LG 55SM8500PLA (Test)

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Beliebt und bewährt: Der integrierte Mauszeiger macht die LG-Fernbedienung zu etwas Besonderem. Auch das Scrollrädchen in der Mitte, das Handling und die Tastenanordnung bereiten viel Freude.

Als NanoCell-Fernseher bewirbt LG seinen 1.200 Euro teuren 55SM8500PLA. Nanopartikel sollen als winzige Teilchen im Ein-Nanometer-Bereich unerwünschte Wellenlängen absorbieren und für besonders natürliche Farben sorgen. Die Koreaner versuchen, die Reinheit des RGB-Spek-trums durch das Herausfiltern matter Mischfarben zu optimieren. Der 55-Zöller thront auf zwei seitlichen Füßen. Das TV-Sideboard muss mindestens 109 Zentimeter breit sein, damit der 8500 Platz findet. Das Panel ist von einem silbergrauen Rahmen umgeben und kommt mit Anschlüssen auf eine Tiefe von knapp 6,4 Zentimeter. Für die Wandmontage wird die VESA-Norm 300 x 300 unterstützt.

Ausstattung und Praxis

Ein Blick auf die Gehäuserückseite zeigt, dass LG auch beim 55SM8500PLA wie bei seinen anderen günstigeren TV-Modellen lediglich einen Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 verbaut hat. Das trübt die Freude über die Aufnahme-Option per USB-Festplatte. Da man nur die Sendung aufnehmen kann, die man auch gerade schaut, eignet sich der Mitschnitt-Service eigentlich nur, wenn man außer Haus ist und eine Sendung verpassen würde. Eine erheblich bessere Figur gibt der LG bei der restlichen Ausstattung ab. Dolby Vision und Dolby Atmos versprechen einen qualitativen Schub für Bild und Ton – für die HDR-Darstellung werden zusätzlich HLG, HDR10 und Advanced HDR von Technicolor unterstützt, allerdings kein HDR10+.

Für die Konnektivität mit dem Smartphone oder Tablet haben die Ingenieure dem 55-Zöller AirPlay 2 spendiert. Außerdem lassen sich Mobilgeräte über Bluetooth 5.0, Miracast und Chromecast koppeln. Der Google Assistant ist im Gerät integriert, zudem kann man Amazon Alexa nutzen. Besonders praktisch: Das Home Dashboard zeigt übersichtlich an, welche Geräte momentan über eine der vier HDMI-Buchsen verbunden sind, ob man eine Festplatte, Smartphones oder Tablets angeschlossen hat.

Im TV-Menü des LG entdeckt man die beiden Einträge „AI-Bild“ und „AI-Ton“. Dahinter verbirgt sich künstliche Intelligenz. Der Alpha7-Prozessor hat Millionen von Inhalten erlernt und will mit Hilfe des Deep-Learning-AI-Algorithmus Parameter wie Klarheit, Schärfe, Details und Helligkeit durch Analyse der Inhalte und des Umgebungslichts optimieren. Allerdings muss man die Unterschiede zum vorherigen und zum verbesserten Bild mit der Lupe suchen. Diese Unterschiede sind derart marginal, dass sie mit bloßem Auge eigentlich nicht auffallen.

AI-Ton: Der virtuelle 5.1-Surround-Klang macht sich positiv bemerkbar. Bei der Ton-Optimierung mittels Fernbedienung muss man hingegen genau hinhören.

Ganz anders ist dies beim Ton. Mit „AI-Ton“ wird aus 2.0-Kanal-Sound ein virtueller 5.1-Kanal-Sound erzeugt. Dieser klingt deutlich breiter und voluminöser, ist spürbar fülliger. Mit Hilfe der Fernbedienung kann man zudem einen Testton generieren und so den Klang an die Umgebung anpassen. Auch hier sind die Unterschiede nicht spektakulär, aber eine minimale Sound-Optimierung lässt sich feststellen.

AI-Bild: LG verspricht zwar eine bildliche Optimierung durch künstliche Intelligenz, wir können jedoch keine wirkliche Verbesserung der Bildqualität feststellen.

Beim Prozessor muss man sich mit dem Alpha7 der zweiten Generation zufrieden geben. Der kann zwar nicht ganz mit der Performance des derzeit leistungsstärksten LG-Prozessors Alpha9 zweite Generation mithalten, Menüwechsel, das Starten von Apps oder das Navigieren durch die Galerie mit eindrucksvollen Gemälden und Kunstwerken zur Verschönerung des Bildschirms, wenn dieser gerade mal nicht gebraucht wird, gelingen aber auch so zügig und ohne Hänger. Die 4K-HFR-Wiedergabe mit 120 Bildern ermöglicht der LG nur über USB, nicht aber über eine der HDMI-Buchsen.

Beim Bedienkomfort bleiben die Koreaner auch beim 55SM8500PLA Branchenprimus. Das
Betriebssystem webOS 4.5 mit seinen individuell konfigurierbaren Kacheln ist unwahrscheinlich intuitiv, hinzu kommt die ergonomisch perfekt geformte Fernbedienung mit Mauszeiger-Funktion.

