Samsung schickt seinen neuen S90H mit mattem OLED-Display ins Rennen. Fußballfans können sich über innovative Features freuen. Dank der Antireflexionsbeschichtung steht dem Public Viewing bei der WM im Freien nichts im Weg.
Kein TV-Hersteller hat Fernsehern mit matten Displays bislang so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie Samsung, auch wenn die Konkurrenz diesbezüglich aufholt. Der neue OLED GQ65S90H, der sich hinter den OLED-Serien S99H und S95H einreiht, ist ebenfalls mit der so genannten „Glare Free“-Technologie ausgestattet – einer Antireflexbeschichtung, die einfallendes Licht effizient eliminiert und den 65-Zöller damit zum optimalen Gerät in hellen Umgebungen macht.
Erhältlich ist der S90H in den Bildschirmgrößen 42, 48, 55, 65, 77 und 83 Zoll. Los geht es bei 1.700 Euro, das Ende der Fahnenstange ist bei 7.200 Euro erreicht. Für den von uns getesteten 65-Zöller verlangt Samsung 3.200 Euro.
Das matte OLED-Panel mit Quantum Dots ist gerade mal 4 Millimeter dünn, der gesamte Flachmann kommt inklusive Anschlüssen in der Tiefe auf knapp 4 Zentimeter. Die beiden Kunststofffüße lassen sich ohne Schraubendreher befestigen, eine Plastikplatte mit Alu-Beschichtung dient als optisch ansprechende Verkleidung. Der OLED erweckt den Eindruck, als würde sein Panel schweben. Mit jeder handelsüblichen Halterung, die die VESA-Norm 300 x 200 Millimeter unterstützt, kann man den 65-Zöller an der Wand befestigen.
Ein Klassiker: Die kompakte Samsung-Fernbedienung kommt mit wenigen Tasten aus. Vier Streaming-Plattformen erreicht man direkt. Der interne Akku wird per Sonnen- oder Kunstlicht geladen, alternativ über den USB-C-Port. Ein klassisches Ziffernfeld fehlt.

Konkret bedeutet dies: Der Zuschauer selbst entscheidet, ob er Kommentator und Stadionkulisse in ausgewogenem Verhältnis hören möchte, den Kommentator nur leise oder vielleicht gar nicht wahrnehmen will und stattdessen lieber die jubelnden und singenden Fans in den Vordergrund stellt. Über zwei Schieberegler gelingt dies individuell.
Aber Achtung, ob die Funktion zur Verfügung steht, entscheidet die jeweilige Quelle. Bei einem Bundesligaspiel, von dem wir nachträglich die ZDF-Höhepunkte über YouTube abrufen, ist die „AI-Fußball-Tonsteuerung“ nicht aktivierbar. Über die „Sportschau“ per Live-Fernsehen bzw. per Mediathek funktioniert dies hingegen. Mit dem Ergebnis sind wir noch nicht hundertprozentig zufrieden. Bei Toren etwa macht sich der Kommentator beim Torschrei oder in hektischen Situationen durch ganz kurze Wortfetzen bemerkbar, obwohl er komplett stummgeschaltet ist. Ferner stellt Samsung den „AI-Fußballmodus Pro“ bereit. Steht dieses Feature auf „Automatisch“, will der OLED selbstständig die vermeintlich optimalen Einstellungen bei Bild und Ton festlegen. Das Ergebnis ist allerdings wenig realistisch. Der Rasen sieht aus wie giftgrüner Schleim, die Trikots der Spieler strahlen zu satt.

Ausstattung und Praxis
An Bord des GQ65S90H werkelt der Neural Quantum 4K AI Gen3 Prozessor. Dieser nutzt 128 neuronale Netzwerke für die Bildverbesserung. Objekte, Kontrast, Bewegung und Details werden in Echtzeit analysiert. Ziel ist eine dynamische Optimierung pro Szene statt einer statischen Bildverarbeitung. Klassische TV-Zuschauer dürften Twin-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 vermissen. So lässt sich Programm A anschauen, aber nicht parallel Programm B auf eine externe USB-Festplatte aufzeichnen. Zum Anschluss von Blu-ray-Playern, Konsolen und Co. verfügt der Flachmann über vier HDMI-Ports. Diese unterstützen alle die 4K-Wiedergabe mit bis zu 165 Hertz, Variable Refresh Rate (VRR) und den Auto Low Latency Mode (ALLM). Spieler mit entsprechend kompatiblen Grafikkarten profitieren von FreeSync Premium Pro. Geblieben ist der Gaming Hub, der unter anderem Cloud-Gaming-Dienste von Nvidia GeForce Now, Utomic und Xbox Cloud Gaming bündelt. Über die Game Bar kann man Bildschirmverhältnisse ändern (etwa 21:9 und 32:9), virtuelle Zielpunkte setzen und Settings optimieren. Der „AI Gaming Optimizer“ erkennt Spielgenres automatisch und versucht, die Einstellungen per Echtzeit-Bildanalyse automatisch anzupassen.
