OLED-Technik, Evo-Panel, 8K-Auflösung und 77 Zoll Bildschirmdiagonale: LG spendiert dem Z39LA alles, um im Heimkino zu punkten. Oder doch nicht?
Man liest es immer öfter, auch wir haben es schon häufig geschrieben: Fernseher mit Bildschirmdiagonalen jenseits der 65 Zoll werden immer preiswerter. Beim neuen LG OLED77Z39LA ist das anders: 15.000 Euro rufen die Koreaner für ihren Flachmann auf, für den 88-Zöller wird das Doppelte fällig. In anderen Größen ist die Z3-Serie nicht zu haben. Damit richtet sie sich an eine überschaubare Käuferschicht. Der Grund für die hohen Preise ist schnell gefunden: LG hat die OLED-Panels nicht mit 4K-, sondern mit 8K-Auflösung bestückt. Hier sollen 7.680 x 4.320 statt der mittlerweile üblichen 3.840 x 2.160 Pixel für ein noch detailreicheres Bild sorgen.
Dabei macht sich LG selbst gehörig Druck. Denn den 4K-Spitzen-OLED des aktuellen Jahrgangs, den G39LA, verkauft der Hersteller als 77-Zöller für 4.000 Euro. Wir sind gespannt, wie der fast viermal so teure 77Z39LA bildlich und klanglich gegenüber seinem 4K-Bruder punktet. Beide Geräte haben OLED-Bildschirme mit Evo-Technik und der neuen Mikrolinsentechnik (Light Control Architecture), die höhere Spitzenhelligkeiten ermöglicht.
Der knapp 45 Kilo schwere Z3 kommt inklusive Anschlüssen auf eine Tiefe von 3,3 Zentimeter, was für einen TV-Boliden mit einer Bildschirm diagonale von fast zwei Meter angenehm wenig ist. Das reine Display, das von einem hochwertigen Metallrahmen umgeben ist, fällt mit weniger als einem Zentimeter schön dünn aus. LG liefert zwei Standfüße mit aus, die weiter innen oder für mehr Standfestigkeit weiter außen angeschraubt werden können. Für die Wandmontage ist der 77-Zöller perfekt geeignet, die entsprechende Halterung ist Teil des Lieferumfangs. Sie findet hinten in einer kleinen Vertiefung im Gehäuserücken Platz, damit der Apparat möglichst nah an der Wand aufliegt. Per Scherenmechanismus kann man den Flat-TV ein Stückchen von der Wand ziehen, um die Anschlüsse zu erreichen. Wird die Wandhalterung nicht benötigt, deckt eine Kunststoffblende die Mulde ab.
Schön schwer: Die Metall-Nobelvariante der Magic Remote ist dem 8KBoliden vorbehalten. Die Verarbeitung ist klasse, die Druckpunkte sind präzise. Alleinstellungsmerkmale sind das mittlere Scrollrädchen und die Mauszeigerfunktion. Für fünf Streamingdienste hat LG Direktwahltasten verbaut. Eine Tastenbeleuchtung fehlt allerdings.

Ausstattung & Bedienung
Bei seinem 8K-Flachmann greift LG für den Prozessor nicht einfach nur ins Regal der 4K-Fernseher, sondern hat mit dem Alpha9 Gen6 8K ein eigenes Triebwerk mit Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt. „AI Super Upscaling“ mit „AI Noise Reduction“ und „AI Super Resolution“ will Bildrauschen auf der Grundlage des jeweiligen Genres reduzieren. Anhand so genannter Deep-Learning- Algorithmen versucht der Z39LA, Gesichtern und Objekten mehr Tiefe und Ausdrucksstärke zu verleihen. „OLED Dynamic Tone Mapping Pro“ wiederum schleift sämtliche Bilder ebenfalls durch einen Verbesserungsprozess. Ziel: Der Kontrast in Bereichen mit geringer Kontrastabstufung soll erhöht, Passagen mit mittleren Tönen aufgehellt und Szenen mit hoher Abstufung mit mehr Detailstärke versehen werden. Der „HDR Expression Enhancer“ wiederum wendet individuelle Farbton-Mapping-Kurven beispielsweise auf Gegenstände an, die im Fokus der Betrachtung stehen.
