Aus nur 11 Zentimetern Entfernung wirft Samsungs neuer Laser-TV ein 100 Zoll großes Bild an die Wand. Dabei ist „The Premiere 9“ nicht teurer als sein über 3 Jahre alter Vorgänger – trotzdem unterscheiden sich die Geräte mitunter stark voneinander.
Ende 2020 hat Samsung den Ultrakurzdistanz-Projektor LSP9T für 6.500 Euro auf den Markt gebracht. Exakt zum gleichen Preis wird jetzt das Nachfolgemodell „The Premiere 9“ offeriert. Auf den ersten Blick ähneln sich die Geräte wie ein Ei dem anderen. Erst bei genauerer Betrachtung der Rückseite fällt auf, dass Samsung den Rotstift angesetzt hat. Während beim LSP9T (Test in 2-2021) TV-Tuner für Satellit, Antenne und Kabel verbaut waren, fehlen dem Premiere 9 diese Empfangsmöglichkeiten. Wer auf diese Weise Fernsehen möchte, benötigt einen externen Receiver.
The Premiere 9 bringt stattliche 11,6 Kilogramm auf die Waage. Damit steht er sicher auf dem Sideboard und verrutscht nicht so leicht, wenn man mal versehentlich dagegen kommt. Die Füße zur Nivellierung besitzen Gummiunterlagen, so dass keine Gefahr von unschönen Kratzern auf dem Möbelstück besteht. Mit einer Standfläche von 55 x 38 Zentimetern passt er auf alle gängigen Sideboards. Bilddiagonalen bis 130 Zoll projiziert er aus wenigen Zentimetern Abstand, wie auf dem Hintergrundbild dieser Doppelseite zu sehen. Das Gehäuse ist in Weiß gehalten, ebenso die Lautsprecherbespannung, welche die Vorderseite des Beamers umfasst. Mit einer Leistungsaufnahme von 209 Watt ist der Samsung ausgesprochen genügsam für einen Projektor, der nominell eine Lichtausbeute von 3.200 Lumen besitzt. Im Stand-by verbraucht er erwartungsgemäß nur 0,3 Watt.




Ausstattung und Technik
Der Samsung The Premiere 9 ist ein DLP-Projektor mit Ein-Chip-Technologie, der mittels Pixel-Shift bis zu 3.840 x 2.160 Pixel sequenziell projiziert. Über 20.000 Stunden beträgt die Lebensdauer der Laserlichtquelle, die aus roten, grünen und blauen (RGB) Laserdioden besteht. Wer den Samsung wie einen Fernseher vier Stunden täglich verwendet, kann ihn über 13 Jahre betreiben – erst dann hat er 50 Prozent seiner ursprünglichen Lichtausbeute verloren.
Eine dynamische Laserlicht-Regelung ist leider ebenso wenig implementiert wie ein Eco-Modus. Helligkeitsunterschiede resultieren allein aus den verwendeten Bildmodi. Eine „Kontrastverbesserung“ ist hingegen implementiert. Dieses Feature erhöht allerdings nicht den On/Off-Kontrast, sondern verändert dynamisch die Helligkeitsverteilung im Bild (Technik-Details im Kasten links).
Der Hersteller bewirbt The Premiere 9 als ersten Projektor von Samsung, der HDR10+ unterstützt. Diese Aussage überrascht, weil bereits das Vorgängermodell LSP9T dazu in der Lage war. Die statischen HDR-Varianten HDR10 und HLG sind natürlich ebenfalls implementiert und profitieren dabei von einem dynamischen Tone Mapping (siehe Kasten auf der nächsten Doppelseite).
Ein Augenschutz bewahrt zu neugierige (oder kindliche) Mitbewohner vor Sehschäden. Er schaltet die Laserdioden einfach aus, wenn sich jemand der Lichtquelle zu stark annähert. Um das Gerät zu kalibrieren, mussten wir das Feature deaktivieren.
Mit den üblichen Gain/Offset-Reglern, rudimentären Gammaanpassungen und einem Color Management System (CMS) für den Farbraum stehen die bekannten Regler für die Kalibrierung zur Verfügung. Allerdings ist das Farbmanagement für das Gamut nicht vollständig belegt. Es kann nur die Sättigung von Rot, Grün und Blau angepasst werden, nicht aber Luminanz und Lage. Darüber hinaus beeinflussen die RGB-Gain-Regler die Positionen der Sekundärfarben. Das ist zu kritisieren, weil die Gain-Regler lediglich Einfluss auf Weißpunkt und den Graustufenverlauf haben sollen, nicht aber auf die Farborte von Cyan, Magenta und Gelb innerhalb des Farbraums. Dass diese anschließend sogar besser passen, macht die Sache nicht richtiger. Eine Zwischenbildberechnung in 10 Stufen ist integriert. Samsung nennt das Tool verwirrenderweise „Bildschärfe“, und es ist unter den Experteneinstellungen zu finden. Ergänzt wird das visuelle Erlebnis mit einem 2.2.2-Lautsprechersystem. Weitere Features wie „Q-Symphony“, „Active Voice Amplifier Pro“, „Adaptive Sound Pro“ und Bluetooth komplettieren die Audioausstattung.




