Onkyo TX-NR7100 (Test)

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Mit Onkyo verbinden viele Leser eine lange Heimkino-Historie. Mit dem Mittelklasse-Modell TXNR7100 baut der Hersteller seine Receiver-Riege aus. Für wenig Geld verspricht es etliche Highlights.

Es müssen nicht immer die dicksten Dinger sein. Auch in der Mittelklasse gibt es ausgereifte Technik und nicht jeder nennt ein Heimkino mit 12 Lautsprechern oder mehr sein Eigen. In diese Kerbe springt Onkyo mit dem TX-NR7100. Für einen Listenpreis von 1.200 Euro – der Straßenpreis ist bereits dreistellig – bekommt der Käufer 9 integrierter Endstufen, aktuelle HDMI-Technik und zahlreiche Streaming-Funktionen.

Dirac, THX und mehr
Bereits ab Werk gibt es das Einmess-System von Dirac, das Onkyo auch in den größeren Modellen seiner RZ-Serie verbaut. Eine Lizenz ist als Vollversion mit kompletter Frequenzgang-Korrektur im Verstärker integriert und muss nicht zusätzlich gekauft werden.

Ein kompatibles Messmikrofon liegt ebenfalls im Karton, für die Optimierung benötigt man ferner ein Tablet oder Handy sowie die hauseigene Controller-App für Android und iOS. Alternativ kann man Onkyos eigenes Einmess-System „AccuEQ“ nutzen. Ein Parallelbetrieb beider Systeme ist nicht möglich, man muss sich für eines entscheiden.

An Decodern sind Dolby Atmos und DTS:X sowie deren Upmixer Dolby Surround und DTS Neural:X an Bord; das Cross-Format-Upmixing von 2D-Ton mit den Mischern von Dolby und DTS funktionierte problemlos. Zudem gibt der TX-RZ7100 IMAX-Enhanced-Inhalte wieder. Auch eigene Klangprogramme (TV Logic, Orchestra, Unplugged, Studio Mix, Game-RPG, Game-Action, Game-Rock, Game-Sports, Theater Dimensional) hat der TX-NR7100 im Gepäck.

Die Fernbedienung wurde schon bei anderen Modellen eingesetzt. Dem Plastikgeber fehlt eine hochwertige Anmutung, bei der hohen Anzahl dicht gedrängter Tasten verliert man schnell die Übersicht. Alltagsfunktionen sind zudem nicht genügend abgehoben. Eine Beleuchtung fehlt.

Das „Theater Dimensional“-Programm versucht, mit nur zwei oder drei Frontboxen (und Subwoofer) virtuelle Schallquellen für Surround-Sound zu addieren und wandelt damit auf ähnlichen Pfaden wie der Dolby-Atmos-Height-Virtualizer, den der Amp ebenfalls integriert hat. Wer Auro 3D möchte, muss bei Onkyo zum Flaggschiff TX-RZ70 für 3.300 Euro greifen (Test in 11-2023).

An weiteren Klangjustagen findet man ein umschaltbares Digitalfilter mit den Einstellungen „Slow“ (sanftes, fließendes Klangbild), „Sharp“ (strukturiertes, festes Klangbild) und „Auto“. Der „Music Optimizer“ soll durch Kompression verloren gegangene Signalinformationen wieder herstellen, der „Late Night“-Modus ebnet Dynamik- und Bassspitzen ein.

Als einer von wenigen neuen AV-Receivern besitzt der TX-NZ7100 eine „THX“-Zertifizierung (hier in der „Select“-Ausführung) und verfügt daher über von THX geprüfte Leistungsmerkmale und THX-Klangfeatures (siehe Kasten nächste Doppelseite). Mit 3D-Ton hat THX allerdings nichts am Hut und spielt nur zweidimensional, bei 3D-Signalen kann man die THX-Klangmodi nicht aktiveren. Auch Dirac darf man nicht zusammen mit THX nutzen und wird bei Wahl der THX-Klangmodi ignoriert.

Für das manuelle Klangtuning bietet der Onkyo einen ordentlichen Equalizer, der allerdings nicht in Kombination mit Dirac nutzbar ist. Zur Wahl stehen 15 Bänder für Frequenzen zwischen 25 Hz und 16 kHz; zeitgleich regeln kann man allerdings nur 9 Bänder. Beim Subwoofer gibt es nur 5 Bänder zwischen 25 und 160 Hz. Einstellungen lassen sich in drei Speichern ablegen.

