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    Receiver & Verstärker

    JBL MA7100HP (Test)

    25. Mai 20269 Minuten Lesezeit

    Nach dem Flaggschiff aus JBLs neuer AV-Verstärker-Serie fand jetzt das zweitgrößte Modell den Weg in unser Messlabor. Wo sich die beiden unterscheiden und was der 1.400 Euro teure Schönling klanglich so drauf hat, klärt unser Test.

    Die Überraschung war groß, als im Juli letzten Jahres JBL gleich fünf neue AV-Verstärker von 550 bis 1.900 Euro ankündigte. Zum einen, weil der für seine Lautsprecher bekannte Hersteller im Verstärker-Segment mit der „Synthesis“-Baureihe bisher nur im Hochpreis-Segment fischte; zum anderen, weil das Marketing eine andere Zielgruppe als den typischen und meist männlichen Heimkino-Enthusiasten ins Visier nahm. So richtet sich die neue MA-Baureihe eher an junge, gerne auch weibliche Ein- und Aufsteiger, die für moderne Wohnräume einfache wie schicke Lösungen suchen. Das Flaggschiff MA9100HP (1.900 Euro) mit neun Leistungsverstärkern testeten wir umgehend nach der Markteinführung in Ausgabe 11-2024, jetzt steht das nächstkleinere Modell MA7100HP für 1.400 Euro auf dem Prüfstand.

    Schwarz oder Weiß: Je nach Ausführung liegt dem MA7100HP eine farblich passende Fernbedienung bei. Der leichte Geber besteht leider komplett aus Plastik.

    Weniger Endstufen
    Von vorne sind die beiden Modelle kaum voneinander zu unterscheiden, auch weil die Abmessungen dieselben sind. Einzig die große Modellbezeichnung auf der Front gibt Aufschluss. Der Blick auf die Rückseite verrät hingegen schnell den wesentlichen Unterschied zum Spitzenmodell: 7 statt 9 Boxen-Terminals bzw. 7 statt 9 integrierte Digitalendstufen, die zudem etwas schwächer ausfallen (mehr dazu im Kapitel Hörtest). Die Digitaltechnik sorgt für wenig Abwärme und einen geringen Stromverbrauch bei hoher Leistungsausbeute.

    Pre-outs gibt es beim HA7100HP nur für zwei Subwoofer, die sich zudem nicht getrennt regeln lassen. Maximal können Lautsprecher-Layouts mit zwei Höhen boxen (5.1.2) realisiert werden. Nicht unterschieden wird zwischen Top- und Height-Positionen, Menüs und Handbuch sprechen ausschließlich von „Top“ (Front oder Middle) sowie „Deckenmontage“ oder Dolby-fähig. Die Einstellung von „Dolby-fähig“ ermöglicht die Nutzung von Aufsatz-Boxen für Atmos-Höhensound via Deckenreflexion des Schalls.

    Die Boxenkonfiguration kennen wir vom Flaggschiff: So lassen sich die Lautsprecher-Dis tanzen zum Hörplatz in nicht sonderlich präzisen 10-Zentimeter-Schritten (alternativ in Zoll oder in Millisekunden) eingeben. Die Lautstärkepegel sind für jede Box in 0,5dB-Schritten anpassbar. Die Crossover-Frequenzen kann man zwischen 30 und 200 Hertz in 10-Hertz-Schritten für jedes Boxenpaar und den Center separat regeln.

    Augenschmeichler
    Der Rest vom Fest blieb im Grunde identisch, was nicht verwundert, da man so Produktions- und Entwicklungskosten spart. Das bei Heimkino-Elektronik im Moment angesagte „Lifestyle“-Konzept schlägt sich im Design des Geräts nieder. Auffällig ist bereits die Farbwahl, denn neben dem typischen Schwarz ist der MA7100HP auch in Weiß erhältlich, was in vielen Wohnzimmer eine elegantere Figur machen dürfte als ein dunkler Klotz. Zum edlen Auftritt gehören zudem die knapp 4 Millimeter dicke Frontglasplatte, das nur 13,5 Zentimeter hohe Gehäuse und der gelochte, druckfeste Deckel. Darüber hinaus wertet ein oranger Farbstreifen zwischen Frontplatte und Korpus das Erscheinungsbild auf, die Zielgruppe könnte zudem von der LED-Beleuchtung unterhalb der Front angetan sein. Für die Installation in dunklen Heimkinos darf man die Lichtleiste, die sich in sechs verschiedenen Farben einstellen lässt, dimmen oder abschalten. Unabhängig davon lässt sich das große wie scharfe Display ebenfalls verdunkeln oder ausstellen. Neben dem Drehen kann man die beiden XXL-Räder zur Quellenwahl und Lautstärkeregelung zwecks Auswahl auch drücken, was den etwas lockeren Sitz erklären dürfte.

