Sony will mit dem brandneuen VPL-XW6100 die Referenzklasse der Heimkinoprojektoren stürmen. Wegbereiter soll der innovative XR-Prozessor sein. Wir schauen, ob das ehrgeizige Unterfangen gelingt.
Der 16.000 Euro teure Sony VPL-XW6100 wird in Anlehnung an die hauseigene TV-Serie auch als Bravia Projektor 8 bezeichnet. Das Ganze liest sich nicht nur angenehmer, sondern hat technische Hintergründe. Der neueste XR-Prozessor für Projektoren nutzt die bewährte Bravia-TV-Technologie zur Bildoptimierung. Darüber hinaus löst er den VPL-XW7000 (Test in 9-2022) ab.
Äußerlich unterscheiden sich die beiden Lichtwerfer kaum voneinander. Mit einer Stellfläche von 46 x 51,7 Zentimetern und 14 Kilogramm auf der Waage gehört unser Testgerät zweifelsfrei zu den Schwergewichten. Die Leistungsaufnahme beziffert Sony mit 380 Watt, unsere Messung liegt bei maximaler Lichtausbeute mit 295 Watt deutlich darunter. Mit 0,1 Watt ist er überdies im Stand-by ausgesprochen sparsam.
Den VPL-XW6100 gibt es in Schwarz für dedizierte Heimkinos, um möglichst wenig Streulicht durch das Gehäuse zu verursachen, und in Weiß für die bessere Integration in moderne Wohnzimmer.
Ausstattung und Technik
Im Inneren kommen drei 0,61 Zoll große SXRD-Chips zum Einsatz, die eine native Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel besitzen. Als Lichtquelle wird eine Laser-Hybrid-Technologie verwendet, bestehend aus blauen Laserdioden und einem Phosphor-Element, welches Weiß emittiert. Die Lebensdauer wird mit 20.000 Stunden angegeben, bis sich die Lichtausbeute halbiert. Bei einer Nutzung von zwei Stunden täglich sind das satte 27 Jahre.
Die große Fernbedienung besitzt eine blau hinterleuchtete Tastatur und Direktwahltasten für die HDMI-Eingänge, diverse Bildmodi und die motorische Objektivsteuerung. Mit dem „Position“-Button ist es möglich, die Lens-Memory-Speicher auf Knopfdruck aufzurufen.



Die Laser lassen sich in 100 Stufen regulieren. Die Lüfter (und somit das Betriebsgeräusch) passen sich der ausgegebenen Lichtleistung an. Für eine dynamische Helligkeitsregelung kommt „XR Deep Black“ ins Spiel. Diese Technologie steuert die Laserleistung Bild für Bild und reduziert die Leistungsaufnahme in dunklen Szenen, um die Energieeffizienz und den Kontrast dynamisch zu verbessern.
Das mechanische „Advanced Crisp Focus“-Objektiv (ACF) ermöglicht es, die hohe Auflösung auf die Leinwand zu transportieren. Zwei bewegliche Objektivgruppen und ED-Glas (Extra-low-Dispersion) sorgen für verzerrungsfreie Bilder, eine sehr gute Schärfe auf dem gesamten Leinwandbereich sowie eine präzise Farbwiedergabe. Fokus, Zoom und Lens-Shift können mit der bewährten XXL-Fernbedienung bequem angepasst werden. Besitzer einer Cinemascope-Leinwand profitieren von der Lens-Memory-Funktion, die fünf Speicher für unterschiedliche Bildformate bietet (siehe Kasten).
Die statischen High-Dynamic-Range-Technologien HDR10 und HLG (Hybrid Log Gamma) werden unterstützt; die dynamischen Varianten Dolby Vision und HDR10+ hingegen nicht. Das ist in diesem Fall aber wenig tragisch, da der VPL-XW6100 der erste Sony-Projektor in unserem Testlabor ist, der ein vollständiges dynamisches Tone-Mapping besitzt (siehe Kasten). Damit sind die Zeiten vorbei, in denen der HDR-Kontrast von Hand angepasst werden musste, um ein bestmögliches HDR-Erlebnis zu erhalten. Für die Kalibrierung stehen alle benötigten Presets zur Verfügung. Neben den RGB-Gain/Offset-Reglern für die Anpassung von Weißpunkt und Graustufenverlauf sind ein Gamma-Menü und ein Sechs-Achsen-Color-Management-System implementiert.
Die Frame Interpolation nennt Sony immer noch Motionflow – genau wie bei seinen Fernsehern. Diese hat Sony augenscheinlich verbessert, weil im Modus „Schwach glätten“ kein Soapopera-Effekt mehr auftritt. XR Triluminos Pro für bessere Farben, XR Clear Image, eine Anamorphot-Kompatibilität, HDMI 2.1 mit 4K@120Hz-Wiedergabe und eine Eingangsverzögerung von 12 bis 21 Millisekunden komplettieren die umfangreiche Ausstattung. Zudem ist eine Steuerung via Control4, Crestron, Savant und AMS im Rahmen der Heimautomatisierung sowie Fernwartungsdienste wie OvrC und Domotz möglich. Auf Smartfunktionen, Streaming-Apps und die 3D-Wiedergabe muss hingegen verzichtet werden.


