Aluminium und ein OLED-Panel mit Mikrolinsen: Loewe setzt beim stellar 77 dr+ auf außer gewöhnliche Zutaten und ein Betriebssystem aus Fernost. Ist der 2-Meter-Gigant der beste Fernseher, den die Kronacher je gebaut haben?
„Betongold“ stand bisher als Synonym für die (vermeintliche) Sicherheit, in Immobilien zu investieren. Mit dem stellar bietet Loewe jetzt eine attraktive Alternative. Denn die neue OLED-Modellreihe verfügt bis zu einer 65-Zoll-Diagonale über eine Rückwand aus echtem Beton – sofern vom Kunden gewünscht. Das ist ein Hingucker und zugleich eine schöne Abwechslung im weitgehend schwarzen Plastik-Einheitsbrei der TV-Hersteller. Die Betonmischung besteht zu 70 Prozent aus natürlichem Gesteinsmaterial und ist zu 100 Prozent in Deutschland handgefertigt. Dadurch ist jeder stellar in gewisser Weise ein Unikat.
Angeboten wird der Flachmann mit einer Panelgrößen-Auswahl von 42 bis 83 Zoll, im Laufe des Jahres soll eine 97-Zoll-Variante folgen. Wir haben uns für den 77-Zöller entschieden, der mit 10.000 Euro zu Buche schlägt. Für den 42-Zoll-Einsteiger werden 3.000 Euro fällig, für die 83-Zoll-Variante muss man 15.000 Euro investieren.
Der Rahmen ist aus gebürstetem Aluminium hergestellt, als markantes Designelement hat Loewe die Signature-Flag aus Metall montiert. Beim Einschalten synchronisieren die Kronacher das Lichtspiel unter dem Display mit dem beleuchteten Loewe-Logo auf dem Bildschirm (siehe Kasten nächste Doppelseite).
Viele Varianten
Den stellar gibt es in drei verschiedenen Farb- und Materialkombinationen. Bis zu einer Panel-Größe von 65 Zoll kann man aus einer TV-Rückwand in Beton-natur oder Lava-schwarz und Aluminium wählen. Für die Farbvariante „alu black + lava“ (42 bis 65 Zoll) wird bei der Herstellung des Displaymoduls das massive Profil des Display-Alurahmens in zusätzlichen Arbeitsschritten schwarz eloxiert. Zudem wird der Beton der Rückwand mit Pigmenten aus Lava-Gestein schwarz eingefärbt und zum Schutz der Oberfläche transparent versiegelt.
Doppelpack: Die schwere Alu-Fernbedienung von Loewe (links außen) liegt toll in der Hand und erfüllt höchste Ansprüche. Um die Bixby-Sprachsteuerung zu nutzen, muss man (noch) einen separaten kompakten Steuerstab nutzen.



Die von LG stammenden OLED-Display-Module basieren auf der „W-OLED MLA META 2.0“-Technik, sind aber von Loewe konzipiert, konstruiert und gefertigt (siehe Kasten rechte Seite). Das in vier Layern eigens hergestellte OLED-Modul verspricht laut Loewe erstmals die absolute Planheit eines OLED-Displays. Die winzigen Mini-Linsen dienen dazu, die Lichtausbeute effektiv zu verstärken. Der stellar 77 dr+ bringt ohne Aufstelllösung satte 47,5 Kilogramm auf die Waage.
Das Gerät ist 7 Zentimeter tief und wird mit einer Wandhalterung geliefert, die bereits in der Geräterückwand integriert ist. Loewe bietet mit dem table stand motor stellar (großes Bild linke Seite) und dem floor stand motor stellar (kleines Bild im Kasten oben rechts) zwei zusätzliche jeweils um +/- 45 Grad motorisch drehbare Standlösungen mit versteckter Kabelführung an, die jeweils 1.200 Euro kosten. Manuell verstellbare Tischfüße gibt es nur bis 65 Zoll, alle Bodenstandfüße sind motorisch per Fernbedienung verstellbar. Die integrierte, nach vorne abstrahlende Soundbar versteckt sich hinter einem hochglanz-schwarz lackierten Metallgitter oder einem mattschwarzen Akustikstoff.
