Beim neuen QN900F setzt Samsung auf 8K-Auflösung, Mini-LEDs und Quantum Dots. Mit jeder Menge Künstlicher Intelligenz will der 75-Zöller Bild und Ton optimieren.
Man mag es stur nennen, konsequent oder selbstbewusst: Als einziger großer TV-Hersteller setzt Samsung auch im Modelljahrgang 2025 auf neue 8K-Fernseher. Neben dem Flaggschiff QN990F bringen die Koreaner den von uns getesteten QN900F auf den Markt. Der Flachmann arbeitet mit einem Mini-LED-Backlight, das 7.680 x 4.320 Bildpunkte erleuchtet. Am Portfolio nativer 8K-Inhalte hat sich in letzter Zeit wenig getan. Bei YouTube wird das Angebot an Demomaterial und selbstgedrehten Smartphone- und Action-Cam-Clips zwar kontinuierlich größer; aber bei Streaming-Anbietern oder TV-Sendern ist die XXL-Bildauflösung noch kein Thema, und daran wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Deshalb lautet das wichtigste Kaufargument weiterhin „8K-Upscaling“ – entsprechende TV-Boliden wie der QN900F sollen durch das Hochrechnen auf 8K-Auflösung auch aus niedriger aufgelösten Inhalten qualitativ mehr herauskitzeln. Wir checken diese Behauptung natürlich in diesem Test des 75-Zöllers, der für 5.600 Euro den Besitzer wechselt. Für den 65-Zöller ruft Samsung 4.100 Euro auf, der 85-Zöller kostet 8.800 Euro.
Eine der wesentlichen Änderungen gegenüber dem Vorgänger QN900D: Samsung verzichtet auf die externe One Connect Box und integriert alle Anschlüsse klassisch in die Rückseite des Geräts. Der GQ75QN900F fällt dadurch mit 3,85 Zentimeter deutlich dicker als der GQ75QN900D aus. Eine externe Anschlussbox gibt es nur beim 8K-Spitzenmodell QN990F. Mit dieser realisiert Samsung erstmals die kabellose Übertragung in 8K und mit bis zu 120 Hertz per Funkverbindung.
Konzipiert ist der GQ75QN900F im so genannten Metal Frame Design: Ein grauer Metallrahmen mit einer Stärke von 2,4 Zentimeter lässt den Flachmann wie den hauseigenen Design-Fernseher „The Frame“ aussehen. Hinter dem Display haben die Koreaner Lautsprecher integriert, außer dem ein spezielles Lüftungskonzept – Sound kommt von der Seite zum Zuschauer, Frischluft gelangt von oben in den Fernseher für ein möglichst effektives Wärme-Management. Als Füße sind zwei dezente Metallstreben im Einsatz.
Kompakt und aus Kunststoff: Die Samsung-Fernbedienung lädt ihren internen Akku per Sonnenlicht oder mittels USB-C-Port. Sie kommt mit wenigen Tasten aus. Möglich ist dies durch Mehrfachbelegungen. Neu ist die Taste oben in der Mitte , um Zusatzinformationen zu laufenden TV-Sendungen aufzurufen.

