Nach seiner ersten Fire-TV-Soundbar hat Amazon mit einer teureren „Plus“-Variante nachgelegt. Worin ihr Mehrwert besteht, klärt unser Test.
Als vor einem knappen Jahr Amazons erste Soundbar in unserem Messlabor eintraf, mussten wir überrascht feststellen, dass ihr Name „Fire TV“ – bekanntlich die Bezeichnung für die hauseigenen Streaming-Sticks oder das TV-Betriebssystem – nicht zutreffend ist. Denn smarte Features, Apps, Chromecast, AirPlay oder eine Alexa-Sprachsteuerung glänzten durch Abwesenheit, der 140 Euro günstige Klangriegel verfügte nicht mal über eine Netzwerkanbindung.
Nun hatten wir erwartet, dass diese Mankos bei der mit 270 Euro fast doppelt so teuren „Fire TV Soundbar Plus“ beseitigt wurden. Doch das ist nicht der Fall.
Jetzt mit 3D-Ton
Das „Plus“ in der Produktbezeichnung ist aber trotzdem kein reiner Marketing-Gag, denn zugelegt hat die Neue bei der Größe, der Chassis-Bestückung und den unterstützten Klangformaten. War die normale Fire-Bar (Test in 10-2024) lediglich als schlichter Stereo-Riegel konzipiert, so verfügt die „Plus“-Variante zusätzlich über einen Center- und einen Subwoofer-Kanal. Höhen- und Seiten-Chassis sind nicht integriert, dreidimensionaler Raumklang muss daher virtuell via Digital Signal Processing (DSP) erzeugt werden.
Bei den Decodern gab es ebenfalls ein Upgrade, denn jetzt sind auch Dolby Atmos und DTS:X mit von der Klang-Partie. Neu hinzu kam zudem ein 5-stufiger Dialog-Verstärker, der das tun soll, was sein Name suggeriert. Die EQ-Taste hält die Soundmodi „Musik“, „Movie“ und erstmals „Sports“ sowie „Night“ bereit. Zur individuellen Sound-Justage kann man zudem Bass und Höhen jeweils 9-stufig einstellen.
Die rund 11 x 4 Zentimeter kleine Fernbedienung besteht aus Plastik. Die Oberseite ist gummiert, obwohl sie ein paar mehr Tasten hat als der Geber der normalen Fire-TV-Soundbar, kann man sich kaum verdrücken.
Mehr Technik bedeutet im Falle der Plus-Bar auch ein größeres Gehäuse, das mit 94 Zentimetern rund ein Drittel breiter ausfällt als bei der regulären Fire-TV-Soundbar. Damit steht auch mehr Volumen zur Verfügung, was den Klang und die Basswiedergabe verbessern sollte – die kleinere Fire-Bar spielte hier noch recht dünn und kraftlos.
Das Design bleibt wie immer Geschmackssache, auf hochwertige Materialien muss man verzichten, was angesichts des Preises allerdings nicht verwundern darf. So besteht die Bar komplett aus Kunststoff, ringsum verläuft Stoff zum Schutz der Treiber. An der Verarbeitung gibt es hingegen nichts auszusetzen. Für eine Wandmontage liegt das dafür benötigte Material mit im Karton.
Bedienung und Anschlüsse
Die Steuerung erfolgt über die mitgelieferte Fernbedienung, über die Tasten am Gerät („Power“, „Quelle“, „Bluetooth“ und „Lautstärke“) oder über die Geber von anderen Fire-TV-Gerätschaften, woraufhin die Fire-Plus-Bar konzipiert und getestet wurde. Insofern hat das „Fire“ im Namen dann doch seine Berechtigung. In Ermangelung eines Displays erfolgt die Bestätigung getätigter Befehle über eine Lichtleiste an der Front bzw. über eine abschaltbare Sprachansage, die zum Testzeitpunkt allerdings nur auf Englisch mit uns kommunizierte.
Verkabelt wird die Plus-Bar bevorzugt via HDMI-eARC (ein Kabel liegt bei), über diesen Audio Return Channel sendet der Fernseher seinen Ton zum Klangbalken. Alternativ gibt es eine Toslink-Buchse für die Tonzuspielung.



HDMI-Features wie HDR-Weiterleitung, HDCP 2.3 und VRR sind überflüssig, da kein Bildsignal durch die Soundbar geschleift wird. Dank CEC-Steuerung kann man die Soundbar-Lautstärke sowie ihr Ein- und Ausschalten auch mit jeder TV-Fernbedienung bewerkstelligen. Für die drahtlose Musikzuspielung steht ausschließlich Bluetooth zur Verfügung, eine Netzwerkanbindung via WLAN oder LAN ist nicht möglich.
Tonqualität
Im Hörtest spielte die Plus-Bar relativ verfärbungsarm sowie tonal angenehm; spitze Töne sind ihr weitgehend fremd. Tiefste Bässe waren dem Riegel leider auch nicht zu entlocken, höhere Basslagen kamen dafür gut rüber. Während Hip-Hop-Beats ordentlich drückten, war der „Powerful Bass“ im Dolby-Atmos-Clip „Amaze“ kaum hör- bzw. fühlbar. Auch der Panzer im Showdown von „Ghost in the Shell“ ließ seine Urgewalt vermissen. Diesbezüglich kann man keine Abhilfe schaffen, denn ein Subwoofer lässt sich nicht ankoppeln. Dafür blieb die gute Sprachverständlichkeit bei frontaler Hörposition auch bei zunehmend seit lichen Betrachtungswinkeln erhalten. Tiefe Männerstimmen tönten zudem sonor und mit Volumen.
Mit Demo-Clips von Dolby blieb die Surround-Kulisse eher verhalten, der Sound war fast ausschließlich nach vorne fokussiert. Dort bot der Amazon-Riegel allerdings eine überraschend große Bühne, auf der Effekte sich ortbar verteilten. Auch zwischen Bar und Hörplatz tat sich einiges, zumal der Sound sich fast völlig vom Gerät löste. Höhen-Effekte vernahmen wir in unserem Testraum hingegen nicht, der Riegel hob die Tonkulisse immerhin einen halben Meter über sich selbst.
Die Raumklang-Funktion ließen wir bei Filmen stets an, denn deren Verfärbungen fielen kaum ins Gewicht, erhöhte die Räumlichkeit aber dramatisch. Für Stereo-Musik gilt das allerdings nicht. Hier schallte die Bar, trotz aktiviertem Surround-Mixer, auf sich selbst fokussiert.

Der Testbericht Amazon Fire TV Soundbar Plus (Gesamtwertung: 60, Preis/UVP: 270 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Amazons Fire TV Soundbar Plus klingt gut, ist günstig und einfach bedienbar. Mit 3D-Ton hat der Riegel aber wenig am Hut, Streaming gelingt nur per Bluetooth.
Andreas Oswald

