 %, bei den Babyboomern nur 18 %. Die Kaufbereitschaft der Gen Z liegt damit auf dem höchsten Niveau aller abgefragten Analogformate.
Der Vinyl Alliance Gen Z Report untermauert dieses Bild: 62 % der Gen-Z-Vinylfans kaufen Schallplatten, um ihre Lieblingskünstler und Künstlerinnen zu unterstützen, 56 % schätzen die ästhetische Wirkung von Vinyl und 37 % nutzen Schallplatten bewusst als Wohnraumdekoration.
Kassette: Nostalgie trifft auf neue Kauflust
Die Kassette zeigt in Deutschland einen bemerkenswerten Generationenmix. 10 % aller Befragten haben im letzten Monat Kassette gehört – gleichmäßig über Gen Z (9 %), Millennials (11 %) und Gen X (11 %) verteilt. Damit liegt die Kassettennutzung in Deutschland doppelt so hoch wie in Großbritannien (5 %). 50 % aller deutschen Befragten beschreiben Kassetten als „eine schöne, nostalgische Art, Musik zu hören“. Am stärksten fühlen so die Generation X (56 %) und die Babyboomer (56 %).
Beim Kaufinteresse führt wieder die Gen Z: 37 % würden einen modernen Kassettenspieler mit Bluetooth und USB-C kaufen. Bei den Millennials sind es sogar 37 %, bei den Babyboomern nur 13 %.
„Die Kassette ist ein perfektes Beispiel für Analog als Erinnerung und Neuerfindung zugleich“, ergänzt Jasper Bol. „Jüngere Hörer und Hörerinnen entdecken sie als Format mit Charakter, ältere verbinden sie mit emotionalen Erinnerungen.“
Listening Bars: Ein neues Kulturformat mit breitem Interesse
Das Konzept der Listening Bar – ein Ort, an dem man gemeinsam Musik über hochwertige Anlagen hört, statt zu tanzen – stößt in Deutschland auf großes Interesse. 32 % der Gen Z haben bereits eine Listening Bar besucht. Weitere 53 % würden gern eine besuchen, wissen aber teilweise nicht, wo. Über alle Altersgruppen hinweg wären 30 % der deutschen Befragten bereit, in einem Café, einer Bar oder einem Restaurant höhere Preise zu zahlen, wenn dort eine spürbar bessere Soundanlage geboten wird. Bei der Gen Z liegt dieser Wert bei 35 %.
Der Vinyl Alliance Gen Z Report stützt diesen Trend: 53 % der Gen Z wünschen sich mehr vinylbasierte Community-Events oder soziale Hörerlebnisse.
Warum dieser Trend Bedeutung hat
Das analoge Revival in Deutschland ist längst generationenübergreifend. Die Gen Z bringt kulturelle Energie, Ritual und Identität mit. Die Babyboomer bringen Vertrauen, Beständigkeit und tägliche Nutzung. Gemeinsam machen sie physisches Hören wieder zu einem Mainstream-Verhalten.
Für Audiomarken, Händler und Gastronomie entsteht daraus eine Chance: nicht nur Produkte zu verkaufen, sondern Menschen dabei zu helfen, Räume, Gewohnheiten und Erlebnisse rund ums Hören neu zu gestalten.