Bild- und Tonqualität

Wie die Mitbewerber in diesem Testfeld arbeitet auch der LG mit Edge-LED-Technik. Während bei einer Direct-LED-Beleuchtung die LEDs gleichmäßig hinter dem Panel verteilt sind, befinden sich diese beim 8500 lediglich außen am Rand. Bei weißen Schrifteinblendungen auf dunklem Hintergrund hat dieser mit hellen, zum Teil recht großflächigen Lichthöfen zu kämpfen. Von einer homogenen Fläche, wie man es von einem OLED-TV kennt, ist der 55-Zöller weit entfernt. Bei seitlicher Betrachtung des Bildschirms nehmen diese Aufhellungen spürbar zu. Sattes Schwarz bleibt mit dem Koreaner eine Utopie. Die Schwarzdarstellung lässt sich jedoch über „LED Lok. Dimming“ ein wenig optimieren – je höher, desto besser. Jedoch muss man dadurch in Kauf nehmen, dass die Gleichmäßigkeit der Panelausleuchtung wiederum schlechter wird. Ein Mittelwert ist deshalb der ideale Kompromiss.

Auch bei der Leuchtkraft ist der NanoCell-TV recht limitiert. Im Bild-Modus „Kino“ schafft er in Spitzlichtern 442 Candela, bei 50-prozentigem und 100-prozentigem Weißanteil rutscht die Helligkeit jedoch um 100 Candela nach unten. Eine Alternative ist der Modus „technicolor Experte“. Bei unserer Messung werden im „Kino“-Setup zwar die Farben im Rot-Bereich besser getroffen, dafür liefert „technicolor Experte“ bei den Violett-Tönen die etwas präziseren Ergebnisse. Außerdem steigt die Spitzenhelligkeit auf 476 Candela, bei größeren Weißflächen ist der LG jetzt rund 20 Candela heller. Bei der Farbtemperatur raten wir zur Voreinstellung „Warm 2“ mit 6.152 Kelvin. „Warm 1“ liegt mit 7.267 Kelvin darüber, „Warm 3“ mit 5.474 Kelvin darunter. Im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann sich der ANSI-Kontrast: Hier haben wir einen beachtlichen Wert von 1.000:1 ermittelt.

Bei Farbübergängen leistet der 55SM8500PLA ganze Arbeit. In der Netflix-Dokumentation „Das Mittelmeer“ zeigt er direkt bei einem Sonnenaufgang zu Beginn extrem harmonische Übergänge zwischen unterschiedlichen Gelb-, Gold- und Orangetönen. Von unschöner Treppenbildung ist hier nichts zu bemerken. Über die Option „Glatte Abstufung“ kann man das Aliasing im Bild noch ein wenig verringern.

Die Detaildarstellung des 55-Zöllers ist ebenfalls hervorragend. Aus einem Wasserfall holt der Flachmann förmlich jeden einzelnen Wassertropfen heraus, Kantenbildung und Bewegungsdarstellung sind sehr gut. Auch die Skalierungseigenschaften des LG sind spitze. Sollte der Raum, in dem der Fernseher steht, tagsüber von der Sonne geflutet sein, kann man ruhig mal mit dem „Lebhaft“-Modus experimentieren. Klar, dass dieser bei der Exaktheit der Farbreproduktion keine Bestwerte liefert. Aber die größere Helligkeit und auch die höhere Dynamik der Farben wirken sich vorteilhaft aus. Generell ein dickes Lob verdient sich der Fernseher für die schöne Plastizität der Bilder.

Fischschwärme unter Wasser und die Tauchgänge in Unterwasserhöhlen wirken ungemein räumlich. Unterschiedliche Bildebenen arbeitet der LG sauber heraus. Um die volle Bildqualität zu genießen, sollte man möglichst mittig sitzen. Recht kleine Abweichungen führen zu einem merklichen Helligkeits- und Farbverlust.

Mit gerade mal 20 Watt und einem 2.0-Soundsystem kann der 55-Zöller eine separate Soundbar natürlich nicht ersetzen. Stimmen gefallen jedoch durch ihre gute Verständlichkeit. Der virtuelle 5.1-Surround-Sound schafft zudem eine ganz angenehme tonale Fülle. Bei höheren Pegeln wird der LG naturgemäß unpräziser und mitunter leicht plärrig. Das trifft jedoch nur auf Musik und Effekte zu, bei Stimmen spielt der Flachmann auch noch bei höherer Lautstärke mit, ohne zu unnatürlich zu klingen.

Der Testbericht LG 55SM8500PLA (Gesamtwertung: 72, Preis/UVP: 1200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2020 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

72 gut

Abgesehen vom Single-Tuner verfügt der SM8500PLA mit AirPlay 2, Dolby Atmos, Dolby Vision und Aufnahme-Option über Oberklasse-Features. Das Bild wirkt natürlich und scharf, der Bedienkomfort ist top. Abzüge kassiert der LG jedoch für die überschaubare Panel-Helligkeit und die nur mittelmäßige Schwarzdarstellung.
Jochen Wieloch

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