Ab Werk ist beim Bravia Projektor 8 nur ein statisches Tone-Mapping aktiv. Erst wenn man das dynamische Tone-Mapping einschaltet, wird die ganze HDR-Performance des Geräts ausgeschöpft – wie unsere Bilder zeigen.





Installation und Bedienung
Geliefert wird der Sony Bravia Projektor 8 gut geschützt in einem dicken Karton. Die Styropor-Elemente können von oben herausgenommen werden, so dass der Projektor einfach aus der Verpackung zu heben ist. Während das Netzkabel auf der Rückseite seinen Platz findet, werden alle Anschlusskabel für die Bildsignalübertragung an der rechten Seite verbunden. Aufgrund der tief liegenden Schnittstellen sind die Kabel bei einer Überkopfprojektion unter der Zimmerdecke nicht zu sehen. Die Installation geht flott von der Hand, weil alle Einstellungen bequem mit dem Controller durchzuführen sind. Dank des großzügig bemessenen 2,1-fachen Zoom-Objektivs wird eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Distanz von 3,38 bis 7,10 Meter vollständig ausgeleuchtet. Zusammen mit dem üppigen Lens-Shift (Vertikal: ± 85 Prozent / Horizontal: ± 36 Prozent) bietet der VPLXW6100 die von Sony seit Jahren gewohnte hohe Aufstellungsflexibilität.
Auf unserer 3,20 Meter breiten Cinemascope-Leinwand konfigurieren wir zwei Bildformate, um 16:9-Inhalte und Filme im Seitenverhältnis von 2,39:1 mit konstanter Höhe betrachten zu können (siehe Kasten). Da die Konvergenz ab Werk hervorragend ist, brauchen wir keinen Panelabgleich durchzuführen. Rote, grüne oder blaue Säume können wir nicht ausmachen.
Das On Screen Display (OSD) ist gewohnt übersichtlich strukturiert, so dass wir schnell alle Einstellungen durchführen können. Die Navigation gelingt dabei zügig, weil die Fernbedienung eine beleuchtete Tastatur besitzt, die auch im dunkelsten Heimkino bestens zu lesen ist. Irritiert haben uns die Tasten für 3D und Advanced Iris, weil diese ohne Funktionen sind. Dafür ist ein „Position“-Button vorhanden, der den Nutzer direkt ins Lens-Memory-Menü führt, um den Bildformatwechsel auf Knopfdruck vorzunehmen. Für HDTV und HDR nutzen wir den Bildmodus „Referenz“, weil dieser separate Anpassungen für eine optimale Farbdarstellung ermöglicht. Knapp 20 Sekunden benötigt der Bravia Projektor 8, bis er nach dem Einschalten das zugespielte Bildsignal auf der Leinwand zeigt. Ebenso schnell geht es, bis der Beamer heruntergefahren ist und sich im Standby-Modus befindet.


