Dass die Mini-LED-Technik auch im erschwinglichen Massenmarkt angekommen ist, beweist Hisense eindrucksvoll mit dem neuen 65U7Q. Denn den laut unverbindlicher Preisempfehlung 1.600 Euro teuren Quantum-Dot-Flachmann erhält man im Internet bereits kurz nach Markteinführung für die Hälfte. Alternativ verkaufen die Chinesen den Apparat in 50, 55, 75, 85 und gigantischen 100 Zoll. Los geht es bei knapp 1.000 Euro, sogar für den XXL-Boliden mit einer Diagonalen von 2,54 Meter verlangt Hisense nicht mehr als 4.200 Euro.
Beim 65-Zöller verteilen sich die tausenden Mini-LEDs auf überschaubare 220 Dimming-Zonen, beim 100-Zöller wächst diese Zahl auf 608. Der Rahmen und der Fuß bestehen aus Metall. Inklusive Anschlüssen kommt der Apparat auf eine Tiefe von 7,5 Zentimetern. Die VESA-Norm 400 x 400 Millimeter macht den 65U7Q fit für die Montage an der Wand.
Ausstattung und Praxis
Gamer dürfen sich freuen, denn zwei der vier HDMI-Ports unterstützen mit dem Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR) und der 4K-Wiedergabe mit bis zu 144 Hertz den Standard 2.1. Über die „Game Bar“ kann man jederzeit Spieloptionen anpassen und Einstellungen ändern. Die Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 sind als Single-Varianten verbaut. Dadurch ist man bei der Senderwahl während USB-Aufnahmen eingeschränkt.
Auch bei Hisense spielt das Thema Künstliche Intelligenz eine Rolle, wie der Name des Prozessors (Hi-View AI Engine) verrät. Ein effektiver Upscaler soll niedrig aufgelöste Inhalte auf 4K-Niveau hieven. Die „AI Smooth Motion“-Technologie und das Feature MEMC (Motion Estimation, Motion Compensation) wollen störende Bewegungsunschärfen eliminieren. Der „AI Sports Mode“ versucht, bei Fußballspielen die Detailfreude zu optimieren, Bewegungen flüssiger zu machen und die Akustik der Zuschauer sowie die Stimme des Kommentators hervorzuheben.
Der „AI HDR Upscaler“ soll SDR-Inhalten einen dynamischeren HDR-Look verpassen. Und ein Sensor registriert bei Bedarf die Lichtstärke im Raum und passt die Panelhelligkeit automatisch an das Umgebungslicht an, um den Stromverbrauch zu reduzieren. Beim Thema High Dynamic Range ist der Hisense bestens aufgestellt. Mit HLG, HDR10, HDR10+, HDR10+ Adaptive und Dolby Vision IQ beherrscht der Chinese alle aktuellen HDR-Formate. Wer gerne von einem Smartphone oder Tablet streamt, ist mit dem 65-Zöller ebenfalls auf der sicheren Seite – dank der Integration von Miracast, AirPlay und Bluetooth. Für Sprachbefehle stehen Amazon Alexa und VIDAA Voice parat. Zur Kommunikationsaufnahme benötigt man nicht einmal die Fernbedienung, dank der im Fernseher verbauten Mikrofone.
Die schwarze Fernbedienung hat diverse Tasten zum direkten Aufruf von Streamingdiensten an Bord.


„Favoriten“ erlaubt das Anlegen einer Watchlist – Filme und Sendungen, die man noch schauen möchte, kann man hier übersichtlich hinterlegen. Jedes Familienmitglied findet auch in der App sein persönliches Nutzer-Profil. Darüber hinaus fungiert die Anwendung als Fernbedienung. Egal ob für die Sender- oder Quellenwahl, die Sprachsteuerung oder die Lautstärke-Anpassung, als Geber-Alternative macht die App eine gute Figur.