Das Evo-Panel arbeitet zusätzlich mit speziellen, gerade mal 6 Mikrometer großen Mini-Linsen. Pro Pixel kommen rund 5.000 dieser Linsen zum Einsatz. Auf diese Weise sollen Lichtreflexionen zwischen den Pixeln und der Beschichtung verringert werden. Diese sind dafür verantwortlich, dass bisherige OLEDs Einbußen bei der Helligkeit hinnehmen mussten. Die Mikrolinsen ermöglichen hingegen, dass das Licht mit höherer Intensität an die Paneloberfläche geführt wird und sich die maximale Leuchtkraft im Zusammenspiel mit dem „Brightness Booster Max“ und einem passiven Kühlkörper signifikant erhöht.
Gamer lässt der riesige OLED realistisch in virtuelle Spiele-Welten eintauchen. Dafür sorgen eine kurze Reaktionszeit von 0,1 Millisekunden, Nvidia G-Sync-Kompatibilität, AMD FreeSync Premium und VRR-Unterstützung (Variable Refresh Rate). Zudem beherrscht der 77-Zöller den Auto Low Latency Mode (ALLM) und 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz – alle vier HDMI-Ports erfüllen die 2.1-Spezifikationen, außerdem nehmen sie 8K-Signale mit 60 Hertz entgegen. Die TV-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2 sind jeweils als Single-Varianten verbaut, so hat man während TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte freie Senderwahl. Zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) ist ebenfalls möglich. Klasse: Der LG verarbeitet 8K-Material sowohl per HDMI über spezielle Mediaplayer als auch via USB-Stick und mittels YouTube, wo mittlerweile eine recht beachtliche Zahl an nativen 8K-Filmchen schlummert.
Für LGs Betriebssystem webOS 23 vergeben wir die volle Punktzahl. Hier kommt alles Positive zusammen: Übersichtlichkeit, ansprechende Optik, hoher Bedienkomfort und dank des leistungsstarken Prozessors ein hohes Bedientempo. Benutzer können sich ihren Startbildschirm individuell gestalten, beispielsweise selbst entscheiden, welche der Karten „Home-Office“, „Spiel“, „Musik“, „Startseiten-Hub“ und „Sport“ sie hier abbilden – die Position bzw. die Reihenfolge der Anordnung ist frei wählbar.






Beim 77Z39LA finden wir noch einige Möglichkeiten, um die Panelhelligkeit (und damit auch den Stromverbrauch) zu steigern. Zunächst sollte man den Bildmodus wechseln, je nach Inhalt und persönlichen Vorlieben eignen sich hierfür „Standard“, „Kino“ und „Filmmaker“. Unter dem Menüpunkt „Allgemein“ erreichen Sie den Abschnitt „Energiesparen“. Hier ist ebenfalls ab Werk der Lichtsensor aktiviert, der die Bildschirmhelligkeit in Eigenregie an die Umgebungshelligkeit anpasst, das Bild wird in der Regel immer etwas abgedunkelt. Auf „Aus“ wird der Sensor deaktiviert. Sollten Sie den Lichtsensor eingeschaltet lassen, empfehlen wir, die „Mindest-Helligkeit“ zu steigern. Diese ist beim LG ab Werk auf Level 5 eingestellt, Sie können diesen Wert bis auf 10 erhöhen, was deutlich mehr Lebendigkeit aus dem Apparat herauskitzelt. Sinnvoll ist es ebenfalls, im Menüpunkt „AI-Dienst“ mal die „Einstellungen der AI-Helligkeit“ zu aktivieren. Jetzt werden dunkle Bereiche entsprechend der Umgebungshelligkeit angepasst, der Flachmann führt eine dezente Tonwertkorrektur durch.
Nach dem Deaktivieren sämtlicher Stromspar-Helfer haben wir mit SDR-Material einen durchschnittlichen Stromverbrauch von rund 160 Watt gemessen, mit HDR-Futter kam der LG-OLED auf einen Verbrauch von um die 260 Watt.



