Praktisch jedes Jahr schickt Samsung neue Soundbars ins Rennen, die um die Gunst der Käufer buhlen. Mit der 600 Euro teuren HW-Q600A ist ein Modell am Start, das bei Samsung aktuell den Einstieg in die hochwertige „Q“-Baureihe bildet. Hierfür hat der Klangriegel viele Features größerer Vorjahresmodelle geerbt, etwa von der HW-Q800T (Test in Ausgabe 9-2020), die mit 800 Euro deutlich teurer war. Grundlegend neue Funktionen bleiben aber den höher angesiedelten Schwestern wie der HW-Q800A (Test in Ausgabe 6-2021) vorbehalten, hier sind die Kalibrierfunktion „Space Fit“, der Sprachverbesserer „Active Voice Amplifier“ oder die AirPlay-Integration zu nennen.
Außen und innen

Die HW-Q600A schnappt sich hingegen Bewährtes und schnürt es zu einem preislich attraktiven Paket zusammen. Größtes Verkaufsargument dürfte der 3D-Sound mit Dolby Atmos und DTS:X sein, den der Klangriegel mit 3.1.2-Kanälen umsetzt – also mit Front-L/R, Center, Subwoofer und zwei Upfiring-Speakern für die Höhen-Effekte. Selbige werden mit Samsungs etablierter „Acoustic Beam“-Technik zu Gehör gebracht. Hierbei treten die Schallwellen der Höhen-Treiber durch Öffnungen von Schallkanälen aus und werden so aufgefächert zur Decke verteilt – dem Prinzip nach wie bei einer Flöte. Insgesamt sorgen 8 Lautsprecher in der Bar für den Sound, die Verstärker liefern zusammen 200 Watt. Dedizierte Surround-Kanäle gibt es nicht, sie lassen sich aber in Form separater Boxen mit dem Rear-Kit SWA-9100S nachrüsten. Ein externer Subwoofer gehört hingegen zum Lieferumfang, der sich drahtlos mit dem Klangbalken verbindet.
Äußerlich wirkt die Q600A mit Maßen von 5,8 x 98 x 10,5 Zentimetern elegant und lässt sich daher dezent ins Wohnzimmer integrieren bzw. vor dem TV platzieren; aufgrund der geringen Höhe sollte der Riegel auch vor die meisten Fernseher passen, ohne ins Bild zu ragen. Für die Wandmontage liegt alles im Karton. Auch bei der Verarbeitung hat Samsung nicht gekleckert, die Schutzgitter an der Front und Oberseite bestehen aus Metall, der Rest des Korpus aus Kunststoff.
Die Samsung-Fernbedienung ist eine gute Bekannte. Der Geber liegt angenehm in der Hand und besitzt separate Volume-Tasten für Soundbar und Subwoofer.

Im Test stellte sich zwischen unseren beiden Kandidaten ein kleiner Zeitversatz zwischen TV-Ton und Soundbar-Ton heraus, der im Hörbeispiel „Audiosphere“ (Atmos Demo-Disc) anhand der akzentuierten Synthesizer auffiel und sich auch durch das Lip-Sync der Bar nicht eliminieren ließ.
Konnektivität und Bedienung
Alle Anschlüsse befinden sich in Aussparungen auf der Unterseite der Bar, die für dicke bzw. steife Kabel jedoch zu klein ausfallen dürften. Ein flexibles und damit geeignetes HDMI-Kabel liegt jedoch bei. Vorhanden sind ein HDMI-Eingang sowie ein HDMI-Ausgang inklusive eARC für HD- und 3D-Ton. Das HDMI-Board schleift 4K/60p-Signale durch und beherrscht HDR10 sowie HDR10+. Neben HDMI kann man Ton auch via Toslink-Kabel zuspielen.
Ein Bildschirmmenü ist nicht vorhanden, Meldung gibt die Bar über ein Display mit mittelgroßen Lettern, die halbwegs lesbar durch das Frontgitter leuchten. Die Basisbedienung (Power, Quelle, Lautstärke) erfolgt via Tasten am Gerät, den vollen Funktionsumfang bietet die Fernbedienung. Amazon Alexa oder Google Assistant sind nicht an Bord. In Sachen Musik-Streaming setzt die Samsung-Bar auf Bluetooth und den USB-Mediaplayer.
Decoder und Klangfunktionen
Zu den Features der Mittelklasse gehören die Decoder für Dolby Atmos und DTS:X, die entsprechende Tonspuren nativ verarbeiten und den Chassis der Soundbar zuschanzen. Im Falle der Q600A werden die Surround-Signale von den anderen Treibern übernommen, es gehen also keine Toninformationen verloren.
Raumklangprogramme gehören zum Standard jeder Soundbar. Der Samsung-Riegel hat die DSP-Schaltungen „Surround“, „Game Pro“ und „Adaptive Sound“ in petto, die sich tonal und räumlich deutlich voneinander unterscheiden. „Adaptive Sound“ analysiert laut Samsung den TV-Inhalt in Echzeit und passt den Klang entsprechend an; auch die Verbesserung der Sprachverständlichkeit bei leisem Hören gehört zur Schaltung. Der „Game Pro“-Modus soll hingegen den Klang für Videospiele optimieren und laut Handbuch einen „stereoskopischen“ Sound liefern, der den Gamer in die Handlung eintauchen lässt. „Standard“ gibt den Ton im Original wieder. Im Grundmenü findet man zudem die „Virtual“-Schaltung für mehr Surround-Klang.