Die Bedienoberfläche One UI Tizen des Betriebssystems Tizen OS blieb gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Die Startseite ist garniert mit Apps und personalisierten Programm- und Streamingvorschlägen. Mit Samsung TV Plus, Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Wow, Joyn, Rakuten TV, HD+ und einigem mehr ist die Auswahl vielfältig. Über die AI-Taste der Fernbedienung startet man die KI-Plattform Samsung Vision AI. Hier findet man unter anderem Microsofts Copilot und Perplexity, um Fragen zu stellen und sein Wissen zu erweitern. „Live Translate“ erlaubt das Übersetzen von Inhalten in Echtzeit, während der „AI-Modus“ hilft, Bild und Ton zu optimieren. Der Samsung analysiert dazu den aktuellen Inhalt und die Umgebung und passt das Bild in Eigenregie an. Das Feature „Now Brief“ gestattet es, den Bildschirm mit Hintergründen und Widgets zu individualisieren. „Now Brief“ wird per Sprache oder durch bloße Anwesenheit im Raum aktiviert.
Modifizierbar ist der Menüstil des OLED. Sowohl die Größe als auch die Transparenz passt man als Anwender selbst an. Beim Sprachassistenten kann man zwischen Bixby und Amazon Alexa wählen. Um die maximale Leuchtkraft aus dem Panel herauszukitzeln, muss man zunächst ins Menü „Ein/Aus und Energiesparen“. „Energiesparlösung“ und „Automatisches Energiesparen“ sollte man ausschalten. Im Gegenzug empfiehlt es sich, die „Helligkeitsoptimierung“ zu aktivieren und die Mindesthelligkeit auf das Optimum anzuheben.




Die Strategie von Samsung entwickelt sich konsequent mit der Art und Weise weiter, wie Menschen heute leben und Technologie nutzen. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der der Fernseher weit mehr ist als ein Bildschirm – er wird zum intelligenten Entertainment Companion und zur zentralen Schnittstelle für AI gestützte Erlebnisse im vernetzten Zuhause.
Um in diesem Umfeld führend zu bleiben, treiben wir beide Seiten gleichermaßen voran: Zum einen investieren wir kontinuierlich in Premium Display Technologien und setzen mit Innovationen wie Micro RGB neue Maßstäbe, zum anderen schaffen wir nahtlose, AI gestützte Erlebnisse mit klarem, erlebbarem Mehrwert. Gleichzeitig ist Skalierbarkeit für uns ein entscheidender Faktor. Unser Ziel ist es, diese intuitiven und personalisierten Funktionen nicht auf einzelne High End Geräte zu beschränken, sondern sie schrittweise über das gesamte Portfolio hinweg für viele Menschen zugänglich zu machen.
Mit der Micro RGB-Technologie prägt Samsung eine neue Display-Generation. Können Sie erläutern, was sie von früheren Display-Innovationen unterscheidet und welche neuen Erlebnisse sie Verbrauchern bietet?
Micro RGB steht für einen grundlegend neuen Ansatz, wie Displays Licht erzeugen, und geht damit deutlich über reine inkrementelle Weiterentwicklungen hinaus. Jede einzelne, mikroskopisch kleine rote, grüne und blaue LED erzeugt Farbe in ihrer reinsten Form und ermöglicht dadurch eine außergewöhnlich präzise Farbwiedergabe mit hoher Leuchtkraft und beeindruckenden Kontrasten.
Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das ein Seherlebnis, das natürlicher, immersiver und näher daran ist, wie wir die reale Welt wahrnehmen. In einer Zeit, in der Inhalte immer detailreicher und lebensechter werden, gewinnt genau dieses Maß an Präzision und Realismus zunehmend an Bedeutung.
