Der Xgimi Titan ist der erste DLP-Heimkinoprojektor, in dem der brandneue 0,78-Zoll-Chip verbaut wurde. Wie sich das auf die Bildqualität auswirkt (und vieles mehr), verraten wir in diesem Test.
Trotz eines nicht gerade günstigen Preises von 4.000 Euro wird der Xgimi Titan in einem schlichten braunen Karton geliefert. Ummantelt ist er mit einem stabilen Schaumstoff, damit er auf dem Transportweg keinen Schaden nimmt. Zum Lieferumfang gehören ferner eine Objektivabdeckung und ein Objektivschutz, eine Fernbedienung, zwei Kurzanleitungen, das Netzkabel sowie vier Standfüße mit Schrauben und dem für die Montage benötigten Werkzeug.
Vor dem Filmvergnügen erfolgt der Zusammenbau. Die höhenverstellbaren Füße werden an die Unterseite geschraubt, sie verleihen dem 11,5 Kilogramm schweren Beamer-Flaggschiff des Herstellers ein außergewöhnliches Design, das man auch als stylish bezeichnen kann. Die Stellfläche beträgt 44,1 x 34,5 Zentimeter. Mit 304 Watt ist die Leistungsaufnahme überraschend gering für einen Projektor, der nominell 5.000 Lumen erzielt.
Ausstattung und Technik
Der 0,78 Zoll große DLP-Chip von Texas Instruments unterstützt eine Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel via Pixelverschiebung (alle technischen Details dazu finden Sie im Kasten auf der nächsten Doppelseite). Die duale Laserlichtquelle basiert auf roten und blauen Dioden mit Phosphorelementen (erzeugen zusätzlich Grün) zur Emittierung von Weiß. Der Vorteil dieser Technologie ist gegenüber RGB-Lasern, dass kein störendes Laserspeckle auftritt. Eine Angabe über die Lebensdauer der Lichtquelle macht Xgimi nicht, sie dürfte aufgrund der verwendeten Technik bei rund 20.000 Stunden liegen, bis sich die Helligkeit halbiert.
Ein Bildmodus namens „IMAX-Enhanced“ ist implementiert, dieser ist aber lediglich bei Zuspielung von entsprechend zertifiziertem Quellmaterial verfügbar. Der „Filmmaker-Modus“ kann hingegen immer eingeschaltet werden, um Spielfilme so zu erleben, wie vom Regisseure vorgesehen.
Mit der silber-schwarzen Fernbedienung gelingt die Navigation im dunklen Heimkino komfortabel, weil fast alle Tasten illuminiert sind. Lediglich die Direktwahltasten für die Bildmodi Standard, Movie, Vivid, TV und Plus/Minus für die Lautstärke sind nicht hinterleuchtet.



Der Unterschied zum kleineren 0,47-Zoll-Chip liegt daher nicht in der Auflösung, sondern in der größeren physikalischen Oberfläche der Mikrospiegel. Diese ermöglichen niedrigere Interferenzen (Überlagerung von Lichtwellen, die zu Streifen im Bild führen können). Die Detailabgrenzung ist präziser, weil Farben auf Pixelebene feiner voneinander getrennt werden. Das Resultat ist eine bessere Schärfe. Darüber hinaus wird der Kontrast auf Pixelebene sichtbar und messbar gesteigert.
Während der kleinere 0,47-Zoller alle Bildsignale in 60 Hz ausgibt, was zu Pulldown-Ruckeln führt, unterstützt der 0,78-Zoll-Chip native 24, 50 und 60 Hz, so dass sich nativ eine originalgetreue Bewegungsdarstellung ergibt.

