Samsung schraubt beim neuen GQ65QN90F die Panel-Helligkeit in rekordverdächtige Höhen. Das matte Display punktet durch eine hervorragende Entspiegelung und auch die Schwarzdarstellung gelingt dank Mini-LEDs erstaunlich gut.
Mit mehr Künstlicher Intelligenz und mattem Display will Samsung in diesem Modelljahrgang mehr aus seiner 4K-LCD-Flaggschiffreihe heraus kitzeln. Diese hört 2025 auf die Bezeichnung QN90F und löst die D-Serie des Vorjahres ab. Im Testlabor haben wir die 3.000 Euro teure 65-Zoll-Variante auf Herz und Nieren durchgecheckt – damit ist der Apparat immerhin 100 Euro günstiger als der Vorgänger GQ65QN90D bei seiner Premiere.
Alternativ ist der Flachmann in 43, 50, 55, 75, 85 und 98 Zoll erhältlich, ein 115 Zöller soll im Laufe des Jahres folgen. Los geht es bei 1.500 Euro, das obere Ende der Fahnenstange liegt bei 9.950 Euro für den 98-Zöller (weitere Infos zum neuen TV-Portfolio auf Seite 8).
Samsung arbeitet beim QN90F mit der so genannten Neo-QLED-Technik. Dabei verteilen sich Tausende Mini-LEDs wie beim Vorgänger auf 720 Dimming-Zonen. Markante Neuheit: Das Display ist jetzt matt, wie man es von den meisten PC-Monitoren kennt. So viel sei schon verraten: Der Bildschirm ist dadurch hervorragend entspiegelt, was sich speziell in Wohnzimmern mit Lichtquellen positiv bemerkbar macht.
Mit einer Tiefe von 2,7 Zentimeter bleibt der Koreaner ein ausgesprochen schlanker Fernseher. Das reine Display ist lediglich 1,2 Zentimeter tief, das von einem hochwertigen titanschwarzen Metall rahmen umgeben ist. Ebenfalls titanschwarz definiert Samsung die Farbe des Metallfußes, auf dem der 65-Zöller sicher steht. Die VESA-Norm 600 x 400 Millimeter erlaubt eine Wandmontage.
Samsung hat an seiner Fernbedienung kaum verändert. Sie liegt super in der Hand und wird per Sonnen- bzw. Kunstlicht oder via USB geladen. Durch die wenigen Tasten sind Mehrfachbelegungen unumgänglich. Über die neue AI-Taste kann man jederzeit Informationen zu aktuellen TV-Sendungen aufrufen.
Nach einer dreimonatigen Gratis-Testphase steht der Dienst leider nur gegen Gebühr zur Verfügung. Entweder werden pro Monat 4,99 Euro fällig (jederzeit kündbar) oder man bezahlt für das Jahresabo 49,90 Euro. Zu den hinterlegten Künstlern zählen unter anderem Van Gogh, Dali, Botticelli, Basquiat, Park Seo-Bo, Haring, Gauguin, Kandinsky, Klee, Monet und Cézanne.

Ausstattung und Praxis
Eingerichtet ist der QN90F blitzschnell über die kostenlos für Android und iOS erhältliche „SmartThings“-App. Das passende WLAN-Netz müssen wir im Test gar nicht manuell aussuchen, auch die Eingabe des Passworts entfällt. Das erledigt der Samsung alles in Eigenregie. Auf der Oberfläche von Tizen OS hat sich auf den ersten Blick fast nichts getan, modifiziert wurden jedoch die Menüs. Der Startbildschirm empfängt die Zuschauer mit waagerecht angeordneten Apps, dazu den Rubriken „Für Sie“, „Live“ und „Apps“. Man sieht sofort in einem kleinen Vorschaufenster, was gerade wiedergegeben wird, und profitiert unter anderem von personalisierten Vorschlägen – zum Beispiel aus Mediatheken. Über die linke Menü leiste hat man Zugriff auf den „Samsung Gaming Hub“, in dem neben aktuellen Spielen auch Klassiker über verschiedene Streaming-Dienste abgerufen werden können. Eine Konsole ist dafür nicht erforderlich. Neu ist der Menü-Eintrag „Kunst“ – was sich dahinter verbirgt, erfahren Sie im Kasten oben.
