So einen Projektor hatten wir noch nie in unserem Testlabor: Der Soundcore Nebula X1 Pro liefert nicht nur große Bilder, sondern dank abnehmbarer Lautsprecher auch vollwertigen Surround-Sound – für das mobile wie autarke Heimkino-Erlebnis. Ob das 5.000 Euro teure Experiment aufgeht, klärt unser Test.
Rechtzeitig vor der am 11. Juni startenden Fußball-Weltmeisterschaft liefert Soundcore einen Projektor für den Außeneinsatz. Mit einer Höhe von 76 Zentimetern dürfte er einen Rekord aufstellen (zumindest in unserem Testlabor) und auch sein Gewicht von gut 32 Kilogramm übertrifft die meisten Bildwerfer-Kollegen.
Wie gut, dass sich auf Knopfdruck ein arretierbarer Teleskopgriff aus dem grau-schwarzen Gehäuse herausziehen lässt. Wie ein Trolley kann das robuste Gerät nun komfortabel transportiert werden, auch weil die relativ großen gummierten Räder leichtläufig sind. Darüber hinaus ist der Projektor spritzwassergeschützt, um bei Regen nicht gleich defekt auszufallen.
Zum Lieferumfang gehört eine vertrauenserweckende Schutzhaube aus Nylon, die über den Nebula X1 Pro bei Nichtbenutzung gestülpt wird. Zwei Mikrofone, eine Fernbedienung mit Batterien, vier abnehmbare Lautsprecher (dazu später mehr), zwei USB-C-Kabel und eine Quick-Start-Anleitung komplettieren das Paket.
Ausstattung und Technik
Der Soundcore Nebula X1 Pro ist ein Ein-Chip-DLP-Projektor mit 0,47 Zoll großen DMD (Digital Micromirror Device), der Bildsignale bis 3.840 x 2.160 Pixel mit XPR-Shift-Technologie projiziert. Als Lichtquelle fungiert ein leistungsstarker Triple-Laser mit RGB-Dioden, dessen Lebensdauer vom Hersteller mit 30.000 Stunden angegeben ist.
Alle aktuellen High-Dynamic-Range-Technologien werden unterstützt. Dazu gehören auch die dynamischen Formate HDR10+ und Dolby Vision. Die statischen Varianten HDR10 und HLG ziehen ihren Nutzen aus einem dynamischen Tone-Mapping. Das Vollglasobjektiv besitzt 14 Elemente und zusätzlich eine motorische Iris mit 6 Lamellen zur Kontraststeigerung. Die Zwischenbildberechnung heißt MEMC und lässt sich in vier Stufen regeln.
Mit dem kleinen schwarzen Controller ist die Bedienung des Projektors im dunklen Heimkino komfortabel, weil die Tastatur hintergrundbeleuchtet ist. Die drei Direktwahltasten für YouTube, Netflix und Prime Video sind ebenso praktisch wie die „Autofokustaste“.





Von Soundcore werden weitere Produkte im Sortiment gelistet, welche den Nebula X1 Pro ergänzen. Dazu gehören eine Leinwand namens Air-Screen mit über vier Meter Bildbreite zum Preis von 1.800 Euro und die Powerbank Anker SOLIX C1000 für 1.000 Euro, welche den Projektor bis zu 3,5 Stunden mit Strom versorgt. Die 200 Zoll große Air-Screen wird nicht zusammengebaut, wie wir es von herkömmlichen mobilen Leinwänden kennen, sondern aufgeblasen wie eine Luftmatratze. Der Kompressor gehört zum Lieferumfang und erledigt die Arbeit innerhalb von nur fünf Minuten.

