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    av-Test

    Focal Astral 16 (Test)

    24. September 201916 Minuten Lesezeit

    Focal schickt sich an, den High-End-Surround-Markt aufzumischen. 20.000 Euro kostet der neue „Astral 16“, der 3 Netzteile fĂŒr insgesamt 12 Endstufen bietet. Ansteuern kann der Bolide sogar 16 KanĂ€le, woher auch der Name rĂŒhrt.

    Surround-VerstĂ€rker fĂŒr High-Ender sind dĂŒnn gesĂ€t. Zu Trinnov, Storm Audio oder McIntosh gesellen sich nun die Franzosen von Focal. Deren „Astral 16“ schlĂ€gt mit 20.000 Euro zu Buche – ein Preis, fĂŒr den nicht wenige ein komplettes Heimkino bauen. Das viel zitierte Preis-/Leistungs-VerhĂ€ltnis spielt bei High-End-Audio allerdings ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, denn hier zĂ€hlen in erster Linie ExklusivitĂ€t und Luxus. Ob ein GerĂ€t das Geld bis auf den letzten Euro wert ist, steht damit nicht zur Debatte. Ob Technik und Ausstattung ĂŒberzeugen, dagegen schon.

    Knallt die Sicherung der Schutzschaltung durch, kann diese auch ein Laie problemlos ersetzen. Die Feinsicherung sitzt in einem Schacht unter dem Netzschalter.

    Die Geburt des „Astral 16“ erfolgte in Kooperation mit den französischen Kollegen von Immersive Audio Technologies, die ihre Produkte unter dem Label Storm Audio an den Mann bringen. Offensichtlich ist die Verwandtschaft zum AV-VerstĂ€rker „I.ISP 3D.16.12“, der Focals „Astral 16“ in Design, Ausstattung und Funktionsumfang – um es mal vorsichtig zu formulieren – Ă€hnelt. Mit unserer Beobachtung konfrontiert schrieb Focal-Produkt-Manager Andreas Hostmann: „Der Astral 16 ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Focal und Immersive Audio Technologies aus dem Jahr 2018. Er ist also neuer als der I.ISP 3D.16.12 und hat zusĂ€tzliche Funktionen.“

    Gut bestĂŒckt: Focals „Astral 16“ verfĂŒgt ĂŒber 7 HDMI-EingĂ€nge und 2 HDMI-AusgĂ€nge; Letztere sollten aber nicht parallel benutzt werden. 4 analoge Cinch-PĂ€rchen und je 3 Koax- bzw. Toslink-EingĂ€nge sind großzĂŒgig bemessen. Zu den 4 XLR-VorverstĂ€rkerausgĂ€ngen gesellt sich ein Stereo-Line-Out im XLR-Format.

    FĂŒr einen Test zur MarkteinfĂŒhrung konnte uns Focal leider kein 100-prozentiges SeriengerĂ€t zur VerfĂŒgung stellen, daher hatte der 20-Kilo-Bolide mit einigen Wehwehchen zu kĂ€mpfen, die noch behoben werden sollen. Um was es sich dabei handelt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.

    Kompletter 3D-Sound

    Wie bei High-End-GerĂ€ten ĂŒblich, beschrĂ€nkt sich der „Astral 16“ auf das Wesentliche: Streaming, Radio, DSP-Klangprogramme und Sprach-Assistenten bleiben außen vor. Im Gegenzug bekommt der 3D-Klangfreund ein dickes Paket geschnĂŒrt, denn neben Dolby Atmos und DTS:X ist auch Auro 3D an Bord. Und die 12 Endstufen erlauben 7.1.5-Sound inklusive Voice-of-God-Kanal ohne externe VerstĂ€rker. ZusĂ€tzlich sind 4 XLR-Pre-outs vorhanden, die sich frei den Lautsprechern zuweisen lassen. Damit sind Layouts mit 4 aktiven Subwoofern kein Problem. Dank Multiroom-Management ist zudem die Beschallung einer zweiten Hörzone möglich – aktiv wie passiv. Das Boxen-Management ist aber eine Herausforderung. Die Einmessung aller Lautsprecher erfolgt ĂŒber das hochwertige „Dirac Live“-System, das auch Arcam fĂŒr seine AV-GerĂ€te einsetzt. Zur Nutzung der Dirac Live-Software wird ein PC oder Mac mit jĂŒngerem Betriebssystem benötigt. Zum Lieferumfang gehört ein kalibriertes Messmikrofon der Marke miniDSP sowie ein kleiner Mikro-StĂ€nder.

    Die Einmessung mit Dirac Live

    Mikrofon an den AV-Receiver stöpseln, im MenĂŒ „Einmessung starten“ drĂŒcken und schon geht es los. So einfach kann die Lautsprecher-Kalibrierung sein, bei Focal lĂ€uft der Hase aber anders bzw. komplizierter.
    Die erste HĂŒrde fĂ€llt noch gering aus, denn man benötigt einen PC- oder Mac-Rechner zur Installation der „Dirac Live“-Mess-Software. Diese kann man kostenlos von der Dirac-Webseite www.dirac.com laden und benötigt in der neuesten Version Windows 10 oder MacOS Mojave. Auf nicht mehr ganz aktuellen Rechnern könnte „Dirac“ daher nicht mehr laufen, so geschehen bei einem Großteil unserer Redaktions-Computer. Das Mess-Mikrofon UMIK-1 des Herstellers miniDSP gehört zum Lieferumfang, die dazugehörige Kalibrierungsdatei mussten wir nach Eingabe der Mikro-Seriennummer von der miniDSP-Webseite laden. Nach dem Anschluss des Mikros am PC lĂ€sst sich ĂŒber Dirac Live die Kalibrierungsdatei dem Mikro zuordnen, das System ist nun einsatzbereit.
    Anders der „Astral 16“, denn hier mĂŒssen zuerst alle Lautsprecher manuell konfiguriert werden (siehe Kasten Seite 17). Aktiviert man im Boxen-MenĂŒ den Button „DIRAC“, taucht in der Dirac-Software am externen PC der „Astral 16“ im MenĂŒ auf – vorausgesetzt PC und VerstĂ€rker befinden sich im gleichen Netzwerk. Haben sich beide einmal gefunden, kann die eigentliche Einmessung aller Boxen beginnen.