Der „Vision AI Companion“ steht für die Entwicklung hin zu einem smarten, personalisierten und kontextbezogenen Fernseh-Erlebnis. Welche praktischen Vorteile haben Nutzer*innen durch die AI-Funktionen? Was ist aus Ihrer Sicht heute für die Kaufentscheidungen wichtiger: Display-Technologie oder Nutzungserlebnis?
Was Nutzerinnen und Nutzer am deutlichsten erleben werden, ist, wie viel intuitiver das Fernseherlebnis insgesamt wird. Mit dem Vision AI Companion optimiert der TV das Bild und den Ton automatisch, stellt Inhalte passend zum Kontext bereit und reduziert den Aufwand, aktiv nach Inhalten zu suchen oder Einstellungen manuell anpassen zu müssen. Das bedeutet: Weniger Zeit für Navigation durch Menüs und Apps – und mehr Zeit, um Inhalte zu genießen, die zu den eigenen Vorlieben passen.
Auch bei der Kaufentscheidung müssen Kundinnen und Kunden keinen Kompromiss zwischen Display Technologie oder Nutzungserlebnis eingehen. Entscheidend ist vielmehr, wie intelligent der TV beides miteinander verbindet, um ohne zusätzlichen Aufwand ein spürbar besseres, komfortableres Erlebnis zu schaffen.
Wie sehen Sie die Rolle von AI und fortschrittlicher Display-Technologie in zukünftigen Samsung TV-Generationen? Welche neuen Nutzungserlebnissen können Sie sich vorstellen?
Wir beobachten, dass AI und Display Innovationen immer enger zusammenspielen und das Fernseherlebnis dadurch kontinuierlich verbessern. Der TV wird dabei zunehmend zur vernetzten Schaltzentrale, die geräte- und dienstübergreifend arbeitet und ein konsistentes, nahtloses Erlebnis im gesamten Zuhause ermöglicht. Unser Fokus liegt darauf, dieses Erlebnis noch situativer und persönlicher zu gestalten – sodass der Fernseher nicht nur auf das reagiert, was Nutzerinnen und Nutzer sehen, sondern sich ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert und sie intelligent und intuitiv begleitet.
Zusätzlich hatten wir Fragen zur Zukunft von 8K, Dolby Vision, der Preisgestaltung von Micro-LED-Fernsehern und den jüngsten Fusionen am TVMarkt gestellt – diese wurden leider nicht beantwortet.

Der 65-Zöller reagiert flott, der Bedienkomfort ist hoch. Die kompakte Fernbedienung kennen wir vom Vorjahr. Nach wie vor setzt Samsung auf vergleichsweise wenige Tasten und eine übersichtliche Anordnung. Möglich wird dies durch Mehrfachbelegungen. Über den Steuerstab selbst erreicht man YouTube, Samsung TV Plus, Netflix und Amazon Prime Video. Geladen wird die Fernbedienung per USB-C, per Sonnen- oder Kunstlicht.
Wir empfehlen die Installation der kostenlosen App (Android und iOS) „SmartThings“. Diese gestattet die vollumfängliche und komfortable Steuerung des GQ65S90H. Außerdem kann man seine bevorzugten Apps blitzschnell durch einen Fingertipp auf das jeweilige Symbol starten, Einstellungen vornehmen, Sender- und Streamingportale durchsuchen und den OLED sogar kalibrieren. Darüber hinaus besteht die Option, den Flat-TV als Teil des Smart-Home-Systems zu steuern, das Mobiltelefon als Gamepad für Spiele auf dem Fernseher zu benutzen und Inhalte auf den großen Bildschirm zu spiegeln. Pfiffig: Bei Bedarf verwendet man das Smartphone auch als Karaoke-Mikrofon. Die App funktioniert weitgehend selbsterklärend, arbeitet sehr flott und macht einen extrem ausgereiften Eindruck. Eine Bedienung des TVs per Touchpad ist so ebenfalls möglich.
Bildqualität
Im Test fällt sofort das matte OLED-Display auf. Dieses schluckt einfallendes Licht exzellent, reduziert Reflexionen auf ein Minimum und ist deshalb optimal für helle und lichtdurchflutete Wohnzimmer geeignet. Unter dem matten Look leiden dezent die Leuchtkraft und der Glanz von Farben, Schwarz hat einen Hauch weniger Brillanz. Abgesehen davon stellt der Samsung schwarze Flächen super satt und homogen ohne feinste Aufhellungen mit perfekten Cinemascope-Balken dar.