Für das Feintuning der Farben stehen ein vollständiges 6-Achsen-Farbmanagement, Gain-Offset-Regler und ein 11-Band-RGB-Graustufen-Equalizer zur Verfügung. Während die beiden ISF-Bildmodi „Day“ und „Night“ keine relevanten Einstellungen bieten, kann das Bild mit den sieben übrigen Presets weiter getrimmt werden.
Das Betriebssystem Google TV bietet Zugriff auf alle relevanten Streamingdienste und Apps. Dazu gehören Netflix, Wow, Apple TV, Paramount+, Disney+, YouTube und die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen. Weitere Apps können aus dem Google Play Store bezogen werden. Signalübertragungen vom Smartphone und Tablet sind via Google Cast und AirPlay sowie über die Nebula Cast App möglich. 3D wird ebenfalls unterstützt (alles dazu im Kasten auf der nächsten Doppelseite).
Installation und Bedienung
Hinter einer Klappe am Fuß des Projektors befindet sich das ausziehbare, zwei Meter lange Netzkabel. Das Objektiv ist mit einer Klappe geschützt, die vor dem Einschalten von Hand heruntergeschoben werden muss. Diese ist haptisch überraschend hochwertig konzipiert.
Während der Erstinstallation sollte sich der Nutzer ein wenig Zeit nehmen, um alle Updates durchzuführen. Wir benötigten rund 90 Minuten, bis Google TV und der Nebula X1 Pro auf dem aktuellen Stand waren. Ist diese erste Inbetriebnahme abgeschlossen, fährt der Projektor innerhalb von 10 Sekunden hoch. Hierbei richtet er das Bild selbstständig auf der Leinwand aus. Bildgröße, Lage (horizontal, vertikal), Geometrie und sogar die Schärfe stellt er automatisch ein. Eine Korrektur ist nicht nötig, weil der Fokus bis zum Rand sitzt.
Das 1,66-fache Zoomobjektiv besitzt ein Projektionsverhältnis von 0,9:1 bis 1,5:1. Demzufolge wird eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Entfernung von 2,25 bis 3,75 Meter vollständig ausgeleuchtet. Zoom, Fokus und Lens-Shift können komfortabel mit der Fernbedienung eingestellt werden. Besonders gut gefällt uns das Installationsmenü, weil es nicht nur in Textform durch die einzelnen Schritte führt, sondern diese visuell mit bewegten Bildern veranschaulicht.
Ausgesprochen cool und ungewöhnlich: Auf Knopfdruck lassen sich die Frontlautsprecher wie Flügel ausfahren und sogar abnehmen. Wenn sie vor der Leinwand stehen sollen, können dafür die in der Unterseite eingelassenen Standfüße ausgeklappt werden. Die Surroundlautsprecher können ebenfalls entnommen werden, auch diese besitzen in die Unterseite eingelassene Standfüße. Da der Ton via Bluetooth übertragen wird, müssen keine Lautsprecherkabel verlegt werden. Nach der Vorführung kommen die akkubetriebenen Speaker zurück ins Gerät, da sie hier aufgeladen werden, sobald der Projektor am Stromnetz hängt.
Das On-Screen-Display ist übersichtlich strukturiert. Der Soundcore Nebula X1 Pro zeigt im Hauptmenü den Ladestand der Akkus von Lautsprechern und Mikrofonen. Tiefer im Menü gibt es sogar eine Statusanzeige vom Akkustand der Fernbedienung, damit man zeitig für Ersatzbatterien sorgen kann.
Mit dem Controller lässt sich rasant durch das Menü navigieren. Die Befehle werden prompt umgesetzt. Die Sprachsteuerung funktioniert vortrefflich, um Filme oder Serien schneller zu finden. Sind alle Einstellungen für HDR und SDR abgeschlossen, schaltet der Lichtwerfer selbstständig in den zuletzt genutzten Bildmodus. Das Herunterfahren des Projektors dauert nur einen Wimpernschlag, dann ist das Gerät im Standby oder kann vom Netz genommen werden.





Die räumliche Tiefe ist herausragend, die Farben erscheinen natürlich. Als Jake Sully mit seinen Kindern in der Hütte etwas besprechen will, werden die Netze davor vollständig reproduziert. Nichts ruckelt, als die Sternenwesen aus dem All Pandora erreichen. Die Raumschiffe erscheinen herrlich plastisch und die Tiefe des Weltraums beeindruckt. MEMC lässt sich in mehreren Stufen schalten, aber das Tool bleibt wirkungslos.

