BenQ erweitert seine Laser-Projektoren-Serie mit dem W5850. Er sieht aus wie der Vorgänger, hat aber ein paar Neuerungen unter der Haube, die mehr Komfort und ein mächtigeres Bild versprechen – und das ist längst nicht alles.
Gerade mal ein Jahr ist es her, da hatten wir das damalige BenQ-Beamer-Flaggschiff W5800 in unseren Test-Fingern. Mit dem W5850 durften wir nun den Nachfolger begrüßen, der bei einem von 5.000 auf 5.300 Euro gestiegenen Preis in 4K-Konkurrenz zu Epson, JVC und Sony steht. Mit 10,5 Kilogramm und einer Stellfläche von 55 x 40 Zentimetern ist der W5850 ein Schwergewicht.
Geliefert wird der Bildwerfer gut geschützt in einem stabilen Pappkarton, der auf Styropor als Ummantelung der Gerätschaft verzichtet. Im Gegensatz zum 300 Euro preiswerteren Vorläufer ist das Objektiv nicht fest verbaut, sondern befindet sich separat verpackt in einem weiteren Karton. Eine Fernbedienung mit Hintergrundbeleuchtung und Batterien, ein Stromkabel, eine gedruckte Schnellstartanleitung, eine Objektivabdeckung, eine Garantie karte und ein Kalibrierungsprotokoll in einem stylischen Couvert gehören ebenfalls zum Lieferumfang.
Das Gehäuse ist praktisch komplett in Schwarz gehalten, damit es kein unnötiges Streulicht verursacht. Als optisches Schmankerl gibt es eine goldene Applikation, welche die Aussparung um das Objektiv ziert. Die von uns ermittelte Leistungsaufnahme liegt mit 373 Watt überraschend deutlich unter der Herstellerangabe von 450 Watt. Eine passende Deckenhalterung und 3D-Brillen können im hauseigenen Online-Shop erworben werden.
Die Fernbedienung besitzt eine illuminierte Tastatur, so dass auch im dunklen Heimkino eine sichere Navigation möglich ist. Praktisch sind die Direktwahltasten für 3D, Lens (Zoom, Fokus, Lens-Shift), Filmmaker-Modus und Menü.
Keine Erwähnung findet bei BenQ aber das brandneue dynamische Tone-Mapping in den Datenblättern und der Produktbeschreibung, welches der W5850 besitzt. Während unserer Untersuchung des Projektors wurden wir im Tool „Cinema Master“ fündig: Hier lässt sich das „Dynamic Tone Mapping“ einschalten. Ab Werk ist lediglich das statische Tone-Mapping aktiv. Mit eingeschaltetem „Dynamic Tone Mapping“ analysiert der W5850 jedes Bild von HDR10-Inhalten. Anschließend wird jedem Frame eine eigene HDR-Gammakurve (PQ) zugewiesen. Diese deckt den Bereich von 0,0 bis 10.000 Nits ab. Der W5850 verschiebt diese Signale in einen vom Beamer darstellbaren Bereich. In der Praxis funktioniert das neue Tool sehr gut.



Ausstattung und Technik
BenQ setzt erneut auf den bewährten 0,47-Zoll-DLP-Chip von Texas Instruments mit nativer Full-HD-Auflösung. Via XPR-Shift werden Bildsignale bis zu 3.840 x 2.160 Pixel entgegengenommen und sequenziell projiziert. Damit ist eine native 4K-DLP-Auflösung den Modellen im hohen fünfstelligen Bereich vorbehalten. Native 4K-Bilderwerfer mit D-ILA- und SXRD-Technologie, wie sie von JVC und Sony verwendet werden, bekommt man hingegen bereits ab 6.000 Euro.
Als Herzstück soll die Laser-Phosphor-Lichtquelle für 2.600 Lumen sorgen. Hierbei handelt es sich um blaue Laserdioden und ein gelbes Phosphor-Element, die im Zusammenspiel Weiß erzeugen. Die Lebensdauer beziffert der Hersteller auf 20.000 Stunden im hohen Modus und 25.000 Stunden im Eco-Setting. Da die Light-Engine komplett gekapselt ist, braucht es keinen Staubfilter, der gereinigt oder ausgetauscht werden muss.
