Mikrolinsen und ein spezielles Wärme-Management: Panasonic hat sich für sein neues OLED-Flaggschiff Z95A einiges einfallen lassen – um bildlich noch eine Schippe draufzulegen.
Panasonic betritt in diesem Modelljahr Neuland: Erstmals werkelt die Top-OLED-Serie, die auf den Namen Z95A hört, nicht mehr mit My Home Screen, einer Eigenentwicklung der Japaner, sondern mit Fire OS. Dadurch verlieren die hochpreisigen Geräte mit selbstleuchtenden Pixeln ein wenig von ihrem individuellem Charakter. My Home Screen gehörte nach unserer Einschätzung zu den übersichtlichsten Benutzeroberflächen und war obendrein einfach zu bedienen – während man bei Fire OS mitunter mit Werbe-Einblendungen leben muss. Dafür ist bei Fire OS die App-Auswahl wesentlich größer – und das ist im immer härter umkämpften TV-Markt von unschätzbarem Vorteil.
Bei den unverbindlichen Preisempfehlungen der neuen OLED-Flaggschiffreihe dürfte der ein oder andere schlucken. So schlägt der Z95A bereits in 55 Zoll mit 3.300 Euro zu Buche, die von uns getestete 65-Zoll-Diagonale bringt es auf 4.400 Euro. Andere Größen gibt es nicht. Genau wie letztes Jahr hat auch das diesjährige 77-Zoll-OLED-Topmodell kein Mirkolinsen-Panel verbaut, weshalb es die niedrige Produktbezeichnung Z93A bekommt.
Trotz neuem Betriebssystem ist der von uns getestete 65-Zöller optisch und qualitativ ein waschechter Panasonic geblieben. Das 30,5 Kilo schwere Gerät mit hauchdünnem Display ist drehbar und steht auf einem massiven, 5 Kilogramm wiegenden Metallfuß. Mit einer Gesamttiefe von 6,9 Zentimeter ist der 65Z95A nicht gerade superschlank. Das liegt am 160 Watt starken Soundsystem von Technics, das für voluminösen Surroundklang sorgen soll – und das wir in dieser Form vom Vorgänger kennen. Bei der Wandmontage hilft der VESA-Standard 300 x 300 Millimeter. Wer auf My Home Screen 8.0 bei einem Panasonic-Top-OLED nicht verzichten möchte: Der 65MZW2004 ist immer noch für eine unverbindliche Preisempfehlung von 3.800 Euro erhältlich und damit für 600 Euro weniger als der Nachfolger.
Übersicht pur: Überwiegend recht große Tasten, saubere Druckpunkte, logisches Design – die Panasonic-Fernbedienung ist funktional gestaltet. Seine Lieblingsanwendung kann man einer eigenen Taste zuweisen. Für fünf Streamingdienste hat der Steuerstab zudem eigene Tasten reserviert.
Rund 3.000 winzig kleine Linsen sitzen vor jedem einzelnen Pixel, um Lichtstreuungen zu reduzieren, ohne die Blickwinkelstabilität zu beeinträchtigen. Bei 3.840 x 2.160 Bildpunkten und 3.000 Linsen pro Pixel kommt man auf die unvorstellbare Zahl von rund 25 Milliarden optischen Elementen. Als zusätzliches Puzzleteil für eine optimierte Panel-Performance gibt Panasonic einen modifizierten Stromversorgungsschaltkreis an. Für eine bestmögliche Bildanpassung setzt der Hersteller auf Künstliche Intelligenz, die die Art der Inhalte erkennt und analysiert. Der „HCX Pro AI Prozessor MK II“ treibt die neue „4K Remaster Engine“ an, die mit Hilfe von KI und mathematischen Modellen für eine verbesserte Rauschunterdrückung, optimierte Abstufungen und weniger Streifenbildungen beim Streamen sorgen soll.