Eine Besonderheit des QN900F ist sein mattes Display. Die so genannte „Glare Free“-Technologie gibt dem Panel eine wellenförmige Oberfläche mit einer speziellen Beschichtung. Diese streut das Licht in verschiedene Winkel und Richtungen. Als Resultat gibt es, so viel können wir an dieser Stelle schon verraten, weniger Reflexionen als bei normalen Panels. Für die Wandmontage unterstützt der 75-Zöller die VESA-Norm 400 x 300 Millimeter.
Im GQ75QN900F kommen Tausende Mini-LEDs zum Einsatz. Diese sollen sich laut unseren Informationen auf nunmehr 1.446 Dimming-Zonen verteilen, Samsung macht hierzu seit Jahren keine offizielle Angabe. Beim Vorgänger GQ75QN900D war das Backlight noch in 1.920 Bereiche unterteilt.
Ausstattung & Bedienung
Mit dem Neural Quantum 8K AI Gen2 arbeitet im 75-Zöller Samsungs derzeit zweitleistungsstärkster Prozessor. Im teureren QN990F kommt bereits das Triebwerk der dritten Generation zum Einsatz, das nicht auf 256 neuronale Netzwerke wie im QN900F, sondern auf 768 setzt. Diese haben die Aufgabe, Inhalte jedweder Auflösung bestmöglich auf 8K-Auflösung zu skalieren.
Als echte Neuheit hat Samsung die Bildwiederholrate bei zugespielter 4K-Auflösung dieses Jahr auf bis zu 165 Hertz hochgeschraubt, um Spiele noch flüssiger zum Leben zu erwecken. Alle vier HDMI-Ports unterstützen den 2.1-Standard mit Auto Low Latency Mode (ALLM) und Variable Refresh Rate (VRR), ein Port nimmt 8K-Signale mit maximal 60 Hertz entgegen, die drei anderen liefern eine 4K-Wiedergabe mit bis zu 240 Hertz. Videospieler profitieren von FreeSync Premium Pro und HGiG, über die Gamebar kann man alle relevanten Parameter anpassen und die Seitenverhältnisse 21:9 und 32:9 wählen.



Der Samsung Art Store, der bisher nur auf The Frame und den sündhaft teuren Micro-LED-Modellen zugänglich war, ist ab sofort auch auf den QLED- und Neo-QLED-Modellen des 2025er-Jahrgangs verfügbar. Nach einer dreimonatigen Gratis-Testphase steht der mit über 3.000 Kunstwerken aufwartende Art Store allerdings nur gegen Gebühr zur Verfügung. Entweder werden pro Monat 4,99 Euro fällig oder man bezahlt für das Jahresabo 49,90 Euro. Im Laufe des Jahres können Kunst-Fans sich auf weitere Exklusiv-Kunstwerke aus den Kollektionen der Art Basel und Art Basel Paris freuen. Einen technischen Wermutstropfen wollen wir dabei nicht verschweigen: Das 8K-Panel des GQ75QN900F nutzen die Kunstwerke nicht bestmöglich, liegen sie doch nur in 4K-Auflösung vor.

Die TV-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 hat Samsung jeweils doppelt verbaut, um bei USB-Aufnahmen maximale Flexibilität zu genießen. Zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) ist ebenfalls möglich. Das Display lässt sich dank „Multi View“-Option in bis zu vier Bereiche unterteilen. Kombinieren kann man unter anderem Live-TV, Blu-ray-Player, Webcam, Smartphone und Streaming-Dienste. An Sprachassistenten sind Amazon Alexa und Bixby integriert.
Als Betriebssystem steht traditionell Tizen OS zur VerfĂĽgung. Optisch erinnert dies im Jahrgang 2025 stark an frĂĽhere Versionen. Der Startbildschirm ist weiterhin durch die waagerecht angeordneten Apps charakterisiert. Von denen bietet der QN900F jede Menge, speziell im Bereich Streaming mit HD+, WOW, Joyn, Apple TV+, Disney+, Netflix, Amazon Prime Video, RTL+ und anderen (siehe auch App-Vergleich auf Seite 46).
Der 75-Zöller arbeitet schnell und reagiert flott. Das trifft auf Senderwechsel gleichermaßen wie auf das Starten von Apps zu. Links ist der „Samsung Gaming Hub“ eingebettet, der auch Nicht-Besitzern einer Konsole vielfältigen Spielspaß und den Zugriff auf diverse Cloud-Services bietet. Der Startbildschirm listet unter anderem Programmvorschläge auf – mit der Zeit lernt der Fernseher die Vorlieben seiner Zuschauer kennen und leitet daraus Präferenzen ab. Tizen OS gestattet hierfür das Anlegen unterschiedlicher Benutzerkonten. Ansprechend ist die neue Menüstruktur für audiovisuelle Anpassungen. Die modifizierten Fenster werden nicht mehr mittig, sondern am linken Bildschirmrand eingeblendet. Samsung erlaubt es, die Größe und die Transparenz des Menüs selbst festzulegen.
Noch mehr Möglichkeiten bietet jetzt die für iOS und Samsung erhältliche Gratis-App „Smart-Things“, über die man den 75-Zöller nicht nur blitzschnell einrichten kann. Sie verwandelt Tablets und Smartphones auch in Steuerzentralen, erlaubt das Durchstöbern von Mediatheken und Streaming-Apps und gewährt Zugriff auf den Art Store (siehe Kasten oben). Außerdem kann man Bild- und Tonmodi wechseln, das Mobilgerät für TV-Spiele in ein Gamepad umfunktionieren, Fotos, Videos und Musik auf den Flachmann streamen und den QN900F kalibrieren. Die kompakte Samsung-Fernbedienung setzt nach wie vor auf wenige Tasten und damit auf Mehrfach-Belegungen. Der interne Akku wird per Sonnenlicht oder via USB-C geladen. Für einen Fernseher in dieser Preisklasse dürfte der Kunststoff des Signalgebers etwas hochwertiger ausfallen. Leider fertigen die Koreaner ihre Fernbedienung nicht mehr wie in der Vergangenheit aus Metall, sondern nur noch aus Plastik an.