Nicht so beim Samsung. Via dynamischem Tone Mapping analysiert der Samsung The Premiere 9 jedes einzelne Bild und optimiert dieses. Selbst in schwierigen Filmen wie „Sully“ gibt sich der Samsung The Premiere 9 keine Blöße und zeigt alle im Film enthaltenen Bildinformationen.

Darüber hinaus bietet The Premiere 9 umfangreiche Smartfunktionen mit Zugang zu „Samsung TV Plus“, „Gaming Hub“ und „SmartThings“. Hinzu kommen die Sprachassistenten „Bixby“ und „Alexa“ sowie jede Menge Apps, die wir schon auf den Samsung TVs zu schätzen wissen. Auf die Wiedergabemöglichkeit von 3D-Filmen und Dolby Vision muss hingegen verzichtet werden.
Installation und Bedienung
The Premiere 9 wird gut geschützt in einem relativ großen Karton geliefert. Wir installieren ihn in unserem Screening-Room, wo er auf eine 3,20 Meter breite Leinwand projiziert kann. So können wir Abstände, Bildgröße und den Fokus kontrollieren. Die minimale Distanz von der Wand zum Gehäuse beträgt 11 Zentimeter, damit noch Netzkabel und HDMI-Kabel verbunden werden können. Aus dieser Distanz erzeugt der Projektor eine Bildbreite von 2,21 Meter, was einer Diagonale von 100 Zoll entspricht. Für 2,50 Meter Bildbreite benötigt man einen Abstand von 15 Zentimetern, für 3,20 Meter bedarf es knapp 25 Zentimeter.
Die Aufstellung ist einfach, wenn der Ultrakurzdistanz-Projektor auf einer ebenen Fläche steht. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die Unebenheit des Untergrunds mit den Standfüßen ausgeglichen werden, indem diese entsprechend herausgedreht werden. Den Fokus stellen wir mit der Fernbedienung bequem vom Sitzplatz ein. Bis in die Ecken ist das Bild danach optimal scharf. Damit ist der aufwändigste Part erledigt. Von nun an führt The Premiere 9 den Nutzer durch das Installationsmenü. Dazu gehören: Netzwerkauswahl, Passworteingabe und das Anlegen eines Accounts bei Samsung, damit wir auf alle Smartfunktionen zugreifen können.
Das Gerät läuft mit dem Betriebssystem Tizen, das wir von Samsung-Fernsehern gut kennen. Die Oberfläche bietet übersichtlich angeordnete Apps. An erster Stelle steht – wenig überraschend – natürlich Samsung TV Plus. Danach folgen alle wichtigen Apps wie Netflix, Prime Video, Disney+, Wow, Apple TV, Joyn und Magenta TV. Die Navigation geht flott von der Hand. Aber auch die Sprachsteuerung funktioniert exzellent. Da wir nicht immer sofort wissen, auf welchem Sender bzw. welcher Plattform der gewünschte Film zu finden ist, sagen wir nur: „Alexa, suche Elvis.“ Sofort werden uns alle Dokumentationen und Spielfilme aufgelistet, die Elvis im Titel enthalten.