    Ausreichend bestückt: 3 der 6 HDMI-Eingänge verarbeiten 8K/60p- bzw. 4K/120p-Signale, der Rest macht bei 4K/60p Schluss. Pre-outs gibt es nur für zwei Subwoofer. Zwei analoge Stereo-Cinch-Eingänge plus Phono sind ebenfalls knapp bemessen. Klanglich digital geht es via Toslink und Koax ins Gerät; per USB kann Musik zugespielt werden.
    Sehr viel Luft: Im Gehäuse des MA7100HP gibt es erstaunlich viel Freiraum. Das liegt hauptsächlich an der kompakten Bauweise der 7 Class-D-Endstufen, die eine ausufernde Stromversorgung und Kühlung unnötig macht.
    Das Einmess-System EZ Set EQ
    Zur Einmessung aller Lautsprecher verwendet der MA7100HP die App „EZ Set EQ“ von Harman Kardon. Bei iOS-Geräten von Apple kann man das Mikro von iPhone oder iPad nutzen, Android-Nutzern wird ein externes Mikrofon (im Handbuch nennt JBL das Dayton Audio iMM-6C USB-C) empfohlen.

    Vor der Messung müssen die meisten Werte der Boxenkonfiguration manuell im Grundmenü eingegeben werden, denn die Mess-Software wirkt sich nicht auf die Verzögerungs- oder Pegelanpassung aus. Um einen Laser-Entfernungsmesser und ein Schallpegelgerät (oder eine entsprechende App) kommt man also nicht herum. Die EZ-App selbst korrigiert lediglich den Frequenzgang unter Berücksichtigung einer in der App deklarierten Crossover-Frequenz und optionalen Bass-Anhebung bzw. -Senkung. Zudem erfolgt die Korrektur hauptsächlich im Tiefton für „nur minimale Auswirkungen auf die Gesamtabstimmung des Lautsprechers“, wie es im Handbuch heißt. Die App misst zudem den Subwoofer stets zusammen mit den Hauptlautsprechern. Die Begründung: „Auf diese Weise erstellt das System eine Momentaufnahme der kombinierten Leistung der Lautsprecher- und Subwoofer-Systemintegration.“ Apropos System: Bis auf den Center werden alle Boxen als Paare gemessen und nicht einzeln, was die Optimierungsmöglichkeiten beschränkt.

    Die Einmessung selbst gelingt einfach, erfordert aber „Sportlichkeit“. Denn während eines Rauschtons muss man mit dem Smartphone oder Tablet in der Hand umherlaufen und den kompletten Hörraum akustisch erfassen – auch in der Höhe. Das kann dann schon mal den Übungen eines Fitness-Programms ähneln. Zum Schluss werden die Daten ausgewertet und für die Korrektur genutzt. Grafen zeigen am Ende die Originalkurven und den optimierten Frequenzgang an. Auf Wunsch kann man die Korrektur komplett oder auch für einzelne Boxenpaare deaktivieren.

    Einfache Einmessung: Nach wenigen Konfigurationsschritten sieht man das Ergebnis: Rot ist der gemessene Frequenzgang, grün der optimierte.

    Sehr gelungen ist das Display, das den meisten uns bekannten Verstärker-Anzeigen überlegen ist: Groß, farbig, scharf, hell und trotz Spiegelung des Glases gut lesbar. Viel Lob verdienen auch die Menüs, die sich übersichtlich und intuitiv komplett am Gerät bedienen lassen. Ihre Struktur wird zudem auf das Onscreen-Menü für den Fernseher gespiegelt, das zu einem Viertel des Bildschirms oben links aufpoppt.

    Trotz Software-Updates gab es zum Testzeitpunkt noch keine deutschen Menüs. Zur Wahl standen Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Koreanisch, Japanisch und Chinesisch. Hier sollte JBL nachbessern. Apropos Steuerung: Die kleine Fernbedienung aus Plastik liegt je nach Farbwahl des AV-Verstärkers in Schwarz oder Weiß mit im Karton. Für Grundfunktionen gibt es nur wenige Tasten, was im Alltag aber ausreicht und ein Verdrücken praktisch ausschließt. Für tiefergehende Eingriffe muss man zur App „JBL Premium Audio“ greifen, zum Beispiel um auf das Web-Radio oder UPNP-Streaming zuzugreifen. Für die Einmessung wird eine App namens „EZ Set EQ“ von Harman Kardon benötigt, mehr hierzu im Kasten rechts. Optional kann man das aus unserer Sicht überlegene Einmess-System Dirac Live nutzen, die benötigte Lizenz kostet allerdings 300 Euro.

    Aktuelle AV-Standards
    An 3D-Ton-Decodern gehören Dolby Atmos und DTS:X zur Ausstattung sowie die Mischer Dolby Surround, Dolby Atmos Virtualization und DTS Neural:X. Das Cross-Format-Upmixing von 2D-Ton klappte im Test problemlos. Auf IMAX Enhanced muss man hingegen genauso verzichten wie auf Raumsimulationsprogramme. Bei den Klangschaltungen sind ein Dialog Enhancer, eine Dynamikkompression für Dolby und DTS sowie „DTS Dialog Control“ an Bord. Bass und Höhen kann man regeln, einen klassischen Equalizer sucht man hingegen vergebens.

