Philips und OLED-Technik – diese Kombi weckt nicht nur bei erfahrenen TV-Testern auf Anhieb positive Assoziationen. So wie beim 2.800 Euro teuren 65OLED808. Denn an Bord der niederländischen Flachmänner begeistert traditionell das mehrseitige Lichterspektakel namens Ambilight. Und bei den höherpreisigeren Modellen gibt es meist richtig guten Ton dazu. Beim 808 will ein 2.1-Lautsprechersystem mit 70 Watt die Akustik spürbar aufbessern. Ein Blick in die Ausstattungstabelle zeigt, dass mit der Mimi-Sound-Personalisierung ein zusätzliches interessantes Feature für einen hohen Individualisierungsgrad verbaut ist. Den 2.000 Euro teuren 55-Zöller aus der 808-Reihe hatten wir bereits in Ausgabe 8-2023 im Test. Zusätzlich gibt es den Fernseher auch mit 48 und 77 Zoll zu Preisen für 1.600 bzw. 4.500 Euro. Mehr zum 2024er-TV-Portfolio von Philips erfahren Sie auf Seite 6.
Das superdünne OLED-Display ist nahezu rahmenlos und mit Metall dunkel umrandet. Der zentrale Standfuß ist matt verchromt und drehbar. Nur beim wuchtigen 77-Zöller setzt Philips der besseren Standfestigkeit halber auf zwei fl ache Chromfüße. Für die Wandmontage unterstützt der 65-Zöller die VESA-Norm 300 x 300 Millimeter. Dafür eignen sich die meisten im Handel erhältlichen Wandhalterungen. In der Tiefe kommt der Flachmann auf 6,8 Zentimeter – der Zwei-Wege-Lautsprecher benötigt einfach etwas Volumen, um seine maximale Performance abzurufen.
Ausstattung und Praxis
Der OLED808 ist ein Fernseher mit hohem Bedientempo. Apps starten schnell, Menüwechsel gelingen ebenso flott. Die Basis hierfür bildet die mittlerweile 7. Generation der Philips P5-Pictur-Engine. Im Zusammenhang mit dieser Einführung verspricht der Hersteller mehr Rechenpower. Diese wird unter anderem benötigt, um Bildparameter wie Helligkeit, Gamma und Farbwiedergabe so präzise wie möglich an das Umgebungslicht anzupassen. Ein modifizierter Lichtsensor hat die Aufgabe, die Farbtemperatur im Raum zu messen und den Weißpunkt des Panels in Echtzeit mit dem Umgebungslicht abzustimmen. Unter dem Stichwort „Super Resolution“ versuchen die Philips-Ingenieure zudem, feinste Details im Fokus der jeweiligen Szene und mehr Kantenschärfe herauszuarbeiten.
Auf den ersten Blick ist es schade, dass Philips beim OLED808 den Rotstift bei den TV-Tunern angesetzt hat. So sind die Empfänger für Kabel, Satellit und DVB-T2 jeweils nur als Single-Varianten verbaut. Andererseits benötigt man keine Twin-Varianten, da der 65-Zöller auf USB-Aufnahmen und zeitversetztes Fernsehen (Time-Shift) verzichtet. In der gehobenen Preisklasse ist dies eher eine Ausnahme. Von den vier HDMI-Ports erfüllen zwei die 2.1-Spezifikationen mit Auto Low Latency Mode (ALLM), Variable Refresh Rate (VRR) und 4KWiedergabe mit bis zu 120 Hertz. Gamer profitieren außerdem von AMD FreeSync Premium, HGiG und NVIDIA G-Sync. Für HDR-Darstellungen kommen die Formate HLG, HDR10+ Adaptive und Dolby Vision zum Einsatz. Ebenfalls zur Ausstattung gehört der IMAX-Enhanced-Modus.
Verbessert: Die überarbeitete Fernbedienung von Philips hat präziser zu drückende Tasten als das Vorgängermodell.




