„The One that has it all.“ Auch beim „The One“ des Modelljahrgangs 2023 lässt Philips keinen Zweifel daran, dass man nicht mehr benötigt als einen Flat-TV der Serie PUS8808. Die Niederländer versprechen die wichtigsten Funktionen eines Premiummodells zum „wettbewerbsfähigen Preis im mittleren Segment“. Für den von uns getesteten 65-Zöller verlangt Philips 1.500 Euro, zusätzlich ist der LCD-TV in den Größen 43, 50, 55, 75 und 85 Zoll zu Preisen zwischen 900 und 3.300 Euro erhältlich, alle haben dreiseitiges Ambilight.
In dem Flachmann arbeitet ein 100-Hertz-WCG-Panel. Bis zum 65-Zöller verfügt der 8808 über einen anthrazitgrauen Rahmen mit gebürstetem Effekt am unteren Bildrand und einen schwenkbaren Standfuß. Rahmen und Fuß sind aus Kunststoff. Der 75- und der 85er-Zöller ruhen auf anthrazitgrauen, geschliffenen Rundstäben aus Metall. Mit 8,4 Zentimeter inklusive Anschlüssen fällt der 65-Zöller nicht gerade super schlank aus. Unterstützt werden alle Wandhalterungen, die den VESA-Standard 300 x 300 Millimeter beherrschen. Novum: Philips setzt wie Sony jetzt ebenfalls auf die Benutzeroberfläche von Google TV (siehe Kasten rechte Seite).
Ausstattung und Praxis
Braucht man mehr Ausstattung, als der 65PUS8808 an Bord hat? Für die meisten Zuschauer dürfte der Philips alles bieten, was im TV-Alltag und durchschnittlichen Heimkino von Relevanz ist. So wird neben HLG und HDR10 auch HDR10+ und Dolby Vision unterstützt, Dolby Atmos findet ebenfalls Beachtung. Vier HDMI-Anschlüsse sind verbaut, von denen zwei mit Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR), eARC und 4K-Wiedergabe mit 120 Hertz alle wichtigen 2.1-Spezifikationen unterstützen. Für Gamer wichtig ist der Support von Dolby Vision Game und AMD FreeSync Premium. Für die Bildverarbeitung vertraut Philips auf die P5 Picture Engine – wir sind überrascht, dass in den Flachmännern die neue, mittler weile siebte Generation des P5-Prozessors werkelt. Ein neuer Lichtsensor misst die Farbtemperatur im Raum, um in Echtzeit den Weißpunkt des Panels exakt dem Licht im Raum anzupassen. Zudem versucht der Prozessor, die Parameter Helligkeit, Gamma und Farbwiedergabe noch exakter auf das Umgebungslicht abzustimmen. Optimiert wurde darüber hinaus das so genannte Super-Resolution-Feature, um die Kantenschärfe und die Darstellung feinster Details im Hauptbereich der jeweiligen Bildszene zu verbessern.
Funktional: Die Philips-Fernbedienung liegt angenehm in der Hand und ermöglicht hohen Bedienkomfort. Für Amazon Prime Video, YouTube, Netflix und Rakuten TV sind Direktwahltasten vorhanden. Der Google Assistant ist ebenfalls über den Steuerstab zu erreichen. Den umfangreichen Ambilight-Einstellungen haben die Niederländer eine separate Taste spendiert.



Google TV hat verschiedene Bildschirmschoner, die das Display in ungenutzten Pausen verschönern. Es ist möglich, mehrere Konten anzulegen, damit jeder Nutzer von personalisierten Inhalten, individuellen Empfehlungen und einer persönlichen Merkliste profitiert. Auch Kinderkonten lassen sich mit speziellen Jugendschutzeinstellungen und der Möglichkeit zur Beschränkung der Bildschirmzeit einrichten. Ein wichtiger Aspekt im Google TV-Menü ist das Energiesparen. So kann man das Display nach einer bestimmten Zeit der Nicht-Benutzung deaktivieren lassen. Darüber hinaus stehen ein Schlaf-Timer und ein Ausschalt-Timer zur Verfügung. Als Zuschauer bestimmt man selbst, ob nach dem Einschalten der Google TV-Startbildschirm oder der zuletzt verwendete Eingang angezeigt werden soll.