Das 1,6-fache Zoomobjektiv besitzt ein Linsensystem mit 16 Elementen. Darunter befinden sich asphärische Linsen mit geringer Dispersion. Dies gewährleistet eine überragende Transparenz, eine hohe Schärfe sowie eine sehr gute Color Uniformity. Alle Einstellungen lassen sich motorisch mit Hilfe der Fernbedienung vornehmen. Dazu gehören neben dem Zoom das vertikale (50 Prozent) und horizontale (15 Prozent) Lens-Shift. Die „HDR-Pro“- Technologie von BenQ unterstützt HDR10, HDR10+ und HLG, während Dolby Vision außen vor bleibt. Darüber hinaus besitzt der Projektor ein dynamisches Tone-Mapping (siehe Kasten oben).
Ab Werk kalibriert
Für eine präzise Farbdarstellung hat der Hersteller „CinematicColor“ entwickelt. Laut dem beigelegten Kalibrierungsreport (Bild nächste Doppelseite) werden die Farbräume DCI-P3 im Bildmodus „Bright Cinema“ und Rec.709 im „Kino“-Modus zu 100 Prozent abgedeckt. Erreicht wird dies, indem der Projektor im Werk vor der Auslieferung kalibriert wird. Die isf-Zertifizierung bescheinigt darüber hinaus, dass ein isf-Fachmann eine optimale Anpassung vornehmen kann. Dafür gibt es ein passwortgeschütztes Menü. Als nötig erachten wir dieses Feature nicht, weil der W5850 ein vollständiges Sechs-Achsen-CMS besitzt sowie die üblichen Gain/Offsetregler und einen 11-Punkte-RGBEqualizer zur Graustufen- und Gammaoptimierung. Der „Lokale Kontrastverstärker“, „Globale Kontrastverstärker“ und „Dynamic Black“ sollen im Zusammenspiel Schwarzwert und Kontrastumfang dynamisch steigern.
Eine Zwischenbildberechnung ist implementiert, die BenQ „Bewegungsverstärker 4K“ nennt. Diese befindet sich im erweiterten Bildmenü im Preset „Cinema Master“. Gamer profitieren vom kurzen Input Lag, der mit 13 Millisekunden bei 1.080p/120Hz-Zuspielung und 17,9 Millisekunden bei 4K/60Hz-Signalen voll spieletauglich ist. Zudem können 3D-Filme projiziert werden. Mit dem DLP-Link und der RF-Technologie bietet der W5850 gleich zwei Möglichkeiten, um die 3D-Brille mit dem Projektor zu synchronisieren. Während der DLP-Link mit Rotblitz ein Teil des Beamers ist, wird für RF ein zusätzlicher Emitter benötigt, der für rund 100 Euro im Fachhandel erworben werden muss. Wie beim Vorgänger sind weder Lautsprecher noch Smartfunktionen oder Apps vorhanden.



Installation und Bedienung
Da das Objektiv des W5850 relativ schwer ist, verpackt BenQ es zur Sicherheit beim Transport separat. Alternative Objektive für den W5850 gibt es nicht. Wir entnehmen zunächst den DLP-Chip-Transportschutz-Pfropfen aus dem offenen Schacht des Projektors. Anschließend stecken wir das 1,6-fache Zoomobjektiv dort hinein, drehen es wie bei einem Bajonettverschluss an einer Fotokamera – und die Optik rastet zuverlässig ein.
Die meisten DLP-Projektoren besitzen ein großes Offset, so dass diese Geräte auf einem Tisch oder über Kopf auf Höhe der Leinwandoberkante platziert werden können. Beim W5850 funktioniert das nicht, weil das Offset 0 Prozent beträgt. Der Beamer strahlt also zentrisch ab und sollte daher auf Höhe der Leinwandmitte installiert werden. Steht er auf einem Tisch oder hängt über Kopf unter der Decke, wird das Bild nicht komplett auf der Leinwand abgebildet. Der W5850 kann aber knapp unterhalb der Leinwandoberkante auf ein Regal gestellt werden. Von hier reicht das vertikale Lens-Shift aus, um das Bild komplett auf die Leinwand zu verschieben. Das lässt sich bequem mit der Fernbedienung durchführen. Überdies sind Zoom und Fokus motorisch steuerbar.
