TCL 65C935 (Test)

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Mit dem 4.000 Euro teuren 65C935 schickt TCL seinen derzeitigen 4K-Top-TV mit Mini-LEDs und Quantum-Dot-Technik ins Rennen. Allerdings hat die unverbindliche Preisempfehlung wenig mit der Realität zu tun. Obwohl erst vor wenigen Monaten eingeführt, bekommt man den 65-Zöller schon für deutlich weniger als die Hälfte –
was ihm angesichts seines guten Ergebnisses einen Preistipp beschert. Während TCL im 65C835 (Test in 10-2022) die tausende Mini-LEDs auf nur 288 Zonen verteilt, kommen beim 65C935 stolze 1.080 lokale Dimming-Bereiche zum Einsatz. Außerdem hat der chinesische Hersteller den Abstand zwischen der Hintergrundbeleuchtung und dem LC-Display auf 5 Millimeter verringert. Der reine Bildschirm ist nur 1,5 Zentimeter tief, und der gesamte Fernseher kommt inklusive Anschlüssen gerade mal auf 4,4 Zentimeter. Optisch und qualitativ ansprechend sind der Metallrahmen und der zentrale Metallfuß. Etwas labil, zumindest beim Zusammenbau, wirkt die Kunststoffplatte, die Fuß und Gehäuserückseite miteinander verbindet. Ist der C935 aber montiert, mutet der Apparat sehr stabil an. Wer den Flachmann an die Wand schrauben will, profitiert vom VESA-Standard 300 x 400 Millimeter.

Unter dem Display befindet sich, hinter einer schicken Aluminium-Lochblende, das 2.1.2-Soundsystem von Onkyo mit Dolby-Atmos-Unterstützung und eigenem Basslautsprecher.

Ausstattung und Praxis
Als Betriebssystem kommt Android 11 zum Einsatz, bei der Benutzeroberfläche vertraut der C935 wie Mitbewerber Sony auf Google TV. Dieses punktet durch eine klare Menüstruktur und hohen Bedienkomfort. Das Arbeitstempo des 65-Zöllers ist grundsätzlich in Ordnung, allerdings reagiert Google TV bei Sonys Top-Modellen punktuell noch einen Tick flotter. Der Mini-LED-TV kooperiert mit Alexa über kompatible Geräte wie den Echo oder den Echo Dot. Sprachbefehle nimmt der Fernseher über Google Assistant durch ein eingebautes Mikrofon auch ohne Fernbedienung entgegen. Mitgeliefert werden zwei Geber. Wünschenswert wäre, sämtliche sinnvollen Tasten auf einem Steuerstab zu vereinen. Optisch und vom Handling her gefällt uns der längere Steuerstab etwas besser. Allerdings hat die abgerundete Fernbedienung unter anderem eigene Tasten für YouTube, den TCL Channel (eine Plattform mit kostenlosen Angeboten von Pluto TV, Rakuten TV, Streaming-Kanälen sowie Inhalten für Kinder und Fitness), für Guard (hier verwaltet man unter anderem die Zugriffsrechte für Apps und reinigt den Flat-TV für optimale Leistung) sowie den Mediaplayer. Ebenso lässt sich der Menüpunkt „Multivision“ aufrufen, um im Parallelbetrieb Live-TV oder Streaming-Dienste und die Smartphone-Oberfläche auf dem TCL-Panel darzustellen. Im Test gelang es uns jedoch nicht, das Smartphone als zusätzliches Fenster, sondern immer nur bildschirmfüllend zu spiegeln – egal, ob per Miracast, Google Home oder die AllCast-App.

Alle vier HDMI-Ports beherrschen den Auto Low Latency Mode (ALLM) und die Variable Refresh Rate (VRR), HDMI-Anschluss 1 ermöglicht 4K mit 144 Hertz, Port 2 die 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz, bei den beiden anderen HDMI-Buchsen ist bei 60 Hertz Schluss. Gamer mit entsprechenden Grafikkarten freuen sich zudem über AMD FreeSync Premium für flüssige Spiele. Über die Option „Spielleiter“ kann man für Games die Bildqualität optimieren und die Eingabeverzögerung reduzieren. TCL gibt eine maximale TV-Spieleingabeverzögerung von unter 6 Millisekunden an.