Über die „Einstellungen“ erreicht man beim 65-Zöller ein eingeklinktes kleines Menü. Dieses wird nicht wie bei früheren Generationen zentral mittig dargestellt. So sieht man bei Bildanpassungen mehr vom Bild und kann die Veränderungen leichter erfassen. Größe und Transparenz der Menüs lassen sich zudem anpassen.
Für ein flottes Bedientempo sorgt der „Neural Quantum 4K AI“-Prozessor mit 128 neuronalen Netzwerken. Dieser benötigt viel Power, weil er im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz zahlreiche neue Features ermöglicht. Die KI-basierte Inhaltserkennung etwa passt Szenarien wie Sportübertragungen und Filme automatisch an die vom Zuschauer bevorzugten Bildeinstellungen an. Dazu kann dieser aus Rubriken wie „Kontrast“, „Farbe“ und „Farbton“ aus jeweils vier Vorschlägen seinen favorisierten Stil auswählen. „Color Booster Pro“ setzt ebenfalls auf Künstliche Intelligenz und passt die Farbintensität für jede Szene an – den jeweiligen Level kann der Zuschauer festlegen. Neu hinzugekommen ist „Auto HDR Remastering Pro“. Dieses basiert auf so genanntem „AI Deep Learning“ und versucht, SDR- wie HDR-Inhalte besser aussehen zu lassen. Dafür analysiert der Flachmann das Bild bereits im Vorfeld, um Kontrast, Farben und Tiefenwirkung in Eigenregie anzupassen. Das Feature steht für Videos und Spiele zur Verfügung.
Steuern per Smartwatch
„Click to Search“ ermöglicht es durch einen Druck auf die handliche Fernbedienung, zu einzelnen aktuellen Programminhalten Hintergrundinformationen oder Vorschläge zu ähnlichen Formaten etwa über YouTube zu erhalten. „Live Translate“ übersetzt Bildunterschriften im Live-Fernsehen in Echtzeit. „Generative Wallpaper“ gestattet es, individuelle Hintergrundbilder auf den Flachbildfernseher zu holen. Und Besitzer einer Samsung Galaxy Watch können den GQ65QN90F mittels Handbewegungen steuern („Universal Gestures“). Das neue Karaoke-Feature für Singspaß vor dem Flat-TV wird durch das Mikrofon in einem Smartphone bereitgestellt. Mit „Samsung Knox“ wollen die Koreaner die Sicherheit von Daten auf dem Smart-TV steigern. Die Sicherheitslösung umfasst Hardware, Software und Dienste (Details dazu erfahren Sie im Samsung-Roadshow-Report auf Seite 8).
Ausgestattet ist der 65-Zöller mit Twin-Tunern für Kabel, Satellit und DVB-T2. Damit gelingen flexible TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte, Time-Shift (zeitversetztes Fernsehen) gehört ebenfalls zum Repertoire des Koreaners. Von den vier HDMI-Ports beherrschen alle Variable Refresh Rate (VRR) und den Auto Low Latency Mode (ALLM), außerdem bei Spielen eine 4K-Wiedergabe mit bis zu 165 Hertz.






Praktisch: „Daily Board“ zeigt bei Bedarf hilfreiche Informationen etwa zum Wetter und Widgets auf dem Display an, sobald man den Raum betritt. Beim Verlassen des Zimmers schaltet sich der Bildschirm ab. Diese Funktion steht ebenfalls über die Sprachsteuerung (Alexa und Bixby) bereit. Einen frischen Anstrich hat die „SmartThings“-App bekommen – hierüber kann man auch auf die Kunstwerke zugreifen, den Flachmann steuern, das Smartphone als virtuelles Gamepad verwenden und Apps starten. Von denen hat der Samsung jede Menge an Bord. Wer gerne streamt, freut sich mitunter über HD+, WOW, Joyn, Apple TV+, Disney+, Netflix, Amazon Prime Video und RTL+.
Geblieben ist die clevere Option, mit dem Smartphone über „SmartThings“ den 65-Zöller effektiv zu kalibrieren. Der „Multi View“-Modus erlaubt das parallele Darstellen von zwei Fenstern mit unterschiedlichen Inhalten.
