Mit dem 1.700 Euro teuren OLED55B39LA tritt von LG ein Mittelklasse-OLED der Koreaner in unserem Testfeld an. „Mittelklasse“ in erster Linie deshalb, weil der Flachmann auf ein helleres Evo-Panel verzichtet, das bei LG erst ab der C3-Serie zu finden ist. Auch beim Fuß in schicker titanfarbener Lackierung kommt nur Kunststoff und kein Aluminium zum Einsatz. Das ist allerdings kein Kritikpunkt: Die Materialanmutung ist sehr hoch, und rein optisch kann man die unterschiedlichen Materialien so gut wie nicht auseinanderhalten. Das Display des B3 ist inklusive Anschlüssen gerade mal knapp 4,7 Zentimeter dünn, von vorne gesehen ist das hauchzarte Panel nahezu rahmenlos. Wer auf den charakteristischen Fuß verzichten möchte, profitiert bei der Wandmontage von der VESA-Norm 300 x 200 Millimeter. Optional zum 55-Zöller bietet LG den B39LA in 65 Zoll für 1.950 Euro an, der 77-Zöller kostete bei Redaktionsschluss auf der LG-Homepage übrigens nur noch 3.400 statt 4.500 Euro zur Markteinführung.
Ausstattung & Bedienung
Abgesehen von einer klassischen Kopfhörerbuchse (dieses Problem lässt sich durch Bluetooth-Modelle beheben) gibt es nichts, was der OLED55B39LA in seiner Ausstattungstabelle vermissen lässt. Für Gamer ist der 55-Zöller ein optimales Gerät, weil zwei der vier HDMI-Ports neben der Variable Refresh Rate (VRR) und dem Auto Low Latency Mode (ALLM) auch die 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz unterstützen. Außerdem setzt LG auf G-Sync- und FreeSync- sowie auf HGiG-Unterstützung. Game Dashboard und Game Optimizer bieten übersichtlichen und blitzschnellen Zugriff auf die optimalen Spiele-Einstellungen. Als Twin-Tuner hat der Flat-TV DVB-C, DVB-S2 und DVB-T2 verbaut, Aufnahmen auf USB-Festplatte und Time-Shift sind möglich.
Die Benutzeroberfläche von webOS 23 gehört zu unseren Favoriten. Modern, optisch ansprechend, übersichtlich und intuitiv zu bedienen sammelt sie jede Menge Pluspunkte. Die Startseite lässt sich mit Karten aus den Rubriken „Home-Office“, „Spiel“, „Musik“, „Startseiten-Hub“ und „Sport“ personalisieren. Die wichtigsten Apps, Streamingdienste, TV-Programme, Quellen und Zusatzfunktionen hat man jederzeit im Blick. Und praktisch ist die Option, für unterschiedliche Familienmitglieder jeweils eigene Benutzerkonten anzulegen. So erhält jeder nur die Programmempfehlungen, die auf dem eigenen Sehverhalten basieren und Sinn ergeben. Nachrichten und eine Übersicht der nächsten Spiele seiner Lieblingsmannschaft serviert der Koreaner ebenfalls.
Traditionell üppig bestückt ist der LG mit zahlreichen netten Extras, die man bei der Konkurrenz in dieser Form nicht findet. Dazu gehören die „Kunstgalerie“ mit attraktiven Gemälden und beeindruckenden plastischen Rahmen sowie der „Sport-Alarm“ – egal, ob man sich für Fußball, Eishockey, Golf oder Basketball interessiert, auf dem 55-Zöller wird man stets über aktuelle Spielstände und Ergebnisse informiert. Praktisch ist die Multi-View-Ansicht, die verschiedene Quellen wie Live-TV, Smartphone, YouTube oder eine Webcam in zwei Fenstern parallel darstellt. Über USB werden die meisten im Handel erhältlichen Webcams erkannt, das Modell muss nicht aus dem Hause LG stammen.
Setzt Maßstäbe: Es muss nicht unbedingt Aluminium sein – obwohl die Magic Remote nur aus Kunststoff besteht, gehört sie zu den besten Fernbedienungen am Markt. Handling, Bedienkomfort und Tastenanordnung sind vorbildlich, alles sitzt da, wo man es erwartet.


Als alternative Plattform für Fußballfans offeriert LG ein werbebasiertes Video-on-Demand-Angebot. In Kooperation mit dem YouTube-Kanal „Shoot for Love“ werden darin bekannte Fußballer auf die Probe gestellt. In den kommenden Monaten dürfen sich die europäischen Sportfans auf weitere Kanäle und Formate freuen. Dazu gehört Unbeaten, ein Sportkanal mit den größten Ereignissen und Athleten der Fußball-, Tennis- und Golfgeschichte. Außerdem erscheint der Tennis-Channel, die einzige 24-Stunden-Live-Sport-App, die sich vollständig dem Tennis verschrieben hat.
Bereits im vergangenen Jahr war Wedo Sports auf LG Channels an den Start gegangen. Im Mittelpunkt stehen Pferderennen sowie Segelwettbewerbe. Der deutschsprachige 24-Stunden-Service bietet zudem wöchentliche Sendungen mit Sport-Highlights.


