Mit dem „We. BOOST“ hat Loewe ein kompaktes Heimkino-System im Programm. Was das 1.000 Euro teure Quintett auf dem Kasten hat und wie es sich im Vergleich zu Soundbars schlägt, klärt unser Test.
Als „leistungsstarkes Heimkino-Surround-Sound-System“ preist Loewe sein neues Dolby-Atmos-Boxenset an. Es ist für den Einsatz an einem Fernseher konzipiert, was der mitgelieferte HDMI-Dongle (Bild rechte Seite oben) klar macht, der dort seinen Platz findet und die Steuerzentrale für alle Lautsprecher des Sets bildet. Im Test-Alltag der audiovision ist uns so etwas noch nicht untergekommen, weswegen wir an dieser Stelle einen „Innovation“-Award vergeben. Vom Funktionsprinzip ähnelt das Ganze allerdings einer Soundbar, daher führen wir den Test unter Soundbar-Kriterien samt dazugehöriger Tabelle durch.
Steuerung per Dongle
Entgegen seinem intendierten Einsatzzweck lässt sich das Set auch ohne Fernseher betreiben, dann können Bluetooth sowie ein Line-Eingang (3,5-mm-Klinke) am Dongle als Zuspieloption dienen. Am Center Ausgang (ebenfalls 3,5-mm-Klinke) kann man einen optionalen Center-Lautsprecher anschließen, denn einen solchen bringt das Set aus vier Satelliten plus Subwoofer nicht mit.
Der Dongle dekodiert PCM-Signale sowie alles von Dolby, inklusive Atmos. Mit DTS kann das Set hingegen nichts anfangen. Als Klangprogramme stehen „Surround“, „Dual Stereo“ (hinten läuft dasselbe wie vorn) und ein „Night Mode“ (alles spielt von hinten ohne Subwoofer) fürs nächtliche Leisehören zur Wahl.
Zum Lieferumfang gehört eine Fernbedienung, die via OLED-Display Eingaben bestätigt und durch ein kleines Menü führt, da Dongle und Speaker keinerlei Rückmeldung über ihren Status geben. Die „My Loewe“-App liefert nur technische Daten zum Gerät und die Bedienungsanleitung, ermöglicht aber keine Bedienung des Sets, weswegen wir in der Tabelle ein „nein“ vergeben.
Die Kommunikation zwischen Boxen und Dongle erfolgt per Funk, ans Stromnetz müssen die Lautsprecher allerdings schon, denn Akkus sind nicht verbaut. Der Dongle zieht via USB seinen Strom aus dem Fernseher oder einer alternativen Quelle.
Die Fernbedienung besteht aus Plastik samt gummierter Auflagefläche. Verdrücken kann man sich ob der wenigen Tasten nicht; dank integriertem OLED-Display (hier mit der Anzeige „Surround“) lassen sich tiefere Funktionen wie Bass, Höhen, Kanal- Pegel und Boxenabstände justieren.
Halbe Atmos-Power
Das System muss nicht konfiguriert werden, stattdessen soll man laut Hersteller dank „Plug & Play“ sofort loslegen können – was im Test auch funktionierte. Im Inneren jeder 20 cm hohen Box werkeln drei Treiber mit anderthalb, zwei und 3,5 Zoll – zwei strahlen nach vorn und einer nach oben ab. Loewe spricht allerdings von einem 4.1.2-System, also mit nur zwei Höhenkanälen für Atmos in den vorderen Boxen. 5.1.4-Testsignale von der Dolby-Demo-Disc bestätigten dies: Die Upfi ring-Chassis der beiden hinteren Boxen liefern keine Höhensignale, sondern laufen bei den Rear-Signalen der 5.1-Basis mit.
Die Verarbeitung gefällt uns ausgezeichnet: Umhüllt ist die Technik von einem grauen Gewebestoff, der edel und zugleich robust wirkt – und sich obendrein auch so anfühlt. Auf der Kunststoff-Rückseite findet man lediglich einen USB-Port für Service-Zwecke, an der Unterseite gibt es ein M5-Schraubgewinde für die Montage auf einem Stativ. Der mittelgroße Subwoofer (23,9 x 38,7 x 23,9 cm) kommt mit 6,5-Zoll-Chassis und 120 Watt Nennleistung daher, auch er verbindet sich automatisch mit dem Dongle. Als schwarzer Klotz wirkt er allerdings weniger elegant.


Tonqualität
Die vier praktisch baugleichen Lautsprecher sorgen für eine tonale Homogenität, die Soundbars inklusive Rear-Boxen kaum leisten können. Damit bietet das Set beste Voraussetzungen für einhüllenden Surround-Sound wie aus einem Guss – und das hört man. Etwa beim Hip-Hop-Konzert von „Cypress Hill“ (Test auf Seite 94) samt London Symphony Orchestra und tosendem Publikum in der großen Royal Albert Hall. Dessen Atmos-Mix schallte sehr lebendig, luftig, dreidimensional und zudem glaubhaft aus dem Quintett – da fühlt man sich wirklich mittendrin. Erstaunlich, was so kleine Boxen leisten können.
Auch bei Atmos-Trailern von der Dolby-Demo-Disc faszinierte die Räumlichkeit sowie die klare Ortbarkeit von Sound-Objekten, die im Raum umhertanzten. Schwachpunkt war – wie bei den meisten Soundbars – der Höhen-Sound. Denn das Up-Firing-Prinzip mit von der Decke reflektiertem Schall bietet nicht die besten Voraussetzungen für Über-Kopf-Effekte. Und so schallten auch hier alle Höheninformationen weitgehend von der 2DTonebene.
Platziert man die Frontboxen direkt neben unserem 65-Zoll-Fernseher, ist das Fehlen der akustischen Mitte (Center) zwar hörbar, aber die sogenannte Phantom-Mitte schwankt noch nicht zu weit nach links oder rechts in Abhängigkeit von der Sitzposition. Hier haben Soundbars mit ihrer mittigen Positionierung die Nase vorn. Die Sprachverständlichkeit des BOOST-Sets war aber aus allen Hörwinkeln ausgezeichnet.
Ebenso übertrumpfte das Set in Sachen Klangnatürlichkeit viele Tonbalken, auch wenn die Neutralität von ausgewachsenen Standlautsprechern freilich nicht erreicht wird. Gesang wie im Konzert „The Girls Aloud Show“ (Test Seite 94) klang glaubhaft in Größe und Klangfarben, zudem frei von Schärfe oder dem Gefühl, der Sound käme gepresst direkt aus den Boxen.
Mit satten Bässen kam das Quintett ebenfalls gut zurecht, auch der „Powerful Bass“ im Dolby-Clip „Amaze“ drang tief und druckvoll an unser Ohr. Zudem spielten Satelliten und Subwoofer ohne hörbares Klangloch im Bereich der Crossover-Frequenz zusammen.


Der Testbericht Loewe We. BOOST (Gesamtwertung: 77, Preis/UVP: 1.000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Das We. BOOST-Set von Loewe ist eine klangstarke Alternative zu klassischen Soundbars, die auch optisch überzeugen kann. Punktabzug gibt es aufgrund der eingeschränkten Streaming-Optionen sowie einigen Ausstattungslücken.
Andreas Oswald