Ausstattung & Bedienung
Die gute Nachricht gleich vorweg: Auch wenn der neue Panasonic-OLED ein Fire-TV ist, so haben die Japaner ihre Stärken aus dem vorherigen proprietären Betriebssystem beibehalten und sogar noch ausgebaut. Dazu gehört der Penta-Tuner jeweils mit Twin-Tunern für Kabel, Satellit und DVB-T2 sowie den zusätzlichen Empfangsmöglichkeiten über das Internet (IPTV) sowie mittels Heimnetzwerk (TV>IP). Ein TV-Anschluss ist also nicht mehr zwingend erforderlich, um Fernsehprogramme auf den Bildschirm zu holen. USB-Aufnahmen und zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) werden unterstützt.
Für maximale Performance und ein möglichst dynamisches Bild kombiniert Panasonic beim 65Z95A den „HCX Pro AI Processor MK II“ mit einem „Master OLED Ultimate“-Panel samt Mikrolinsen-Technik (siehe Kasten oben). Gamer dürfen sich über die Unterstützung von Bildwiederholraten mit bis zu 144 Hertz freuen, auch im Zusammenspiel mit Dolby Vision. Der „True Game“-Modus ist speziell auf die Verbesserung der Farbgenauigkeit zugeschnitten. Hierzu gehören ein optimierter Weißabgleich sowie angepasste Graustufeneinstellungen.
Für die passende Akustik bei Spielen hat Panasonic eigene „Game Sound“-Modi entwickelt, die wahlweise 3D-Klanglandschaften mit klaren Dialogen erzeugen oder für den Spielverlauf wichtige (nicht selten lebenswichtige) Geräusche hervorheben. Der Z95A ist Nvidia G-Sync- und Freesync Premium-kompatibel. Sämtliche Spiele-Settings nimmt man blitzschnell über das „Game Control Board“ vor. Von den vier HDMI-Ports tragen die Eingänge 1 und 2 die kompletten 2.1-Spezifikationen mit Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) und 4K-Wiedergabe mit bis zu 144 Hertz.
Fire OS kennt man bereits von anderen Fernsehern. Auf dem Panasonic läuft es angenehm flott und ist ruckzuck und unkompliziert per Smart phone oder Tablet mittels „Fire TV“-App eingerichtet. Streamer dürfen sich unter anderem über die Portale Netflix, Paramount+, Joyn, WOW, Magenta TV, Apple TV+, Disney+, Netzkino und DAZN freuen. Auf der Startseite werden unter anderem Live-TV-Kanäle, Streamingdienste, Apps und personalisierte Empfehlungen eingeblendet.



Als Hintergründe stehen „Unbewegte Bilder“, „Bewegte Bilder“ und „Dynamisch“ zur Auswahl. Die Geschwindigkeit der Hintergrundrotation ist einstellbar. Ebenfalls kann man sich für eine Zufallsauswahl des Hintergrunds entscheiden. Uhrzeit und/oder Wetter lassen sich bei Bedarf einblenden. Diese Widgets genannten Infos kann man klein oder groß darstellen. Wer will, kann diese zunächst ein- und dann nach kurzer Zeit automatisch ausblenden lassen. Panasonic empfiehlt dies und weist darauf hin, dass eine längere Verwendung dieser Funktion unter Umständen zu einem Einbrenneffekt im OLED-Panel führen kann.

Panasonic setzt weiterhin auf einen großen, silbernen Steuerstab mit übersichtlicher Tastenanordnung und direktem Zugriff auf Amazon Prime Video, Netflix, Disney+, YouTube und Amazon Music. Das Handling ist top. Die „My App“-Taste lässt sich frei belegen. Auf die separate Mikrofontaste kann man verzichten, denn der 65-Zöller hat ein Mikrofon im Gehäuse verbaut und reagiert via Fernfeld-Sprachsteuerung. Senderwechsel und Lautstärke-Anpassungen gelingen genauso mühelos wie das Abspielen von Musik, das Stellen eines Timers oder das Steuern von Smart-Home-Produkten. Fire OS gestattet das Anlegen von bis zu sechs unterschiedlichen Nutzerprofilen.
Der Flachmann lässt sich außerdem als Smart Hub einsetzen – sind kompatible Komponenten verbunden, kann man auf dem Display beispielsweise Kamera-Übertragungen einblenden, Lichter und Thermostate steuern sowie AirPlay-Geräte integrieren. Beim Thema HDR ist der Panasonic wie immer bestens aufgestellt. Mit HLG, HDR10, HDR10+ Adaptive und Dolby Vision IQ ist der 65-Zöller zukunftssicher und auf der Höhe der Zeit. Smarte Sensoren im TV-Apparat erkennen nicht nur die Helligkeit im Raum, sondern auch die Farbtemperatur des Umgebungslichts und passen das Bild automatisch an.
Bildqualität
Der 65Z95A lässt sich nicht lange bitten und illustriert sofort eindrucksvoll, dass er einer der besten Fernseher am Markt ist. Aus der Blu-ray „Deutschland von oben“ holt er das Maximum heraus. Im „Normal“-Modus zaubert er einen Sonnenuntergang über Juist auf den Bildschirm, dass es ein echter Genuss ist. Unzählige Orange-, Gelb-, Rotund Goldtöne gehen am Horizont fließend und ansatzlos ineinander über. Selbst winzige Reflexionen der Sonne im Meer werden sichtbar. Das Wasser ist keine tote Fläche, sondern überzogen mit feinsten Schaumkronen und kleinen Wellen. Im Tageslicht schimmert der Sandstrand in diversen Ockertönen, die Saumkante am Meer erscheint sauber wie mit dem Lineal gezogen, und das Gewässer leuchtet wunderbar in Blau, Grün und Türkis.
Die Skaliereigenschaften des Z95A sind ebenfalls hervorragend. Obwohl der Streifen „nur“ in HD-Auflösung vorliegt, zeichnet er ein ausgesprochen scharfes Bild mit leuchtenden Farben und schöner Tiefe. „Dynamik“ übertreibt es von der Farbpower her, der Bildmodus „Auto AI“ trifft die Parameter für unseren Geschmack sehr passend. Im „Filmmaker“-Modus geht der Japaner merklich vom Gaspedal – Schärfe, Farben und Plastizität werden signifikant reduziert. Wie unsere Messung zeigt, liefert der 65-Zöller farblich jetzt aber das präziseste Ergebnis, auch wenn es weniger plakativ ist als der Auftritt in den anderen Settings. Im „Dynamisch“-Modus können wir dem Flachmann eine Spitzenhelligkeit von 1.835 Candela attestieren, im „Filmmaker“-Setting sind es immer noch ganz starke 1.701 Candela. OLED-spezifisch bricht die Leuchtkraft auf 540 Candela (50 Prozent Weißfeld) bzw. auf 258 Candela (100 Prozent Weißanteil) ein.



