Samsungs QN85D-Serie steht im hauseigenen Bereich der Neo-QLED-Modelle für Einsteiger-Fernseher. Der von uns getestete 55-Zöller kostet offiziell 1.600 Euro, zu Redaktionsschluss bot Samsung den TV-Apparat aber sogar auf der eigenen Homepage rund 600 Euro günstiger an. Optional gibt es das Gerät in 65, 75 und 85 Zoll zu unverbindlichen Preisempfehlungen von 2.300 bis 4.400 Euro.
Der GQ55QN85D arbeitet nicht nur mit Quantum Dots für reinere und kräftigere Farben, sondern auch mit Mini-LEDs für satteres Schwarz. Tausende dieser winzigen Backlight-Lichtquellen sind dazu in unterschiedliche Dimming-Bereiche unterteilt. Waren es beim Vorgänger noch um die 500, so hat Samsung diese im aktuellen Gerät auf 120 separat ansteuerbare Zonen reduziert. Wie sich dies auf die Schwarz-Performance auswirkt, verraten wir später im Bildcheck.
Der 55-Zöller steht stabil auf einem carbon-silberfarbenen, sechseckigen Fuß. Seitlich und oben fällt der Gehäuserahmen angenehm schlank aus. Mit 4,7 Zentimeter inklusive Anschlüssen ist der 55-Zöller nicht übermäßig tief. Bei Bedarf eignet er sich dank der VESA-Norm 600 x 400 Millimeter für die einfache Montage an der Wohnzimmerwand.
Ausstattung und Praxis
Obwohl der QN85D in der Samsung-Flotte weiter unten angesiedelt ist, nennt er den leistungsstarken 4K AI Gen2 Prozessor sein Eigen. SD- und HD-Inhalte werden mithilfe von Künstlicher Intelligenz und 20 neuronalen AI-Netzwerken auf 4K skaliert. Der Flachmann erkennt zudem Tages- oder Umgebungslicht und passt die Sichtbarkeit in dunklen Szenen automatisch an. Für eine bessere Bild tiefe erhöht der „Real Depth Enhancer“ den Kontrast im Bildvordergrund. „Auto HDR Remastering“ will per Deep-Learning-Algorithmen SDR-Inhalte annähernd in HDR-Qualität wiedergeben. Außerdem gestattet der Samsung-Fernseher eine zertifizierte Farbdarstellung von bis zu 2.030 so genannten Pantone-Farben und 110 zusätzlichen Hauttönen.
Aufgrund von Mehrfachbelegungen kommt der kompakte Signalgeber mit wenigen Tasten aus.



Auf dem GQ55QN85D kann man zwei Quellen gleichzeitig darstellen – der „Multi View“-Modus macht es möglich. Samsung bietet zwei Layouts zur Auswahl an: Entweder werden beide Fenster gleich groß nebeneinander dargestellt, oder ein Inhalt wird in einem kleineren Fenster oben rechts eingebettet. Auch das Live-Bild einer Webcam lässt sich auf dem Panel anzeigen, insofern diese über ein USB-Kabel mit dem 55-Zöller verbunden ist. Praktisch ist die Option, die Smartphone-Kamera auf dem Flat-TV zu nutzen, etwa, um bei Workouts die eigenen Übungen auf die korrekte Ausführung hin zu kontrollieren. Wahlweise scannt man per Smartphone einen QR-Code vom Fernseher ab oder man wählt die Kamera in der „SmartThings“-App aus. Hier muss man zunächst die Kamerafreigabe erteilen. Voraussetzung sind mindestens die Software-Versionen Android 10 oder iOS 13.

Alle vier HDMI-Ports unterstützen dank Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR) und 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz die 2.1-Spezifikationen. Hinzu kommen FreeSync Premium Pro und HGiG (HDR Gaming Interest Group), um optimiertes HDR-Gaming zu ermöglichen. Der „AI Auto Game Modus“ erkennt die Art des vorliegenden Spiels und passt die aus Sicht des Fernsehers optimalen Einstellungen in Eigenregie an. Für manuelle Eingriffe eignet sich die Game Bar. Hier kann man unter anderem die Seitenverhältnisse 21:9 und 32:9 für größere Sichtbereiche wählen, virtuelle Zielpunkte setzen und auf Input-Lag, HDR, VRR und die Bildwiederholrate Einfluss nehmen.
Als Benutzeroberfläche vertraut Samsung auf sein bewährtes wie ausgereiftes Tizen OS. Hier gelangt man direkt zu zahlreichen Apps und vielen Streaming-Diensten wie Disney+ und Amazon Prime Video (siehe App-Check auf Seite 46). Zudem gewährt Samsung TV Plus ohne Anmeldung Zugang zu mehr als 200 kostenlosen Live-TV-Kanälen und tausenden Filmen. Außerdem hat man den Gaming Hub mit vielen Cloud-Gaming-Diensten im Blick, der eine Konsole überflüssig macht, kann über Daily+ seine täglichen Aktivitäten verwalten und mittels SmartThings alle kompatiblen Geräte mit dem Fernseher steuern. Philips Hue Sync erlaubt eine synchrone Beleuchtung zu TV- und Spiele-Inhalten auf dem Flatscreen. Smartphones mit NFC-Unterstützung (Near Field Communication) kann man durch Berührung mit dem Rahmen mit dem 55-Zöller koppeln, um beispielsweise Fotos und Videos komfortabel zu streamen.
Samsung verspricht, dass alle PIN-Codes und Passwörter auf dem GQ55QN85D durch mehrere Soft- und Hardware-Maßnahmen sicher sind. „Samsung Knox Security“ will sämtliche mit dem Flat-TV verbundenen Geräte schützen. Auf Sprachbefehle reagiert der Koreaner via Amazon Alexa und Bixby. Gesteuert wird der Apparat über eine handliche Fernbedienung mit wenigen Tasten. Dies gelingt durch Mehrfachbelegungen, wodurch das Handling für Erstbenutzer nicht ganz so intuitiv ist. Der interne Akku wird per Sonnen- und Kunstlicht oder über einen USB-C-Anschluss geladen.