Der Steuerstab liegt angenehm in der Hand, die Tasten sind ausreichend groß dimensioniert. Für Disney+, YouTube, Amazon Prime Video, Netflix, Apple TV+, VIDAA Kids, VIDAA Channels und das Streaming-Portal VIDAA free gibt es Direktwahltasten. Zum umfangreichen Angebot zählen unter anderem noch RTL+, DAZN, Rakuten TV, Joyn, WOW, HD+ und Zattoo (mehr dazu im App-Vergleich auf Seite 46).
Als Betriebssystem vertraut der Mini-LEDler auf VIDAA Smart OS. Eine schnellere TV-Software hat derzeit kein Mitbewerber auf seinen Flat-TVs installiert. Es ist ein Genuss, durch den 65U7Q zu navigieren. Man fliegt förmlich durch Apps und Menüs. Wartezeiten kennt der Hisense so gut wie nicht. Die Oberfläche zieren Apps, auf der linken Seite befinden sich die Menüs zum Einstellen von Bild und Ton. Durch das Anlegen von persönlichen Benutzerkonten erhalten einzelne Familienmitglieder individuelle Programmempfehlungen.
Hisense hat dem Portal „FIFA CWC 2025“ einen eigenen Menü-Eintrag spendiert. Dahinter versteckt sich das Bewegtbildangebot für die erstmals im Sommer ausgetragene Club-Weltmeisterschaft der FIFA. Übersichten über die Gruppen, Zusammenfassungen von früheren Highlights und Tor-Momente ließen sich bei Redaktionsschluss schon einige Wochen vor Beginn des Turniers abrufen.
Bild- und Tonqualität
Farblich überzeugt der Hisense auf den ersten Blick. Wir beginnen mit hochauflösenden Aufnahmen von den schönsten Städten der Welt. Angenehm natürlich präsentiert sich der „Filmmaker“-Modus. Das Bild ist leuchtstark, aber nicht plakativ, sondern wunderbar authentisch. Im „Standard“-Setting legt der 65U7Q bei Leuchtkraft, Dynamik und Schärfe eine Schippe drauf, während der „Dynamisch“-Modus bei allen relevanten Bildparametern ein wenig übertreibt und sich nur für ausgesprochen helle Wohnzimmer eignet.




Der 65U7Q schafft im „Dynamisch“-Modus 810 Candela in der Spitze. Im „Filmmaker“-Setting sind es mit 845 Candela sogar etwas mehr, und zwar bei einem Weißanteil von 50 Prozent. Im 10-Prozent-Weißfeld messen wir 760 Candela, bei bildschirmfüllender Weißdarstellung sind es 590 Candela. Der ANSI-Kontrast schneidet mit 2.950:1 exzellent ab.
Bei der Schwarz-Performance überzeugt der Hisense ebenfalls. Schaut man frontal auf das Display, ist Schwarz schön satt, helle Objekte sind fast frei von Aufhellungen. Von der Seite gesehen wird das Blooming einen Tick stärker, als wirklich störend empfinden wir es aber nicht. Man muss lange suchen, um bei einem LCD-Fernseher in dieser (Straßen-)Preisklasse ein überzeugenderes Schwarz zu finden. Die Filmbalken erscheinen homogen, selbst im komplett abgedunkelten Raum steht einem anspruchsvollen Filmabend nichts im Weg.
Für ruhige Bewegungen sollte man die „Bewegungskompensation“ je nach Inhalt auf „Klar“, „Standard“ oder „Stark“ stellen. Über das „Clear Motion“-Setting steigert man die Bildruhe zusätzlich, allerdings wird das Bild dann merklich abgedunkelt. Zwei empfehlenswerte Bildparameter sind „Adaptiver Kontrast“ und „Verbesserte Detailtiefe von Schatten“. Mit diesen Werkzeugen werden Aufnahmen kontrastreicher und plastischer.
Nicht auf OLED-Niveau, aber weit besser als der LCD-Durchschnitt ist die Blickwinkelstabilität des Hisense. Farben behalten lange ihre Leuchtkraft bei, auch der Kontrast bleibt auf hohem Niveau. HDR-Titel reproduziert der 65-Zöller druckvoll, knackig scharf und mit satten Farben. Letztere gehen weich ineinander über. HD-Material ist qualitativ ebenfalls gefällig. Auch hier passen Schärfe, Tiefenwirkung und farbliche Brillanz.
Auf eine Verstärkerleistung von 40 Watt kommt das 2.1-Soundsystem, davon sind 20 Watt dem integrierten Subwoofer vorbehalten. Über das Feature „Bass Boost Gain“ kann man die Intensität des Tieftonfundaments verstärken. Der dadurch ausgerollte Klangteppich ist stabil und kraftvoll. Neben Dolby Atmos unterstützt der Hisense auch DTS Virtual:X. Per Equalizer lässt sich die Akustik gemäß den eigenen Vorlieben anpassen. Die Stimmwiedergabe braucht sich vor teureren Fernsehern nicht verstecken, die Klangbühne ist ordentlich breit. Bei höheren Lautstärken bleibt der Flachmann pegelfest, das Klangbild könnte allerdings etwas wärmer sein.



Der Testbericht Hisense 65U7Q (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 1.600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Für kleines Geld liefert der Hisense 65U7Q eine große Performance. Er ist hell, stellt Schwarz schön dunkel dar und arbeitet extrem flott. Hinzu gesellt sich ein solider Ton sowie ein umfangreiches App-Angebot.
Jochen Wieloch