In Sachen High Dynamic Range werden Dolby Vision und HDR10+ unterstützt. Ein dynamisches Tone-Mapping sorgt zudem dafür, dass auch die statischen Varianten HDR10 und HLG bestmöglich aufbereitet werden. Hier kommt der erste von Xgimi entwickelte 4K-fähige KI-Prozessor zum Einsatz. Er analysiert jedes Bild in Echtzeit und passt Schärfe, Detailwiedergabe, Farbe und Kontrast an. Die Zwischenbildkompensation namens „Bewegungsausgleich“ besitzt drei Regelstufen, um die Abbildungsschärfe von HDR- und SDR-Signalen zu verbessern.
Für die Kalibrierung des Gamuts steht ein Sechs-Achsen-Farbmanagement zur Verfügung. Darüber hinaus ist ein 2-Punkt- und 11-Punkt-Weißabgleich implementiert, um Weißpunkt (D65), Graustufenverlauf und Gamma auf Perfektion zu trimmen. Zu guter Letzt wollen wir nicht unerwähnt lassen, dass auch die Wiedergabe von 3D-Inhalten unterstützt wird (siehe Kasten nächste Doppelseite).
Ein Soundsystem, Autofokus, automatische Bildausrichtung und WLAN-Anbindung für Updates komplettieren die Ausstattung. Auf Lens-Memory und integrierte Apps muss hingegen verzichtet werden. Letzteres verwundert, da Xgimi bei kleineren Modellen smarte Betriebssysteme integriert.
Installation und Bedienung
Zunächst entfernen wir den Objektivdeckel und stecken dafür das Schutzglas auf, damit kein Staub ins Gerät kommt. Nach dem erstmaligen Einschalten öffnet sich automatisch ein Installationsmenü, in dem Sprache und WLAN eingestellt werden. Danach sucht der Projektor selbstständig nach einer aktuellen Firmware-Version.
Fokus und Bildlage passt der Titan automatisch an. Manuelle Eingriffe sind aber möglich. Leider funktioniert die „Fokus“-Taste auf der Fernbedienung unseres Testgerätes nicht, so dass wir für die Schärfeeinstellung durch das On-Screen-Display (OSD) manövrieren müssen.
Das 1,5-fache Zoomobjektiv besitzt ein Projektionsverhältnis von 1,2:1 bis 1,8:1. Demzufolge erzielt der Titan eine Bildbreite von 2,50 Meter aus einer Entfernung von 3 bis 4,50 Meter. Da der Beamer zentrisch abstrahlt, sollte er auf Höhe der Leinwandmitte aufgestellt werden. Ist eine Platzierung am unteren oder oberen Rand der Leinwand angedacht, reicht der Verschiebebereich des Lens-Shifts von +/- 50 Prozent (die Herstellerangabe von +/- 100 Prozent können wir nicht bestätigen), um das Bild vollständig auf die Leinwand darzustellen. Darüber hinaus kann das Bild um 40 Prozent horizontal verschoben werden. Für einen DLP-Projektor ist diese Flexibilität aller Ehren wert.
Die Navigation durch die selbsterklärenden Menüs gelingt zügig. Wenn der Beamer final eingestellt ist, wechselt er automatisch in den vorab eingestellten Bildmodus. Hierbei werden die Farbräume Rec.709 für HDTV und DCI-P3 für HDR zuverlässig erkannt. Nach sieben Sekunden ist der Projektor heruntergefahren. Das Hochfahren geht ebenso schnell.




In der Praxis profitieren Filme massiv von der hohen Lichtausbeute des Projektors. Hinter der 3D-Brille, welche den Rotblitz vollständig unterdrückt, messen wir satte 1.040 Lumen. „Avatar: The Way Of Water“ wird ruckelfrei mit 24 Hz projiziert. Die Farben erscheinen natürlich. Crosstalk-Effekte treten nicht auf, so dass weder Säume noch Geisterbilder auszumachen sind. Die fehlende Auflösung macht sich weniger stark bemerkbar als vermutet. Als die Familie von Jake Sully über eine Art Netz zu ihrer Hütte läuft, erscheint die Struktur der Lauffläche eine Spur weicher als in der 2D-Full-HD-Version des Films. Flugaufnahmen besitzen eine herrliche räumliche Tiefe und Pop-out-Effekte beeindrucken nachhaltig.