Betriebssystem von Tizen
Beton an der Rückwand bleibt nicht das einzige Novum beim stellar. Auch in Sachen Benutzeroberfläche geht Loewe mit dem stellar einen neuen Weg. So setzt der 77-Zöller nicht wie der inspire (Test in 9-2024) auf VIDAA von Hisense, sondern auf Samsungs Tizen OS. Die Loewe-spezifischen Eingriffe fallen bisher überschaubar aus, diesbezüglich will man aber nachbessern. So empfängt einen der Flachmann nach dem Einschalten mit der typischen Samsung-Begrüßungsmelodie, zudem wird ein Samsung-Account zum Herunterladen zusätzlicher Apps benötigt.
In der aktuellen Version 8.0 läuft alles flott und das Streaming-Angebot ist mit Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Rakuten TV, Joyn, Magenta TV, RTL+ und mehr äußerst umfangreich (siehe auch App-Vergleich auf Seite 46). Sky Wow soll bis Ende März integriert werden, Apple TV+ will man im Juni nachliefern und an einer Integration der „HD+“-App wird ebenfalls gearbeitet, wie uns Loewe auf Nachfrage mitteilte. Das Unternehmen hofft, dass die neuen Features für bereits ausgelieferte Geräte per Software-Update angeboten werden können.
Wenn es nach Loewe geht, wird der stellar ab Juni Streaming via Apple AirPlay beherrschen. Miracast und DLNA erlauben es bereits jetzt, Inhalte über das Netzwerk zu teilen und den 77-Zöller darüber zu steuern. Möglich macht dies die App „SmartThings“ für mobile Apple- und Android-Geräte. Über diese kann man Apps direkt auf dem stellar starten, auf Empfehlungen zugreifen und diverse Einstellungen vornehmen.
Der „Multi View“-Modus auf dem 77-Zöller erlaubt die parallele Darstellung von zwei Inhalten. Kombinieren kann man unter anderem Live-Fernsehen, Streamingdienste, Blu-ray-Player, Smartphone-Oberflächen und Webcams. Die Option, eine Smartphone-Kamera als USB-Webcam-Ersatz zu nutzen, wie es auf aktuellen Samsung-TVs bereits möglich ist, besteht nicht.



Für Anpassungen ist die Fernbedienung mit einer eigenen Taste ausgestattet, um magic.light individuell zu konfigurieren. Drückt man die magic.light- und die Einstellungstaste gleichzeitig für fünf Sekunden, so erscheint im kleinen Bullaugen-Display in der Soundbar (signature.ring) eine Linie aus sieben gelben Punkten. Hierüber kann man die Leuchtdauer zwischen 2 und 50 Sekunden anpassen. Ab Werk schaltet sich magic.light automatisch in Abhängigkeit von der Raumhelligkeit ein oder aus. Der Zuschauer kann diese Entscheidung aber auch selbst treffen und die Beleuchtung je nach Geschmack dauerhaft ausschalten. Über die Richtungstasten auf der Fernbedienung hat man zudem die Möglichkeit, die Helligkeit und die Sättigung des Leuchtbands einzustellen. Darüber hinaus gibt es die Option für eine Farbanpassung. Hierzu gehören nicht nur Warmweiß und Kaltweiß, sondern auch diverse Farben. Loewes magic.light ist nicht vergleichbar mit Ambilight bei Philips-Fernsehern, es schafft jedoch eine gemütliche und wohlige Atmosphäre, die dem Fernsehabend einen besonderen Flair verleihen kann.

