Beim K-65XR90 gerät Sony selbst ins Schwärmen: So bezeichnen die Japaner ihr aktuelles TV-Flaggschiff Bravia 9 auf der Homepage als „hellsten 4K Bravia aller Zeiten“ und attestieren ihm „unseren besten Kinosound“. Schließlich ist der Mini-LED-Fernseher laut Hersteller als weltweit erster Fernseher mit Beam-Hochtonlautsprecher ausgestattet. Beim von uns getesteten 65-Zöller für 2.800 Euro verteilen sich Tausende winziger Mini-LEDs auf 1.512 Dimming-Zonen. Beim 3.200 Euro teuren 75-Zöller sind es 1.920, beim 85-Zöller für 4.000 Euro sogar 2.808 Zonen. Sony ist beim Bravia 9 dazu in der Lage, die LEDs in Vierergruppen anzusteuern und deren Helligkeit zu regeln. Das lässt eine praktisch perfekte Ausleuchtung und eine ausgezeichnete Schwarzdarstellung erwarten.
Schon beim Anheben des Bravia 9 merkt man: Dieser 65-Zöller ist ein echter Brocken. Das Gerät wiegt satte 34,8 Kilogramm. Mit 2,5 Zentimeter fällt das reine Panel zudem nicht gerade schlank aus. Es wird von einer hochwertigen Metallblende umrandet. 4,8 Zentimeter verzeichnet der K-65XR90 insgesamt in der Tiefe, das wiederum ist nicht sonderlich viel. Beim Fußkonzept ist der Japaner noch flexibler als seine Vorgänger. Die beiden Metallfüße lassen sich gleich in vier Positionen montieren – jeweils weiter außen oder innen bei schmaleren Sideboards, zudem gibt es zwei Soundbar-Positionen, bei denen der Bildschirm nach oben befördert wird.
Die Verarbeitungsqualität ist top, Kabel werden hinten verborgen durch die Kunststoffabdeckung ins Freie geführt. Mindestens zwei Helfer braucht es, um den schweren Flachmann mit VESA-Norm 300 x 300 Millimeter an der Wand zu befestigen.




Ausstattung und Praxis
Wie viele Spitzenmodelle von anderen Herstellern ist auch der XR-Prozessor im Bravia 9 dazu in der Lage, mit einem Szenenerkennungssystem Daten mit hoher Geschwindigkeit zu erfassen, zu analysieren und für den jeweiligen Inhalt zu optimieren. Das „XR Backlight Master Drive“ zur Steuerung der Hintergrundbeleuchtung steuert mit einem speziellen Dimm-Algorithmus Tausende LEDs an, um unter anderem Schattendetails in dunklen Szenen möglichst optimal zur Geltung zu bringen. Die Japaner versprechen bis zu 325 Prozent mehr Dimming-Zonen als beim Vorgänger X95L. „XR Clear Image“ versucht, nahezu jeden Inhalt auf Basis einer hauseigenen Datenbank auf 4K zu skalieren. Rauschen und Unschärfen sollen durch Zonenunterteilung und dynamische Bildanalyse reduziert werden. Für flüssige Actionszenen analysiert „XR Motion Clarity“ Bewegungen über mehrere Einzelbilder hinweg und synchronisiert die Hintergrundbeleuchtung mit der Bewegung auf dem TV-Panel.
Von den vier HDMI-Ports beherrschen nur zwei mit 4K-Wiedergabe bei 120 Hertz, Variable Refresh Rate (VRR) und Auto Low Latency Mode (ALLM) alle 2.1-Spezifikationen. Die Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 sind doppelt verbaut, somit ist man bei TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte flexibel. Besitzer einer Playstation 5 freuen sich über Tone Mapping mit HDR-Automatik, dadurch werden die HDR-Einstellungen direkt bei der Einrichtung der Spielkonsole in Eigenregie optimiert. Außerdem wird automatisch der beste Bildmodus ausgewählt.
Der K-65XR90 arbeitet mit Android 12 und nutzt Google TV als Benutzeroberfläche. Das Arbeitstempo ist hoch, Apps starten schnell, Menüwechsel gelingen ohne spürbare Verzögerung. Google TV ist übersichtlich gestaltet und erlaubt einzelnen Familienmitgliedern das Anlegen persönlicher Benutzerprofile – so kommt jeder in den Genuss individueller Programmvorschläge. Das App-Angebot fällt üppig aus, speziell für Streamer. Diese freuen sich unter anderem über Netflix, Disney+, Amazon Prime Video, Crunchyroll, YouTube, Sony Pictures Core (jeweils eigene Taste auf der Fernbedienung vorhanden), außerdem über Joyn, Apple TV+, Paramount+, Google Play Movies & TV sowie RTL+. HD+ ist ebenfalls an Bord.
Sony legt dem Bravia 9 zwei Fernbedienungen bei (Bilder Seite 38). Einen Steuerstab mit klassischen Ziffernfeldern und recht schwammigen Tasten, einen im optisch moderneren Gewand ohne Zifferntasten, dafür mit Beleuchtung und mit internem Akku, der über USB-C geladen wird. Diese Fernbedienung besteht zu 80 Prozent aus recyceltem Kunststoff, die kleinen blauen Punkte auf der schwarzen Oberfläche sehen pfiffig und frisch aus.



