Als Erster seiner Art kombiniert der XGIMI Horizon Ultra eine Laser- mit einer LED-Lichtquelle. Doch das ist nicht die einzige Technik-Innovation des smarten Bildwerfers.
Auf der IFA präsentierte der chinesische Hersteller sein neues Topmodell unter den Heimkino-Projektoren. Hierbei handelt es sich um den 1.800 Euro teuren Horizon Ultra, der in stylischer Würfelform mit goldenem Finish daherkommt. 5,2 Kilo bringt er auf die Waage und ist mit 22,4 x 26,5 Zentimeter Grundfläche kompakt genug, um ihn auch mal mit zu Freunden zu nehmen.
Der XGIMI Horizon Ultra ist ein Ein-Chip-DLP-Projektor mit 0,47-Zoll-DMD und nativer Full-HD-Auflösung. Via XPR-Shift-Technologie stellt er bis zu 3.840 x 2.160 Pixel sequentiell dar. Das Herzstück ist die neu entwickelte duale Lichtquelle aus Laserdioden und LEDs (siehe Kasten rechte Seite). Doch das ist nicht seine einzige Technik-Premiere, denn als erster Langdistanz-Heimprojektor unterstützt er Dolby Vision (das konnten bislang nur Laser-TVs). Ein Autofokus sowie die automatische Bildformatanpassung gestalten die Installation deutlich komfortabler.
Android TV 11.0 bietet jede Menge Smartfunktionen. Dazu gehört die kabellose Signalübertragung via Chromecast und Bluetooth. Die Steuerung gelingt per Fernbedienung oder per Sprachsteuerung. Beliebte Streamingdienste wie Amazon Prime Video, Disney+, RTL+, Apple TV, DAZN und YouTube sind an Bord, aus Lizenzgründen muss man aber auf Netflix und Wow verzichten. Dafür bietet der Google Play Store Spielfilme zum Kauf an.
Eine gedruckte Bedienungsanleitung, ein fixer Ausschalter zum Stromsparen auf der Rückseite des Projektors und zwei 12-Watt-Lautsprecher komplettieren das gut gefüllte Ausstattungspaket.
Die silber-schwarze Fernbedienung besitzt eine nicht hinterleuchtete Tastatur. Lautstärkeregler, Fokusknopf und Mikrofontaste sind vorhanden. Es fehlen Direktwahltasten für Apps und das motorische Zoom-Objektiv.
Installation und Bedienung
Nach dem ersten Einschalten fordert der Projektor den Nutzer auf, die Fernbedienung mit dem Horizon Pro zu koppeln. Das gelingt 10 Zentimeter vor dem Beamer problemlos, indem zwei Tasten gleichzeitig auf dem Geber gedrückt werden. Danach fokussiert der Beamer selbstständig das Bild auf unserer Leinwand. Bis zum Rand sind alle Inhalte messerscharf. Mittels eines 1,25-fachen optischen Zooms kann die Bildgröße weiter angepasst werden. Allerdings gibt es dafür keine eigene Taste, vielmehr ist der optische Zoom gut versteckt. Fündig werden wir im Menü „Trapezkorrektur Einstellungen“. Mit dem dort untergebrachten Reiter können wir die Bildgröße anpassen. Darüber hinaus kann das Bild digital verkleinert werden, was aber zulasten der Auflösung geht. Eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand lässt sich aus einer Distanz von 3,00 bis 3,75 Meter vollständig ausleuchten.
Die Netzwerk-Verbindung gelingt spielend leicht. Wir entscheiden uns für die Anmeldung über das Google-Konto. Dafür erhalten wir einen Code per SMS auf unser Smartphone. Die sechs Zahlen werden mit der Online-Tastatur eingegeben und schon steht die Internetverbindung. Wer kein Google-Konto besitzt, kann die Anmeldung herkömmlich mit dem Passwort durchführen.
Die Navigation gelingt schnell, flüssig und präzise. Dank der exzellent funktionierenden Fernbedienung haben wir uns während des gesamten Testprozederes nicht einmal vertippt. Alternativ kann die Steuerung der Smartfunktionen via Sprachsteuerung erfolgen. Auch hier gibt es keine Kritik, weil die gesprochenen Befehle prompt umgesetzt werden, selbst wenn Musik oder Dialoge eines Films im Hintergrund zu hören sind. Unterwegs stellt der Horizon Pro die Bildgröße selbstständig ein. Die Umschaltung zwischen Smartfunktionen und externen HDMI-Zuspielern wird klassisch über die Eingangswahl im On-Screen-Display durchgeführt. Direktwahltasten für die Eingänge gibt es auf der Fernbedienung nicht.