Wie bei Sony-Fernsehern mit Google TV als Benutzeroberfläche scheiterten wir auch beim Philips während der Ersteinrichtung mit der Anmeldung im Google-Konto per Samsung-Smartphone und Google Home-App. Per Fernbedienung gelang die Installation dann problemlos. Google TV ist optisch ansprechend, übersichtlich gestaltet und intuitiv zu bedienen. Die stylische Startseite empfängt den Zuschauer mit Filmen, Serien, Apps und Mediatheken. Das Streaming-Angebot fällt auf dem 65-Zöller dank Apps wie Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, RTL+, Rakuten TV, Joyn, Apple TV+ und HD+ umfangreich aus (mehr auf Seite 48). Die Fernbedienung verzichtet im Gegensatz zu den Steuerstäben bei höherpreisigen Philips-TVs auf eine Rückseite aus Leder, verfügt dafür aber über die bessere Oberfläche, weil die Tasten einfacher zu unterscheiden sind. Als Sprachhelfer steht Google Assistant zur Verfügung. Zudem ist der Fernseher zu Alexa kompatibel. Im Hintergrund des 65PUS8808 werkelt Android 12. Der Philips reagiert angenehm zügig, startet Apps flott und öffnet auch seine Menüs ohne nennenswerte Verzögerung.
Bei den TV-Anschlüssen verfügt der Philips lediglich über Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2. Das Fehlen einer Twin-Variante macht sich jedoch nicht negativ bemerkbar, da die Niederländer beim 65-Zöller den Rotstift für die Aufnahmefunktion per USB-Buchse angesetzt haben. Ebenso wird Time-Shift nicht unterstützt.
Bild- und Tonqualität
Mit einer maximalen Leuchtkraft von 572 Candela in den Settings „HDR Kristallklar“ und „HDR Heimkino“ ist der 65PUS8808 für den TV-Alltag gut gewappnet. Im farblich besten „Film“-Setting sind 535 Candela drin. Schön: Die Leuchtkraft bleibt jeweils unabhängig vom Weißanteil des Bildes konstant auf einem Niveau. Der ANSI-Kontrast von 2.400:1 fällt überraschend hoch aus.



Die optischen Unterschiede der einzelnen Bild-Modi des Flachmanns sind enorm. „Film“ zeichnet schon ein recht plastisches und scharfes Bild mit sehr authentisch reproduzierten Farben. „Kristallklar“ legt aber noch einige Schippen drauf, steigert die Dynamik, dreht die Schärfe nach oben und verleiht gerade Naturaufnahmen eine fantastische Tiefe. Dank 100-Hertz-Panel stellt sich der 65-Zöller als Bewegungskünstler dar. Hierzu sollte man in den Bewegungseinstellungen „Gleichmäßig“ auswählen. Zusätzliche Instrumente für eine individuelle Anpassung sind „Glatte Übergänge“ und „Weichzeichnungsreduzierung“.
Beim Thema Schwarzdarstellung büßt der 8808 an Punkten ein, hier fällt seine Leistung gegenüber OLEDs und LCD-Fernsehern mit Mini-LEDs ab. Bei frontaler Draufsicht zeigt der Philips bildschirmfüllende schwarze Flächen nur in einem sehr dunklen Grau, die Bildränder sind im Gegensatz zu den Bereichen um weiße Schriften oder Objekte dezent aufgehellt. Den „Schwarzwert“ sollte man leicht von 50 auf 45 reduzieren. Bei seitlicher Betrachtung wird das Display etwas fleckig, die Homogenität der zuvor ordentlichen Graudarstellung wird schlechter. Dies alles fällt jedoch fast nur im absolut abgedunkelten Raum auf. Tagsüber und in beleuchteten Zimmern sehen die Cinemascope-Balken beispielsweise sehr ordentlich aus.
Für die beste und intensivste Farbdarstellung sollte man möglichst frontal vor dem Bildschirm sitzen. Von der Seite betrachtet bleichen die Farben aus und büßen an Leuchtkraft ein. Für ansprechende HDR-Darbietungen reicht die Leuchtkraft des „The One“ locker aus. Dem Dolby-Vision-Streifen „Unsere wunderbaren Nationalparks“ auf Netflix entlockt der Apparat satt grüne Landschaften, super fein gezeichnete felsige Steinfestungen und strahlend blaue Meere.
Tonal ist der PUS8808 für seine Preisklasse richtig gut aufgestellt. Per Fernbedienung lässt sich eine Raumkalibrierung durchführen. Dank „Mimi“ ist es möglich, den Sound an das eigene Hörvermögen hin individuell anzupassen. DTS Play-Fi wiederum gestattet es, den Flachmann mit kabellosen Lautsprechern zu verbinden oder als zentralen Lautsprecher in einem Heimkinosystem einzubinden. Das 40 Watt starke System unterstützt Dolby Atmos und gefällt durch einen ausgewogenen und recht souveränen Klang. Die Stimmverständlichkeit des 65-Zöllers ist ausgezeichnet, der Modus „Dialog“ arbeitet Sprache noch besser heraus. Im „KI-Modus“ kümmert sich der Philips in Eigenregie um die beste Soundabstimmung. Musik erweckt der 8808 mit schöner Fülle zum Leben. Er spielt luftig auf, gerne darf es dabei auch etwas lauter zugehen.



Der Testbericht Philips 65PUS8808 (Gesamtwertung: 80, Preis/UVP: 1.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Mehr muss nicht sein! Abgesehen von der fehlenden USB-Aufzeichnung bietet der 65PUS8808 alles, was die meisten TV-Zuschauer glücklich macht: ein überdurchschnittlich gutes Bild, dynamischen Ton, Ambilight, 100-Hertz-Panel und mit Google TV eine ausgezeichnete Benutzeroberfläche. So ist „The One“ ein echter Preistipp!
Jochen Wieloch

