Hinter der W95A-Serie verbergen sich bei Panasonic die LCD-Flaggschiffe des aktuellen Modelljahrgangs. Angeboten werden die Apparate in den Zollgrößen 55, 65 und 75 Zoll zu Preisen von 1.500 bis 2.400 Euro. Der von uns getestete 55-Zöller verteilt mehrere Tausend Mini-LEDs auf knapp 200 Dimming-Zonen.
Das reine Display fällt mit 1,5 Zentimeter angenehm schlank aus und wird von einem Kunststoffrahmen umgeben, inklusive Anschlüssen ist der TV-55W95A mit 7,1 Zentimeter in der Tiefe allerdings eher voluminös; er thront auf zwei Metallfüßen. Diese lassen sich nur außen montieren, daher benötigt man selbst für den 55-Zöller eine mindestens 97 Zentimeter breite Fläche. Zur Wandmontage wird die VESA-Norm 400 x 300 Millimeter unterstützt.
Ausstattung und Praxis
Wie bei seinen Top-OLEDs des aktuellen Jahrgangs setzt Panasonic auch bei diesem Mini-LEDler auf Fire TV als Betriebssystem. So kommt man unter anderem in den Genuss zahlreicher Spiele- und Streaming-Apps. Zu letzteren zählen Netflix, Paramount+, Joyn, WOW, Magenta TV, Apple TV+, Disney+, Netzkino und DAZN (siehe auch App- Vergleich auf Seite 46). Wer private HD-Sender via HD+ empfangen will, muss auf eine integrierte App an Bord verzichten. Fire TV läuft schnell, die Bedienung gelingt intuitiv. Für Familien ist es sinnvoll, von der Einrichtung unterschiedlicher Nutzerkonten Gebrauch zu machen, um von personalisierten Benutzerprofilen zu profitieren. Mit Fire TV Ambient verfügt der Panasonic über die Möglichkeit, das Display in eine Leinwand für Kunstwerke, Fotos, Musik und Alexa-Widgets zu verwandeln.
Der große Steuerstab punktet mit einer übersichtlichen Tasten-Anordnung und klarer Struktur.



Panasonic verspricht, dass die Farbgenauigkeit der Filmindustrie jetzt auch in der Gaming-Welt Einzug hält. Das „Game Control Board“ erlaubt den Zugriff auf Anzeige- und Tonmodi, auf Helligkeit und die Option, Input-Lag und Variable Refresh anzupassen. Hier können die Modi „RPG“ (Role-Playing Games) und „FPS“ (First-Person-Shooter) für subtile Soundverbesserungen eingeschaltet werden. Das „Game Control Board“ lässt sich bei Bedarf schnell über die „My App“-Taste auf der Fernbedienung aufrufen.
Der W95A ist zudem AMD FreeSync Premium-zertifiziert. Mit kompatiblen Grafikkarten von AMD wird auf diese Weise eine flüssige Spiele-Darstellung ermöglicht. Im Gegensatz zum früheren Panasonic-Betriebssystem My Home Screen bietet Fire TV eine breite Palette an Spielen. Diese werden in einer eigenen Rubrik aufgelistet. Im Amazon Game Center informiert der Flachmann darüber, wie man Bluetooth-Gamecontroller mit dem Flat-TV koppeln und Luna-Spiele mit dem Smartphone als Controller steuern kann.