Enorm umfangreich fällt das Streaming-Angebot aus. Möglich macht dies Google TV auf der Basis von Android 12. Dank Netflix, Amazon Prime Video, Disney+, RTL+, Rakuten TV, Joyn, Apple TV+, HD+ und anderen ist tagelanges Videovergnügen garantiert. Mit der Zeit lernt der Philips dabei dank Künstlicher Intelligenz (KI) die Sehgewohnheiten seiner Zuschauer kennen und unterbreitet entsprechende Vorschläge. Durch unterschiedliche Benutzerkonten für jedes Familienmitglied macht diese Personalisierung noch mehr Sinn. Für Suchaufträge per Stimme steht Google Assistant zur Seite. Alexa-fähige Geräte helfen ebenfalls dabei, den TV-Apparat via Sprache zu steuern. Modifiziert haben die Produktdesigner die Fernbedienung. Zwar besteht die Rückseite nicht mehr aus feinem Leder wie bei den Vorgängern. Dies kompensiert allerdings die deutlich bessere Oberfläche – die Tasten lassen sich nun besser unterscheiden. Man trifft jetzt auf Anhieb die Taste, die man auch treffen wollte. Für Ambilight, die Sprachsteuerung und die vier Streamingdienste Amazon Prime Video, YouTube, Netflix und Rakuten TV sind Direkttasten vorhanden. Ein nettes Extra stellt „Aurora“ dar. So holt der Fernseher für TV-Pausen ansprechende Hintergrundbilder auf sein Panel. Und der „Sonnenaufgangs-Wecker“ sorgt für einen entspannten Start in den Tag.
Bild- und Tonqualität
Wer schon immer mal wissen wollte, warum man sich einen OLED zulegen sollte: Der 808 liefert die Antwort. Schon im normalen HDTV-Programm serviert der Apparat ungemein satte Farben, eine ausgezeichnete Plastizität, hervorragende Schärfe und eine famose Blickwinkelstabilität. Mit dieser Extraportion an Bildqualität können die meisten LCD-Fernseher nicht dienen. Und das dreiseitige Ambilight vergrößert subjektiv empfunden das Bilderlebnis auf die Wand hinter dem Fernseher und entspannt merklich die Augen. Während sonst ein komplett abgedunkeltes Wohnzimmer als unangenehm aufgefasst wird, bietet sich jetzt dank Ambilight eine extrem ansprechende Atmosphäre.



Wir empfehlen Ihnen, unbedingt einmal die Funktion „Optimierung der Farbtemperatur“ auszuprobieren. Diese wird automatisch in Abhängigkeit vom Umgebungslicht angepasst, das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen. Die natürlichsten Farben liefert laut Messung das Setting „Filmmaker“. Allerdings ist dieses zu blass, wenn die „Optimierung der Farbtemperatur“ deaktiviert ist. Unser Tipp: Testen Sie auch mal den Modus „Heimkino“. Dieser übertreibt es nicht so sehr wie „Kristallklar“, ist aber deutlich lebendiger als „Filmmaker“.
Wie klasse der Philips performt, sieht man speziell in Naturdokumentationen. Sein Farbkasten ist riesig, mit spielerischer Leichtigkeit mischt der OLED jeden noch so fein abgestuften Farbton und zaubert Übergänge, die frei von dezentesten Abstufungen und Treppenbildungen sind. Auch die Schärfedarstellung des 65-Zöllers setzt Maßstäbe. Hausfassaden, Baumrinden, Steppengras, Menschenmengen, Felsmassive oder Meeresbuchten – die Detailverliebtheit des 808 ist ein Genuss. Selbst HD-Material wird exzellent hoch skaliert und ist teilweise von nativem 4K kaum zu unterscheiden.
Im extrem scharfen und nicht nur in sehr hellen Räumen fast zu dynamischem „Kristallklar“-Modus liefert der Philips mit 948 Candela die höchste Leuchtkraft. Farblich am besten schneidet das Setting „Filmmaker“ ab, hier sind in der Spitze 833 Candela drin, bei 50-prozentigem Weißanteil 321 Candela, bei vollständiger Weißdarstellung sind es rund 200 Candela. Super ist der extrem hohe ANSI-Kontrast von 14.800:1. Das EX-Panel im 808 arbeitet mit stabilerem Deuterium als Bindemittel im organischen Material, das erlaubt eine höhere Helligkeit als der sonst verwendete Wasserstoff. Dolby-Vision-Titel strotzen nur so vor Dynamik, die Farben sind wunderbar satt und rein. Hinzu kommt eine butterweiche Bewegungsdarstellung.
Ebenso souverän tritt der 65OLED808 bei seiner Sound-Performance auf. Es gibt nur wenige Flachmänner in dieser Preisklasse, die derart unangestrengt aufspielen und Zuschauer vor und neben dem Bildschirm angenehm voluminös umhüllen. Weil der Apparat auch bei höherer Lautstärke nahezu frei von Verzerrungen bleibt, eignet er sich sehr gut für die Wiedergabe von Musik. Stimmen sind klar, und auch Bässe klingen kraftvoll.



Der Testbericht Philips 65OLED808 (Gesamtwertung: 90, Preis/UVP: 2.800 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2024 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der 65OLED808 bietet jede Menge Suchtpotential: Ambilight, satter Sound, faszinierendes Bild – an all diese tollen Eigenschaften gewöhnt man sich schnell und will sie nicht mehr missen. Auch der Bedienkomfort und die Maximalhelligkeit können sich sehen lassen. Uns fehlt lediglich eine Option für TV-Aufnahmen auf USB-Festplatte.
Jochen Wieloch

