Stewart Filmscreen hat mit der Harmony G3 eine neue Leinwand entwickelt, die für besseren Ton sorgen und Laserspeckle von RGB-Laserprojektoren beseitigen soll. Wie gut das klappt, klärt unser Test.
Erstmals in der Geschichte von Stewart Filmscreen offeriert das Unternehmen mit der Harmony G3 eine Leinwand mit Gewebetuch, das bis zu einer Höhe von 4,50 Meter verfügbar ist – was beim Cinemascope-Format 2,39:1 einer Breite von über 10 Metern entspricht. Da unser Screening-Room allerdings kleiner bemessen ist als ein kommerzielles Lichtspielhaus, testen wir eine 16:9-Leinwand mit heimkinoüblichen Maßen von 2,50 x 1,40 Meter.
Als Rahmen haben wir uns für den WallScreen Deluxe entschieden, der aus acht Zentimeter breiten Aluminium-Profilen besteht und mit „Velux“ bezogen ist. Hierbei handelt es sich um einen samtartigen schwarzen Stoff, der exklusiv von 3M für Stewart gefertigt wird. Für die Maßanfertigung ruft der Hersteller 4.800 Euro auf.


Während auf klassischen Vinyl-Folien das „bewegte Rauschen“ deutlich auffällt, wird es auf Gewebetüchern extrem verringert. Dies liegt an der Beschaffenheit des Leinwandtuches mit der weniger planen Oberfläche. Das Harmony G3 ist für RGB-Laserlichtquellen so optimiert worden von Stewart, dass es das störende Laserspeckle vollständig eliminiert. Hiervon profitieren klassische Projektoren ebenso wie aktuelle Ultrakurzdistanz-Beamer.

Lieferung und Montage
Die Leinwand wird in einem mit Holzpaneelen ummantelten Karton geliefert. Darin befinden sich die vier Steckprofile für den Rahmen, alle Verbindungsstücke, Wandhalter, das gesamte Montagematerial sowie das separat verpackte aufgerollte Leinwandtuch plus das schalldurchlässige Backing. Letztgenanntes ist ein schwarzes Gewebetuch, das Reflexionen und „Spiegelungen“ hinter der Harmony G3 verringert. Der Harmony-G3-Leinwand wird kein Lavendelduft beigemischt, wie es bei der Studiotek-Serie der Fall ist, so dass das gewebte Tuch von Anfang an geruchsneutral ist.
Der Zusammenbau ist simpel: Die Verbindungsstücke aus Metall werden in die Aluminium-Profile geschoben und mit den zusammengesteckten Profilen verschraubt. Anschließend rollen wir das Gewebetuch aus. Es besitzt passgenaue doppelseitige Druckknöpfe für eine Montage am Rahmen und um auf der Rückseite das schwarze Backing festzuknöpfen (Bild oben). Zur weiteren Verstärkung des Rahmens werden zwei Streben zwischen den Längsprofilen verschraubt. Da die Leinwand nur 14 Kilogramm wiegt, lässt sie sich zu zweit ohne Anstrengung aufhängen. Für die komplette Montage benötigten wir 25 Minuten.
Technik und Messungen
Das mattweiß gewebte Tuch verfügt über einen von uns ermittelten Leuchtdichtefaktor von 0,71 Gain, was exakt der Herstellerangabe entspricht. Es schluckt demnach 29 Prozent des auftreffenden Lichts. Im Gegensatz zum 1.200 Euro teureren Studiotek 130 Ultraperf (Test in 4-2025) besitzt die Harmony G3 keine Löcher, um akustisch transparent zu sein, sondern bezieht ihre Schalldurchlässigkeit aus der Gewebestruktur. Diese ist bereits aus einer Entfernung von 1,80 Meter nicht mehr erkennbar, so dass die Leinwand auch für kompakte Heimkinos bestens geeignet ist. Einen Hotspot gibt es nicht; bis zu einem Winkel von 178 Grad bleibt die Ausleuchtung erhalten.
Die Farbreproduktion überzeugt in unserem Messlabor ebenfalls: Rot, Grün und Blau werden mit jeweils 100 Prozent reproduziert, wenn das schwarze Backing aufgespannt ist. Die Farbtemperatur macht mit 6.500 Kelvin eine Punktlandung.





Die akustischen Eigenschaften stehen der visuellen Qualität nicht nach. Die Dämpfung beträgt im Mittel 0,8 Dezibel im Frequenzbereich von 1.000 bis 16.000 Hertz. Diesen Wert hat bislang noch keine von uns untersuchte schalldurchlässige Leinwand erreicht.
Klang- und Bildqualität
Audio-Puristen kommen auf ihre Kosten. Stereoaufnahmen werden exakt reproduziert, sogar wenn die Lautsprecher hinter der Harmony G3 zum Hörplatz eingewinkelt sind. Hörbare Kammfilter-Effekte verzeichnen wir erwartungsgemäß nicht. Dialoge sind deutlich zu verstehen. Druckvolle Tiefbassattacken lassen die Leinwand unbeeindruckt. Es fängt nichts an zu schwingen. Jederzeit tönt der Sound glasklar. Die Dämpfung des Tuches ist so gering, dass wir praktisch keinen Unterschied hören, wenn wir die Leinwand vor den Lautsprechern entfernen.
Die Bildqualität steht dem Klangerlebnis nicht nach. Die exzellente Farbpräzision ist aus jedem Winkel vorhanden. Feinste Elemente bis hin zu UHD-Pixelauflösung werden vollständig reproduziert, ohne dabei die Perfektion der Studiotek 130 G4 zu erlangen. Außerdem ist das Bild auf der Harmony G3 rund 40 Prozent dunkler. Das sind die Kompromisse, die man mit einem Gewebetuch eingeht. Dafür glänzt die Harmony G3 mit vollständiger Abwesenheit von Laserspeckle (siehe Kasten), bietet einen satten Schwarzwert, ist über die gesamte Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet und ermöglicht einen viel kürzeren Betrachtungsabstand, ohne dass die Leinwandstruktur erkennbar ist. Sowohl das Frontprojektionsmodell JVC DLANZ800 als auch der Laser-TV Awol Vision LTV2500 Pro (Test in 11-2024 und 5-2025) liefern gestochen scharfe Bilder, die mit einer fantastischen Plastizität und Farbbrillanz aufwarten. Wenn Maria in „West Side Story“ nachts auf der Feuerleiter steht, zeigt die Harmony G3 alle Inhalte in den Schattenbereichen. Einzelne Streben der Geländer sind bestens zu sehen, und Marias Gesicht ist frei von störenden Farbsprenkeln. Während der ikonischen „America“-Tanzszene am späten Nachmittag ist die Gewebestruktur der Leinwand selbst aus 1,80 Meter Betrachtungsabstand nicht zu sehen. Damit eignet sich die Harmony G3 vortrefflich für den Einsatz in kleinen Räumen.



Der Testbericht Stewart Harmony G3 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 4.800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Die Stewart Harmony G3 ist nicht nur schalltransparent und eliminiert Laserspeckle, sie eignet sich dank ihrer feinen Gewebestruktur auch perfekt für kleine Heimkinos. Obendrein liefert sie eine herausragende Farbgenauigkeit.
Michael B. Rehders