Bildqualität
Die Messung in unserem Testlabor beginnt mit einem Paukenschlag! Hier schafft der Samsung im farblich besten „Filmmaker“-Setting satte 2.230 Candela in der Spitze. Beim Vorgänger war bei 1.947 Candela Schluss. Stolze 1.190 sind es bei einem Weißanteil von 50 Prozent, und in der kompletten Fläche strahlt der QN90F immer noch mit überragenden 780 Candela – das schafft kein OLED. Der ANSI-Kontrastwert von 1.900:1 lässt erahnen, dass der Samsung auch bei der Schwarzdarstellung gut abschneidet.
Und so ist es! Der 65-Zöller liefert bei frontaler wie seitlicher Betrachtung ein Schwarz, das fast auf OLED-Niveau liegt. Das lokale Dimming stellen wir auf „Hoch“. Aufhellungen um helle Objekte muss man dann bei einem seitlichen Sitzplatz mit der Lupe suchen.
Schwarz zeigt der Samsung damit auch in der Fläche ausgesprochen homogen. Für einen LCD-Fernseher ist dieses Ergebnis exzellent. Zudem profitiert der Apparat vom matten Display, dessen wellenförmige Oberfläche mit einer speziellen Beschichtung versehen ist und so das Licht in verschiedene Winkel und Richtungen streut. Die Folge der so genannten „Glare Free“-Technologie: Der GQ65QN90F ist der perfekte Fernseher für helle Räume, da Sonnen- und Kunstlicht vom Bildschirm weitgehend geschluckt werden und nicht als störende Spiegelungen auffallen. Obwohl das Panel matt ist, leidet darunter nicht die Leuchtkraft von Farben. Auch bei der Blickwinkelstabilität verdient sich der GQ65QN90F Bestnoten. Farben behalten selbst bei seitlichen Blickwinkeln ihre enorme Power, der Kontrast leidet genauso wenig.
Gut gefällt uns auch das Setting „Adaptives Bild“. Dieses ist KI-optimiert – der Prozessor analysiert die Umgebung des Fernsehers sowie den wiedergegebenen Inhalt, um die Qualität in Echtzeit zu optimieren. Unsere HD-Testsequenzen werden mit dieser Einstellung klarer, schärfer und plastischer, zudem wird minimal erkennbares Bildrauschen effizient beseitigt. Einen tollen Job erledigt auch „Auto HDR Remastering Pro“ – SDR-Inhalte erscheinen auf dem Panel dynamischer und kontrastreicher.
Nichts verändert hat Samsung in diesem Jahr am „EyeComfort“-Modus. Diese Funktion sorgt dafür, dass der Fernseher den Farbton des Bildschirms selbstständig an die Tageszeit anpasst. Dabei wird berücksichtigt, dass es morgens mehr blaues Licht als abends gibt. Den Bildeindruck empfinden wir als durchaus angenehm. Dies trifft ebenfalls auf die Bewegungsdarstellung zu. Wer es liebt, erreicht über die Menü-Einstellungen wunderbar geschmeidige Kamerafahrten und Überflüge.
Tonqualität
Für eine überzeugende Akustik werkelt im 65-Zöller wie beim Vorgänger ein 60 Watt starkes 4.2.2-Soundsystem. Während beim Bild die Unterstützung von Dolby Vision fehlt (nur HLG, HDR10 und HDR10+ Adaptive), kommt beim Ton Dolby Atmos zum Einsatz. Sprachverständlichkeit und Raumfülle überzeugen, auch bei höheren Pegeln spielt der Samsung souverän und weitgehend frei von Verzerrungen.
„Adaptive Sound Pro“ analysiert mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Inhalt, Raum und Lautstärke und verbessert die Verständlichkeit von Dialogen. Der „Aktive Sprachverstärker Pro“ ist praktisch, wenn störender Umgebungslärm auftritt, etwa von einem Mixer in der Küche. Dann passt der Koreaner die Lautstärke in Echtzeit an und versucht dabei, in erster Linie die Sprach- und Dialogausgabe zu optimieren. „Q-Symphony“ ermöglicht mit einer kompatiblen Soundbar die gleichzeitige Wiedergabe mit dem TV-Lautsprecher.




Der Testbericht Samsung GQ65QN90F (Gesamtwertung: 94, Preis/UVP: 3.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der hervorragend ausgestattete GQ65QN90F gehört zu den besten LCD-TVs am Markt. Er ist extrem hell, zeigt sattes Schwarz und begeistert durch sein exzellent entspiegeltes Display. Der Einzug in unsere Referenzklasse ist die logische Folge.
Jochen Wieloch

