Lieber Sascha, Künstliche Intelligenz gilt als Treiber vieler neuer Gerätegenerationen. Welche Rolle spielt KI heute bereits als Kaufargument für Endverbraucher:innen – und wo ist es eher noch ein „Nice-to-have“?
KI ist Commodity geworden. Wir erwarten einfach, dass all die Geräte, die seit 10 Jahren „smart“ genannt werden und das nur, weil sie mit dem Internet verbunden sind, nun auch genau dies sind. Nämlich smart, hilfsbereit, effizient. Vor allen Dingen bei all den Aufgaben, die wir nicht gerne machen, die uns stupide erscheinen.
Für mich sind Staubsaugerroboter das perfekte Beispiel. Die gibt es zwar auch schon seit vielen Jahren, aber die Qualität der Ergebnisse ist immens gestiegen.
Neben KI spielt auch das Thema Connectivity eine entscheidende Rolle für den smarten Alltag. Wie bewertest Du den aktuellen Stand bei Interoperabilität? Gibt es inzwischen Standards, die es den Konsument:innen leichter machen, ihre Systeme interoperabel zu gestalten? Bleibt Kompatibilität weiterhin ein entscheidendes Kriterium beim Kauf sein?
Da hat sich Dank „Matter“ so viel getan. Ich frage mich nur, wer von den Konsument:innen weiss denn, was „Matter“ überhaupt ist? Statt in die Kommunikation und Aufklärung zu gehen, setzen die Amazons, Applesund Googles dieser Welt ihre Logos auf die Produktseiten, weil sie davon ausgehen, dass die Konsument:innen es nicht anders kennen. Dass Matter aber von all diesen Herstellern genutzt wird und die Produkte somit interoperabel sind, das wird überhaupt nicht klar.
Ich würde mir da mehr Konsens und Sichtbarkeit für Matter wünschen, denn die Kompatibilität ist natürlich ein Kaufkriterium.
Viele Consumer-Tech-Produkte generieren teils persönliche Daten. Wie siehst Du das Thema Datenschutz im Zusammenhang mit KI-unterstützten und – optimierten Geräten? Wie sensible sind denn Endkonsument:innen aus Deiner Sicht in Bezug auf KI-gestützte Produkte? In wieweit machen sich Kund:innen Gedanken über Datenschutz?
Wir scrollen durch 50 Seiten lange Nutzungsbedingungen, ohne diese zu lesen. Wir teilen unsere Standorte bei Apple und Google und denken nicht drüber nach, was damit passiert. Und wir reden mit Chatbots, wie mit dem eigenen Partner, der eigenen Partnerin.
Wir brauchen endlich umfassende Aufklärung. Ich kann mir sogar Hinweise wie auf Zigarettenpacks vorstellen: Achtung, ihre Daten werden durch dieses Produkt in nicht sicheren US-Clouds abgespeichert.
Wahnsinns Idee: das wäre einfach, klar nachvollziehbar und allgemein gültig. Klarheit, die heute an vielen Stellen fehlt. So werben inzwischen viele Produkte mit KI-Features, nicht immer mit klarem Nutzennachweis. Wie relevant ist aus Deiner Sicht der Vorwurf eines „KI-Washings“ – und woran erkennen Konsument:innen, ob es sich um echte Mehrwerte handelt?
KI ist das neue @-Zeichen. Also das, was Ende der 90er „irgendwas mit Internet“ verdeutlichen sollen. Auch hier fordere ich klare Hinweise darauf, welche Modelle hier genutzt werden und was diese angeblich smart macht. Wir brauchen Transparenz, denn das schafft Verständnis und Vertrauen.
Zum Abschluss: Welche drei Faktoren werden aus Deiner Sicht in den nächsten fünf Jahren am stärksten das Kaufverhalten im Bereich Consumer Tech beeinflussen?
Ganz klar, Preis/Leistung ist immer noch DAS Kaufkriterium. Aber auch Nachhaltigkeit und Upgradefähigkeit gewinnen zunehmend an Relevanz. Fragen wie: Wie lange kann ich mein „Smart Device“ denn wirklich nutzen und wie lange unterstützen es die Hersteller? Rücken zunehmend in den Vordergrund. Und ganz klar: Design und Verarbeitungsqualität. Auch so ein Klassiker.
Ich wünschte darüber hinaus noch sagen zu können: Datensicherheit, Lieferketten und wie einfach es zu recyclen ist. Aber dafür brauchen wir (leider) noch umfangreiche PR-Kampagnen.
Das Interview mit Sascha Pallenberg führte Marie-Charlotte von Heyking von der GFU Consumer & Home Electronics GmbH .
