2009 ließ die Verfilmung von Stieg Larssons "Millennium"-Trilogie weltweit die Kassen klingeln. Nur in Amerika floppte die schwedische Kinokost. Doch Hollywood erkannte das Potenzial und zwei Jahre später inszenierte David Fincher die US-Version. Der animierte Vorspann im 007-Stil mit Körpern aus Öl und flüssigem Metall lässt effektvolle Horrorkost erwarten, doch der "Fight Club"-Regisseur bleibt der düsteren Romanvorlage treu und verbringt die erste Hälfte seines Zweieinhalbstunden-Werks mit Detektivarbeit und Dialogen. Fast meditativ begleitet der Zuschauer den Protagonisten. Neben Sex und nackter Haut geizt Fincher nicht mit Schocksequenzen. Die Zuschauer störte dies offenbar nicht, spielte die 90 Millionen Dollar teure Produktion mit 230 Millionen mehr als doppelt so viel ein wie das schwedische Original. Eine Fortsetzung ist bereits in Arbeit.
Die Story
Nach einem verlorenen Prozess sind Ruf und Finanzen von Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ruiniert. Auch um der Öffentlichkeit zu entfliehen, recherchiert er im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger (Christopher Plummer) den Verbleib seiner vor 40 Jahren verschwundenen Nichte. Unterstützung bekommt Blomkvist von der in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara).
Viele Extras – viel Durchklicken
Die gute Nachricht: Sony spendierte dem Doppel-Disc-Set im Digischuber knapp 40 Featurettes. Die schlechte: Eine "Play-All"-Funktion fehlt und so muss man sich mühselig durch unzählige MenüPunkte klicken. Das nervt und kostet Zeit, zumal der Menü-Aufbau nicht der schnellste ist.
Nimmt man die Mühe auf sich, wird man mit vier Stunden meist sehenswertem Material rund um die Produktion belohnt. In "Männer, die Frauen hassen" spekuliert Fincher über den Erfolg der Bücher und kommt zu dem Ergebnis: "Ich denke, Menschen sind pervers. Das ist für mich völlig klar." Im Menü "Figuren" lassen sich zu den Hauptrollen "Lisbeth Salander", "Mikael Blomkvist" und "Martin Vanger" eine Hand voll Beitrage wählen, welche Interviews mit Cast und Crew über Rolle, Besetzung, Story und Drehbuchentwicklung liefern. Das Menü "Am Drehort" ist unterteilt in "Schweden" und "Hollywood", zu jedem Submenü finden sich mehrere Beiträge über die Locations sowie zu Schlüsselszenen der jeweiligen Drehorte. So berichtet "Stockholm Syndrom" (17:54) über den Dreh in der Stadt, Kultur und auch die Filmindustrie des Landes, während "Vergewaltigung/Rache" (16:52) die Vergewaltigung Salanders und ihre Rache dokumentiert.
Technisch wird es im Menü "Postproduktion", neben Beiträgen zu Filmschnitt (14:23) und Nachvertonung (6:37) zeigt eine Vorher/Nachher-Montage, an welchen Filmstellen mit Effekten getrickst wurde. "Haupttitel" (2:33) vergleicht via Dreifach-Split-Screen und mit optionalem Kommentar die verschiedenen Produktionsstadien des animierten Filmvorspanns. Im Menü "Werbung" versammeln sich Trailer, TV Spots, Teaser und ein fingierter 80er-Jahre TV-Bericht (8:58), der für die Internet-Promotion entstand. Das Easter Egg "Mondo Mondino" (1:25) blickt hinter die Kulissen des Foto-Shoots für die PR-Bilder des Filmes.
Veritabler als die Promo-Ecke entpuppt sich der Kommentar zum Film, David Fincher spricht darin über die Vorspann-Animation, Drehorte, Figuren und die Besetzung, die Verwendung der Spezial-Effekte oder die Herausforderungen beim Dreh der Folter-, Vergewaltigungs- und Nacktszenen.
Fazit: Die US-Adaption von Stieg Larssons erstem "Millennium"-Roman nimmt erst in der zweiten Hälfte richtig Fahrt auf. Dank Top-Besetzung und David Finchers formvollendeter Regie auf jeden Fall sehenswert.
Punk-Hackerin Lisbeth Salander (Rooney Mara) stößt bei ihren
Recherchen im Firmenarchiv der Vangers auf dunkle Geheimnisse.
Bild: Die tolle Schärfe und Detailzeichnung überzeugen ebenso wie der ausgewogene Kontrast und die perfekte Kompression des rauschfreien Cinemascope-Transfers. Farben kommen bewusst blass daher. Der Kontrast überstrahlt nicht beim Weiß von Schwedens Winterlandschaft, könnte aber in dunklen Szenen mehr Durchzeichnung vertragen.
Ton: Die elektronische Geräuschemusik quillt dynamisch, druckvoll und sehr böse aus den Boxen. Effekte donnern präzise und räumlich, die vielen leisen Szene gefallen mit fein aufgelösten Umgebungsgeräuschen.
Extras: Audiokommentar mit Regisseur David Fincher, "Männer, die Frauen hassen" (6:40), "Die Besetzung von Salander" (15:42), "In jeder Hinsicht anders" (5:32), "Salanders Aussehen" (14s:06), "Mara/Fincher" (4:09), "Irene Nesser" (6:25), "Testmaterial von Salander" (2:53), "Die Besetzung von Blomkvist" (6:44), "Daniel Craig über die Filmschauspielerei" (3:31), "Blomkvists Kleidung" (2:56), "Stellan Skarsgård über die Filmschauspielerei" (3:13), "Psychopathie" (6:11), "Fesselspiele" (5:29), "Folter" (4:09), "In Plastik gehüllt" (4:37), "Stockholm Syndrom" (17:54), "Stockholm Tunnelbana" (6:24), "Scheiß auf die Leute" (6.03), "Das Ende" (11:58), "Drehschluss" (6:53). "In Salanders Wohnung" (2:40), "Die Besetzung von Armansky" (4:44), "Vorsprechen von Armansky" (6:42), "Gemeine Gedanken" (5:09), "Vergewaltigung/Rache" (16:52), "In Blomkvists Cottage" (5:42), "In Martins Haus" (7:39), "Im Schneideraum" (14:23), "Nachvertonung" (6:37), "Haupttitel" (2:33), "Montage visueller Efekte" (8:01), Bildergalerien, "Metal One Sheet" (4:00), "Hard Copy" (8:58), Trailer, Teaser, TV-Spots.
| Die Wertung | |
| Film | 5 von 6 Punkten |
| Bildqualität | 5 von 6 Punkten |
| Tonqualität | 5 von 6 Punkten |
| Bonusmaterial | 4 von 6 Punkten |
| Die technischen Daten | |
| Anbieter | Sony |
| Originaltitel | The Girl with the Dragon Tattoo |
| Laufzeit | 158 Minuten |
| FSK | ab 16 Jahren |
| Bildformat | 2,35:1 (1080/24p) |
| Ton Deutsch | DTS-HD Master Audio 5.1 |
| Ton Englisch | DTS-HD Master Audio 5.1 |
| BD-Live | ja |