Ergebnis der Dirac-Einmessung: Den originalen und den korrigierten (nicht im Bild) Frequenzgang kann man sich als Graph in der Onkyo-App anzeigen lassen.

Gut ausgestattet: 2 HDMI-Ausgänge und 7 (einer ist vorne) HDMI-Eingänge sind ausreichend bemessen, sogar analoges Bild findet über FBAS- und YUV-Eingänge in den Verstärker. Nur 4.2-Pre-outs nehmen externe Endstufen entgegen. 2 Digital-Eingänge sind in der Preisklasse üblich, praktisch ist der Phono-Eingang für einen Plattenspieler.

THX wurde 1983 von „Star Wars“-Schöpfer George Lucas gegründet und verteilt Qualitätssiegel für die Einhaltung der von THX etablierten Prüfkriterien. Auch die Beratung und Prototypen-Entwicklung mit Herstellern gehört zum Portfolio der Amerikaner.

Im Laufe der Jahre hat sich THX (heute in der Hand von Razer, Lucasfilm und Creative Technology) in den Bereichen Audio, Video, Professional und Lifestyle spezialisiert, neben Home-Entertainment-Produkten werden auch Kinos zertifiziert. Noch vor 10 Jahren war THX ein Gütesiegel, das sich Hersteller und Heimkino-Enthusiasten einiges kosten ließen. Mittlerweile hat das Label an Attraktivität eingebüßt, auch weil Standards aufgeweicht wurden und selbst PC-Plastikboxen mit dem Logo werben. Die Zertifizierung von AV-Receivern erfolgt für unterschiedliche Leistungsklassen:

„THX Certified Compact“: Produkte für die Nutzung in kleinen Räumen bis ca. 28 Kubikmeter und rund 2,4 Meter Betrachtungsabstand zum Bildschirm.

„THX Certified Select“: Produkte für mittelgroße Räume bis ca. 57 Kubikmeter mit rund 3 Meter Betrachtungsabstand zum Bildschirm.

„THX Certified Ultra“: Produkte für große Heimkinos bis 85 Kubikmeter Volumen mit einem Betrachtungsabstand zur Leinwand von rund 3,5 Meter.

„THX Certified Dominus“: Produkt für sehr große Heimkinos mit bis zu 184 Kubikmeter bei einem Betrachtungsabstand bis zu ca. 6 Meter zur Leinwand.

Im AV-Receiver-Segment ist Onkyo einer der wenigen Hersteller, die weiterhin auf das THX-Siegel setzen. Neben der Einhaltung technischer Parameter (z.B. bei Leistung, Rauschabstand, Verzerrungen, Frequenzgang, Bass-Management) bringen THX-zertifi zierte AV-Receiver auch praktische Funktionen zur Anpassung des Kinotons an die Heimkino-Umgebung mit.

So gesellen sich zu den THX-Klangprogrammen (Movie, Music, Game) eine Schaltung für Loudness („THX Loudness Plus“), eine Basseingrenzung bei wandnahem Sitzplatz („Boundary Gain Compensation“), eine Frequenzangleichung aller Lautsprecher für tonal gleich bleibende Panning-Effekte („Timbre Matching“) sowie eine Anpassung des höhenbetonten Kinotons an die tonalen Gegebenheiten von Heimkino-Räumen („Re-EQ“).

Das THX-Logo ist beim Onkyo TX-NR7100 nicht prominent an der Front, sondern auf der Oberseite des Geräts angebracht.

Endstufen und Boxensetup
Der TX-NR7100 besitzt wie eingangs erwähnt 9 Endstufen und ist damit der Einsteiger-Klasse entwachsen. Pre-outs zum Anschluss externer Endstufen gibt es allerdings nur für die beiden Hauptkanäle sowie zwei Subwoofer, letztere lassen sich nicht getrennt regeln. Bei 9.1-Kanälen für 5.2.4- oder 7.2-Boxensetups macht die Verarbeitung daher Schuss. Front-Wide-Kanäle lassen sich nicht einrichten, Höhenboxen (Height, Top, Dolby) kann man dafür an allen Positionen betreiben und beliebig miteinander kombinieren. Endstufen können auch für das Bi-Amping oder die aktive Beschallung von einer oder zwei zusätzlichen Hörzonen genutzt werden.