Licht und Farbe
Im Bildmodus „Hochleistung“ messen wir erwartungsgemäß die höchste Lichtausbeute, die mit 7.830 Lumen die Herstellerangabe deutlich übertrifft. Die Farbtemperatur ist mit über 13.000 Kelvin allerdings viel zu kühl. Darüber hinaus drehen die Lüfter wie Flugzeugtriebwerke hoch und erzeugen einen Pegel von 50 Dezibel.
Im „Filme“-Modus ist der Xgimi Titan mit 31 Dezibel zwar immer noch kein Leisetreter, aber er unterbietet die Herstellerangabe immerhin um ein Dezibel. Die Werkseinstellungen sind in diesem Bildmodus herausragend, zur Perfektion sind nur minimale Anpassungen nötig. Diese Korrekturen haben eher einen akademischen Wert, weil das Ergebnis unterhalb der mensch lichen Wahrnehmungsschwelle liegt. So können wir die Farbtemperatur von 6.448 Kelvin auf 6.500 Kelvin verbessern. Die Lichtausbeute beträgt kalibriert 4.260 Lumen für SDR und 4.410 Lumen für HDR. Das reicht aus für Bildbreiten bis 6,60 Meter (SDR), wenn wir 16 Footlambert ansetzen, respektive 4,80 Meter (HDR) mit 32 Footlambert.
Der native Kontrast beträgt 1.665:1 (On/Off), 1.640:1 (In-Bild) und 450:1 (ANSI). Dynamisch lässt sich der Kontrast auf 135.000:1 steigern, was den mäßigen Schwarzwert von 2,65 Lumen (statisch) auf sehr gute 0,03 Lumen (dynamisch) verbessert. Hierbei bietet der Projektor fünf Anpassungsmöglichkeiten. Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund ist mit unseren Einstellungsempfehlungen farbneutral; Schleierwolken stellen sich nicht ein.
Von der zusätzlichen Nutzung „Dynamischer Kontrast“ und „KI-Kontrast“ raten wir bei SDR- und HDR10-Material ab, weil beide Eingriffe Bilder ins Schwarz absaufen lassen. Bei Dolby Vision sollten hingegen beide Helferlein aktiv bleiben, denn sie sorgen für einen besseren Kontrasteindruck. Das Schwarz kann in dunklen Szenen meist überzeugen, auch weil die hohe Lichtausbeute durch Spitzlichter und satte Farben viel „kaschiert“. Die Kombination aus Absenkung der Gesamthelligkeit und Gammaausgleich funktioniert prächtig.
Im Vergleich legen die nativen 4K-Projektoren von Sony und JVC aber noch eine Schippe beim Schwarzwert drauf. Vor allem Nachtaufnahmen sind mit den LCOS-Lichtwerfern (D-ILA, SXRD) sichtbar dunkler, haben mehr Tiefe und Brillanz. Allerdings kostet die japanische Konkurrenz auch ein paar Tausender mehr.
Die Farbräume Rec.709 und DCI-P3 werden vom Xgimi Titan zu 100 Prozent abgedeckt. Mit 95 Prozent ist die Ausleuchtung ebenfalls sehr gut, weil eine Helligkeitsabweichung zu den Seiten nicht sichtbar ist. Das Gamma 2,4 erfüllt die Vorgabe punktgenau, entsprechend werden helle und dunkle Inhalte bestmöglich durchgezeichnet. Der Graustufenverlauf ist mit durchschnittlich 0,6 DeltaE auf dem Niveau von Referenzmonitoren, so dass sich über alle Helligkeitsabstufungen neutrale Farben einstellen.
Bildqualität
Blockbuster werden mit 24 Hz präzise reproduziert. Wird die Zwischenbildkompensation auf „Schwach“ gestellt, nimmt die Bewegungsschärfe sichtbar zu, ohne dass sich ein Seifenoper-Effekt einstellt. Bis zu den Rändern liefert der Proband ein messerscharfes Ergebnis. Während Laserspeckle mit Abwesenheit glänzt, ist ein leichtes Farbblitzen (DLP-Regenbogen Effekt) in kontrastreichen Szenen zu verzeichnen. Einen Grauschleier können wir selbst in Nachtaufnahmen nicht ausmachen. Mit HDR-Inhalten läuft der Xgimi Titan zur Hochform auf. Von 0 bis 10.000 Nits werden alle Inhalte in „Sully“ (HDR10) reproduziert. Die Displays und die US-Flagge am Times Square leuchten strahlend hell. Das Gesicht von Tom Hanks weist einen natürlichen Teint auf. Nichts überstrahlt ins Weiß oder läuft im Schwarz zu. Steven Spielbergs „West Side Story“ profitiert ebenfalls vom dynamischen Tone-Mapping des Titan. Als Maria abends auf der Feuerleiter steht, sind alle Sprossen der umliegenden Leitern erkennbar. Die bunten Fenster leuchten farbstark. Als Maria mit ihren Freunden aus dem Boxclub rennt, sind von der Straße bis zum Hintergrund kleinste Details klar auszumachen. Dolby-Vision-Filme übertreffen diese Qualität noch. So sprühen in „Elvis“ der Vorspann und die Aufnahmen des Kings auf der Bühne vor HDR-Wow-Momenten. Feinste Edelsteine sind auf der goldenen Gürtelschnalle des Musikers erkennbar. Und während seiner Konzerte sieht man einzelne Zuschauer selbst in der letzten Sitzreihe. In „Top Gun: Maverick“ feiern wir den Testflug ob der extrem hellen Spitzlichter von über 4.400 Lumen, die der Beamer auf die Leinwand knallt. Sterne am Himmel, Funkenflug und letztendlich die Explosion bei einer Geschwindigkeit von Mach 10 begeistern ob ihrer Plastizität. Derart farbstark leuchtende Farben bekommen wir nicht täglich zu Gesicht. Tageslichtaufnahmen muten realistisch an, dank der hohen Lichtausbeute. Als die Flugzeuge durch die Schlucht donnern, können wir einzelne Bäume an den schneebedeckten Hängen ausmachen. Die kontrastreiche Innenaufnahme der Radarstation, die in rotes Licht getaucht ist, löst schiere Begeisterung in uns aus. So muss HDR aussehen!




Der Testbericht Xgimi Titan (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 4.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2026 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der Xgimi Titan punktet mit einer extrem hohen Lichtleistung, exzellenten Farben, tollem HDR und kontrastreichen Bildern. Für 4.000 Euro wird man nur schwer einen besseren Beamer finden.
Michael B. Rehders