Nach dem ersten Einschalten öffnet sich ein Installations-Menü, das den Nutzer durch alle Einstellungen führt. Nach nicht einmal 10 Minuten haben wir das einmalige Prozedere abgeschlossen.
Mit 32 Dezibel bei maximaler Lichtausbeute ist der W5850 kein Leisetreter. Die gleichmäßig laufenden Lüfter sind zu hören, gleichwohl erachten wir das Betriebsgeräusch als nicht störend. Im „Eco“-Modus reduziert sich der Pegel auf 27 Dezibel, was allerdings mit sichtbaren Helligkeitseinbußen einhergeht.
Aus einer Distanz von 2,50 bis 4,00 Meter kann eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand komplett ausgeleuchtet werden – das ermöglicht auch in kleinen Räumen recht große Bilder. Das On-Screen-Menü ist übersichtlich konzipiert. Die Navigation durch die Presets gelingt zügig. Dank der illuminierten Tastatur auf der Fernbedienung ist auch im dunklen Heimkino alles gut lesbar.
Der BenQ erkennt die eingehenden Signale selbstständig und schaltet auf die entsprechenden Eingänge. Für 2D, 3D, HDR10, HDR10+ und HLG gibt es separate Bildmodi, um individuelle Anpassungen vorzunehmen. Der Projektor ruft die jeweiligen Presets automatisch auf, sobald ein passendes Signal anliegt. Der Nutzer muss sich um nichts kümmern, wenn alles einmal konfi guriert ist.
Wird der Beamer ausgeschaltet, beträgt die Nachlaufzeit lediglich vier Sekunden. Für das Hochfahren braucht er rund 20 Sekunden, bis das zugeführte Bildsignal auf der Leinwand erscheint.






Licht und Farbe
Ab Werk steht der BenQ W5850 im Bildmodus „Bright Cinema“, der 1.980 Lumen erzielt. Die Farbtemperatur ist mit 6.455 Kelvin bereits ordentlich und der Graustufenverlauf schlicht und ergreifend perfekt. Hier zeigt sich, wie gut die Werkskalibrierung von BenQ ist. Allenfalls der Farbraum ist mit einer Abdeckung von 100 Prozent DCI-P3 zu groß für HDTV. Das extrem bunte Bild dürfte aber viele Freunde finden. Unser Fall ist es weniger, weil wir eine präzise Farbdarstellung anstreben. Daher wechseln wir in den Bildmodus „Filmmaker“. Hier sitzen Primär- und Sekundärfarben fast perfekt. Die leichten Abweichungen im Graustufenverlauf, die dieser Modus aufzeigt, passen wir kurzerhand mit dem 11-Punkte-RGB-Equalizer an. Das dauert nur wenige Minuten – dann können wir auch hier Perfektion im Graustufenverlauf und Gamma vermelden. Durchschnittlich 0,4 DeltaE (Graustufen) und 0,7 DeltaE (Farbraum) bestätigen die exzellente Farbdarstellung des W5850.
Die Lichtausbeute beträgt kalibriert im Filmmaker-Modus 1.980 Lumen sowie bei HDR-Signalen 2.001 Lumen in den Bildmodi „HDR10“ und „HDR10+“. Das reicht für Bildbreiten bis 4,50 Meter (HDTV), um diese mit 16 Footlambert zu befeuern, respektive 32 Footlambert auf 3,20 Meter Breite (HDR). Die höchste Lichtausbeute wird im Bildmodus „Hell“ erzielt. Mit knapp 2.700 Lumen wird die Werksangabe um 100 Lumen übertroffen. Die Farben sind zwar zu kühl, weisen aber nicht den extremen Grünfarbstich auf, den andere Beamer bei maximaler Lichtleistung zuweilen darstellen. Von daher ist es bei leichtem Umgebungslicht am Nachmittag möglich, Fußball oder Formel 1 zu schauen, wenn auf die letzte Farbpräzision zugunsten von mehr Lichtausbeute verzichtet wird. Den statischen Kontrast beziffert BenQ lobenswert ehrlich mit 1.000:1. Wir ermitteln nach der Kalibrierung 1.020:1 (HDTV) und 1.210:1 (HDR). Dynamisch lassen sich diese Werte auf 2.512:1 steigern. Der ANSI-Kontrast fällt mit 210:1 durchschnittlich aus für einen Projektor in diesem Preissegment, ebenso der In-Bild-Kontrast mit 1.020:1. Der Schwarzwert wirkt mit 1,65 Lumen (statisch) und 0,80 Lumen (dynamisch) entsprechend eher dunkelgrau. Die Ausleuchtung überzeugt mit 95 Prozent, weil weder Helligkeitsabfall noch Verfärbungen von der Mitte zu den Seiten sichtbar sind. Diese liegen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle von 10 Prozent. Der DLP-Regenbogeneffekt fällt angenehm gering aus, ist aber an kontrastreichen Kanten für empfi ndliche Gemüter noch erkennbar.