Stellt man bei den Bildsettings „Adaptives Bild: KI-optimiert“ ein, so analysiert der 75-Zöller selbstständig die Umgebung und den aktuellen Inhalt, um wichtige Parameter in Echtzeit zu optimieren. Zudem stehen neben einem „Sportereignis-“ auch ein „Film“ und ein „Allgemein-Szenario“ zum Abruf bereit. Hier werden Settings wie Farbe, Kontrast und Ton vom Flat-TV in Eigenregie angepasst, um eine Sportübertragung oder einen Film visuell zu optimieren. Im Audio-Bereich kann der QN900F die Sprachlautstärke und mögliche Umgebungsgeräusche in Echtzeit checken, um die Deutlichkeit der Dialoge zu verbessern. Die „Adaptive Lautstärke“ passt den Pegel anhand der Nutzungsgewohnheiten und der Audioeingabe an. „Daily Board“ gestattet es, dass automatisch Informationen etwa zum Wetter auf einem eigenen Hintergrund angezeigt werden, sobald jemand den Raum betritt und sich dem Bildschirm nähert. Sprachbefehle werden in diesem Kontext ebenfalls unterstützt.

Benutzer können mit jedem Controller oder Headset über Bluetooth spielen, bis zu vier Geräte lassen sich anschließen. Downloads sind nicht erforderlich, alle Spiele werden gestreamt, damit gibt es auch keine Probleme mit Speicherplatzbeschränkungen. Ein PC oder eine Konsole werden nicht benötigt. Der Samsung Gaming Hub selbst ist kostenlos, über diesen kann man die Spiele-Streaming-Dienste direkt abonnieren oder sich mit bereits vorhandenen Login-Daten anmelden. Ein Samsung-Account ist nicht notwendig, um den Gaming Hub zu nutzen; er ist jedoch empfehlenswert, weil dann unter anderem auch die Spielstände bei den einzelnen Streaming-Partnern gespeichert werden können. Mit der TV-Fernbedienung kann man durch das Angebot navigieren. Allerdings braucht man einen externen Controller, um die Spiele im Gaming Hub zum Leben zu erwecken.

