Kinderkrankheiten bei einem 15.000-Euro-LCD oder ein OLED-TV, der auf einem Konkurrenzmodell basiert – als bahnbrechend würden wir die Panasonic-Fernseher der letzten Jahre nicht gerade bezeichnen. Der brandneue TX-65 DXW 904 strotzt hingegen vor technischen Neuerungen, ist er doch der weltweit erste „Ultra HD Premium“-TV, was ihm unseren Innovations-Award beschert. Hinter dieser Bezeichnung steckt ein neuer Standard der Ultra HD Alliance (UHDA). So soll das Gerät vom Auflösungsvermögen über High Dynamic Range (HDR) bis hin zu erweiterten Farbräumen sämt-liche Ultra-HD-Anforderungen erfüllen (Kasten „Erster Fernseher mit Ultra HD Premium-Zertifikat“). In welch ungeahnte Bild-Dimensionen man mit dem TX-65 DXW 904 so vorstößt, erfahren Sie im Kasten „Phänomenal: HDR-Inhalte in der Praxis“.
Ausstattung und Praxis
Der in 58 und 65 Zoll erhältliche DXW 904 wartet mit so vielen Technik-Highlights auf, dass wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen. Bereits von den Vorgängern bekannt ist der Quattro-Tuner, der neben (jeweils doppelten) Empfangseinheiten für Sat, Kabel sowie DVB-T/-T2 einen TV-over-IP-Client und -Server zum Streamen beziehungsweise Verteilen der TV-Signale über das Netzwerk beherbergt. Dank zweier CI+ Einschübe können in Verbindung mit dem entsprechenden Modul auch mehrere verschlüsselte Sender gleichzeitig wiedergegeben und aufgezeichnet werden. Wie sein OLED-Bruder TX-65 CZW 954 (Test in audiovision 12-2015) verzichtet das LCD-Flaggschiff auf einen DisplayPort. Mit drei USB-Schnittstellen und vier HDMI-2.0-Eingängen samt HDCP 2.2 stehen aber ausreichend Alternativen parat.

Das Herzstück bildet das 164 Zentimeter große „Professional Cinema Display“. Panasonic ließ den Bildschirm eigenen Angaben zufolge von Filmemachern und Hollywood-Koloristen tunen, um eine außergewöhnliche Farbreinheit, Leuchtkraft sowie Kontrastdarstellung zu erreichen. Dazu trägt im Wesentlichen das vollflächige LED-Backlight bei: Einerseits gewährleistet die spezielle Phosphor-Beschichtung eine nahezu vollständige Abdeckung des DCI-Farb-raums, andererseits sorgen mehrere hundert Local-Dimming-Zonen mit neuartiger Bienenwaben-Struktur für eine erstklassige Helligkeitsabstufung. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die riesigen Lichtreserven von über 1.000 Candela pro Quadratmeter (Nit). Die Signalverarbeitung obliegt dem „4K Studio Master HCX+“-Prozessor, der auf eine weiterentwickelte Version der 3D-Lookup-Table (eine Farbkorrektur-
Tabelle) zurückgreift. Die Bildwiederholfrequenz wurde gegenüber den untergeordneten Modellen nahezu verdoppelt (3.000 statt 1.600 Hertz). Auch äußerlich setzt der DXW 904 Akzente, kommt er doch in einem hochwertig anmutenden Gehäuse mit schlankem Metallrahmen und elegantem Standfuß daher.
Standesgemäß erhalten anspruchsvolle Cineasten Zugriff auf ein umfangreiches Farbmanagement sowie die Kalibrieroption zur professionellen Bildoptimierung mit Hilfe der Software „Calman Control“ und eines entsprechenden Mess-Sensors (zum Beispiel Spectracal C6). Schade nur, dass einige Regler in Untermenüs versteckt sind, was die Navigation unnötig erschwert. Auf der Benutzeroberfläche selbst findet man sich dank des übersichtlichen Firefox-Betriebssystems sofort zurecht: Der Startbildschirm verzweigt mit seinen großen runden Icons auf alle wichtigen Funktionen und ist kinderleicht um persönliche Favoriten wie Lieblingssender erweiterbar. Smart-TV-Apps finden hier natürlich ebenfalls Platz. Das Angebot umfasst unter anderem Online-Video-theken, Nachrichten-Portale, soziale Netzwerke, Musikdienste und zu guter Letzt den Firefox-Web-Browser. Leider akzeptiert der Mediaplayer nach wie vor keine DivX-HD-Videos und schwächelt bei der 4K- respektive HDR-Wiedergabe (Details im Kasten „Phänomenal: HDR-Inhalte in der Praxis“).
Ein weiteres Manko des TX-65 DXW 904 ist sein Betriebsgeräusch, verursacht von sechs Lüftern auf der Rückseite. Diese werden vom „VR-Audio Master Surround 2.1“-Boxensystem jedoch locker übertönt: Bis auf die etwas verwaschenen Mitten und Höhen klingen die Vierfach-Passivstrahler angenehm satt.
Bildqualität Fernsehen
Wenn das mal keine blendenden Aussichten sind: Mit Leuchtreserven von bis zu 1.153 Candela pro Quadratmeter – wohlgemerkt: im farbneutralen Bildmodus „Professionell 1“ und bei SDR-Signalen – stellt Panasonics Flaggschiff so ziemlich jeden von uns bisher getesteten Fernseher buchstäblich in den Schatten; gewissermaßen auch den Sony KD-75 X 9405 C (audiovision 8-2015), der seine 1.317 Candela einzig im blaustichigen Preset „Brillant“ erreicht. Selbst unter direktem Auflicht kommt ein knackiges und sauber differenziertes Bild zustande, was der satte Hellraumkontrast von 1.717:1 unterstreicht. Aus einem Blickwinkel von 45 Grad sinkt die Helligkeit auf knapp ein Drittel und die Farben bleichen stark aus – hier hat LGs OLED-TV 65 EF 9509 die Nase klar vorn.
Punktabzug gibt es außerdem für die Bewegungsdarstellung, verursachen schnelle Motive und Kameraschwenks doch sichtbare Nachzieheffekte. Wird bei benutzerdefinierter „Intelligent Frame Creation“ die Blur-Reduktion maximiert, nehmen diese leicht ab, verschwinden aber nie ganz. Die Clear-Motion-Schaltung kann man sich getrost sparen, da sie rund 25 Prozent Leuchtkraft kostet und unschöne rote Farbsäume produziert. Makellos ist hingegen die Vollbildwandlung.