Integrierte Aufnahme-Option
Der stellar richtet sich nicht nur an TV-Zuschauer, die gerne streamen, sondern auch an das klassische Publikum linearen Fernsehens. Dazu dürften in dieser Preisklasse einige gehören. So ist der Flachmann, wie es sich für einen echten Loewe gehört mit einem doppelten Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 ausgestattet. Außerdem haben die Kronacher für TV-Aufnahmen eine ein Terabyte große SSD-Festplatte verbaut, die geräuschlos arbeitet und flexible Mitschnitte gestattet. Eine Sendung im Ersten zu schauen und parallel eine im ZDF aufzunehmen ist kein Problem.
Der Loewe werkelt auf dem Chassis SL950 im Zusammenspiel mit einem Novatek NT72676 Chipsatz. Sein Arbeitstempo ist top. Gut zu wissen: Das Gerät verfügt über einen Netztrennschalter, was bei einem OLED eine Seltenheit ist, da man OLED-Fernseher aufgrund nächtlicher Panel-Refresh-Durchgänge eigentlich nicht vom Strom trennen sollte. Beim 77-Zöller befindet sich dieser in der Bildschirmmitte an der Geräteunterseite.
Die Anschlüsse sind beim 77-Zöller rückseitig integriert und können durch Blenden unsichtbar gemacht werden. Verbaut sind vier HDMI-Anschlüsse, die alle den Standard 2.1 beherrschen. Folglich unterstützt der stellar Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) und die 4K-Wiedergabe mit bis zu 144 Hertz. Pfiffig sind die beiden USB-C-Anschlüsse, welche bei einem Flachbildfernseher noch eine Rarität sind.
Bei seiner Fernbedienung setzt Loewe wie gehabt auf hochwertiges Aluminium. Der Steuerstab ist schwer, robust und übersichtlich gestaltet. Für Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und das Internet sind Direktwahltasten vorhanden. Zudem kann man bei Bedarf einen motorisierten Standfuß drehen. Leider hat Loewe darauf verzichtet, eine Mikrofontaste für den Sprachassistenten Bixby in die eigene Fernbedienung zu integrieren. Aus diesem Grund wird ein zweiter Steuerstab mitgeliefert. Der trägt zwar ebenfalls den Loewe-Schriftzug, doch handelt es sich um den von Samsung-Fernsehern bekannten Signalgeber. Leider entschied sich Loewe für die Kunststoff-Version mit Batteriebetrieb und nicht für die höher wertige Metall-Akku-Variante. In der zweiten Jahreshälfte möchte man hier eine Alternative anbieten.
Bildqualität
Im ersten Schritt sollte man in die Einstellungen und hier zu den Energiesparoptionen gehen. Ist die „Helligkeitsoptimierung“ aktiviert, wird die Bildschirmhelligkeit automatisch entsprechend dem Umgebungslicht eingestellt, die Mindesthelligkeit lässt sich zwischen 5 und 50 manuell festlegen.
Bei den zur Verfügung stehenden Bildmodi gibt sich Loewe bescheiden, so stehen nur „Dynamisch“, „Standard“ und „Film“ zur Auswahl. Bei einem 77-Zöller ist eigentlich klar: HD-Material sollte mindestens vorliegen, denn SD-Sendungen sieht man bildliche Schwächen sofort in Form von Doppelkonturen und Artefakten an – egal wie viel Künstliche Intelligenz der Prozessor bei der Skalierungsarbeit zum Einsatz kommt.
Aus HD-Material holt der Loewe dann auch ein ausgesprochen ansehnliches Bild raus – mit natürlichen Farben, guter Schärfe und schöner Plastizität. Hier kommen die positiven Eigenschaften eines OLEDs durch sattes Schwarz, hohen Kontrast und eine überzeugende Blickwinkelstabilität toll zur Geltung. Im „Film“-Modus dunkelt das Bild deutlich ab, zudem geht die Schärfe ein wenig verloren. Die Farben hinterlassen in diesem Setting dafür den natürlichsten Eindruck. Falls man sich etwas mehr Kontrast wünscht, kann man mit dem Feature „Kontrastverbesserung“ effektiv nachwürzen. Den Spitzenwert für die Helligkeit sollte man, wenn man das Maximum aus dem Panel herauskitzeln will, auf „Hoch“ stellen.







