Mit dem Cine Play 1 erweitert Leica sein Portfolio um einen vielseitigen Mini-Projektor mit schickem Design und benutzerfreundlicher Handhabung. Und das ist noch nicht alles.
Mit einer Breite von 26 Zentimeter und einem Gewicht von 6,7 Kilogramm lässt sich der 3.500 Euro teure Cine Play 1 auch mobil einsetzen. Wer keinen Tisch in passender Höhe zur Verfügung hat, kann für 400 Euro einen Metallstandfuß erwerben, um den Beamer überall optimal zu platzieren. Darüber hinaus erweist er sich mit einem Strombedarf von 140 Watt als sehr genügsam.
Ausstattung und Technik
Der Bildwerfer besitzt einen 0,47 Zoll großen DLP-Chip mit Full-HD-Auflösung. Via XPR-Technologie kann er UHD-Signale verarbeiten und sequenziell projizieren. Als Lichtquelle sind RGB-Laserdioden verbaut, deren Lebensdauer vom Hersteller mit über 25.000 Stunden veranschlagt werden. Das bei dieser Technik berüchtigte Laser-Speckle wird wirkungsvoll reduziert (siehe Kasten).
Mit Bluetooth 5.3, Apple AirPlay und Screen Mirroring kann die Signalübertragung kabellos vom Smartphone, Tablet oder Notebook erfolgen. Via HDMI-, USB- und LAN-Kabel können weitere Zuspieler verbunden werden. Die Zwischenbildberechnung nennt Leica MEMC. Sie besitzt vier Presets, um die Bewegungsschärfe zu verbessern, und einen Benutzermodus, der eine noch feinere Anpassung in 10 Stufen ermöglicht.
Alle wichtigen High-Dynamic-Range-Technologien sind an Bord: Dolby Vision, HDR10+, HDR10 und HLG. Allerdings findet der Dolby-Vision-Support nur über HDMI-2 statt. Darüber hinaus besitzt der Projektor ein dynamisches Tone-Mapping für statische HDR10-Inhalte. IMAX-Enhanced und der bewährte Filmmaker-Modus sind ebenfalls implementiert. Außerdem besitzt der Projektor ein 6-Achsen-Farbmanagement, einen Gain/Offsetregler sowie einen Gamma-Equalizer zur optimalen Bildanpassung. Das Betriebssystem VIDAA bringt jede Menge Streamingdienste mit, sogar Netflix und Apple TV+ sind vorhanden. Freunde des dreidimensionalen Bildes kommen ebenfalls auf ihre Kosten, weil der Beamer 3D via Rotblitz unterstützt. Ein Soundsystem mit 2 x 10 Watt bietet Stereoton.
Mit dem silbernen Controller ist die Bedienung des Projektors im dunklen Heimkino recht unkomfortabel, weil die Tastatur nicht hintergrundbeleuchtet ist. Die vier Direktwahltasten für Netflix, Prime Video, YouTube und Disney+ sind hingegen praktisch, ebenso die Buttons für den Autofokus und die Sprachsteuerung.


Installation und Bedienung
Ein spezielles Menü nimmt den Nutzer bei der ersten Inbetriebnahme an die Hand, um das Betriebssystem VIDAA zu konfigurieren. Die Schärfe stellt sich dank Autofokus selbstständig auf der Leinwand ein. Bei Bedarf kann manuell nachjustiert werden. Nötig war das bei unserem Probanden allerdings nicht. Das 1,66-fache Zoomobjektiv ist groß genug bemessen, um eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Distanz von 2,25 bis 3,75 Meter vollständig auszuleuchten. Die Bildgröße lässt sich mit dem Controller bequem von der Couch aus einstellen.
Die Navigation durch das etwas verschachtelte On-Screen-Menü erfolgt verzögerungsfrei. Für SDR- und die HDR-Formate liegen separate Bildmodi vor, die individuell angepasst werden können. Der Projektor erkennt das eingehende Signal und ordnet ihm den passenden Bildmodus zu.
Bild- und Tonqualität
Im „Ultra-Mode“ wird die beworbene Maximalhelligkeit von 3.100 Lumen exakt getroffen, allerdings mit einer zu kühlen Farbtemperatur. Wir empfehlen „Kino-Hell“, weil dieses Preset bereits in der Werkseinstellung natürliche Farben erzeugt. Es sind nur wenige Handgriffe nötig, um Perfektion zu erlangen, was Farbtemperatur (6500 Kelvin), Gamma (2,4) und den Graustufenverlauf anbelangt. Kalibriert erhalten wir satte 2.575 Lumen. Der statische Kontrast beträgt 1.900:1 (On/Off), 1.880:1 (In-Bild) und 210:1 (ANSI), was zu einem aufgehellten Schwarz von 1,36 Lumen führt.


Der Farbraum Rec.709 wird zu 100 Prozent abgedeckt, Rec.2020 mit beachtlichen 99 Prozent, so dass sich eine fantastische Farbdarstellung ergibt. Vorbildlich ist auch die Ausleuchtung mit durchschnittlich 95 Prozent auf der gesamten Fläche. Verfärbungen und Abschattungen sind nicht auszumachen.
Der Projektor ist mit 27 Dezibel flüsterleise. Der Regenbogen-Effekt ist kaum ein Thema, weil der Laser sehr schnell schaltet. Allenfalls im Abspann oder kontrastreichen Szenen können wir gelegentlich ein leichtes Farbblitzen erhaschen. Das eher wie Dunkelgrau aussehende Schwarz verursacht in Nachtaufnahmen einen unschönen Grauschleier. Dieser lichtet sich, sobald helle Elemente hinzukommen. Tageslichtszenen beeindrucken ob ihrer Farbenpracht und der hohen Lichtausbeute. Bis zum Rand ist das Bild gestochen scharf.
Filme, Serien und Sportübertragungen werden mit 24, 50 und 60 Hz originalgetreu reproduziert. Die Zwischenbildberechnung auf „Benutzerdefiniert 5“ verbessert die Bewegungsschärfe, ohne dass es zum Soapopera-Effekt kommt. „Elvis“ in HDR10+ und „Top Gun: Maverick“ in Dolby Vision sehen umwerfend aus. Der Rec.2020-Farbraum sorgt für eine nur selten gesehene Farbpracht. Selbst „Sully“ wird vollständig reproduziert. Am Times Square sind alle Inhalte vorhanden, dank des sehr gut arbeitenden dynamischen Tone-Mappings.
Die Stereolautsprecher sind stark genug, um Räume bis 30 Quadratmeter zu beschallen. Im Soundmodus „Kino“ sind Männerstimmen schön sonor, Frauenstimmen frei von Zischlauten. Explosionen tönen relativ glaubhaft, natürlich ohne den Bass eines externen Subwoofers.



Der Testbericht Leica Cine Play 1 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 3.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der Leica Cine Play 1 punktet mit tollen Farben, hoher Schärfe, flexibler Aufstellung und vielen Streaming-Apps. Im Heimkino wäre aber ein dunkleres Schwarz erstrebenswert, zudem ist das Gerät mit 3.500 Euro nicht gerade günstig.
Michael B. Rehders

