Mit noch mehr Künstlicher Intelligenz hat LG seinen brandneuen OLED65C57LA aufgepeppt. Der 65-Zöller erkennt seine Zuschauer automatisch an deren Stimme und personalisiert Inhalte. Und das ist längt nicht alles.
LG hat den Startschuss für seine neuen OLED-Fernseher des Jahrgangs 2025 gegeben (siehe auch News-Report auf Seite 6). Traditionell spielt die C-Serie – in diesem Jahr die C5-Reihe – für die Koreaner die wichtigste Rolle. Schließlich bietet diese mit sechs Bildschirmdiagonalen die größte Auswahl. Wir haben den OLED65C57A zum Preis von 3.200 Euro im Test. Alternativ ist der Flachmann mit Evo-Panel in 42, 48, 55, 77 und 83 Zoll zu Preisen zwischen 1.700 und 7.200 Euro zu haben.
LG macht es seinen Käufern zumindest auf dem Papier nicht ganz leicht, denn zusätzlich zum C57 sind Modelle aus den Serien C58, C59 und C5E erhältlich. Die Unterschiede sind überschaubar. Abgesehen vom C5E verfügen die anderen Apparate über die Möglichkeit zur Autokalibrierung. Nur der C58 ist WiSA-ready, er beherrscht also den drahtlosen Standard zur Übertragung von Audiodateien (Wireless Speaker and Audio). So muss man beispielsweise keine Kabel zu kompatiblen Soundbars verlegen. Alle genannten TV-Serien werden mit der neuen AI Magic Remote ausgeliefert. Der Steuerstab der C5E-Serie enthält zusätzliche Zifferntasten. Während diese Geräte die Gehäusefarbe Umber Brown aufweisen, sind die anderen OLEDs in Schwarz mit dunkel-silbernen Akzenten gehalten.
Der 65C57LA ist inklusive Anschlüssen 4,5 Zentimeter tief. Das reine OLED-Panel mit hochwertigem Metallrahmen kommt auf gerade mal 6 Millimeter. Ein Hingucker ist der Geräterücken: Die Kunststoffwand ist nicht nur einfarbig schwarz, sondern strukturiert und erinnert dabei etwas an die neuen Lava-Rückwände bei Loewe-Fernsehern. Das wirkt hochwertig. Die unterstützte VESA-Norm 300 x 200 Millimeter ermöglicht eine Montage an der Wand. Der mitgelieferte Standfuß besteht mitunter aus Kunststoff, was aber nicht stört, da der sichtbare Teil mit Aluminium verblendet ist.
Ausstattung und Praxis
Die volle Prozessor-Power mit der zweiten Generation des Alpha 11 4K AI bekommen LG-Kunden nur dann, wenn sie in die M5- sowie in die G5-Serie investieren. Im C57 werkelt hingegen der Alpha 9 Gen8 4K AI-Prozessor – dieser soll im Vergleich zum Alpha 7 Gen8 einen um 1,7-fach schnelleren Prozessor haben und Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz um denselben Faktor beschleunigen. Die Grafik-Performance wurde LG zufolge um das 2,1-Fache verbessert. Unter anderem analysiert der 65-Zöller Bild für Bild und passt Auflösung, Helligkeit, Tiefe und Klarheit in Eigenregie an. Nutzer können aus unterschiedlichen Bild-Settings wählen, inklusive einem auf die persönlichen Vorlieben optimierten Bild-Modus. Der Flachmann findet dabei aus 1,6 Milliarden Möglichkeiten den bestmöglichen Kompromiss.
Neues Gewand: LG hat seine legendäre Magic Remote modifiziert. Die Oberseite hat weniger Tasten, der Ziffernblock ist entfallen. Die Streamingdienste Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, Rakuten TV und LG Channels erreicht man wie Alexa direkt. Die „AI“-Taste bietet einen echten Mehrwert für vielfältige praktische Suchanfragen.


Als AI Magic Remote verfügt der Signalgeber dafür über eine spezielle „AI“-Taste. Nutzer haben die Möglichkeit, eine so genannte Stimm-ID mit ihrem Konto zu registrieren. So erkennt der Fernseher unterschiedliche Personen anhand deren Stimmen und stellt diesen personalisierte Inhalte und Dienste zur Verfügung. Damit die Registrierung erfolgreich abgeschlossen wird, muss man sechs Sätze vom TV-Display ablesen und in das Mikrofon der Fernbedienung sprechen.