Licht und Farbe
Die Lichtausbeute im Bildmodus „Kino“ liegt mit 2.200 Lumen knapp 5 Prozent unter der beworbenen Maximalhelligkeit. Die Farbtemperatur beträgt hier schon sehr gute 6.400 Kelvin, so dass sich die Korrekturen auf den D65-Punkt in kleinen Grenzen halten. Eine Kalibrierung ist nur im Bildmodus „Benutzer“ möglich. Hier erzielen wir sehr gute 2.020 Lumen mit präziser Farbdarstellung. Der Rec.709-Farbraum wird nach der Kalibrierung zu 100 Prozent abgedeckt. Ab Werk ist das Spektrum noch um rund 20 Prozent erweitert. Leider sind auch hier die Regler für die Anpassungen versteckt. Wer unter „Alle Einstellungen“, „Projektor“, „Farbraum“ aufruft, sollte von „Standardfarbe“ auf „Automatisch“ wechseln. Jetzt werden die Farbräume Rec.709 und DCI-P3 fast punktgenau getroffen. Das ist auch nötig, weil die rudimentären Anpassungen im CMS für alle Farbräume gleichermaßen Gültigkeit haben. Separate Speicher für HDR10, Dolby Vision und SDR gibt es nicht.
Wünschenswert sind bessere Kontrastwerte als die von uns ermittelten 320:1 On/Off, 310:1 In-Bild und 120:1 ANSI. Daraus leitet sich der suboptimale Schwarzwert von 6,31 Lumen ab. Im Wohnzimmer mit Restlicht mag das zu verkraften sein, weil Umgebungs- und Streulicht von weißen Wänden auf die Leinwand reflektieren und dadurch ohnehin ein dunkleres Schwarz verhindern. In komplett abgedunkelten Heimkinos sieht das Schwarz hingegen eher mittelgrau aus.
Die Ausleuchtung über die gesamte Bildfläche fällt mit 98 Prozent hingegen hervorragend aus. Von der Mitte bis zu den Rändern ist die gesamte Projektion homogen. HDR-Inhalte werden von 0.005 bis 10.000 Nits reproduziert und im Rahmen des Tone Mappings dargestellt.
Trotzdem weist das Gerät im On-Screen-Menü einen „Dynamischen Kontrast“ und „Lokalen Kontrast“ aus. Beide Tools wirken unabhängig von der Lichtquelle und interagieren. Während der „Dynamische Kontrast“ dunkle Bereiche massiv runterregelt und hellere Inhalte anhebt, hellt der „Lokale Kontrast“ dunkle Elemente auf. Dies geschieht wahlweise in drei Stufen. Wir empfehlen, die Einstellung „Stark“ beim „Lokalen Kontrast“ zu nutzen und den „Dynamischen Kontrast“ auszuschalten, da uns Letztgenannter zu stark ins Bild eingreift und Inhalte im Schwarz zulaufen lässt.




Bildqualität und Ton
Sogar im höchsten Lichtmodus ist der XGIMI Horizon Ultra mit 23 Dezibel sehr leise. Wird die Lichtleistung reduziert, ist er praktisch nicht mehr zu hören. Die Schärfe ist sehr gut, so wie wir es von einem Ein-Chip-DLP-Projektor mit hochwertigem Objektiv gewohnt sind. In „Elvis“ (2022) begeistert uns bereits der Titelvorspann mit dem Warner-Logo. Einzelne Edelsteine werden vorbildlich reproduziert. Dank der annähernd 100-prozentigen Farbraumabdeckung und hohen Lichtausbeute erzeugen Grün- und Rotfarbtöne wahre HDR-Wow-Momente. Dolby verlangt für Vision, dass die Bewegungskompensation standardmäßig ausgeschaltet ist, um ein originalgetreues Kinoerlebnis zu bieten. Daher hat XGIMI sie für Dolby Vision deaktiviert, was Pulldownruckeln zufolge hat, weil der 0,47-Zoll-Chip alle Bildsignale in 60 Hz wandelt. Dieses Manko wird laut Xgimi per Firmware-Update, das bei Erscheinen dieser Ausgabe bereits erhältlich sein soll, behoben. Wie für HDR10 kann dann auch bei Dolby-Vision-Inhalten die mehrstufige Bewegungskompensation eingeschaltet werden, um das Pulldownruckeln zu eliminieren.
Nachtaufnahmen in „West Side Story“ (2021) werden von einem Grauschleier durchzogen, weil Schwarz eher wie Mittelgrau anmutet. Als Maria in ihrem weißen Kleid auf der Feuerleiter steht, leuchten die Fenster strahlend hell um sie herum, aber die Leiter in Schattenbereichen erscheint fast milchig, ebenso die Letterboxbalken. Als Maria zurück in ihr Zimmer geht und helle wie farbige Elemente sie umgeben, lichtet sich dieser Schleier. Tageslichtszenen erscheinen dann sogar überaus realistisch. Wenn Maria und ihre Freunde „America“ in den Straßen von New York singen, versprüht der Horizon Ultra pures HDR-Feeling. So wunderbare Farben bekommen wir nur selten zur Gesicht – der Dual-Lichtquelle sei Dank. Einfarbige Flächen wie Himmel und Strände erscheinen auf der gesamten Leinwand homogen, aufgrund der herausragend guten Color Uniformity. Selbst Schwarz-Weiß-Inhalte sind durchweg farbneutral.
Harman Kardon liefert zwei 12 Watt Lautsprecher, mit denen man Räumlichkeiten bis zu 25 Quadratmeter adäquat beschallen kann. Mitten und Höhen werden klar herausgeschält, während auf Tiefbass verzichtet werden muss. Mehr als ein Notbehelf sind die implementierten Lautsprecher allemal, ersetzen jedoch kein externes Soundsystem mit Subwoofer.



Der Testbericht XGIMI Horizon Ultra (Gesamtwertung: 73, Preis/UVP: 1.800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 11-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der XGIMI Horizon Ultra ist ein smarter 4K-Projektor mit exzellenter Schärfe und hoher Lichtausbeute, der für den Einsatz im Wohnzimmer mit Restlicht prädestiniert ist. Dank neuer Dual-Lichttechnik zeigt er satte Farben, und sein Autofokus bietet viel Komfort bei der Installation.
Michael B. Rehders