Bildqualität
8K-Displays sind grundsätzlich Stromfresser. Damit die seit 2023 geltenden EU-Richtlinien für Energieeffizienz eingehalten werden können, muss man auch den GQ75QN900F nach dem Einschalten erst mal von allen Energiespar-Optionen befreien und den „Eco“-Modus verlassen. Möchte man das Maximum an Helligkeit aus dem Display herausholen, aktiviert man die „Helligkeitsoptimierung“ und kann die „Mindesthelligkeit“ auf einen Wert bis „50“ hochdrehen. Für eine möglichst farbgetreue Wiedergabe empfehlen wir das „Filmmaker“-Setting. Hier sind im 10-Prozent-Weißfeld bis zu 2.092 Candela drin (der Vorgänger GQ65QN900D schaffte nur 1.475 Candela), bei einem Weißanteil von 50 Prozent ermitteln wir 1.455 Candela und bei vollflächiger Weißdarstellung noch 878 Candela. Auch der ANSI-Kontrast von 2.300:1 kann sich ebenfalls sehen lassen, denn der helle Flachmann stellt hervorragendes Schwarz dar. Bei frontaler Draufsicht zeigt er trotz weißer Einblendungen eine homogene und super dunkle Schwarzfläche. Von der Seite gesehen wird das Bild kaum schlechter, das Blooming ist minimal.
Die Blickwinkelstabilität des XXL-Boliden ist top, Farben behalten lange ihre Dynamik und Kraft bei. OLEDs sind in dieser Disziplin aber noch einen Tick besser. Der Samsung skaliert HD-Material wie die Blu-ray „Deutschland von oben“ gekonnt hoch. Allerdings sollte man bei einem 189-Zentimeter-Apparat nicht zu nah vor dem Panel sitzen, sonst sieht man bei HD-Auflösung auch Kompressionsartefakte und dezentes Rauschen.
Wir empfehlen das Feature „Automatisches HDR-Remastering“. So verleiht der Samsung Häusern, Landschaften, Bergen und Flüssen aus der Deutschland-Doku mehr Dynamik und Kontrast. Die Kontrastverbesserung sollte man auf „Gering“ stellen, der „Color Boost Pro“ ist ebenfalls eine effektive Lösung, um mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Farbintensität auf angenehme Art und Weise anzupassen. Das matte Display leistet hervorragende Arbeit: Spiegelungen durch Sonnen- oder Kunstlicht werden auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Brillanz von Farben und Schwarz nimmt nicht spürbar ab.
Beim Thema HDR hat Samsung gegenüber dem Vorgänger nichts verändert, der QN900F unterstützt neben HLG auch HDR10+ Adaptive, aber weiterhin kein Dolby Vision. Um das volle Potenzial des Flachmanns auszureizen, sollte man 4K-HDR-Futter zuspielen. Dann strotzt der Fernseher nur so vor Schärfe und farblicher Lebendigkeit. Faszinierend, wie plastisch Landschaften selbst im „Filmmaker“-Modus reproduziert werden. Als Zuschauer taucht man förmlich in die Handlung ein und genießt feinste Farbübergänge. Die volle Punktzahl erhält der Koreaner auch für die Darstellung von Bewegungen. Im Test stellen wir dazu die „Judder-Minderung“ auf „3“ und die „Unschärfeminderung“ auf „9“. Sogar in dunklen Passagen präsentiert sich der Samsung sehr detailverliebt und zeichnet in Schatten dezente Konturen und Strukturen sauber nach.
Tonqualität
Beim Ton setzt der QN900F auf ein 70 Watt starkes 4.2.2-Kanal-System mit Dolby-Atmos-Unterstützung. Der Samsung spielt füllig und luftig auf, gibt Stimmen klar wieder und ist auch bei höheren Lautstärken weitgehend pegelfest. Filmmusik hat Druck, selbst auf seitlichen Sitzplätzen genießt man eine schöne räumliche Klangbühne. Effekte stellt der 75-Zöller recht plastisch dar.




Der Testbericht Samsung GQ75QN900F (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 5.600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Mit nativem 8K-Material zeigt der GQ75QN900F, was in ihm steckt. Er liefert ein extrem scharfes sowie unglaublich plastisches Bild. Bei Ausstattung und Verarbeitungsqualität lässt der Samsung ebenfalls keine Wünsche offen. Für die meisten Nutzer dürften die mitunter deutlich günstigeren 4K-Neo-QLED-Fernseher der Koreaner jedoch ausreichen.
Jochen Wieloch