Da der Panasonic nicht nur superhell leuchtet, sondern auch gnadenlos sattes Schwarz mit extrem homogener Ausleuchtung ohne Blooming darstellt, ist der XXL-Kontrast von 6.600:1 keine Überraschung. OLED-spezifisch top fällt zudem die Blickwinkelstabilität aus. Auch bei Bewegungen erhält der Japaner von uns eine Bestnote. Dank diverser Einstell-Optionen („Blur-Reduktion“, „Film Smooth“, „Clear Motion“) hat jeder Zuschauer die Möglichkeit, die Geschmeidigkeit von Kameraschwenks auf seine persönlichen Vorlieben hin exakt einzustellen.
Mit HDR-Material in 4K-Auflösung holt man das Maximum aus dem TV-65Z95A heraus. Hier liefert eine Istanbul-Doku eindrucksvolle Sequenzen. Faszinierend, wie sich einzelne Lichter der Stadt im Dunkeln förmlich ins Panel brennen. In der abendlichen Kulisse gehen keine Details unter, im Gegenteil. Hausfassaden schreien förmlich nach Aufmerksamkeit und erwecken ein buntes Kaleidoskop zum Leben. Extrem souverän stellt der Panasonic zudem Goldtöne an Zierelementen dar, was nicht für jeden Flachbildfernseher eine Selbstverständlichkeit ist. Bei diesem Super-OLED verschwimmen Realität und Fiktion zu einem atemberaubenden Bild.
Tonqualität
Ein Pfund ist der Panasonic auch beim Ton. Hierfür sorgt das „Soundsystem 360° Soundscape Pro“, das über nach oben und seitlich abstrahlende Lautsprecher verfügt. Die 160 Watt verteilen sich auf zwei vordere Boxen mit 80 Watt, zwei seitliche mit insgesamt 30, die Aufwärts-Boxen mit 30 und den Tieftöner mit 20 Watt. Zum Einsatz kommen sieben Kanäle sowie ein Mono-Tieftöner mit zwei Passivradiatoren. Der Vorteil: Zuschauer können die einzelnen Chassis individuell steuern und Zonen mit unterschiedlichen Lautstärken schaffen.
Kleinere und größere Wohnzimmer flutet der TV-65Z95A mit Dolby-Atmos-Unterstützung souverän und luftig. Man fühlt sich in die Handlung hineingezogen, auch bei höheren Pegeln ist der Japaner alles andere als angestrengt. Seine Stimmverständlichkeit ist exzellent, das Bassfundament klingt erwachsen. Man hat das Gefühl, keinen Flat-TV, sondern eine Soundbar zur Musikwiedergabe vor sich zu haben. Auch aus seitlicher Position werden Actionfilme zu einem akustischen Erlebnis.




Der Testbericht Panasonic TV-65Z95A (Gesamtwertung: 97, Preis/UVP: 4.400 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Panasonics neues OLED-Flaggschiff TV-65Z95A katapultiert sich durch ein exzellentes, enorm helles Bild in Kombination mit einer komfortablen Bedienung und starkem Sound an die Spitze unseres Testspiegels. Diese außergewöhnliche Performance lässt sich der Hersteller aber auch gut bezahlen.
Jochen Wieloch