The Premiere 9 schaltet selbstständig um von SDR in das gerade laufende HDR-Format. HDR10 und HDR10+ werden zuverlässig erkannt. Leider wechselt der Projektor nicht den Bildmodus. Wir haben „Filmmaker“ für SDR und „Dynamisch“ für HDR konfiguriert. Steht ein Formatwechsel von HDR auf SDR und zurück an, müssen wir den Bildmodus jedes Mal von Hand ändern, um die beste Qualität zu erhalten. Hier sollte Samsung mit einem Firmware-Update nachbessern.
Licht und Farbe
Ab Werk wird The Premiere 9 im Bildmodus „Dynamisch“ ausgeliefert, der sehr gute 2.600 Lumen erzielt, wenn auch mit einer zu kühlen Farbdarstellung von 12.000 Kelvin. Für High Dynamic Range kalibrieren wir diesen Bildmodus, so dass wir netto noch ordentliche 2.100 Lumen auf der Leinwand erhalten. Für SDR-Inhalte nutzen wir hingegen den „Filmmakermode“, der bereits ab Werk eine exzellente Farbpräzision erzielt. Den Weißpunkt passen wir von 6.700 auf 6.500 Kelvin via Gain-Regler an. Der HDTV-Farbraum Rec.709 wird zu 100 Prozent abgedeckt, der HDR-Farbraum Rec.2020 sogar mit 115 Prozent. Die Lichtausbeute für HDTV beträgt nach der Kalibrierung 1.910 Lumen. Die beworbene Maximalhelligkeit von 3.200 Lumen wird mit eingeschaltetem „Spitzenwert für Helligkeit“ sogar übertroffen. Hier ermitteln wir 3.300 Lumen. Damit ist The Premiere 9 rund 400 Lumen heller als der Vorgänger. Wie üblich wird die höchste Lichtausbeute ungeachtet der Farbtemperatur mit einem sichtbaren Grünstich erzeugt. Wir empfehlen, den Projektor für Bildbreiten bis zu 3,32 Meter (150 Zoll) zu verwenden. Bei größeren Diagonalen wird der Wandabstand zu groß. Denn zu den projektionsbedingten 25 Zentimetern kommt die Gehäusetiefe von 38 Zentimetern hinzu. Das addiert sich auf 63 Zentimeter, eine Tiefe, die viele Sideboards nicht besitzen.
Der Kontrast fällt für einen DLP-Projektor ohne dynamische Helligkeitsregelungen sehr gut aus. Wir ermitteln: 2.200:1 (On/Off), 1.570:1 (Inbild) und 250:1 bei ANSI. Der Schwarzwert beträgt hingegen verbesserungswürdige 0,95 Lumen. Praktisch finden wir, dass alle Anpassungen auf Knopfdruck für alle Quellen anwendbar sind. Die Ausleuchtung und Color Uniformity ist mit 95 Prozent sehr gut. Von der Mitte bis zum Rand ist weder ein Helligkeitsabfall noch eine Farbverschiebung auszumachen.
Bild- und Tonqualität
Mit 29 Dezibel ist der Samsung The Premiere 9 zwar kein Leisetreter, weil die großen Lüfter aus drei Meter Distanz noch zu hören sind, störend empfinden wir das sonore und gleichmäßige Betriebsgeräusch allerdings nicht. Sobald Actionszenen ertönen oder Dialoge im Vordergrund stehen, ist der Ultrakurz distanz-Projektor unauffällig. Den technisch bedingten Regenbogen-Effekt können wir kaum noch provozieren. Allenfalls im Abspann fällt uns ab und an leichtes Farbblitzen auf. Zu verdanken ist das dem Umstand, dass kein Farbrad verbaut ist und die Laserdioden extrem schnelle Schaltzeiten besitzen.



Sämtliche Signale gibt unser Testgerät mit 60 Hz wieder. Dadurch kommt es bei Spielfilmen und Live-Sport zu einem unschönen 3:2-Pulldown-Ruckeln. Diesem Defizit begegnen wir, indem wir die Zwischenbildberechnung auf „Jidder-Minderung“ 5 stellen. Fortan ergibt sich ein natürlicher Filmlook mit sehr guter Bewegungsschärfe, ohne Seifenoper-Effekt. Auf dunklen Szenen liegt ein leichter Grauschleier, der sich schnell lichtet, sobald helle Bildinhalte dazukommen. HDTV-Filme bestechen mit ihrer natürlichen Farbdarstellung und exzellenten Schärfe bis zum Rand. Farbige Säume, die wir beim Vorgängermodell noch kritisiert haben, sind beim Samsung The Premiere 9 nicht zu verzeichnen.
Zur Hochform läuft der Ultrakurzdistanz-Projektor mit Spielfilmen, Dokumentationen und Fußballübertragungen in HDR auf. Die Farben leuchten, dass es eine wahre Wonne ist. Der erweiterte Farbraum Rec.2020 sorgt permanent für echte HDR-Wow-Momente. So ein sattes Rot wie in „West Side Story“, solch ein farbenprächtiges Grün wie in „Unsere Erde 3“, die wir aus England importiert haben, zeigen die ganze Klasse des Samsung The Premiere 9.
Zu einem guten Bild gehört freilich ein guter Ton. Und da längst nicht jeder Laser-TV-Besitzer seinem Bildwerfer ein externes Helferlein zur Seite stellt, kommt es auf die inneren Werte an – und auch hier enttäuscht The Premiere 9 nicht. Das 2.2.2-Soundsystem besitzt eine Ausgangsleistung von insgesamt 40 Watt (RMS). Die Stereobühne ist hierbei überraschend breit. Stimmen kommen aus der Mitte und sind klar zu verstehen.
Dolby-Atmos-Effekte, die von der Zimmerdecke tönen sollen, können wir mit „Top Gun: Maverick“ allerdings nicht ausmachen – ein Manko, mit dem sich auch Soundbars herumschlagen. Ebenso finden wir den Bass, der von zwei implementierten Subwoofern kommt, relativ schwach auf der Brust. Grundton, Mitteltöne und Hochton gefallen uns hingegen. Wenn Maria in „West Side Story“ zusammen mit Freunden und Familie „America“ singt, klingt das ansprechend. Das Soundsystem kann es mit Soundbars der 200-Euro-Klasse aufnehmen, mehr aber auch nicht.



Der Testbericht Samsung The Premiere 9 (Gesamtwertung: 83, Preis/UVP: 6.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2024 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Samsung präsentiert mit dem „The Premiere 9“ einen Laser-TV, der Fernsehsendungen und Spielfilme strahlend hell, messerscharf und extrem farbenfroh darstellt. Zudem bringen HDR-Inhalte mithilfe von dynamischem Tone Mapping das ganz große Kinoerlebnis ins heimische Wohnzimmer.
Michael B. Rehders