Zum Vergleich: LGs OLED-TV 65 EF 9509 (Test auf Seite 28) kommt mit maximal 408 Candela in Spitzlichtern nur auf ein Drittel und unterbietet die niedrigere HDR-Vorgabe (für OLED-TVs) von 540 Candela. In größeren Weißfenstern sinkt LGs Leuchtdichte noch deutlich weiter ab – bis auf knapp ein Siebtel respektive magere 120 Candela im vollflächigen Weißbild.

Bildqualität Blu-ray
Das Upscaling von Full-HD-Inhalten gelingt gut. Trotzdem bringt das Zuspielen von 4K-Signalen über Blu-ray-Player wie den Oppo BDP-105 oder Sony BDP-S 790 einen leichten Schärfegewinn. Leider wirken 3D-Filme etwas unscharf. Lob verdient der DXW 904 für die einwandfreie 24p-Wiedergabe dank besonders feinstufiger Filmglättung („Film Smooth“). Die Bahamas-Szenen unseres Sehtest-Klassikers „Casino Royale“ beeindrucken durch die schiere Helligkeit und die naturgetreuen Farben; eine derart niedrige Delta-E-Abweichung erreichte bislang kein anderer Kandidat. In nächtlichen Sequenzen kombiniert der Panasonic eine mit OLEDs vergleichbare Schwarzdarstellung mit blendend hellen Spitzlichtern. Das belegt auch der Kontrast eines kleinen Weißfelds auf Schwarz, der einen für LCD-TVs unglaublichen Wert von 600.000:1 erreicht; ohne Local-Dimming liegt der native Kontrast bei 3.200:1. Das niedrige Preset der adaptiven Backlight-Steuerung überzeugt, während die höheren Stufen die düstere Monte-negro-Szene bereits leicht absaufen lassen. Selbst die weiße Schrifteinblendung erscheint knackscharf und ohne Halo-Effekte; andere Local-Dimming-TVs haben damit große Probleme. Dennoch haben wir eine Szene gefunden, in der die Schaltung Bildinformationen verschluckt: Zu Beginn von „Gravity“ sind die Sterne im Weltall nur in einem schmalen Streifen neben der Erde sichtbar, zum Rand hin verschwinden sie vollständig. Das lässt sich im Menü „Backlight-Schwarzwert“ zum Glück beheben, indem man von der Einstellung „Dunkel“ auf „Normal“ oder „Hell“ wechselt. Das volle Potenzial entfaltet der Panasonic jedoch erst, wenn er mit echten 10-Bit-HDR-Inhalten via HDMI versorgt wird (siehe Kasten „Phänomenal: HDR-Inhalte in der Praxis“).

Programm:
Panasonic stattet den TX-65 DXW 904 mit allen erforderlichen Anschlüssen aus. Die Wärmeabfuhr übernehmen sechs Lüfter auf der Oberseite.