Bild- und Tonqualität
Unsere Bildmessung attestiert dem Samsung im SDR- wie im HDR-Bereich eine exzellente Farbtreue. Farben reproduziert der 55-Zöller auch in der Praxis kraftvoll und unverfälscht, Gesichter erscheinen natürlich. Als effektiv erweist sich die Möglichkeit, mit einem Apple- oder Android-Smartphone und der „SmartThings“-App den Koreaner zu kalibrieren. Die Farbtemperatur wird dabei optimiert. Für einen Fernseher in dieser Preisklasse fällt die Blickwinkelstabilität ordentlich aus, wobei OLEDs in dieser Disziplin höhere Kontraste und mehr Helligkeit liefern. Erstaunlich gut schneidet die Leuchtkraft ab. Im „Filmmaker“-Modus schafft der Samsung 930 Candela, 810 Candela sind es bei einem Weißanteil von 50 Prozent, immer noch stolze 775 Candela bei 100 Prozent. Ein offensichtlicher Software-Fehler des 55-Zöllers verhindert eine Messung im „Dynamisch“-Modus, wir erwarten hier deutlich mehr als 1.000 Candela. Der ANSI-Kontrast fällt mit 1.700:1 ordentlich aus.
Ein Lob kassiert der Samsung ebenfalls für seine Bewegungsdarstellung. Mit 100-Hertz-Technik, „Unschärfeminderung“, „Judder-Minderung“ und „LED Clear Motion“ kann man dem Flachmann geschmeidige und nahezu ruckelfreie Bewegungen entlocken, und das selbst in hektischen Sequenzen. Die farblich authentischsten Ergebnisse liefert der „Filmmaker“-Modus, der es etwas dezenter mag, aber trotzdem bei Plastizität und Schärfe überzeugt. Für HDR-Darstellungen beherrscht der Samsung die Formate HLG, HDR10, HDR10+ und HDR10+ Adaptive, aber kein Dolby Vision. Durch seine stattliche Spitzenhelligkeit zieht er Zuschauer mit Produktionen wie „Unser Planet“ in den Bann. Grüntöne in der Natur werden satt und mit hoher Detailfülle sowie schöner Dynamik auf das Display geholt. Feine Farbabstufungen meistert der QN85D bravourös, auch in dunklen Bildbereichen geizt er nicht mit Details.
Die Schwarzdarstellung des Flachmanns ist richtig gut. Schaut man frontal auf das Display, so sind Aufhellungen um weiße Objekte kaum existent; selbst von der Seite gesehen, schlägt er sich wacker. Die Homogenität der Ausleuchtung ist klasse, Filmbalken bereiten auch in komplett abgedunkelten Räumen viel Freude. Damit eignet sich der 55-Zöller sogar für anspruchsvollere Heimkinos.
Zumindest beim Ton hat Samsung Dolby an Bord, so wird das Raumklangverfahren Atmos unterstützt. Rein vom Papier her hat der Hersteller bei der Akustik im Vergleich zum Vorgänger GQ55QN85C abgespeckt. Hier kam ein 2.2.2-Kanal-System mit 60 Watt zum Einsatz, jetzt sind es nur noch 2.2 Kanäle mit 40 Watt. Die Sprachwiedergabe ist von Natur aus gut und kann über das Menü verbessert werden.
Der Klang ist insgesamt recht voluminös und ausgewogen, Raumklang mit Aha-Effekten darf man allerdings nicht erwarten. Für sattere Bässe sollte man auf eine externe Soundbar zurückgreifen. Musik spielt der 55-Zöller auch bei etwas höheren Raumpegeln präzise ab, ohne gleich als unangenehm plärrig empfunden zu werden.




Der Testbericht Samsung GQ55QN85D (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 1.600 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Günstiger als mit dem GQ55QN85D kann man kaum in die Referenz klasse vordringen! Schwarzdarstellung, Helligkeit, Ausstattung und Bedienkomfort sind top; so ist die fehlende Dolby-Vision-Unterstützung der einzige echte Kritikpunkt.
Jochen Wieloch