Während es der S90F auf 1.417 Candela im „Filmmaker“-Modus brachte, schafft der S90H nun 1.547 Candela. Dabei handelt es sich um das hellste Setting. Bei einem Weißanteil von 50 Prozent reduziert sich die Helligkeit auf 561 Candela, 319 Candela sind es, wenn das gesamte Display flächendeckend in Weiß getaucht ist. Der „Dynamisch“-Modus muss sich mit 1.271 Candela begnügen, das „Standard“-Setting mit 1.503 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 18.500:1 sehr hoch aus.





Bei den High-Dynamic-Range-Formaten unterstützt der Koreaner wie gehabt HLG, HDR10 und HDR10+ Adaptive, aber kein Dolby Vision. Wir tauchen ins ultrahochaufgelöste New York ein. Der „Standard“-Modus liefert ausgesprochen kräftige Farben und eine ausgezeichnete Schärfe. Wie immer empfehlen wir jedoch das „Filmmaker“-Setting. Jetzt bildet der Samsung die Realität farblich exzellent und extrem authentisch ab, Plastizität und Schärfe sind ausgezeichnet. Famos, welche Detailfülle der 65-Zöller der Millionenmetropole entlockt. Auf den Straßen sieht man jeden Reifenabrieb. Graffities an Gebäuden erkennt man ebenso plakativ wie die Leuchtreklame an Fassaden und die Struktur an Hauswänden.
Damit die Kamera möglichst geschmeidig dahingleitet, sollte man ein wenig mit der „Unschärfeminderung“ und der „Judder-Minderung“ experimentieren. Das Ergebnis sind butterweiche Schwenks und Überflüge ohne Ruckler. Aktiviert man den „Color Booster Pro“ („Aus“, „Gering“ oder „Hoch“), so kann man die Farbinten sität deutlich erhöhen. Der OLED verwendet dabei Künstliche Intelligenz, um jede Szene individuell anzupassen, indem die Leistung anhand von Farbwerten optimiert wird. Mehr Dynamik kitzelt man über die „Kontrastverbesserung“ aus dem Bild heraus. „Automatisches HDR-Remastering Pro“ sorgt dafür, dass SDR-Inhalte sichtbar an Dynamik zulegen.
Bestnoten verdient sich der Flachmann bei der Blickwinkelstabilität – und zwar sowohl bei farbigen als auch bei schwarzen Inhalten. Der Kontrast bleibt sehr lange hoch, dies gilt ebenfalls für die Leuchtkraft von Farben. Die Skaliereigenschaften des 65-Zöllers schneiden top ab. Einer älteren HD-Doku über den Verlauf des Rheins von der Quelle zur Mündung sieht man die etwas niedrigere Auflösung fast nicht an. Die Schärfe der Luftaufnahmen ist top, Kanten etwa von Gebirgszügen stellt der Apparat sehr sauber dar. Bildfehler wie Rauschen und Artefakte machen sich zumindest aus normalem Sitzabstand nicht bemerkbar.
Tonqualität
Wie gehabt kommt im Samsung ein 40 Watt starkes 2.1-System mit Dolby-Atmos-Unterstützung zum Einsatz. Die Raumfülle ist überwiegend gut, Dynamik und klangliche Wärme sind angenehm. Stimmen sind klar und lassen sich bei Bedarf hervorheben. Im „AI-Modus“ klingt der Koreaner noch fülliger, verliert dabei jedoch ein wenig an Präzision. Zusätzlichen Wumms erhält der Ton durch die „Verstärken“-Funktion. Das Bassfundament ist ordentlich. Über „Q-Symphony“ lassen sich kompatible Lautsprecher mit dem Sound des Flat-TVs synchronisieren.




Der Testbericht Samsung GQ65S90H (Gesamtwertung: 93, Preis/UVP: 3.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
In hellen Zimmern hat der GQ65S90H dank seines matten Displays die Nase vorne. Auch aufgrund seiner Maximalhelligkeit, der üppigen Ausstattung, des guten Tons und des hohen Bedienkomforts schafft es der Samsung in unsere Referenzklasse.
Jochen Wieloch

