OLED-Panel, Fire TV als Benutzeroberfläche und Penta-Tuner für flexiblen TV-Empfang: Panasonic will mit der gerade auf den Markt gekommenen Z90A-Serie sowohl seine Stammkunden als auch ein neues Streaming-Klientel ansprechen. Zusätzlich zur von uns getesteten 65-Zoll-Variante für 3.500 Euro (darüber rangiert lediglich die Z95A-Reihe) ist der Apparat auch als 42-, 48- und 55-Zöller zu Preisen zwischen 2.000 und 2.700 Euro erhältlich. Der Flachmann steht auf einem massiven, fünf Kilo schweren Metallfuß, das Display ist komfortabel entspiegelt. In der Tiefe kommt der TV-65Z90A auf stattliche 6,9 Zentimeter – das ist nicht gerade wenig, lässt aber darauf hoffen, dass die Japaner auf satten Sound setzen. Das OLED-Panel selbst ist superflach. Die VESA-Norm 300 x 300 Millimeter ermöglicht eine Montage an der Wand.
Ausstattung und Praxis
Angetrieben wird der Panasonic durch den neuen Chipsatz HCX Pro AI Processor MK II. Dieser arbeitet wenig überraschend mit Künstlicher Intelligenz (KI) und ist unter anderem dazu in der Lage, Sportübertragungen automatisch zu erkennen und die Bildqualität eigenständig anzupassen. Eine detaillierte Bildanalyse erfolgt in Echtzeit. „Intelligent Sensing“ soll das Geschehen verbessern, indem es etwa die Farbtemperatur bei warmen Lichtverhältnissen senkt oder dunkle Töne in hellen Umgebungen anhebt. Zum Einsatz kommt ein so genanntes „Master OLED Pro-Panel“. Es soll laut Panasonic eine höhere Helligkeit, intensivere Kontraste und ein verbessertes Farbvolumen gegenüber Standard-Panels garantieren. Unterstützt wird erstmals neben HLG, HDR10 und HDR10+ Adaptive auch Dolby Vision IQ mit Precision Detail, wodurch Feinheiten mit mehr Tiefe und Textur dargestellt werden sollen.
Gamer dürfen sich über eine Bildwiederholrate von bis zu 144 Hertz bei 4K-Wiedergabe freuen. Aktualisiert wurde das Onscreen-Overlay des Game Control Boards, um Spiele-Einstellungen flott und in Echtzeit umsetzen zu können. Für HDR-Spiele eignet sich das Feature „Tone Mapping Off“, das für hohe Helligkeitswerte und viele Details sorgen soll. Der Z90A ist auch mit Nvidia G-Sync und AMD FreeSync Premium zertifiziert. Zwei der vier HDMI-Ports beherrschen den Auto Low Latency Mode (ALLM) und Variable Refresh Rate (VRR) und erfüllen damit die HDMI 2.1-Spezifikationen.
Glücklicherweise verzichten die Japaner in ihrem Fire TV-Fernseher nicht auf den von uns hoch geschätzten Penta-Tuner. Kabel, Satellit und DVBT2 werden doppelt empfangen – so kann man eine Sendung auf USB-Festplatte aufzeichnen und parallel ein anderes Programm anschauen. Außerdem ermöglicht der Apparat den IPTV-Empfang über das Heimnetzwerk. Der Flat-TV lässt sich somit unabhängig von einer Antennendose im Haus aufstellen. Die Einrichtung gelingt klassisch per Fernbedienung oder mittels „Fire TV“-App auf einem Smartphone. Über ein Mobilgerät ist der 65-Zöller nach wenigen Sekunden betriebsbereit. Der Startbildschirm listet neben Amazon Prime Video wichtige Streaming-Apps wie Netflix, Paramount+, Joyn, WOW, Magenta TV, Apple TV+, Disney+, Netzkino und DAZN auf (siehe auch App-Vergleich Seite 46), außerdem TV-Eingänge, TV-Sender, die Aufzeichnungsliste und bei Bedarf einen großen Fundus an Spielen. Die Bedienung gelingt intuitiv, das Arbeitstempo ist hoch. Für unterschiedliche Familienmitglieder lassen sich individuelle Konten für personalisierte Vorschläge anlegen.
Funktional: Der Steuerstab von Panasonic glänzt, wie man es gewohnt ist, durch eine plausible Tastenanordnung.



Auf dem 65-Zöller kann man diese klein oder groß einblenden. Inhaltlich befassen sich die Widgets auf dem Panasonic Z90A mit lokalen Wetterdaten, den zuletzt gehörten Musiktiteln, den Top-10-Bewegtbildangeboten auf Fire TV, den eigenen Smart-Home-Settings und dem Live-TV-Programm. Zudem können Haftnotizen eingeblendet werden. Welche Widgets auf dem Flat-TV dargestellt werden sollen, legt man in Eigenregie fest. Als Hintergrundbilder hat man die Wahl zwischen unbewegten, bewegten und dynamischen Motiven, unter anderem aus den Genres Landschaft, Kunst, Fotografie und Museen. Die Geschwindigkeit der Hintergrund rotation ist stufenweise anpassbar zwischen einer Minute und einem Tag. Uhrzeit und Wetterinformationen oben links lassen sich ein- oder ausblenden.