Der OLED65C57LA lässt sich zudem freihändig per Stimme ohne Fernbedienung steuern. Dazu wird der Flachmann mit „Hi, LG“ angesprochen. Das Feature muss in den „Einstellungen der KI-Spracherkennung“ aktiviert werden. Hier kann man ebenfalls festlegen, dass Suchergebnisse der Sprachsuche und die Antwort des OLEDs zusätzlich gesprochen werden. Per Sprache kann man den LG nicht nur steuern, Apps öffnen und das TV-Programm durchsuchen – auch auf Fragen etwa zu Wetter, Aktienkursen oder Persönlichkeiten hat der Flachmann Antworten parat, indem er beispielsweise ins Internet verlinkt, auf Wikipedia zugreift oder thematisch passende YouTube-Videos vorschlägt.

Dank „Brightness Booster“ und einem neuen Algorithmus zur Lichtverstärkung versprechen die Koreaner eine höhere Panel-Helligkeit. LG wirbt damit, dass der OLED vom Prüfungsdienst Intertek für eine 100-prozentige Farbtreue und 100-prozentiges Farbvolumen nach DCI-P3-Standard zertifiziert wurde.
Im Gegensatz zum C4-Vorgänger verfügt der C5 nur über Single-Tuner für Kabel, Satellit und DVBT2 – damit sind keine flexiblen TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte möglich. Die vier HDMI-Ports unterstützen den 2.1-Standard mit Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM) sowie 4K-Wiedergabe mit bis zu 144 Hertz. Gamer profitieren zudem von Nvidia G-Sync-, AMD FreeSync- und HGiG-Unterstützung, das Game Dashboard gestattet während des Spielens flexible Anpassungen.
Dieses Jahr läuft auf den neuen LG-Fernsehern das Betriebssystem webOS 25, Käufer kommen in den Genuss einer vierjährigen Upgrade-Garantie auf künftige Versionen. Die Startseite wurde nur minimal modifiziert. Die Kacheln auf dem Startbildschirm lassen sich nach wie vor beliebig anordnen, sie tragen jetzt die Bezeichnungen „Sport“, „Spiel“, „Startseiten-Hub“, „Home-Office“, „Barrierefreiheit“, „Lernen“ und „Shopping“. Der Sport-Bereich erlaubt es, beispielsweise ein favorisiertes Fußball-Team zu hinterlegen, um dann in den Genuss aktueller Spielberichte auf YouTube zu gelangen. Ebenso serviert der C57LA eine Up-to-Date-Tabelle und dazugehörige Live-Inhalte. Unter „Lernen“ listet der Apparat passende Apps für den Nachwuchs auf, um sich etwa spielerisch mit der Welt der Zahlen vertraut zu machen. Der Startseiten-Hub zeigt nach wie vor alle per Strippe oder kabellos mit dem Flat-TV verbundenen Geräte an.
Geblieben ist die Funktion „Stets bereit“, die im vergangenen Jahr die beliebte Kunstgalerie abgelöst hat. Hier warten verschiedene Kunstwerke, Informations- und Tonangebote, um den C57LA in ungenutzten Momenten zu verschönern. „Multi View“ kombiniert bis zu zwei Quellen parallel auf dem Display, unter anderem Live-Fernsehen, Web-Browser, Blu-ray-Player, YouTube und Kamera. Der Mediaplayer kann X-beliebige Fotos und Videos in einer 360-Grad-Ansicht darstellen.
Zur Ausstattung des 65-Zöllers gehören unter anderem AirPlay 2 und Bluetooth 5.3 zum Streamen sowie die Unterstützung von Amazon Alexa, Google Assistant sowie Apple Home. Über die kostenlos für mobile Apple- und Android-Geräte erhältliche App „LG ThinQ“ kann man den OLED bequem vom Mobilgerät aus Steuern, auch via Sprache, zudem Apps und Anwendungen starten, Eingänge auswählen sowie die Smartphone-Oberfläche auf den TV-Bildschirm spiegeln bzw. nur den Ton freigeben.
Das App-Angebot auf dem Koreaner fällt großzügig aus, speziell im Streaming-Bereich. Mit HD+, Netflix, Amazon Prime, Disney+, Rakuten TV, LG Channels, Joyn, Apple TV+, WOW und RTL+ sind fast alle wichtigen Plattformen vertreten. Der 65-Zöller lässt sich intuitiv bedienen, das Arbeitstempo ist gut, mitunter muss man jedoch mit kurzen Wartezeiten leben.