Obwohl die Japaner nicht mehr ihre eigene Benutzeroberfläche My Home Screen verwenden, dürfen sich Käufer über den bewährten Penta-Tuner mit Twin-Tunern für Kabel, Satellit und DVBT2 sowie die zusätzlichen Empfänger für IPTV und TV>IP freuen. Der Panasonic lässt sich unabhängig von einer Antennendose im Haus aufstellen, TV-Signale kommen via Internet oder werden über das heimische Netzwerk weitergeleitet. TV-Mitschnitte lassen sich auf USB-Festplatte realisieren. Während man Sendung A aufzeichnet, kann man Sendung B auf einem anderen Kanal verfolgen.
Im Inneren des Japaners werkelt der Chipsatz HCX Pro AI Processor MK II mit Künstlicher Intelligenz. Dieser erkennt eine Sportart und passt Bild und Ton in Eigenregie an. Der „Filmmaker“-Modus arbeitet mit dem firmeneigenen „Intelligent Sensing“, um das Bild zu optimieren und klarer zu zeichnen. Die Fernbedienung hat für dieses Feature eine eigene Taste reserviert. Dieses soll das Bild verbessern, indem es die Farbtemperatur bei warmen Lichtverhältnissen senkt oder dunkle Töne in hellen Umgebungen anhebt.
Der Signalgeber hat ein schönes Gewicht und punktet durch eine sinnvolle Tastenanordnung mit jeweils sauberen Druckpunkten. Amazon Prime Video, Netflix, Disney+, YouTube und Amazon Music erreicht man direkt. Über die Mikrofontaste aktiviert man die smarte Sprachassistentin Alexa. Zum Streamen beherrscht der Fernseher neben Apple AirPlay 2 und Chromecast auch Bluetooth.
Von den vier HDMI-Ports unterstützen zwei die HDMI-2.1-Features Auto Low Latency Mode (ALLM) und Variable Refresh Rate (VRR). Näheres zu den Gaming-Optionen erfahren Sie im Kasten oben.
Bild- und Tonqualität
Wir beginnen im Bildmodus „Normal“ mit der HD-Doku „Die Nordsee von oben“ auf Amazon Prime. Den automatischen Weißabgleich schalten wir ein, das Ergebnis ist deutlich wärmer und angenehmer für die Augen. Der Panasonic punktet durch gute Skaliereigenschaften und ein natürliches Bild. Die Detailfreude ist groß, ein Überflug über ein Kreuzfahrtschiff zeigt sauber gezeichnete Kanten an Fenstern, feine Helligkeitsunterschiede in der weißen Außenhaut und präzise Spiegelungen in den Scheiben der Kabinen. Den Autoverladehafen von Emden stellt der TV-55W95A nicht ganz perfekt dar. Die riesigen dunkelgrauen Asphaltflächen werden durch einen großflächigen Moiré-Effekt in ihrer Homogenität gestört. Das Bild fl irrt sichtbar. Überflüge aus der Luft über das Wasser vorbei an Gebäuden und Schiffen meistert der Panasonic dagegen mühelos und geschmeidig. In der „Intelligent Frame Creation“ kann man diverse Parameter anpassen, bei aktivierter „Clear Motion“ dunkelt das Bild sichtbar ab.



Für ein maximal authentisches Videoerlebnis empfehlen wir auch bei diesem Flat-TV den „Filmmaker“-Modus. Dieser ist nicht ganz so hell wie die Settings „Normal“ und „Dynamik“, aber die gesamte Bildkomposition gelingt am treffsichersten. Farben sehen authentisch aus, wie bei einem Blick aus dem Fenster. Wichtig: Die Schärfe leidet nicht und auch die Tiefenwirkung ist klasse. Wolken am Himmel beispielsweise stapeln sich in verschiedenen Ebenen und erzeugen einen wunderbar plastischen Eindruck.
Im „Dynamik“- und „Normal“-Modus knackt der Panasonic fast die stolze Marke von 1.500 Candela. Im farblich besten „Filmmaker“-Modus sind es mit 1.325 Candela etwas weniger. Bei vollflächigem Weiß schafft der Apparat 719 Candela, 875 Candela sind es bei einem Weißanteil von 50 Prozent. Der ANSI-Kontrast fällt mit 1.750:1 überdurchschnittlich aus.
Beim Thema High Dynamic Range ist der W95A bestens aufgestellt: Zu den unterstützten Spezifikationen gehören HLG, HDR10, HDR10+ Adaptive und Dolby Vision IQ. Eine Dokumentation über Istanbul – auf YouTube sogar in 8K-Auflösung abrufbar – zeigt eindrucksvoll, welches Potential in dem 55-Zöller steckt. Die Millionenmetropole wird ungemein scharf dargestellt, der Abendhimmel leuchtet in den kräftigsten Farben und die Straßen erstrahlen ruhig und glatt wie ein Spiegel. Die wenigen Schaumkronen, die vorbeifahrende Schiffe im Wasser aufwirbeln, sind weithin sichtbar und von enormer Detailverliebtheit. In großen homogenen Flächen könnten Farbübergänge punktuell eine Nuance harmonischer verlaufen. Die Blickwinkelstabilität ist ordentlich, agiert allerdings nicht auf OLED-Niveau.
Bei der Schwarzdarstellung kann der Panasonic nicht mit der Performance des Samsung GQ55QN85D aus diesem Testfeld mithalten. Schwarz ist selbst bei frontaler Draufsicht nicht so satt, der Bildschirm leicht fl eckig und von dezenten Aufhellungen betroffen. Blooming-Effekte kann der Japaner nicht mit der Effektivität des Koreaners unterbinden.
Das Soundsystem mit Dolby-Atmos-Unterstützung liefert 50 Watt und verfügt über einen zusätzlichen Subwoofer. Stimmen gibt der Panasonic klar wieder. Die akustische Fülle des Flachmanns ist gut, allerdings fehlt es ein wenig an Dynamik und Druck. Musik ertönt klar mit schöner Akzentuierung, die Bässe sind ausbaufähig.


Der Testbericht Panasonic TV-55W95A (Gesamtwertung: 84, Preis/UVP: 1.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der Panasonic TV-55W95A ist ein überzeugender Mini-LED-Vertreter mit ansprechender Fire-TV-Benutzeroberfläche, hoher Leuchtkraft, toller Ausstattung und guter Bedienbarkeit. Einzig beim Schwarzwert ist noch Luft nach oben.
Jochen Wieloch