Im Boxen-Setup darf man die Abstände der Boxen zum Hörplatz in 3-Zentimeter-Schritten einstellen, 1-Zentimeter-Einheiten würden uns hier besser gefallen. Im speziellen THX-Menü sollte man die Abstände der Back-Rear-Lautsprecher zum Hörplatz zusätzlich definieren, zudem lässt sich hier „Loudness Plus“ sowie die Nutzung eines THX-zertifizierten Subwoofers samt „Boundary Gain Compensation“ (siehe THX-Kasten unten) aktivieren.

Eine weitere Besonderheit ist der „Klipsch Optimized Mode“ für die bestmögliche Anbindung an kompatible Lautsprecher von Klipsch. Zur Auswahl stehen Modelle der Baureihen „Reference“, „Reference Premiere“ und „Custom Install“.

Die „Quickmenu“-Taste auf der Fernbedienung ruft unten rechts im Bild ein Schnellwahlmenü auf, das Einstellungen für HDMI, Audio, Raum-EQ und Pegel erlaubt. Auch zwischen den drei Speichern für die Dirac-Filterkurven kann man hier wählen. Das Info-Menü legt sich ebenfalls rechts unten über das laufende Bild und gibt Auskunft über ein- und ausgehende Ton- und Bildsignale sowie Netzwerkinformationen.

Bedienung und Menüs
Das eckige Design der Oberklasse-Modelle behält Onkyo bei seinem Mittelklasse-Vertreter bei. Mit einer Höhe von gut 17 Zentimetern wirkt der Amp recht wuchtig. Der große Volume-Regler läuft geschmeidig und wackelt nur bei stärkerem Zug. Die Front besteht aus Kunststoff statt Aluminium und der Deckel biegt sich schon bei dezentem Druck etwas durch – hier macht sich der Rotstift bemerkbar.

Auf eine dicke Alu-Klappe muss der Onkyo TXNR7100 ebenfalls verzichten, sämtlich Tasten sind rund um das große Display angeordnet, das klassisch grün mit Punktmatrix-Schrift leuchtet und etwas antiquiert wirkt. Immerhin ist die Lesbarkeit top, was wir vom Onscreen-Menü nicht unbedingt behaupten können. Die dünne, weiße und teils abgesoftete Schrift auf schwarzem Hintergrund ist vor allem in hellen Räumen mitunter schwer zu entziffern. Potenzial sehen wir auch bei der Fernbedienung, die nicht übermäßig hochwertig wirkt und keine Ausgeburt an Übersichtlichkeit ist.

THX-Menü: Hier kann man für die THX-Klangmodi den Abstand der Back-Rears zum Sitzplatz, die Nutzung eines THX-Subs samt BGC und Loudness Plus einstellen.

Die Onkyo Controller App ist eine übersichtliche Alternative zur Fernbedienung. Die Dirac-Einmessung klappte mit der App problemlos und intuitiv.

Schnellwahl: Die „Quick Menu“-Taste offeriert viele Funktionen für Bild und Ton, hier das Raum-EQ-Menü mit der Auswahl der drei Slots für die Dirac-Einmessung.

HDMI 2.1 und Streaming
Ein Muss für neue AV-Receiver ist Up-to-Date-Videotechnik in Form von HDMI 2.1. Der Onkyo enttäuscht diesbezüglich nicht und hat praktisch alles an Bord, was Heimkino-Fans und Gamer benötigen. Auflösungen bis 8K/60p- bzw. 4K/120p werden ebenso akzeptiert wie die HDR-Standards Dolby Vision, HDR10+, HDR10 und HLG. Für flüssigen Spielspaß gibt es nützliche Features wie eine Variable Refresh Rate (VRR), den Auto Low Latency Mode (ALLM) und QFT (Quick Frame Transport). Natürlich ist auch eARC integriert. Übrigens: Nur 3 der 7 HDMI-Eingänge arbeiten mit 40 Gbit/s für unkomprimierte 8K/60p-Auflösungen. Eingänge 4 bis 6 nutzen nur 24 Gibt/s, was verlustlose 8K/24p oder via DSC komprimierte 8K/60p ermöglicht. Der Front-HDMI-Eingang beherrscht nur 9 Gbit/s nach dem HDMI-Standard 2.0 für Signale bis 4K/60p.