Die UHD-Premium-Norm enthält Technologien wie eine erhöhte Quantisierung (mindestens 10 Bit), erweiterte Farbräume (Wide Color Gamut DCI und Rec.2020) sowie HDR (High Dynamic Range) und HDR-EOTF (SMPTE ST2084), die elektrooptische Transferfunktion. Letztere ersetzt die alte Gammakurve und differenziert gerade dunkle Graustufen weitaus feiner. Die zur UHD-Quelle passenden HDR-Einstellungen werden über Metadaten dem TV-Gerät signalisiert (HDMI 2.0a). Für die Anpassung an die Hardware des Fernsehers muss Panasonics „Studio Master HCX+“-Prozessor fein umrechnen.
Um alle Abstufungen zwischen Schwarz und Weiß sehen zu können, fordert die UHDA Leuchtstärken von 0,05 bis mindestens 1.000 Candela oder alternativ Leuchtdichten zwischen 0,0005 und 540 Candela. Der zweite Fall kommt den heute noch recht dunklen OLEDs entgegen: Sie zeigen sowohl die untersten Graustufen als auch Schwarz ohne Artefakte einer Local-Dimming-Schaltung extrem satt und dürfen im Ausgleich halb so hell leuchten wie ihre LCD-Kollegen.

Zuerst das nicht so Gute: Panasonics USB-Mediaplayer spielt zwar 10-Bit-Dateien und wechselt auf den HDR-Bildmodus, reicht die Clips aber lediglich in 8-Bit-Qualität an das Display. Das führt zu Stufen (Banding) im eigentlich fließenden Grauverlauf unserer HDR-Testbilder oder, in einer sommerlichen Landschaftsszene, zu wabernden Farbsprüngen in hellen Wolken. Zudem erkennen wir Ruckler oder Frame Drops – ein Firmware-Update würde diesem Mediaplayer gut tun.
Zum Glück fallen derlei Limitierungen via HDMI weg. Aktiviert man die ab Werk abgeschaltete HDR-Funktion (Menü „Setup“ / „HDMI HDR Einstellung“), gibt es HDR-Inhalte in 10-Bit-Reinkultur zu sehen. Der Panasonic wechselt bei entsprechenden HDR-Videos auf den Farbmodus „Rec.2020“ und dreht den Kontrast voll auf. Unterschiedliche Bildeinstellungen für SDR- und HDR-Clips merkt er sich. Bei Problemen hilft notfalls das Menü „Rec.2020-Remaster“ und steuert die Farben nach.
Panasonic hat auch die Details der HDR-Bildverarbeitung bestens im Griff. Die Aussteuerung heller Inhalte endet bei 1.200 Candela, also exakt der maximalen Spitzenhelligkeit des Displays (gemessen haben wir 1.250 Candela). Alle Farben und Mischfarben werden bis zu dieser Grenze sauber ausdifferenziert. Referenzpegel von 100 Candela im Graubild gibt er fast in korrekter Helligkeit aus und auch die Schärferegler sind perfekt auf HDR-Inhalte getrimmt: Sie wirken sehr fein und zeigen auch bei voller Aussteuerung keine Säume.
Diese Qualitäten hauen den Betrachter um, sofern ein Filmproduzent seinen HDR-Clips mit Profi-Equipment auf dem Monitor den letzten Schliff gegeben hat. Mal blendet die HDR-Bildverarbeitung in hellen Szenen mit aberwitziger Kontrastdynamik die Augen, mal holt sie aus dunklen Kontrasten unfassbare Details heraus oder lässt bunte Lichter vor dem nächtlichen Oktoberfest lebensecht leuchten. Winzige Spritzer in der schäumenden Gischt funkeln klar heraus, im Meer leuchten alle Farbnuancen. Der Mond strahlt vor rabenschwarzem Nachthimmel hell wie nie, die Plastizität und Tiefenwirkung solcher Szenen ist phänomenal. Wir können es kaum erwarten, die ersten 4K-Blu-ray-Discs mit HDR-Inhalten auf diesem Fernseher zu bestaunen.

4K-Wiedergabe
Gut gefällt die scharfe und saubere Bildqualität beim Abspielen von UHD-Fotos (inklusive Diaschau mit Begleitmusik) sowie -Videos über den internen Mediaplayer: SDR-Clips verschiedener Frame-rates werden mit korrekter Bildfrequenz und ohne Ruckeln dargestellt; dies gilt ebenso für Sportmitschnitte mit 50 Bewegtphasen pro Sekunde. Grundsätzlich spielt der DXW 904 auch HEVC-Dateien ab, was aber nicht immer klappt. mr/ur/ff
Der Testbericht Panasonic TX-65DXW904 (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 6000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2016 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Mit 10-Bit-HDR-Inhalten, wie sie die 4K-Blu-ray bieten wird, stößt der hervorragend ausgestattete TX-65 DXW 904 in ungeahnte Bild-Sphären vor. Auch mit normalem TV- sowie Blu-ray-Material besticht das neue Panasonic-Flaggschiff durch beste Farbtreue, starke Kontraste und exzellente Leuchtkraft – und landet so in unserer Referenzklasse. Beim Blickwinkelverhalten und der Bewegungsschärfe ist allerdings noch Luft nach oben.