Zum hohen Bedienkomfort des Z39LA trägt die Fernbedienung bei. LG legt seinem 8K-Premiummodell allerdings keine klassische schwarze Magic Remote aus Kunststoff bei. Vielmehr besteht der hochwertige Steuerstab aus Metall und ist an den Seiten nicht rund, sondern kantig. Die Tasten haben saubere Druckpunkte, ihre Anordnung ist logisch, geblieben sind das mittlere Scrollrädchen zum Navigieren und die praktische Mauszeiger-Funktion. Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Rakuten TV, LG Channels sowie Alexa erreicht man über Direktwahltasten. Das Streaming-Angebot fällt üppig aus, hinzu kommen unter anderem noch Joyn, WOW, RTL+, Disney+ und HD+ zum Empfang hochauflösender Privatsender via Satellit, hier ist das erste halbe Jahr sogar kostenlos.
Das Betriebssystem WebOS 23 erlaubt das Anlegen individueller Benutzerkonten, um von personalisierten Programmvorschlägen zu profitieren – jugendliche Vorlieben unterscheiden sich in der Regel von denen der Großeltern. Mit zum Teil pfiffigen Extras ist der 77-Zöller reich bestückt. So kann man Musik oder Filmtitel auf zwei Arten recherchieren: Wird der entsprechende Inhalt via HDMI etwa von einer Blu-ray zugespielt, so kümmert sich der Fernseher in Eigenregie darum. Alternativ singt man dem Flachmann den Titel über das Mikrofon in der Fernbedienung selbst vor.
Wer mehrere Bildinhalte parallel darstellen möchte, öffnet den „Multi View“-Modus. Hier stehen die Optionen „Nebeneinander“, „Bild-in-Bild“ und „Dualer PC-Monitor“ zur Auswahl. Gruppieren lassen sich unter anderem Live-TV, Webbrowser, Blu-ray-Player und Webcams. Auf dem riesigen Display könnte man auch problemlos drei Quellen parallel darstellen.
Bekannte Klassiker sind mittlerweile die „Kunstgalerie“ mit tollen Motiven und Bilderrahmen sowie der „Sport-Alarm“, der beispielsweise Fußball- und Basketball-Fans über anstehende Partien informiert und während der Begegnungen aktuelle Ergebnisse liefert.
Für besorgte Eltern sind die „Familieneinstellungen“ hinterlegt, um den TV-Konsum des Nachwuchses zu beschränken. So lassen sich Nutzungslimits mit Start- und Endzeiten definieren, außerdem gibt es einen „Augenschonenden Modus“, der die Belastung für die Augen reduzieren soll. Im „Höchstlautstärken-Modus“ wird die maximale Lautstärke des 77-Zöllers auf Level 60 begrenzt.
Ein interessantes Feature versteckt sich in den „Einstellungen“ hinter dem „Personalisierten Bild-Assistent“. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Deep-Learning-Technologie analysiert der LG in acht Durchgängen die eigenen Vorstellungen vom perfekten Bild und passt unter anderem die Parameter Helligkeit, Farbe und Kontrast an die jeweiligen Vorlieben an.
Bei qualitativ extrem hochwertigem Material gefällt uns die enorme Detailfülle und Plastizität. Speziell bei Städteansichten oder Naturaufnahmen mit unterschiedlichen Bildebenen spielt der LG jetzt seine zusätzliche Pixel-Power aus. Kanten werden extrem präzise dargestellt. Die Luftaufnahme einer Millionenmetropole lädt auf dem 77-Zöller förmlich zu einem Standbild ein: Einzelne Straßen, Fenster, Häuserkanten, Dachziegel, Reflexionen in den Scheiben, sogar Blätter an Bäumen und die Strukturen in Mauern werden herausgearbeitet. Die Schärfe ist top. Allerdings: Bei normalem Sitzabstand verpufft der Vorteil gegenüber jedem guten 4K-Fernseher.


Bildqualität
Als OLED-Fernseher mit selbstleuchtenden Pixeln punktet der LG auf Anhieb mit zahlreichen positiven Bildeigenschaften. Seine Schwarzpower ist eine Wucht, Cinemascope-Balken sind ein Traum, weil frei von jeglichen Aufhellungen und dunkel wie die Nacht. Farben stellt der 77-Zöller sehr druckvoll und rein dar. Die Blickwinkelstabilität des XXL-Displays ist klasse, sehr lange genießt man hier hohe farbliche Brillanz, Schwarz bleicht von der Seite nicht aus und hellt auch nicht auf. Auch bei der Bewegungsdarstellung läuft das 100-Hertz-Display zur Höchstform auf. Schärfe und Plastizität verdienen sich Bestnoten. Allerdings sollte man vom 8K-Panel keine Wunder erwarten: Schlechte Bildqualität bleibt schlecht, SD-Material kann auch der 77Z39LA nur bedingt auf Hochglanz polieren, Bildrauschen und unsaubere Kanten kann er nicht kaschieren.