Topp ist der Onkyo in Sachen Streaming: Neben Bluetooth (Sender und Empfänger) mit aptX HD, Chromecast und AirPlay 2 ist auch DTS Play-Fi an Bord. Zudem wurden einige Dienste direkt ins Gerät integriert und können ohne App genutzt werden – dabei sind Spotify, Deezer, Tidal und Amazon Musik HD. Außerdem gesellen sich zum Webradio TuneIn Empfänger für analoges FM-Radio oder DAB+; eine kompatible Kombi-Antenne liegt bei.

Die „Roon Tested“-Zertifizierung garantiert ein reibungsloses Zusammenspiel mit dem gleichnamigen Musik-Server-System. Wer möchte kann Musik auch via USB oder externem Server zuspielen. Die Sprachsteuerung gelingt über Amazon Alexa und Google Assistant – das klappt aber nur mithilfe kompatibler Speaker.

Tonqualität
Bei den Messungen lieferte der TX-NZ7100 gute Leistungswerte. Im Stereo-Betrieb kletterte die Power auf üppige 179 (4 Ohm) bzw. 155 (6 Ohm) Watt pro Kanal. Auch die 102 (4 Ohm) und 96 Watt (6 Ohm) pro Kanal im 5-Kanal-Betrieb sind nicht zu verachten für einen Receiver der 1.000-Euro-Klasse. Immer noch ordentliche 71 Watt pro Kanal waren es im 7-Kanal- Modus an 6-Ohm-Last, womit der Onkyo jedoch ein paar Punkte liegen lässt. Der durchschnittliche Stromverbrauch lag mit rund 329 Watt im üblichen Bereich für AV-Receiver.

Die Einmessung mit Dirac über die Onkyo-App klappte komfortabel, allerdings mussten wir nachträglich im Boxen-Setup die Crossover-Frequenzen anpassen. Im Test agierte der Onkyo im 5.1.4-Modus mit 4 Höhenboxen, aber ohne Back-Rears. So legte der Receiver einen enorm druckvollen und kräftigen Sound hin, den Subwoofer mussten wir erstmal um etliche Dezibel zügeln.

Der 5.1-Mix von Steely Dans Album „Two Against Nature“ bot spritzige Höhen bei hochauflösendem Klangbild, welches nie unangenehm schallte. Spaßeshalber schalteten wir Dirac zeitweise aus, um Unterscheide zu hören. Musik klang dann vordergründiger und flacher, dazu nicht ganz so druckvoll und härter bzw. weniger musikalisch. Die Einmessung blieb also an.

Dolby-Atmos-Clips donnerten ebenso zupackend und dynamisch, Höheneffekte waren zudem greifbar über unseren Köpfen wahrnehmbar. Das Dolby-Atmos-Effektegewitter in „Ghost in the Shell“ platzierte der Onkyo explosiv und präzise im Hörraum, wobei der Panzer buchstäblich die Erde zum Beben brachte. Natürlich fehlen im 5.1.4-Betrieb die Back-Rear-Boxen, was Räumlichkeit und Punkte in der Kategorie „3D-Surround“ kostet.

Stereo-Musik hörten wir wie immer im „Pure Audio“-Modus für die reinste Klangwiedergabe: Hier zeigte der Onkyo seine direkt spielende, etwas helle, anspringende und auch etwas „spitze“ Natur. Schlechte Aufnahmen schießen so schon mal über das Ziel hinaus. Dirac brachte die Klang-Balance dann aber meist wieder ins Lot und addierte einen entscheidenden Schuss an Wärme und Glanz.

Der Testbericht Onkyo TX-NR7100 (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 1.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2024 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

77 Gut

Onkyos günstiger TX-NR7100 ist ein kompetenter AV-Receiver mit zupackendem Klang, Dirac-Einmessung, fl exiblen Streaming-Funktionen und HDMI-2.1-Ports. Mehr als 9.1-Kanäle kann der angehende Mittelklässler aber nicht verarbeiten.

Andreas Oswald

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