Zum ersten Mal überhaupt ist die Alexa-Sprachsteuerung für einen Panasonic-Fernseher ohne externe Helferlein verfügbar. Über eingebaute Mikrofone im Gehäuse ist ein Griff zur Fernbedienung überflüssig. Diese besteht aus Plastik, ist aber angenehm schwer, liegt satt in der Hand und verfügt über eine plausible Tastenanordnung. Für fünf Streaming-Portale sind Direktwahltasten verbaut, unter anderem für Amazon Music und Disney+.
Bildqualität
Wir servieren dem Panasonic zunächst eine 4K-Dokumentation über Schottland im „Normal“-Modus. Der automatische Weißabgleich ist aktiviert, dieser leistet grundsätzlich sehr gute Arbeit. Der Flachmann liefert eine hervorragende OLED-Qualität, wie man sie von den Japanern kennt. Das Bild ist natürlich, scharf, plastisch und die Farben sehen authentisch aus. Die Helligkeit gefällt, der 65-Zöller tendiert allerdings nicht dazu, zu plakativ zu wirken. Im „Filmmaker“-Setting schraubt der Apparat alle Bildwerte nach unten – jetzt ist die Naturdoku nicht mehr aufgehübscht, sieht aber authentischer aus. Knackig scharf und super plastisch, jedoch von den Farben her teilweise leicht überdreht, präsentiert sich der „Dynamik“-Modus. Dieser schafft in Spitzlichtern bis zu 1.103 Candela. Im „Filmmaker“-Modus sind sogar bis zu 1.207 Candela drin, bei 50- und 100-prozentigem Weißanteil reduziert sich die Leuchtkraft OLED-typisch auf 383 bzw. 200 Candela. Der ANSI-Kontrast schneidet mit einem Wert von 17.000:1 überragend ab.



Subwoofer-Ausgang ausgestattet.
Hervorragend funktioniert der Z90A beim Hochskalieren von HD-Material. So zeigt die Blu-ray „Deutschland von oben“ den Braunkohleabbau in der Lausitz mit einer riesigen Fülle an Brauntönen und butterweichen Farbübergängen. Die Raumtiefe während der schrägen Überflüge begeistert, kleinste Strukturen in den Halden und auf den Wegen werden penibel herausgearbeitet. Auch Sandtöne reproduziert der 65-Zöller mit einem riesigen Farbkasten. Chapeau, hier hat einer mehr Farben an Bord als man es sich vorstellen kann. Gold, Gelb, Ocker, Orange, jeweils in unterschiedlichster Intensität, das ist großes Kino.
In Bezug auf die Cinemascope-Balken gilt das ohnehin. Sie sind gnadenlos schwarz, auch hellere Bildschirminhalte scheinen nicht durch. Große schwarze Flächen sind bestmöglich homogen ausgeleuchtet, egal, ob man frontal oder von der Seite auf das Panel schaut. Ein Genuss für Cineasten. Die dürfen sich auch über perfekt geschmeidige Kamerafahrten freuen. Glücklicherweise hat Panasonic seine umfangreiche „Intelligent Frame Creation“ unter anderem mit „Blur-Reduktion“, „Film Smooth“ und „Clear Motion“ im Fire-TV-Betriebssystem implementiert. HDR-Titel sind der Hammer. Wir genießen einen Dolby-Vision-Clip auf YouTube über die schönsten Plätze der Erde. Wow, wie lebendig die Kulisse hier aussieht, wie unfassbar plastisch, realistisch und detailverliebt. Nachtaufnahmen von Städteansichten explodieren förmlich vor hell strahlenden Lichtern und feinsten Reflexionen.
Tonqualität
Der 50 Watt starke, nach vorne strahlende Lautsprecher verfügt über zwei Passivradiatoren und einen Subwoofer. Damit spielt der Apparat souverän und voluminös auf. Musik bereitet Freude, auch größere Räume vermag der Panasonic angemessen zu beschallen, ohne plärrig zu wirken. Bässe bringen das Zimmer nicht zum Beben, das Tieftonfundament wird jedoch zufriedenstellend zur Schau gestellt. Stimmen sind entspannt zu verstehen. Dank Dolby-Atmos-Unterstützung werden Effekte plastisch herausgearbeitet.



Der Testbericht Panasonic TV-65Z90A (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 3.500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2024 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der neue TV-65Z90A ist enorm hell und begeistert durch reine Farben und ein extrem authentisches Bild mit genialem Schwarz. Fire TV bietet den Zugang zu vielen Apps, auch der Rest der Ausstattung – inklusive Penta-Tunter – kann sich sehen lassen. Das Ergebnis landet in unserer Referenzklasse.
Jochen Wieloch