Werkzeuge zur Klangmanipulation besitzt die Q600A ebenso. Bass und Höhen lassen sich justieren, ja sogar ein 7-Band-Equalizer ist an Bord. Die Lautstärkepegel für die Kanäle Center, Höhen und Subwoofer kann man separat anpassen, mit verbundenen Surround-Boxen auch deren Pegel. Die Lip-Sync-Funktion verzögert Ton um bis zu 300 Millisekunden. Für Dolby-Signale gibt es ferner eine Dynamikkompression (DRC). Ebenfalls an Bord ist die Funktion „Q-Symphony“ zur Kopplung der Soundbar mit einem kompatiblen Samsung-Fernseher. Wie das funktioniert, lesen Sie im Kasten auf der linken Seite.
Tonqualität
Der kleine Subwoofer musste sich im Hörtest nicht verstecken. Er sparte zwar tiefste Töne aus, schob aber den mächtigen „Powerful Bass“ im Atmos-Clip „Amaze“ überzeugend druckvoll in den Hörraum, was für einen realistischen Sound unabdingbar ist. Erst bei XXL-Pegeln kam der Krawallwürfel an seine Grenzen und verursachte hörbare Verzerrungen; praktischerweise besitzt die Fernbedienung eine Direkttaste zur Pegeljustage des Woofers.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Unterseite in zwei separaten Aussparungen: Zu einem HDMI-Eingang und einem HDMI-Ausgang mit eARC gesellt sich eine Toslink-Buchse sowie ein USB-Port.
Auf der Front spannte die Q600A ein luftiges und großes Klangfeld auf, das deutlich über die Maße der Bar hinauswuchs und in dem sich Effekte gut ortbar verteilten. Als 3.1.2-Soundbar verzichtet der Klangriegel auf separate Rear-Kanäle. Da überrascht es wenig, dass seitlich bzw. hinter dem Sitzplatz wenig los war. Effekte tönten entweder von vorn, oder im Raum zwischen dem Hörplatz und der Soundbar – immerhin mit einer ordentlichen Präzision. Höhen-Effekte bei Atmos-Ton schallten leider nicht von oben, sondern vorne etwas über der Soundbar positioniert. Die Sprachverständlichkeit war bei frontaler Sitzposition gut und ließ selbst aus stark seitlichen Hörwinkeln nur leicht nach. „Adaptive Sound“ und „Game Pro“ hoben Stimmen zudem hervor.
Stereo-Musik klingt auf der Q600A recht ordentlich, allerdings werden audiophile Naturen musikalischen Schmelz vermissen. Die Nutzung der Klangprogramme ist hier Geschmacksache und eigentlich immer ein Kompromiss zwischen Räumlichkeit, Stimmwiedergabe sowie der Natürlichkeit des Klangs.
Der Testbericht Samsung HW-Q600A (Gesamtwertung: 71, Preis/UVP: 600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2021 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Samsungs HW-Q600A ist eine günstige Soundbar mit gutem Klang, elegantem Design und 4K-Video. Bei den Vernetzungsoptionen bleiben aber Lücken und für mehr Surround-Sound empfiehlt sich Samsungs Rear-Boxen-Set „SWA-9100S“.
Andreas Oswald