Als teurer Super-Fernseher muss sich der OLED natürlich mit LGs 4K-Spitzenmodell G39LA messen. Hier hatten wir beim 55-Zöller (Test in 6-2023) eine Spitzenhelligkeit von mehr als 1.500 Candela gemessen. In dieser Disziplin überrascht uns der Z39LA leider negativ: Obwohl alle Energiespar-Optionen und der Lichtsensor deaktiviert sind (siehe Kasten linke Seite), ermitteln wir im „Lebhaft“-Modus lediglich 440 Candela, im farblich besten „Filmmaker“-Setting ist bei 400 Candela Schluss. Bei 50-prozentigem Weißanteil bricht die Helligkeit auf 240 Candela ein, bei vollflächigem Weiß auf 141 Candela. Auf Nachfrage bestätigt uns der LG-Support bei diesem Modell eine maximale Leuchtkraft von 420 Candela, kann diesen gegenüber dem 4K-Topmodell geringeren Wert aber nicht begründen. Die aus unserer Sicht naheliegende Erklärung: LG muss die Panel-Helligkeit drosseln, damit der 8K-Bolide die erforderlichen EU-Energieeffizienzrichtlinien einhält. Denn aufgrund der rund viermal so hohen Pixel menge ist der Stromverbrauch eines 8K-OLEDs von Haus aus erheblich höher als bei einem 4K-Modell. Der ANSI-Kontrast wiederum fällt mit 14.250:1 sehr hoch aus.
Unser Messergebnis deckt sich mit unserem Bildeindruck: HDR-Titel (unterstützt werden die Formate HLG, HDR10 und Dolby Vision) sehen nicht ganz so brillant, lebhaft und dynamisch wie auf dem G39LA aus. Man hat den Eindruck, als würde der 8KFlachmann ausgebremst. Natürlich liefert dieser ein Spitzenbild mit perfektem Feinschliff. So gelingt die Durchzeichnung in dunklen Bereichen exzellent, Abstufungen verlaufen butterweich. Auch die Räumlichkeit ist top. Allerdings vermissen wir die Extraportion Leuchtkraft, die man von einem 15.000-Euro-Fernseher erwarten darf.
Tonqualität
Für die füllige Akustik des Flachmanns sorgt ein nach unten abstrahlendes 60 Watt starkes 4.2-System. Das Feature „WOW Orchestra“ ermöglicht es, den Lautsprecher des Fernsehers zusammen mit einer kompatiblen LG-Soundbar zu betreiben, um ein größeres Klangvolumen zu erzeugen. Über das Mikrofon in der Fernbedienung kann man den TV-Sound optimal an die Umgebung anpassen, dazu führt der Z39LA eigenständig eine Akustik-Kalibrierung durch. Die Stimmverständlichkeit des 77-Zöllers ist gut und angenehm klar. Dolby Atmos wird unterstützt. Filme und Dokumentationen profitieren von einer angenehm breiten Klangbühne, der Koreaner spielt leicht und dynamisch auf. Aktiviert man „AI-Ton Pro“, so erzeugt der Flachmann einen virtuellen 9.1.2-Sound. Im Test waren wir mit dem Ergebnis der meisten Inhalte sehr zufrieden, deren klangliche Fülle wurde effektiv aufgeblasen. Das Tieftonfundament des Fernsehers fällt insgesamt solide aus.




Der Testbericht LG OLED77Z39LA (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 15.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Schärfe, Farbdarstellung, Schwarzwert, Kontrast, Bedienkomfort und Ton: Der OLED77Z39LA ist ein wirklich toller Fernseher. Der Aufpreis gegenüber dem hauseigenen 4K-Flaggschiff ist allerdings nicht gerechtfertigt, zumal die Spitzenhelligkeit hinter unseren Erwartungen zurückbleibt.
Jochen Wieloch