Der Mediaplayer werkelt zügig und gestattet es, Fotos zu drehen sowie zu vergrößern, eine Möglichkeit zur 360-Grad-Darstellung gibt es nicht. Die „Galerie“ verschönert den TV-Bildschirm in Fernseh-Pausen. Drei Motive sind bereits hinterlegt, für mehr Auswahl kann man eigene Fotos per Kamera oder über Google Fotos hinzufügen. Noch mehr Bilder und Kunstwerke hält der „Inaktivmodus“ bereit. Empfehlenswert ist die kostenlos für Android und iOS erhältliche App „TCL Home“. Diese erlaubt es nicht nur, den C935 per Smartphone fernzusteuern. Auch das Öffnen von Apps gelingt blitzschnell, zudem lassen sich Multimedia-Dateien auf den Fernseher streamen. Der Chinese unterstützt neben AirPlay 2 auch Bluetooth.

Ein Fall für zwei: TCL liefert den C935 mit zwei Fernbedienungen aus. Sinnvoller wäre es, die Stärken beider Oberseiten in einem Signalgeber zu vereinen. Beide Steuerstäbe zeichnen sich durch saubere Druckpunkte
der Tasten aus. Für die Sprachsteuerung ist keine Fernbedienung erforderlich, im Flat-TV selbst sitzt ein Mikrofon.

Android 11 und Google TV: Die sehr aufgeräumte Oberfläche kennt man bereits von Sony-TVs. Auch Neueinsteiger finden sich hier auf Anhieb zurecht.

Bild-im-Bild: Links eine Streaming-Plattform wie YouTube, rechts die Oberfläche eines Smartphones – im Test hatten wir bei der Umsetzung allerdings Probleme.

Für die audiovisuelle Optimierung hat TCL dem C935 clevere Features spendiert. So passt er die Bildschirmhelligkeit automatisch an das Umgebungslicht an. „Anpassbarer Inhalt“ ermöglicht es, dass der Fernseher den Bildinhaltstyp erkennt und die optimalen Einstellungen in Eigenregie vornimmt.

Darüber hinaus ist die intelligente Bildverbesserung „Adaptive Farbtemperatur“ hinterlegt. In den Akustik-Setups korrigiert der 65-Zöller bei Bedarf die Audioeinstellungen automatisch basierend auf dem Inhalt. „Anpassbares Volumen“ registriert den Umgebungsgeräuschpegel und verändert entsprechend die TV-Lautstärke.

Automatische Anpassungen: Sowohl beim Bild als auch beim Ton kann der C935 Modifikationen zur Optimierung in Eigenregie vornehmen.

Bild- und Tonqualität
Unsere ersten Testsequenzen der HD-Doku „Berlin und Brandenburg“ von oben gibt der TCL ungemein natürlich wieder. Für maximale Authentizität sollte man zum „Kino“-Modus greifen. Wer auf mehr Dynamik und Kontrast sowie sattere Farben steht, wird wahrscheinlich mit der „HDR-Verbesserung“ glücklich, die ordentlich aufs Gaspedal drückt. Schärfe und Raumtiefe des 65-Zöllers sind exzellent. Zur Anpassung der Bewegungsglättung stehen diverse Parameter bereit. Das beste Ergebnis erhält man, indem man „LED-Bewegung löschen“ aktiviert. Dadurch wird das LED-Hinterlicht gesteuert, um speziell schnellere Bewegungen klarer darzustellen. Allerdings wird dadurch das Bild abgedunkelt. Insgesamt kann die Bildruhe mit der anderer Spitzenfernseher nicht ganz mithalten.