Sprachbefehle verarbeiten im B39LA Amazon Alexa und Google Assistant. Die schwarze Magic Remote mit Mauszeiger setzt weiterhin Maßstäbe beim Bedienkomfort. Neuerdings ist es sogar möglich, dem Fernseher über die Fernbedienung einen Song vorzusingen, um den Titel zu erfahren. Das Feature „Musik entdecken“ analysiert per HDMI zugespielte Film- und Hintergrundmelodien diesbezüglich in Eigenregie. Zum Streamen unterstützt der Koreaner neben Apple AirPlay 2 auch Chromecast und Miracast. Das App-Angebot fällt im Streaming-Bereich unter anderem mit HD+, Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Rakuten TV, Apple TV+, Joyn, WOW und RTL+ sehr umfangreich aus.
Nicht ins höchste Regal hat LG beim Prozessor gegriffen: Verbaut ist der Alpha7 Gen6 4K AI-Prozessor, der beim Bedientempo nicht mit dem flotteren Alpha9-Prozessor mithalten kann. Beim Aufrufen der Bild- und Toneinstellungen lässt sich der B39LA beispielsweise merklich Zeit. Mit „AI Super Upscaling“, „AI Noise Reduction“, „OLED Dynamic Tone Mapping“ und der „AI Genre-Auswahl“ verfügt der Flachmann dennoch über zahlreiche intelligente Helfer zur automatischen Bildoptimierung.
Bild- und Tonqualität
Auch wenn der Stromverbrauch dadurch etwas steigt: Deaktivieren Sie direkt zu Beginn die Energie-Optionen des OLED55B39LA, um sich über ein dynamisches, farbenfrohes und plastisches Bild des OLEDs zu freuen. Erst so läuft der 55-Zöller zur Höchstform auf. Noch einen Tick heller als der „Lebhaft“- war bei unseren Messungen der „Standard“-Modus, der in der Spitze 10 Candela stärker leuchtete und auf 700 Candela kam. 310 bzw. 156 Candela waren es bei einem Weißanteil von 50 und 100 Prozent. Interessant ist für uns der „Filmmaker“-Modus, weil dieser die realistischsten Farben liefert. Hier schaffte der Koreaner im Test bis zu 635 Candela. Bauartbedingt büßt auch dieser OLED signifikant an Leuchtkraft ein, wenn große helle Flächen gezeigt werden sollen. Mehr als 140 Candela waren im „Filmmaker“-Setting bei bildschirmfüllendem Weiß nicht drin, 270 Candela bei einem 50-Prozent-Weißanteil. Extrem hoch fiel der ANSI-Kontrast aus: Der Wert 9.300:1 ist eine echte Kampfansage.



Brutal ist folgerichtig auch die Schwarz-Power des Flachmanns mit selbstleuchtenden Pixeln, die sich je nach Bedarf vollständig abschalten lassen und somit pechschwarze dunkle Flächen ohne kleinste Aufhellungen ermöglichen. Filmfans kommen in den Genuss von super dunklen und extrem homogenen Cinemascope-Balken, und auch bei der Blickwinkelstabilität leistet sich der Apparat keinen Patzer: Farben behalten sehr lange ihre vollständige Kraft bei, ohne nennenswert auszubleichen. Sehr geschmeidige Bewegungen und ruhige Kamerafahrten erreicht man, wenn die „TruMotion“ auf „Glatte Bewegung“ oder „Natürlich“ steht.
Für HDR-Darstellungen unterstützt der OLED die Formate HLG, HDR10 und Dolby Vision, nur HDR10+ fehlt in der Ausstattungsliste. Wir empfehlen die Voreinstellung „Kino Home“ für einen optimalen Kompromiss aus Schärfe, Tiefe, Farbkraft und authentischer Darstellung. „Lebhaft“ reißt die Regler merklich nach oben und eignet sich eigentlich nur in extrem hellen Umgebungen im Wohnzimmer oder gar auf der Terrasse im Freien.
Tonal arbeitet der 55B39LA mit einem nach unten abstrahlenden 2.0-Soundsystem mit 20 Watt und Dolby-Atmos-Support. Sprachverständlichkeit und Raumfülle sind gut, die Klangbühne wird vor allem durch „AI-Ton Pro“ und einen virtuellen 5.1.2-Up-Mix deutlich vergrößert. Räumliche Besonderheiten analysiert der LG über die „AI-Akustikabstimmung“ vollkommen selbstständig. Effekte platziert der 55-Zöller recht präzise und greifbar im Raum, sein Bassfundament ist allerdings nicht gerade furchteinflößend.



Der Testbericht LG OLED55B39LA (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 1.700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Ob zum Spielen, für den anspruchsvollen Filmabend oder den Bundesliga-Knaller: Der OLED55B39LA ist ein hochwertiger Flat-TV, der jede Aufgabe mustergültig meistert. Bild, Bedienkomfort und Ausstattung agieren auf sehr hohem Niveau. Wer kein Panel mit absoluter Spitzen-Helligkeit benötigt, macht mit dem 55-Zöller von LG alles richtig.
Jochen Wieloch