Über ein im Fernseher verbautes und bei Bedarf deaktivierbares Mikrofon erreicht man per Stimme den Google Assistant und kann den Flat-TV steuern. Alexa-fähige Geräte lassen sich ebenfalls für die freihändige Sprachsteuerung verbinden. Darüber hinaus ist der 65-Zöller über die Apple Home-App und Siri von einem Apple-Gerät aus steuerbar. Hinzu kommen Apple AirPlay 2 und Google Chromecast.
Neu auf dem Sony ist die Anwendung Apple Fitness+. Via AirPlay sieht man Daten wie Timer und Trainingsanleitungen auf dem Bildschirm. Besitzer einer Apple Watch können zudem persönliche Werte wie Herzfrequenz und verbrannte Kalorien anzeigen. Die Option „Wohndeko“ erlaubt es, das Display in ein Kunstwerk, einen Fotorahmen oder eine Uhr zu verwandeln.
Bild- und Tonqualität
Sony übertreibt nicht mit seinen eingangs erwähnten Superlativen: Das weiße Testbild im „Brillant“-Modus ist so hell, dass es uns blendet. Hier messen wir rekordverdächtige 3.385 Candela. „Im Kino“-Modus sind es 3.180, im farblich am besten abgestimmten „Professionell“-Setting 3.110 Candela. Bei einem Weißanteil von 50 Prozent sind es immer noch überragende 1.335 Candela und 785 Candela bei vollflächigem Weiß. Der gute ANSI-Kontrast von 3.500:1 ist kein Zufall: Denn auch die Schwarzdarstellung des 65-Zöllers ist famos und auf OLED-Level. Egal, ob bei frontaler Draufsicht oder von der Seite gesehen: Schwarz ist dunkel wie Teer, weiße Objekte erzeugen bestenfalls ein marginales Blooming. Aber qualitativ ist das ganz großes Kino, die Filmbalken sehen im „Professionell“-Modus aus wie aus dem Bilderbuch. In diesem Setting erzeugt der Sony auch super präzise Farben, die aus seitlicher Betrachtung kaum ausbleichen und nur wenig von Kontrast und Dynamik einbüßen. Die Blickwinkelstabilität und die Entspiegelung des Displays können sich sehen lassen, dies gilt ebenfalls für die Bewegungsdarstellung. Farblich erweist sich der Sony als Kraftprotz: Selbst im „Kino“-Modus ist der Flachmann von Understatement weit entfernt. Die HD-Doku „Deutschland von oben“ brennt er voller Dynamik in sein Panel inklusive enormer Schärfe und hoher Plastizität. Auch wenn das Wohnzimmer sonnendurchflutet ist, muss man nicht zum „Brillant“-Setting greifen. Für HDR-Darstellungen unterstützt der Apparat die Formate HLG, HDR10 und Dolby Vision. Kontrastreichere und lebendigere Bewegtbilder liefert derzeit kein Fernseher.
Das 70 Watt starke Soundsystem mit Dolby Atmos besteht aus zwei Hochton-, zwei Mittelton-, zwei Beam-Hochtonlautsprechern und zwei Subwoofern. Die in der Rückwand schräg nach oben gerichteten Lautsprecher erzeugen durch die an der Decke reflektierten Schallwellen einen angenehm räumlichen Klang. Die „Autom. Akustikkalibrierung“ passt diesen optimal an die räumlichen Gegebenheiten an. Die Messung dauert etwa 20 Sekunden. Die stimmliche Präsenz des Bravia 9 ist vorbildlich. Seine Klangfülle überzeugt, auch bei höheren Pegeln intoniert der 65-Zöller souverän.





Der Testbericht Sony K-65XR90 (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 2.800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Sonys Bravia 9 zeigt dank bester Mini-LED-Technik der OLED-Konkurrenz die Grenzen auf: Der 65-Zöller stellt brutal sattes Schwarz dar und ist bezüglich seiner Helligkeit und Leuchtkraft unsere neue Referenz. Zudem ist er hervorragend entspiegelt und spielt auch klanglich oben mit.
Jochen Wieloch