HDR-Titel wie „Das Leben in Farbe“ spielen dem C935 natürlich in die Karten. Jetzt strahlt das Display mit enormer Brillanz. Das blaue Gefieder eines Pfaus strotzt nur so vor Leuchtkraft, kleinste Details wie einzelne grüne Federn, weiße Partien um die Augen oder feinste Schattierungen im Federkleid stellt der prächtige Vogel mit Wow-Effekt zur Schau. Bei der Display-Helligkeit spielt der TCL in der Premium-Klasse. 2.185 Candela messen wir im „Dynamisch“-Modus, 970 sind es immer noch bei 50- und 560 bei 100-prozentigem Weißanteil. Im „Standard“-Setting schafft der C935 starke 1.600 und im „Kino“-Modus 1.100 Candela. Mit „Warm -5“ und 6.520 Kelvin ist die Farbtemperatur ab Werk perfekt voreingestellt. Und der brachiale ANSI-Kontrast von 13.900:1 ist ein Indiz dafür, dass der 65-Zöller nicht nur richtig leuchtstark sein kann, sondern auch beim Thema Schwarz echt gut drauf ist.

Ohne Allüren: Im SDR-Farbraum leistet sich der C935 farblich nicht den geringsten Patzer, wenn der „Kino“-Modus ausgewählt ist.

Homogen: Und auch im DCI-P3-Spektrum zeigt der Flachmann keine Schwäche. Den Farbraum reizt der Mini-LED-TV in allen Bereichen nahezu vollständig aus.

Freier Platz, mehr Tempo: Über die „Geräteoptimierung“ kann man das System des 65-Zöllers auf Vordermann bringen und ein wenig entrümpeln.

Ausstattungs-Lücken: Die TV-Tuner sind nur als Single-Varianten verbaut – das ist jedoch zu verschmerzen, weil der 65C935 ohnehin keine TV-Programme auf USB-Festplatte aufzeichnen kann.

Hier schneidet der TCL genauso gut wie der Samsung GQ65QN95B ab (Test auf Seite 34). Bei frontaler Betrachtung ist Schwarz dunkel wie die Nacht, weiße Inhalte kommen ohne jegliche Aufhellung aus. Nur wenn man von der Seite schaut, macht sich im komplett abgedunkelten Raum ein dezenter Lichthof um helle Objekte bemerkbar. Für einen LCD-TV ist die Schwarz-Performance des 935 grandios, er erreicht nahezu OLED-Niveau. Hier wird ein qualitativer Unterschied zum schon sehr guten C835 am deutlichsten sichtbar. Nicht nur bei der Gleichmäßigkeit seiner Ausleuchtung gefällt die Blickwinkelstabilität des 65-Zöllers. Auch Farben behalten sehr lange ihre Leuchtkraft bei.

Das 2.1.2-System von Onkyo mit einer Musikleistung von 180 Watt erweckt Stimmen gut verständlich und verleiht Musik eine angenehme Leichtigkeit und tolle Klarheit. Der 935 klingt auch bei höheren Pegeln unangestrengt, sein Bassfundament ist für einen Flachmann solide, die Dynamik überzeugt. Der Klangkorridor ist recht breit, die akustische Fülle angenehm. Mit „Kino“, „Musik“, „Stimme“, „Spiel“, „Sport“, „Dynamisch“ und „Standard“ stehen sieben verschiedene Klang-Modi zur Verfügung. Der Equalizer gestattet Anpassungen im Bereich von 100 Hertz bis 10 Kilohertz.

Der Testbericht TCL 65C935 (Gesamtwertung: 87, Preis/UVP: 4.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 2-2023 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

87 Sehr gut

Mit dem TCL 65C935 erwirbt man einen super Mini-LED-TV mit höchster Helligkeit, knackigem Schwarz, hohem Bedienkomfort und gutem Ton. Ob Filmfan oder Gamer, der 65-Zöller ist für viele das optimale Gerät – und das alles für weniger als 2.000 Euro (die Preisempfehlung von 4.000 Euro spielt in diesem Fall keine Rolle).

Jochen Wieloch

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