OLED- oder Mini-LED-Technik? Diese Frage entfacht Sony mit seinem Bravia 5 aufs Neue und schafft sich ernsthafte Konkurrenz im eigenen Haus. Der Bravia 8 II erzielte in der letzten Ausgabe überragende 94 Punkte, allerdings ist der OLED deutlich teurer als der mit Mini-LED-Technik ausgestattete Bravia 5, für den die Japaner 1.400 Euro in der von uns getesteten 55-Zoll-Version aufrufen. Optional ist der Flachmann in 65, 75, 85 und 98 Zoll zu Preisen zwischen 1.550 und 5.400 Euro zu haben. Doch ist der Bravia 8 II so viel besser, um eine fast vierstellige Preisdifferenz zu rechtfertigen?
Es geht schon mal gut los für den Bravia 5: Die beiden Metallfüße lassen sich zentral ohne Werkzeug montieren und einfach von unten in das Gehäuse klicken. Das Display kann dabei knapp über den Füßen schweben oder weiter oben in der Soundbar-Position verharren, damit sich ein Klangriegel unter dem Flachmann platzieren lässt. Tisch oder Sideboard müssen nur 42 Zentimeter breit sein. Von vorne betrachtet, ist der Sony nahezu rahmenlos, inklusive Anschlüssen kommt er auf 5,7 Zentimeter. Für die Montage an der Wand unterstützt der Japaner die VESA-Norm 300 x 300 Millimeter. Tausende Mini-LEDs verteilt Sony beim K-55XR5 auf rund 400 Dimming-Zonen. Das sind erheblich mehr als beim Vorgänger X90L – Sony zufolge hat sich die Zonen-Zahl in diesem Jahr etwa um das Sechsfache erhöht.


Während die meisten Plattformen ihre Streifen über das Internet mit einer Datenrate von 15 bis 25 Mbit/s zur Verfügung stellen, erlaubt Sony Pictures Core mit dem so genannten „Pure Stream“-Verfahren Datenraten von bis zu 80 Mbit/s, was der Qualität einer UHD-Blu-ray entspricht und sie im Einzelfall sogar übertreffen kann – eine entsprechende DSL-Verbindung vorausgesetzt. Zum Portfolio gehören auch IMAX-Enhanced-Titel. Das Zertifizierungsprogramm von IMAX und DTS umfasst ein erweitertes Bildformat von bis zu 1,90:1, um mehr vom Originalbild zu sehen sowie die DTS:X-basierte Surround-Sound-Technologie. Neben DTS:X findet man unter Sony Pictures Core auch Dolby-Atmos-Titel. Mit einem Sony-Konto stehen die „eigenen“ Filme nicht nur auf passenden Bravia-TVs, sondern auch auf den hauseigenen Spielekonsolen Playstation 4 und Playstation 5 bereit.

Ausstattung und Praxis
Der 55-Zöller arbeitet mit XR-Prozessor und XR-Backlight Master Drive. Das Mini-LED-Hintergrundbeleuchtungssystem verfügt über blaue und grüne LEDs, wodurch das Farbspektrum erweitert und die Genauigkeit der Reproduktion verbessert werden sollen. Künstliche Intelligenz in Form von „XR Clear Image“ versucht, jeden Inhalt auf „nahezu 4K“ hochzuskalieren. „XR Motion Clarity“ wiederum analysiert Bewegungen über mehrere Einzelbilder hinweg und synchronisiert die Hintergrundbeleuchtung mit Geschehnissen auf dem Bildschirm. Ein KI-Szenenerkennungssystem soll einzelne Sequenzen mit größerer Genauigkeit erkennen und das Bild für maximale Realität optimieren.
Für den Ton hat Sony seinen Fernseher mit zwei Breitband-Bassreflex und zwei Hochtonlautsprechern ausgestattet. Die „Acoustic Auto Calibration“ passt den Sound selbstständig an den Raum und die Position des Betrachters an. Durch die spezielle Membranform der so genannten X-Balanced-Speaker sollen Verzerrungen vermieden werden. „Voice 3“ will menschliche Dialoge durch maschinelles Lernen erkennen und klarer abbilden. Aus 2-Kanal- und 5.1-Kanal-Klang erzeugt der Sony zudem virtuellen 5.1.2-Kanal-Sound. Unterstützt werden Dolby Atmos und DTS:X, bei den HDR-Formaten im bildlichen Bereich stehen HLG, HDR10 und Dolby Vision in der Ausstattungstabelle.
Wer gerne normales Fernsehen sieht und Sendungen auf USB-Festplatte flexibel und ohne Einschränkungen bezüglich der Senderwahl aufzeichnet, darf sich über Twin-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 freuen. Von den vier HDMI-Ports beherrschen zwei die 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz, Variable Refresh Rate (VRR) sowie Auto Low Latency Mode (ALLM) – und erfüllen damit den 2.1-Standard. Gamer profitieren beim Anschluss der Playstation 5 vom automatischen Genre-Bildmodus sowie von Tone Mapping mit HDR-Automatik. Im Zusammenspiel mit YouTube steht ein Gaming-Multi-View-Modus bereit – so kann man sich während des Spielens separat ein Erklärvideo anschauen, um in den Genuss zusätzlicher Tipps und Hilfestellungen zu kommen.
Der K-55XR5 läuft auf der Basis von Android 12 ausgesprochen flott, Apps starten ruckzuck, auch durch die Menüs navigiert man zügig. Als Oberfläche vertraut der Fernseher auf Google TV. Das App-Angebot fällt hier traditionell üppig aus. An Bord findet man unter anderem Disney+, Joyn, Netflix, Amazon Prime Video, HD+, Sony Pictures Core (siehe Kasten), Paramount+ und Zattoo.
Durch das Anlegen individueller Benutzerkonten unter Google TV profitieren unterschiedliche Familienmitglieder von persönlichen Programmvorschlägen. Ausgeliefert wird der Sony mit zwei Fernbedienungen – einer einfachen mit Zifferntasten und einer modernen mit Direktwahltasten für Apps (Bilder Seite 44). Die Steuerung gelingt ebenfalls per Google Assistant, ein Mikrofon ist im Gerät verbaut. So kann man per Sprachbefehl im smarten Zuhause die Zimmertemperatur anpassen und das Licht einschalten. Bei Bedarf lässt sich die Bravia Cam anschließen und den Apparat per Gesten steuern. Außerdem warnt der Fernseher seine Nutzer per Bravia Cam, falls man zu dicht vor dem Bildschirm sitzt.