    Die Video-Sektion des MA7100HP ist mit HDMI 2.1 auf dem neuesten Stand, 3 der 6 Eingänge verarbeiten Auflösungen mit 8K/60Hz bzw. 4K/120Hz, der Rest liefert 4K/60p-Signale aus. Beim Thema HDR werden mit Dolby Vision, HDR10+ und HDR10 die wichtigsten Formate unterstützt, hinzu kommen VRR, ALLM und QFT für den Spielspaß mit Konsole oder PC.

    Erst recht bei einer jungen Zielgruppe sind ausreichend Streaming-Funktionen Pflicht. Mit Bluetooth, Chromecast und AirPlay 2 ist der MA7100HP hier gut aufgestellt, zudem gesellt sich ein Webradio, Spotifiy Connect, Tidal Connect sowie UPnP-Streaming via Server dazu. Darüber hinaus ist der AV-Verstärker kompatibel mit SmartThings und der „Roon“-Streaming-Software. Sprachassistenten hat der MA7100HP nicht an Bord, auch auf klassisches Radio in UKW- oder DAB-Form muss man verzichten. Als alternative Musik-Quelle steht dafür ein USB-Media-Player zur Verfügung.

    Das Grundmenü poppt oben links im Bildschirm auf, ist simpel gestrickt und verzichtet auf Grafik.
    Das Menü am Gerät ist auch dank des tollen Displays ein Hingucker und lässt sich intuitiv bedienen. Unter dem Gerät gibt es eine LED-Leiste.

    Tonqualität
    Im Messlabor bot unser Testmuster des MA7100HP hervorragende Leistungswerte: Im Stereo-Modus an 4-Ohm-Last waren es 207 Watt pro Kanal und damit überraschende 30 mehr als beim MA9100HP. Bei allen anderen Werten musste sich der kleine Bruder dem Spitzenmodell geschlagen geben – so wie es sein sollte. An 6 Ohm Stereo waren es noch 140 Watt gegenüber 155 Watt. Im 7-Kanal-Betrieb (6 Ohm) standen 91 Watt pro Kanal auf dem Zähler, der MA9100HP lieferte 154 Watt. Starke 141 Watt (6 Ohm) bzw. 144 Watt (4 Ohm) pro Kanal lieferte der Amp im 5.1-Modus, das Flaggschiff bot 169 bzw. 160 Watt.

    Der durchschnittliche Stromverbrauch lag dank Digital-Endstufen bei umweltfreundlichen 66 Watt. Der „stille“ Verbrauch im HDMI-Pass-Through-Modus war mit 7,1 Watt bei ausgeschaltetem Gerät dafür recht hoch; normal sind hier Werte zwischen 0,2 bis 2 Watt.

    Vor dem Hörtest führten wir die Einmessung mit der „EZ“-Software durch. So konfiguriert, spielte der JBL-Amp mit Steely Dans Rockmucke aus „Two against nature“ lebendig, direkt und anspringend. Instrumente wie Gesang präsentierten sich körperhaft, der Klang schallte zudem offen und luftig.

    Wie immer rotierten auch Dolby-Atmos-Trailer im Player. Effekte wurden räumlich präzise im Schallfeld platziert, kleinste Detail dabei sauber herausgearbeitet. Effekte über dem Kopf waren hingegen nicht ganz so klar nachvollziehbar wie beim Flaggschiff, was nicht verwundern darf, spielte der MA7100HP doch nur mit einem Paar Höhenboxen. Systembedingt fehlen dem AV-Verstärker vier Endstufen für eine 7.1.4-Kanalkonfiguration im Heimkino, was sich klanglich in einem kleineren Schallfeld sowie in Punkten in unserer Bewertungstabelle bemerkbar macht.

    Im Bass rumpelte der MA7100HP mit Urgewalt, so dass wir etliche Dezibel aus dem Subwoofer-Pegel nehmen mussten. Einmal ins Gleichgewicht gebracht, donnerte der Panzer im Finale von „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) mit Wucht, Tiefe und Präzision für eine realistische Effekte-Orgie.

    Auch bei Stereo-Musik legte der JBL eine zackige Performance hin. Der MA7100HP spielte hochauflösend, impulsiv und dynamisch, dabei eher direkt als ausladend sowie mit knackigem Bassfundament. Härten im Klang waren meist auf die Aufnahmen zurückzuführen, High-End-Kost von Sara K schallte butterweich und plastisch ans Ohr.

    Der Testbericht JBL MA7100HP (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 1.400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2025 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

    • JBL MA7100HP (audiovision 6-2025)In den Warenkorb

      JBL MA7100HP (audiovision 6-2025)

      PDF-Download €1,99

    AV-Fazit

    73 Gut

    Der hübsch anzusehende JBL MA7100HP besitzt zwar weniger Endstufen als das Flaggschiff MA9100HP, zieht sonst aber in allen Disziplinen gleich – inklusive starker Klang-Performance.

    Andreas Oswald

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