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    News

    30 Jahre digitales Fernsehen in Deutschland

    29. Juli 20263 Minuten Lesezeit

    Vor 30 Jahren, am 28. Juli 1996, ging DF1 als erster digitaler Fernsehanbieter auf Sendung. Noch im selben Jahr wurden die ersten digitalen Fernsehsignale in Deutschlands Kabelnetze eingespeist. Diese waren damals neben der Antenne und dem stark wachsenden Satelliten-Direktempfang der wichtigste Verbreitungsweg für Medien. Der Schritt vom analogen Rauschen zu klaren, stabilen Übertragungen brachte mehr Sender, eine bessere Bildqualität und neue Anwendungen auf die Mattscheibe. Zugleich machte die später folgende Abschaltung der analogen Übertragungstechnik den Weg frei für Gigabit-Internet in Deutschlands Kabelnetzen.

    „Die Digitalisierung des Fernsehens hat Möglichkeiten geschaffen, die mit analoger Technik nicht realisierbar waren“, erklärt Guido Kneuper, TV-Technik-Experte bei Vodafone.

    Elektronische Programmführer, Video-on-Demand und Pay-per-View entstanden. Hochauflösendes Fernsehen wurde massentauglich, moderne UHD/4K-Angebote wurden überhaupt erst realisierbar. Heute sind mehrsprachige Tonspuren und Untertitel Standard – Features, die das Fernseherlebnis grundlegend verändert haben.

    Die wichtigsten Verbreitungswege für den digitalen Fernsehempfang sind auch heute noch die Satellitenübertragung (DVB-S) und das Kabelnetz (DVB-C). Weitere Empfangsmöglichkeiten sind Antenne (DVB-T2) oder Internet (IPTV).

    Der Meilenstein: Analog-Abschaltung und Gigabit-Infrastruktur
    Im Jahr 2012 endete die analoge Satellitenübertragung. Sieben Jahre später, im März 2019, schaltete Vodafone die letzten analogen Signale in seinem Kabelnetz ab – zwei Jahre nach dem Kabelnetzbetreiber Unitymedia, dessen Infrastruktur heute zu Vodafone gehört. Durch diese Abschaltung wurden wertvolle Frequenzen in den Kabelnetzen frei. Vodafone nutzt diese freigewordenen Frequenzen heute für leistungsfähige Breitbanddienste mit Gigabit-Geschwindigkeiten. „Die Digitalisierung des Kabelfernsehens war weit mehr als nur ein besseres Bild“, sagt Kneuper rückblickend. „Sie verwandelte das alte Fernsehkabelnetz in die heutige Gigabit-Infrastruktur mit Internet-Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s.“

    Neben der Analogabschaltung spielten auch neue Technologien für die Aufwertung des Kabelnetzes eine Rolle. Diese machten das Kabelnetz zum Beispiel rückkanalfähig – eine wichtige Voraussetzung für interaktive Dienste und Datenübertragungen. So ist das Kabelnetz heute längst mehr als ein Fernsehmedium – es ist eine wichtige Datenautobahn für TV, Streaming und vor allem schnelles Internet.

    Der größte Kabelnetzbetreiber Deutschlands ist nach der Übernahme von Kabel Deutschland (2013) und Unitymedia (2019) heute Vodafone. Das Unternehmen erreicht über das Kabelnetz mehr als 24 Millionen Haushalte und hat rund 8 Millionen TV-Kunden.

    Der Preis der Digitalisierung: Verzögerte Bildübertragung
    Analoge Live-Übertragungen zeigten kaum Verzögerungen bei der Übertragung von Live-Bildern im Fernsehen. Bei der Digitalisierung muss das Signal für verschiedene Netze und Endgeräte aufwendig verarbeitet werden. Dadurch kommt das Live-Bild mit Verzögerungen auf den heimischen Bildschirm – bei der letzten Fußball-Weltmeisterschaft betrugen diese beim Internet-Fernsehen beispielsweise bis zu 30 Sekunden. Das führt zu einer kuriosen Situation: Der Nachbar mit Kabel oder Satellit jubelte schneller über das Tor als der Streaming-Zuschauer nebenan.

    Die Zukunft des Fernsehens
    Die Zukunft ist vielfältig. Streaming wächst, doch lineares Fernsehen bleibt ein wichtiger Bestandteil der Mediennutzung, auch wenn es sich kontinuierlich wandelt. „Viele Menschen möchten sich nach Feierabend einfach berieseln lassen und nicht selbst zum Programmdirektor werden. Besonders bei Live-Sport, Nachrichten, Events und Hintergrundnutzung hat lineares Fernsehen weiterhin seine Stärken“, sagt Kneuper. Mobile Nutzung auf Smartphone und Tablet gewinnt an Gewicht. „Das Zweit-Gerät wird für Unterhaltung unterwegs immer wichtiger“, betont Kneuper. Gleichzeitig sieht er einen Wandel bei den Endgeräten. „Der klassische Wohnzimmer-Fernseher verliert langfristig an Bedeutung“, ist er überzeugt. Künftig könnten leichte Brillen-Displays Bilder direkt vor die Augen projizieren und für ein ganz neues Fernseherlebnis sorgen. „Bis solche Lösungen den Massenmarkt erreichen, wird es noch einige Jahre dauern. Die Richtung hin zu immersiven und mobilen Fernseherlebnissen ist jedoch klar erkennbar“, meint der Technik-Experte.

     

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