Wunderbare Testsequenzen für Bewegungsdarstellungen sind das Hochhaus und der Leuchtturm von Büsum in der Dokumentation „Die Nordsee von oben“. Vorbeiflüge gelingen butterweich ohne Ruckler, und Diagonalen sowie das geschwungene Geländer am maritimen Gemäuer werden exakt ohne Doppelkonturen abgebildet.
Mit 4K- und HDR-Material legt der stellar dann nochmal eine Schippe drauf und zeigt ein scharfes und tiefes Bild. In einer Dokumentation über New York zaubert er ein glänzendes Lichtermeer auf den Bildschirm mit sehr schöner räumlicher Staffelung. Wolkenkratzer reiht sich hier an Wolkenkratzer, der Bildeindruck ist top, die Detailfreude riesig. Im nächtlichen Manhattan kann man einzelne Fenster in den Häuserschluchten bestens erkennen; Strukturen gelingen wunderbar fein, Farben sind sehr natürlich. Der Loewe überdreht nicht, sondern setzt vielmehr auf ein authentisches Ergebnis, auch im „Dynamisch“-Modus übertreibt er es im Gegensatz zu anderen Flachbild-Kollegen in vergleichbaren Settings nicht.
Neben HLG und HDR10 werden HDR10+ und HDR10+ Adaptive unterstützt, aber kein Dolby Vision. Dieses Defizit dürfte an der engen Zusammenarbeit mit Samsung liegen, die als einziger großer TV-Hersteller mit Dolby Vision seit Jahren auf Kriegsfuß stehen.
Mit bis zu 1.395 Candela im „Dynamisch“-Modus holt der 77-Zöller ein leuchtend-helles Bild mit satten Farben auf den Schirm. Nach einer bevorstehenden Software-Anpassung verspricht Loewe sogar einen Wert von 1.800 Candela. Beachtliche 1.010 sind es derzeit im „Standard“-Modus, der farblich beste „Film“-Modus kommt auf 925 Candela. Bei einem Weißanteil von 50 Prozent erzeugt der Loewe eine Leuchtkraft von 330 Candela, 190 sind es bei vollflächiger Weißdarstellung. Der ANSI-Kontrast von 1.750:1 ist solide.
Tonqualität
Hinter dem schwarzen Lautsprechergitter hat Loewe eine 300 Watt starke Soundbar mit sechs aktiven und passiven Treibern verbaut. Der dedizierte Center-Eingang ermöglicht es, den stellar optional als Center-Lautsprecher in einem Mehrkanal-Heimkinosystem einzusetzen. Unter anderem werden die Audioformate Dolby Atmos und Virtual 3D unterstützt. Zum Optimieren der sehr guten Sprachverständlichkeit stehen drei Presets zur Verfügung. Ein Sieben-Band-Equalizer erlaubt zudem manuelle Korrekturen.
Der stellar klingt erwachsen und souverän. Seine Klangbühne fällt breit aus, was bei einem Flachmann mit einer Diagonale von beachtlichen 195 Zentimeter auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Selbst auf seitlichen Sitzplätzen kommt man in den Genuss eines kraftvollen und ausgesprochen räumlichen Tons. Auch mit höheren Pegeln hat der Loewe keinerlei Probleme, hier lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen und spielt luftig sowie frei von Verzerrungen auf. Sein Bassfundament fällt ebenfalls beachtlich aus. Speziell Filme werden trocken untermalt und erhalten spür- und hörbar mehr Tiefgang. Der 77 Zoll große stellar ist einer der wenigen Fernseher, bei dem eine externe Soundbar überflüssig ist.




Der Testbericht Loewe stellar 77 dr+ (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 10.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Mit dem stellar 77 dr+ hat Loewe einen in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Fernseher auf den Markt gebracht, der audiovisuell und qualitativ Maßstäbe setzt. Auch beim Betriebssystem spielt man in der ersten Liga, so dass der Einzug in unsere Referenzklasse die logische Konsequenz ist.
Jochen Wieloch