Licht und Farbe
Im Bildmodus „Konferenz“ wird die beworbene Maximalhelligkeit von 3.500 Lumen um 250 Lumen übertroffen, erwartungsgemäß ist das Bild zu grün, weil die volle Laserlichtleistung ungeachtet der Farbtreue ausgegeben wird. Wir nutzen „Film“ für SDR und „Nebula Master“ für HDR, weil diese Presets bereits in der Werkseinstellung präzise Farben erzeugen. Mit nur wenigen Anpassungen trimmen wir den Soundcore Nebula X1 Pro zur Perfektion, was Farbtemperatur, Farbraumabdeckung und den Graustufenverlauf anbelangt. 1,3 DeltaE bestätigt die gute Abbildungsqualität. Lediglich das Gamma bekommen wir nicht sinnvoll auf Linie, weil der Regelbereich des 11-Band-Equalizers zu klein ausfällt. Die schmalbandige Abweichung bei 40 IRE fällt in der Praxis aber nicht negativ auf.
Kalibriert verzeichnen wir 2.200 Lumen im SDR-Betrieb und 2.425 Lumen bei HDR-Inhalten. Die Helligkeit reicht aus, um auf einer Leinwandbreite von 4,80 Meter 16 Footlambert (SDR) zu erhalten, respektive auf 3,55 Meter Bildbreite satte 32 Footlambert (HDR).
Der statische Kontrast beträgt 1.925:1 (On/Off), 1.740:1 (In-Bild) und 355:1 (ANSI). Dynamisch lässt er sich auf bis zu 11.614:1 steigern. Auf diese Weise verbessert sich der Schwarzwert von 1,26 auf 0,21 Lumen. Die Arbeitsweise der automatischen Lamellen- Blende ist weitgehend unauffällig, nur hin und wieder sind typische Pump-Effekte und leichte Farbverschiebungen zu verzeichnen.
Der Farbraum Rec.709 wird erwartungsgemäß zu 100 Prozent abgedeckt, Rec.2020 mit beachtlichen 98 Prozent, was zu sehr natürlichen Farben führt. Besonders lobenswert ist die homogene Ausleuchtung mit 98 Prozent. Abschattungen und Verfärbungen zu den Rändern konnten wir daher nicht ausmachen.
Bildqualität
Der Soundcore Nebula X1 Pro ist mit 16 Dezibel (A) praktisch unhörbar und zählt zu den leisesten Vertretern seiner Zunft. Während er Spielfilme in 4K originalgetreu mit 24 Hz projiziert, erzeugt er bei HDTV-Inhalten das typische 3:2-Pulldownruckeln, da er die zuletzt genannten Bildsignale in 60 Hz wandelt. Dem begegnen wir mit Hilfe der Zwischenbildberechnung MEMC. Auf „Niedrig“ zeigt unser Proband eine angenehm flüssige Bewegung, ohne Seifenoper-Effekt und sonstige Bildfehler. Die Struktur auf den bunten Kleidern in „West Side Story“ wird gesteigert, wenn Maria mit ihren Freundinnen durch das Kaufhaus Gimbels tanzt.
Die Durchzeichnung von Schattenbereichen gelingt hervorragend. Ins Frankfurters Restaurant können wir buchstäblich hineinschauen. Als Maria nachts auf der Feuerleiter steht, ist jede einzelne Sprosse erkennbar. Einen Grauschleier können wir nicht ausmachen, weil ANSI- und In-Bild-Kontrast groß genug sind, um diesen zu verhindern. Trotzdem sieht das Schwarz mitunter eher dunkelgrau aus. Die Farben der hinterleuchteten Fenster sind herrlich gesättigt, dank des großen Farbraums Rec.2020. Der DLP-Regenbogen-Effekt (Farbblitzen) fällt uns nur an starken, kontrastreichen Kanten auf, Laserspeckle stört gar nicht.
Die Konzertaufnahmen in „Elvis“ (2022er-Verfilmung mit Dolby Vision) sprühen nur so vor Detailreichtum und sind messerscharf bis in die Ecken. Vom dynamischen Tone-Mapping profitieren Filme wie „West Side Story“ und „Sully“, die in HDR10 gemastert sind. Bis zu 10.000 Nits werden alle Inhalte vollständig und strahlend hell auf die Leinwand projiziert.
Tonqualität
Wie eingangs erwähnt, hat Soundcore dem Nebula X1 Pro ein 400 Watt starkes Dolby-Atmos-Soundsystem spendiert, inklusive Subwoofer. Während der Tieftöner im Gehäuse der Box seine Arbeit verrichtet, sind die übrigen vier Soundmodule herausnehmbar. Die Frontspeaker besitzen neben den Treibern für links und rechts jeweils ein separates Center-Chassis. Auf der Oberseite der vier Module gibt es zusätzliche Upfire-Treiber für entsprechend kodierte Tonsignale. Im Garten funktioniert diese Atmos-Variante mangels Zimmer decke und der damit verbundenen Reflexion natürlich nicht wirklich.
Der wuchtige Sound überrascht positiv. Stimmen tönen authentisch und sind sehr gut zu verstehen. Hochton, Mitteltöne und Grundton überzeugen. Sogar der Tiefbass gefällt, nachdem wir im Menü unter „Sound“ den „Smart EQ“ ausgeschaltet haben. Die Rundumbeschallung sorgt für einen Gänsehautmoment, als in „Top Gun: Maverick“ die Maschine während des vorgezogenen Testfluges startet und das Dach des Wachpostens abhebt.
Über eine im Beamer vorhandene App lassen sich die Lautsprecher einmessen. Sogar auf einen nichtmittigen Sweetspot kann die Optimierung erfolgen. Die kabellose Übertragung des Filmtons ist praktisch verzögerungsfrei, so dass die Lippensynchronität gewahrt bleibt. Über sieben Stunden versorgten die Akkus die Lautsprecher mit Energie, bevor wir sie wieder aufladen mussten. Ansonsten werden die Frontspeaker direkt am Projektor im Lademodus weiter betrieben.




Der Testbericht Soundcore Nebula X1 Pro (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 5.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Ein tolles Bild, starker Ton und viele Apps: Soundcore vereint im Nebula X1 Pro alles, was für den anspruchsvollen Großbildspaß im Freien erforderlich ist. Mit 5.000 Euro ist das Vergnügen allerdings nicht ganz billig.
Michael B. Rehders