Der Sony Bravia Projektor 8 besitzt nicht nur ein elektrisches Objektiv, in dem Zoom, Fokus und Bildlage angepasst werden können, sondern überdies eine Lens-Memory-Funktion. Hiermit können die Objektiveinstellungen gespeichert werden. Unter „Bildschirm“, „Bildposition“ stehen dafür fünf Speicherbänke zur Verfügung. Diese sind simpel anzulegen. Hierfür stellen wir zunächst auf unserer Cinemascope-Leinwand einen Spielfilm im Seitenverhältnis 2,39:1 ein und speichern die Parameter unter „Benut.def.1“. Anschließend spielen wir einen Film in 16:9 zu und passen das Bild so auf der Leinwand an, dass es mit voller Höhe zu sehen ist. Dieses Bildformat speichern wir als „Ben.def.2“. Jetzt reicht es aus, unter „Bildposition“ den gewünschten Speicher anzuklicken, um das entsprechende Bildformat auf der Leinwand zu erhalten.
Die Umstellung von 16:9 auf 2,39:1 geschieht in Windeseile. Fokus, Bildlage und Größe passen zum größten Teil bei wiederholter Anpassung. Allenfalls den Fokus müssen wir nach dem Neustart des Projektors erneut anpassen. Dafür gibt es auf der Fernbedienung aber Direktwahltasten, so dass das schnell erledigt ist.


Licht und Farbe
Im Bildmodus „Kino Film 1“ wird mit der Farbtemperatur „Benutzer 5“ die von Sony beworbene Lichtausbeute von 2.700 Lumen um 50 Lumen übertroffen. Im Bildmodus „Referenz“ sind nur wenige Anpassungen nötig, um Graustufenverlauf und den Farbraum präzise zu reproduzieren. Nach der Kalibrierung beträgt die Lichtausbeute stattliche 2.480 Lumen. Das reicht aus, um Bildbreiten mit HDTV-Signalen bis 5,00 Meter mit 16 Footlambert zu befeuern. Für HDR-Inhalte legen wir 32 Footlambert zugrunde. Diese erzielt der VPLXW6100 auf 3,60 Meter Leinwandbreite.
Der statische Kontrast beträgt 11.440:1 (On/Off), 5.782:1 (Inbild) und 414:1 (ANSI). Unsere Kontrolle mit einem 1-Pixel-Testbild bestätigt, dass Sony keine Schummelei betreibt, die Laser dimmen bei einem Schwarzbild nicht weiter herunter. Dynamisch lässt sich der Kontrastumfang unendlich steigern, weil die Lichtquelle bei einer Schwarzblende die Laser einfach ausschaltet. Mit einem 1-Pixel-Testbild beträgt der dynamische Kontrast satte 28.700:1. Demzufolge erreicht der Schwarzwert statisch 0,22 Lumen und lässt sich dynamisch von 0,09 Lumen auf „Licht aus“ verbessern.
Der HDTV-Farbraum Rec.709 wird zu 100 Prozent abgedeckt, so dass sich überaus natürliche Farben ergeben. Die vom Hersteller beworbenen „über 95 Prozent DCI-P3-Abdeckung“ verfehlt unser Testgerät mit 93 Prozent nur ganz knapp. Dieser Wert befindet sich innerhalb des DCI-Standards für Kinoprojektoren von über 90 Prozent. Grün erreicht seine Zielvorgabe im CIE-Diagramm nicht ganz, sondern ist ein wenig untersättigt. Rot liegt ebenfalls knapp neben seinem Target. Gamma und Graustufenverlauf sind hingegen tadellos und bieten eine exzellente Farbneutralität und Durchzeichnung von hellen und dunklen Inhalten. Die Farbtemperatur trifft nach der Kalibrierung exakt 6.500 Kelvin.
Die Ausleuchtung (Color Uniformity) ist mit 95 Prozent sehr gut. Von der Mitte bis zum Rand sind weder ein Helligkeitsabfall noch eine Farbverschiebung auf der Leinwand vorhanden.
Bildqualität
Das Betriebsgeräusch ist mit 28 Dezibel bei maximaler Laserlichtleistung bereits flüsterleise. Aufgehellte Ecken sind bei unserem Testsample nicht relevant. Bis an den Rand ist das Bild messerscharf, so dass feinste Elemente und kleinste Schrift bestens zu lesen sind.