Bild- und Tonqualität
In einem Punkt unterscheidet sich der Bravia 5 deutlich vom Bravia 8 II: Während der von uns getestete K-65XR8M2 in allen relevanten Bildmodi auf rund 1.600 Candela kommt, ist beim K-55XR5 sowohl stets bei knapp 1.000 Candela Schluss. Im farblich besten „Kino“-Setting schafft der Flachmann 907 Candela, 750 Candela bei einem 50-prozentigen Weißanteil, 605 Candela sind es, wenn der gesamte Bildschirm in Weiß erstrahlt. Der ANSI-Kontrast liegt bei 2.900:1.
Im Test merken wir schnell, dass wir zumindest im dunklen Heimkino keine größere Maximalhelligkeit benötigen: Eine UHD-Dokumentation über die Schweiz brennt der Sony mit extrem leuchtenden Farben, knackiger Schärfe und vorzüglicher Plastizität in den Bildschirm. Die roten Waggons des Glacier Express heben sich kontrastreich von der grünen Landschaft ab, Seen schimmern in den vielfältigsten Blau- und Grüntönen – und Bergketten am Horizont zeigen detailreich feinste Maserungen im Felsen. Für maximal authentische Erlebnisse sollte man die Settings „Kino“, „Professionell“ und „IMAX Enhanced“ ausprobieren, „Standard“ macht das Bild lebendiger und klarer, während „Brillant“ farblich zu viel will und in hellen Sequenzen teilweise überstrahlt.
Kamerafahrten stellt der 55-Zöller wunderbar geschmeidig und ruhig dar. Über die Parameter „Glätte (Film)“, „Glätte (Kamera)“ und „Klarheit“ in der „Motionflow“-Zwischenbildberechnung entscheidet man sich für einen dezent ruckeligen Filmlook oder maximal flüssige Darstellungen. Bei der seitlichen Blickwinkelstabilität schneidet der Sony Erwartungsgemäß etwas schlechter ab als ein OLED, aber der Rückstand ist denkbar gering: Farben bleichen erst sehr spät aus, der Kontrast bleibt auch von der Seite gesehen aus hoch.
Spannend ist die Frage bezüglich der Schwarzdarstellung: Reichen die rund 400 Dimming-Zonen für ein überzeugendes Ergebnis aus? Ja, tun sie. Die Performance des 55-Zöllers ist in dieser Disziplin richtig gut, der Bravia 8 II hat allerdings auch hier die Nase vorn. Im „Kino“-Modus reduzieren wir den „Schwarzwert“ auf 45, deaktivieren die „Spitzenluminanz (SDR)“ und stellen die „Automatische lokale Dimmung (SDR)“ auf „Hoch“. Bei zentraler Draufsicht erzeugt der Flachmann ein sehr dunkles Schwarz ohne Aufhellungen um weiße Objekte. Guckt man gleichzeitig von der Seite und von oben auf den Bildschirm, wird der Halo-Effekt hingegen sichtbar, größere Schwarzflächen färben sich dezent grau. Dieses Phänomen fällt jedoch nur im vollständig abgedunkelten Raum auf, bereits bei etwas Restlicht ist die Qualität des dargestellten Schwarz hervorragend.
Das 40 Watt starke Soundsystem mit Dolby-Atmos-Unterstützung überzeugt mit klarer Stimmwiedergabe und ansprechender Räumlichkeit. Die tonale Klarheit könnte bei Musik allerdings etwas ausgeprägter sein, das Bassvolumen ist überschaubar. In Heimkino-Systemen lässt sich der K-55XR5 als Center-Lautsprecher einbinden.


Der Testbericht Sony K-55XR5 (Gesamtwertung: 85, Preis/UVP: 1.400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Für die meisten TV-Haushalte reicht der preiswerte K-55XR5 von Sony vollkommen aus: Solides Schwarz, eine gute Helligkeit und satte Farben – so ist der 55-Zöller eine günstige Alternative zum Bravia 8 II, der als OLED qualitativ die Nase vorne hat.
Jochen Wieloch

