Hinter dem neuen Thomson Go Plus verbirgt sich keine tragbare Musikbox, sondern ein mobiler Bildschirm mit eingebautem Akku. Doch das ist nicht seine einzige Besonderheit.
Bizarr beginnt schon der Aufbau des Thomson Go Plus. So misst die Verpackung des 32 Zoll großen Monitors knapp zwei Meter in der Breite. Dies liegt am mitgelieferten Standfuß, denn dieser 1.000 Euro teure 4K-Bildschirm soll nicht auf, sondern neben dem Tisch stehen. Dafür wird der Monitor an dem Standbein, dessen Unterseite mit Rollen ausgestattet ist, einfach eingeklipst.
Der Sinn dieser Rollen erschließt sich schnell: Der Thomson Go Plus ist dank eines Lithium-Ionen- Akkus mobil einsetzbar. Besagter Akku reicht für vier Stunden, braucht allerdings auch drei Stunden für eine volle Aufladung. Der Monitor ist nicht nur mit dem Betriebssystem Android ausgestattet, sondern auch mit einer Touchscreen-Funktion.
Tablet auf Rädern
Das hat Vor- wie Nachteile. Zum einen ist der Thomson Go Plus schnell eingerichtet, vor allem dank der Touch-Steuerung. Zwar ist eine Fernbedienung im Lieferumfang enthalten, über Berührungen lässt sich das Riesentablet aber deutlich leichter ansteuern. Der in der Fernbedienung integrierte Mauszeiger funktioniert bei unserem Test-Exemplar leider mehr schlecht als recht, zumindest hätte ein Mausrad wie bei den LG-Geräten gutgetan.
Ein Mikrofon für Sprachsteuerung ist nicht verbaut, weder am Bildschirm noch am Geber. Allerdings gibt es andere Modelle derselben Reihe mit diesen Funktionen. Der Thomson Go Plus Pro FHD kommt sogar mit einem Subwoofer, einem Mikrofon und einer Kamera daher, hat aber weder Akku noch Rollen. Weitere Varianten verfügen über eine Ablagefläche unter dem Bildschirm oder sind reine TV-Versionen.
Die beiliegende Fernbedienung besitzt nur die nötigsten Funktionen. Neben den Standardtasten gibt es eine Mauszeiger-Funktion, die sich leider im Schneckentempo bewegt. Die am Bildschirm integrierte Touch-Steuerung ist intuitiver, sorgt aber für Abdrücke auf dem Display.


Mit dem Bildschirm kommt der Thomson Go Plus auf eine minimale Höhe von 113 cm. Mit ausgefahrener Halterung sind es stattliche 133 cm, vertikal sogar 148 cm. Dank der integrierten Rollen kann man den Go Plus in der Horizontalen beliebig drehen. Eine Bremsfunktion an den Rollen gibt es nicht, dennoch steht der Thomson Go Plus stabil. Zudem ist der Bildschirm in der Vertikalen um 90 Grad in beide Richtungen drehbar. Nach vorne und hinten kann sich der Monitor von 15 bis 20 Grad neigen. Die Verarbeitung sorgt, trotz fehlender Bremsfunktion, für einen stabilen Halt und eine sichere Fortbewegung des Präsentationsbildschirms.

Zusätzliche Bedienelemente für Lautstärke und zum Anschalten sind auf der Rückseite integriert. Das Android-Betriebssystem kommt auch schnell an seine Grenzen. Denn am Ende ist der Thomson Go Plus vor allem ein Tablet, entsprechend dürftig sind seine Einstellungsmöglichkeiten. Bei den Display-Settings ist lediglich die Helligkeit konfigurierbar – so wie man es von einem iPad kennt.
Gleiches gilt für den Ton, der auf Lautstärkeeinstellungen limitiert ist. Ein paar Equalizer-Optionen hätten den zwei Drei-Watt-Treibern auf jeden Fall nicht geschadet. Externe Speaker sind über die zwei USB-Ausgänge oder den HDMI-Stecker ansteuerbar, berauben den Thomson Go Plus aber damit seiner Mobilität. Zumindest lassen sich Kopfhörer über Bluetooth koppeln.
Bild- und Tonqualität
Trotz der bescheidenen Konfigurationsmöglichkeiten ist die Bildqualität passabel. Dennoch bleibt der Bildschirm ziemlich dunkel, schließlich besitzt er nur eine Leuchtdichte von 220 Nits. Das ist für einen modernen TV zu wenig – vor allem in heller Umgebung. Dennoch sehen Filme wie „Interstellar” auf dem Thomson Go Plus zufriedenstellend aus, auch wenn die Farbsättigung recht hoch ist und es keinerlei Zwischenbildberechnung gibt. Die Blickwinkeltreue geht in Ordnung.

Für Gaming ist der Thomson Go Plus wenig brauchbar. Selbst mit 60 Hz flüssig laufende Spiele wie „Viewfinder“ oder „Skyrim“ auf der Playstation 5 kommen immer wieder ins Stottern. Kanten sind ebenfalls leicht überschärft, zudem führen Schwenks zu Schlierenbildung an kontrastreichen Übergängen. Für düstere Horrorspiele wie „Resident Evil Requiem” ist der Monitor ungeeignet, denn hier verschwinden viele Texturen und Details in der Dunkelheit. Generell fallen Helligkeitsabstufungen für unseren Geschmack zu grob aus – auch aufgrund der fehlenden HDR-Unterstützung. Die für Videospieler wichtigen Features VRR und ALLM sind ebenfalls nicht an Bord.
Am Ende ist der Thomson Go Plus eine nette Idee. Für diese Größe wurde für ein Tablet noch die maximale Transportfähigkeit ausgeschöpft. Dennoch stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Als Entertainment-Gerät ist er kaum brauchbar, zumindest kann der Monitor als Bildschirm mit eingebautem Betriebssystem punkten. Allerdings ist weder die Mobilität eines gewöhnlichen Tablets gegeben, noch die Einstellmöglichkeiten eines Monitors. Was bleibt, ist ein Präsentationsgerät, das aber weitaus günstiger mit einem Beamer oder einem handelsüblichen Tablet ersetzt werden könnte.


Der Testbericht Thomson Go Plus (Gesamtwertung: 54, Preis/UVP: 1.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Thomsons Konzept eines großen, fahrbaren Tablets ist interessant, wird allerdings schnell obsolet. Für Entertainment-Zwecke kaum zu gebrauchen bleibt als Einsatzfeld lediglich ein Bürokomplex, der auf Beamer verzichtet, übrig.
Thomas Stuchlik

