Der Sharp 55GM6245 ist der erste Fernseher in unserem Testlabor mit dem Betriebssystem TiVo OS. Ob der 55-Zöller auch mit anderen Features überzeugt, zeigt unser Check.
Mit dem 800 Euro teuren 55GM6245 betritt nicht nur Sharp Neuland, auch in unserem Testlabor ist der 55-Zöller der erste Flachbildfernseher überhaupt, der mit dem Betriebssystem TiVo OS ausgestattet ist. In Zeiten, in denen Android, Google TV und Fire TV sich immer mehr Marktanteile sichern, ist das ein echtes Novum – dafür gibt es schon mal unsere „Innovations“-Auszeichnung.
Die Japaner verkaufen den Flachmann zusätzlich in den Größen 43 und 50 Zoll für 500 bzw. 700 Euro. Das Panel arbeitet lediglich mit 60 Hertz, verfügt aber immerhin über ein Direct-LED-Backlight. Der Rahmen aus Kunststoff fällt von vorne gesehen recht schlank aus, in der Tiefe kommt der Apparat inklusive Anschlüssen auf 9,1 Zentimeter, was nicht gerade wenig ist, in diesem Preis-Segment jedoch keine Rolle spielen dürfte. Mit 11 Kilogramm ist der Sharp zudem ein Leichtgewicht.
Die beiden Metallfüße haben einen Abstand von 100,4 Zentimeter, sonderlich schmal sollte das Sideboard im Wohnzimmer folglich nicht ausfallen. Zu unserer Überraschung stammt das Zwei-Wege-Audiosystem mit Tief-Mitteltönern und separaten Hochtönern aus dem renommierten Hause Harman Kardon. Für die Wandmontage wird die VESA-Norm 400 x 300 Millimeter unterstützt.
Ausstattung und Praxis
Bei einem 55-Zöller für eine unverbindliche Preisempfehlung von 500 Euro muss man zwangsläufig mit Ausstattungslücken leben. So beherrschen die drei HDMI-Ports zwar die 2.1-Features Auto Low Latency Mode (ALLM) und Variable Refresh Rate (VRR), bei der 4K-Wiedergabe ist Panel-bedingt allerdings bei 60 Hertz Schluss. Erwartbar sind die Single-Tuner für Kabel, Satellit und das digitale Antennenfernsehen DVB-T2 – da der 55GM6245 aber ohnehin keine USB-Aufnahmen unterstützt, vermisst man eine Twin-Lösung nicht wirklich.
Funktional: Die handliche Fernbedienung überzeugt durch eine übersichtliche Anordnung ihrer Tasten. Vier Streaming-Portale erreicht man über Direktwahltasten. Freunde linearer TV-Unterhaltung freuen sich über das klassische Ziffernfeld.

„Universal Discovery“ erlaubt eine schnelle Inhaltssuche über alle Quellen inklusive Live-TV hinweg. Das System reagiert flott, die Menüs sind klar aufgebaut und lassen keine Fragen offen. Die Einrichtung ist ebenso fix abgeschlossen, der Sharp muss lediglich per Kabel oder WLAN ins Internet eingebunden werden.

Für kontrastreichere Darstellungen sind HLG, HDR10 und Dolby Vision an Bord. Auch hinter Dolby Atmos findet man ein Häkchen in der Ausstattungstabelle. Wer gerne streamt, kommt mit dem 55-Zöller ganz gut auf seine Kosten. Zu den Apps zählen unter anderem Netfl ix, Disney+, Amazon Prime Video, RTL, Rakuten TV, DAZN, Pluto und YouTube, Apple TV+ und HD+ fehlen hingegen. Mit gerade mal knapp 40 Apps insgesamt kann der Sharp jedoch mit den meisten Mitbewerbern nicht mithalten, Spiele, Musik und Nachrichten sind deutlich unterrepräsentiert (siehe auch App-Vergleich auf Seite 44).
Die Fernbedienung ist funktional und liegt gut in der Hand. Die Japaner spendieren ihrem Signalgeber noch ein klassisches Ziffernfeld für alle, die lineare TV-Programme bevorzugen, und vier Direktwahltasten für Streamingdienste.
Bild- & Tonqualität
Als 500-Euro-Fernseher ist die Maximalhelligkeit des 55GM6245 verständlicherweise überschaubar. Lediglich 275 Candela sind im kraftvollsten „Dynamisch“-Modus drin, der farblich jedoch von der Norm abweicht. Die besten Ergebnisse erzielt man im „Film“-Setting, jetzt ist in Spitzlichtern bei mageren 250 Candela Schluss; dafür bleibt die Helligkeit bei zunehmendem Weißanteil konstant. Der ANSI-Kontrast fällt mit 520:1 nicht gerade berauschend aus.



Für anspruchsvolle Home-Cineasten ist der Flachmann nicht das richtige Gerät. Die Schwarzdarstellung ist mäßig, bei frontaler Draufsicht zeigt der Apparat nur ein dunkles Grau, bei seitlicher Betrachtung hellt dieses auf und wird teilweise leicht bläulich, die Homogenität der Ausleuchtung ist von der Perfektion eines OLEDs weit entfernt, das Panel ist jetzt leicht fleckig.
Farben stellt der Japaner speziell im „Film“-Modus realistisch dar, für ein plastischeres und lebendigeres Bild sollte man in den „Natürlich“-Modus wechseln. Um ein bisschen HDR-Gefühl zu erleben, führt am „Dynamisch“-Setting kein Weg vorbei. Bewegungen zeigt der Flachmann nicht immer perfekt geschmeidig, mit kleineren Rucklern muss man gelegentlich leben. Für möglichst satte Farben sitzt man am besten mittig vor dem Bildschirm, bei äußeren Positionen bleichen die Farben sichtbar aus. Die Skaliereigenschaften sind ordentlich, HD-Material landet weitgehend rauschfrei und schön scharf auf dem Panel.
Das Soundsystem mit Dolby-Atmos-Unterstützung leistet 2 x 12 Watt. Der kleine Sharp ist kein brutaler Krachmacher, seine Sprachverständlichkeit ist aber gut, und auch die Räumlichkeit weiß für einen preiswerten Flat-TV wie den 55GM6245 durchaus zu gefallen. Insgesamt wäre mehr Dynamik wünschenswert, für hohe Pegel ist der 55-Zöller nicht konzipiert. Dann klingt er schnell unsauber und leicht plärrig.



Der Testbericht Sharp 55GM6245 (Gesamtwertung: 63, Preis/UVP: 800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Als preiswerter 55-Zöller liefert der 55GM6245 das, was man erwarten kann: ein ausgewogenes Bild, guten Bedienkomfort und einen soliden Ton. Bei der Schwarzdarstellung sowie der Maximalhelligkeit darf man jedoch keine zu hohen Ansprüche stellen.
Jochen Wieloch