Das Tool funktioniert so gut, dass wir in wenigen Minuten den kompletten Graustufenverlauf inklusive Weißpunkt und Gamma in einem Durchlauf trimmen. Das Resultat sind farbneutrale Grauabstufungen auf Referenzniveau, ohne dass sich Banding-Effekte oder andere Fehler einschleichen.

Bildqualität
Der 0,47-Zoll-Chip ist dafür bekannt, sämtliche Bildsignale mit 60 Hz auszugeben. Im BenQ W5850 stellt er diesbezüglich keine Ausnahme dar. Spielfilme mit 24 Hz gibt er mit dem typischen 3:2-Pulldownruckeln in 60 Hz wieder. Wird „Bewegungsverstärker 4K“ auf niedrig hinzugeschaltet, stellt sich schlagartig eine natürliche Bewegung ein, die ganz ohne Seifenoper-Effekt auskommt. Zusätzlich nimmt die Schärfe in sich bewegenden Elementen deutlich zu. Bis zum Rand bietet der W5850 ein messerscharfes Bild, das frei ist von Banding-Effekten, Moiré und sonstigen Störungen.
In Nachtaufnahmen zeigen sich die Grenzen der digitalen Kontrastverbesserungen. Schwarze Hintergründe in „West Side Story“ erscheinen dunkel grau. Erst wenn hellere Inhalte hinzukommen, lichtet sich der Grauschleier. Als Maria nachts auf der Feuerleiter steht, strahlen die hinterleuchteten Fenster prachtvoll. Die Feuerleiter selbst weist einzelne Sprossen auf. Hier läuft nichts im Schwarz zu. Nachdem sie durch das Fenster in ihr Zimmer gestiegen ist, spielt der Projektor seinen großen HDR-Farbraum aus. Die Wandlampen strahlen farbenfroh, ihr Teint bleibt dabei natürlich. Als sie mit ihren Freunden am späten Nachmittag durch die Straßen tanzt, spielt der W5850 seine ganze Stärke aus. Dank der hohen Lichtausbeute stellen sich wiederholt echte HDR-Wow-Momente ein. Der Faltenwurf der Kleider ist großartig. Nichts verschmiert in den Bewegungen, alles erscheint realistisch.
Selbst in anspruchsvoll gemasterten Filmen wie „Sully“ zeigt der Beamer alle Inhalte bis 10.000 Nits. Das dynamische Tone-Mapping arbeitet fehlerfrei. Auf unserer 3,20 Meter breiten Cinemascope-Leinwand sieht die jüngste „Elvis“-Verfilmung in HDR10+ ebenfalls herausragend aus. Lediglich die HDR-Helligkeit haben wir auf 1 angehoben. Die Zuschauer sind bis in die letzte Reihe klar erkennbar, als der King of Rock seinen ersten Auftritt als Nachwuchskünstler hat. Jede einzelne Strähne seiner gegelten Haare ist auszumachen. Im Titelabspann werden alle Edelsteine reproduziert, ebenso lässt sich auf dem von unten nach oben laufenden Button der klitzekleine Schriftzug „I Love Elvis“ klar und deutlich lesen.



Der Testbericht BenQ W5850 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 5.300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 7-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
BenQ bietet mit dem W5850 einen hellen und messerschafen Heimkino-Projektor mit langlebiger Laserlichtquelle und dynamischem HDR-Tone-Mapping. Hinzu kommen perfekte Farben und die 3D-Unterstützung. Einzig beim Schwarzwert ist noch Luft nach oben.
Michael B. Rehders