Bild- und Tonqualität
Dass der 65C57LA hervorragendes und brutal dunkles Schwarz darstellt, dürfte als OLED keine Überraschung sein. Für Filmfans ist er damit ein absoluter Traum-Fernseher. Außerdem begeistert er durch seine ausgezeichnete Blickwinkelstabilität, seine famose Bewegungsdarstellung und reine Farben. Sowohl im SDR- als auch im HDR-Bereich bestätigen unsere Messungen unseren optischen Eindruck aus dem Bildcheck.
Deshalb gleich die spannende Frage: Wie hell ist der erste neue LG-OLED des Jahrgangs 2025? Zum Vergleich: Der OLED65C49LA aus dem Vorjahr schaffte bei uns im „Lebhaft“-Modus 1.230 Candela. Im „Filmmaker“-Setting waren bis zu 1.107 Candela drin. Aus dem C57LA kitzeln wir um einiges mehr heraus. Die höchste Helligkeit messen wir sogar im „Filmmaker“-Modus mit 1.430 Candela in der Spitze, 525 sind es bei einem Weißanteil von 50 und 228 Candela bei einem Weißanteil von 100 Prozent. Im „Lebhaft“-Modus ist bei 1.350 Candela, in der Einstellung „Standard“ bei 1.320 Candela Schluss. Der ANSI-Kontrast fällt mit 2.125:1 mehr als ordentlich aus.
Beim Thema High Dynamic Range unterstützt der Koreaner wie gehabt HLG, HDR10 und Dolby Vision, aber noch immer kein HDR10+. UHD-Titel mit hohem Kontrast schießen auf dem LG im „Lebhaft“-Setting ein brutales Feuerwerk ab. Farben knallen, die Schärfe ist heftig und die Raumtiefe bombastisch. Ein super realistisches Ergebnis liefert der „Filmmaker“-Modus mit wunderbar abgestimmten Farben, einer riesigen Farbfülle und butterweichen, stufenlosen Übergängen. Schärfe und Plastizität sind ebenfalls klasse. Landschaftsaufnahmen wie eine YouTube-Reise durch Europa geben extrem viele Details preis. Gebirgszüge strotzen nur so vor feinsten Zeichnungen im Felsen, Laub- und Nadelbäume zeigen aus großer Distanz, was sie an ihren Ästen tragen, und Almwiesen und Bergseen holen eine Vielzahl an unterschiedlichsten Grüntönen auf das OLED-Panel. Über das Feature „Glatte Abstufung“ kann man Farbverläufe bei Bedarf noch ein wenig optimieren.
Die Skaliereigenschaften des 65-Zöllers sind ebenfalls exzellent. Aus gutem HD-Material gelingt es dem LG, ein ausgesprochen homogenes und vor allem scharfes Bild zu erzeugen. So werden Kanten an Gebäuden ohne störendes Flirren und gerade wie mit dem Lineal gezeichnet dargestellt. Farben sind druckvoll, Hauttöne ausgesprochen realistisch. Um generell in jedem Bildmodus von der maximal möglichen Leuchtkraft zu profitieren, muss man die „Autom. Helligkeitsregulierung“ deaktivieren und „Energiespar-Schritt“ auf „Aus“ stellen.
Beim Ton hat sich hingegen nicht sonderlich viel geändert. Dieser lässt sich jetzt jedoch noch individueller einstellen (siehe Kasten oben). Das 2.2-System mit 40 Watt strahlt nach unten ab und unterstützt neben Dolby Atmos auch „WOW Orchestra“, um mit kompatiblen Soundbars eine fülligere Kulisse zu erzeugen. Der C57LA spielt angenehm räumlich und hüllt sogar Zuschauer auf seitlichen Sitzplätzen ein. Bei höheren Pegeln bleibt der Flachmann weitgehend neutral. Per Knopfdruck erzeugt der Apparat einen virtuellen 11.1.2-Sound, hier kann es je nach Quelle passieren, dass die Präzision etwas verloren geht. Über das Mikrofon in der Fernbedienung kann man den LG akustisch bestmöglich auf den Aufstellort hin abstimmen.




Der Testbericht LG OLED65C57LA (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 3.200 Euro) ist in audiovision Ausgabe 5-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
LG liefert auch in 2025: Der OLED65C57LA ist heller als der Vorgänger, die zusätzlichen KI-Funktionen sind praktisch und der Bedienkomfort bleibt auch mit webOS 25 hoch. So wird die C-Serie der Koreaner wieder ein Erfolgsmodell.
Jochen Wieloch