Bildinhalte mit 24, 50 und 60 Hertz werden originalgetreu projiziert. Sportübertragungen laufen wunderbar flüssig. Spielfilme besitzen das typische „24-Hz-Zittern“ bei Schwenks und der Laufschrift im Abspann. Wird Motionflow zugeschaltet, verschwindet das technisch bedingte Defizit schlagartig. Schwenks, von links nach rechts fahrende Autos und natürlich die Laufschrift im Abspann sind herrlich „smooth“ (wie man im Englischen zu sagen pflegt), ohne dass es zum in Heimkinokreisen berüchtigten Soapopera-Effekt kommt, den wir bei früheren Sony-Modellen noch kritisiert haben. Ganz offensichtlich haben die Japaner auch bei der Zwischenbildberechnung Hand angelegt. Bildfehler sind kaum noch auszumachen. Ebenso weisen feine Chiffon-Strukturen, wie der Brautschleier eines weißen Hochzeitkleids, keine Verfärbungen mehr auf. Dadurch nimmt die Natürlichkeit merklich zu.
Die Hochskalierung von 720p- oder 1080p-Signalen gelingt dem Bravia Projektor 8 ausgesprochen gut. Typische Fehler wie Banding und Kantenflimmern glänzen durch Abwesenheit. Liegen native 4K-Inhalte vor, spielt der VPL-XW6100 seine ganze Klasse aus. In Verbindung mit dem hohen Kontrast stellt sich sofort eine Plastizität auf der Leinwand ein, die ihresgleichen sucht.
In „Top Gun: Maverick“ leuchtet die rote Geschwindigkeitsanzeige im Cockpit überaus satt vor dem dunklen Hintergrund. Nichts läuft ins Schwarz zu, so dass alle Filminhalte in Schattenbereichen reproduziert werden. In der Nachtaufnahme von „Elvis“ sind vor dem Handy-Club einzelne Personen auf den Gehwegen auszumachen. Die Beschriftung unter dem Schaufenster ist bestens zu lesen, ebenso wie das Nummernschild des Autos, vor dem einige Fußgänger die Straße überqueren. Die grüne Neonbeleuchtung mit dem defekten Buchstaben leuchtet allerdings nicht ganz so satt, wie wir es von anderen Projektoren kennen, die das DCI-P3-Spektrum vollständig abbilden.
Dank des neuen dynamischen Tone-Mappings müssen wir uns endlich um nichts mehr kümmern. HDR-Quellsignale von 0,0 bis 10.000 Nits werden vollständig auf der Leinwand abgebildet. Die Nachregelung des HDR-Kontrastes, die bei den Vorgängermodellen zwingend vorgenommen werden musste, um verschiedene Filme in bestmöglicher Qualität zu erleben, entfällt. Das übernimmt jetzt der Bravia Projektor 8 in Eigenregie, so dass wir in problematisch gemasterten Discs wie „Sully“ und „Elvis“ alle Details zu Gesicht bekommen – bei maximaler Lichtausbeute wohlgemerkt.
Wenn Maria mit Freunden und Familienangehörigen in „West Side Story“ ihr „America“ singt und dabei durch die sonnendurchfluteten Straßen tanzt, tun sich pausenlos HDR-Wow-Momente auf. Die farbigen Kostüme leuchten ob der XXL-Lichtausbeute überaus prachtvoll. Die Bewegungen sind natürlich, nichts verschmiert, alles ist messerscharf auf der Leinwand abgebildet. Genauso müssen HDR-Filme aussehen.




Der Testbericht Sony VPL-XW6100 (Gesamtwertung: 93, Preis/UVP: 16.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Sony stürmt mit dem VPL-XW6100 in unsere Referenzklasse. Wer auf 3D verzichten kann, erhält mit dem VPL-XW6100 einen 4K-Beamer mit heller Laserlichtquelle, Lens-Memory und Top-Kontrast. Highlight ist das neue dynamische Tone-Mapping, welches Sony sich aber auch gut bezahlen lässt.
Michael B. Rehders