    Nach Auswahl des Mikrofons in „Dirac Live“ erfolgt das Einpegeln aller Lautsprecher auf eine annĂ€hernd gleiche LautstĂ€rke. Die unverstĂ€ndliche und nur in Englisch verfĂŒgbare Hilfefunktion des Programms darf man ignorieren und sollte gleich zur Bedienungsanleitung (zum Testzeitpunkt auch nur auf Englisch erhĂ€ltlich) greifen. So muss man den „Mic gain“ (Mikrofon-Empfindlichkeit) auf +100 dB stellen und den „Master output“ (HauptlautstĂ€rke) schrittweise erhöhen; mit -20 dB klappte es gut. Über den Play-Button der einzelnen KanĂ€le lĂ€sst sich ein Testrauschen abspielen, die Pegelanzeige sollte hierbei innerhalb des grĂŒn markierten Bereichs (nicht im Bild zu sehen) liegen. Hat man alle KanĂ€le in etwa auf den gleichen Pegel gebracht, folgt die Sitzauswahl („Arrangement“); zur Option stehen Sessel oder Sofa, jede Sitzart berĂŒcksichtigt bis zu 9 Messpositionen.

    Pegelkalibrierung: Um mit der Einmessung starten zu können, mĂŒssen alle Boxen auf die gleiche LautstĂ€rke gebracht werden. Entscheidend hierbei ist die korrekte Einstellung von Mikro-Empfindlichkeit und Hauptpegel.

    Das Beste kommt zum Schluss: Nach der Einmessung aller Lautsprecher darf man im Punkt „Filter Design“ seine eigene Zielkurve modellieren, auf deren Basis Dirac die Frequenzgang-Korrektur vornimmt. Im letzten Schritt werden die Daten an den „Astral 16“ ĂŒbertragen und dort als Preset gespeichert. Es empfiehlt sich, die Daten der Einmessung auch lokal oder auf seinem optionalen Dirac-Account zu hinterlegen. Andernfalls mĂŒsste man fĂŒr das Anlegen einer neuen Zielkurve die Einmessung wiederholen.

    Zielkurve: WÀhrend der Einmessung kann man seine eigene Zielkurve (graublau) definieren, an der die ermittelten Frequenzen abgeglichen werden. Eine leichte Absenkung der Höhen wird in der Regel angenehm empfunden.

    50 Zentimeter, 20 Kilo

    Bei den Ă€ußeren Werten setzt Focal auf Understatement, denn das minimalistische Design mutet eher wie das eines professionellen StudiogerĂ€ts an. Alles andere als knauserig sind die Abmessungen, denn die knapp 50 Zentimeter Tiefe (und 44 cm Breite) bauchen ihren Platz. 20 Kilo sollten hingegen die meisten Möbel stemmen, die Flaggschiffe von Pioneer, Yamaha & Co. wiegen praktisch genauso viel. Das MetallgehĂ€use samt 12 Millimeter dicker Front ist sauber verarbeitet und ziemlich robust. Einen Blick ins Innenleben gewĂ€hren wir auf der nĂ€chsten Seite.

    Im linken Teil des GehĂ€uses sitzen drei identische Endstufen-Module. Jedes verfĂŒgt ĂŒber ein eigenes Netzteil, das jeweils 4 Digital-Endstufen (Klasse D) bedient. Die drei langen Alu-KĂŒhlrippen dienen zugleich als LuftkanĂ€le: An der Frontseite ziehen insgesamt drei 3 Ventilatoren kĂŒhle Luft aus den seitlichen Öffnungen an, die durch das GehĂ€use geblasen und von zwei LĂŒftern auf der RĂŒckseite wieder herausgesogen wird.

    Die Front ziert ein großes TFT-Display mit den wichtigsten Informationen, dazu gibt es 3 Eingabe-tasten und den Volume-Regler. Auf der RĂŒckseite stechen die 12 massiven, vergoldeten und mit transparentem Plastik isolierten Boxen-Terminals  hervor. Lose Litzen lassen sich dank KabelfĂŒhrungen kurzschlusssicher verschrauben, die Terminals akzeptieren allerdings auch Bananenstecker. Zu 7 HDMI-EingĂ€ngen gesellen sich 2 AusgĂ€nge. Suboptimal platziert sind die Schauben direkt ĂŒber allen HDMI-Buchsen, die zum Verschrauben spezieller HDMI-Stecker mit Halter gedacht sind. Bei normalen HDMI-Kabeln verhindern diese Schrauben jedoch das vollstĂ€ndige EinfĂŒhren von Steckern mit großem Kopf. NatĂŒrlich kann man die Schrauben entfernen, dann sind die HDMI-Buchsen aber anfĂ€lliger fĂŒr Belastungen.   

    Seitenansicht: Rechts sitzt die aufwĂ€ndige Stromversorgung. Ein kleiner LĂŒfter hinten zieht die AbwĂ€rme aus dem GehĂ€use. Im Durchschnitt (5.1 gemessen bei 5,5 V) zieht der „Astral 16“ bescheidene 124 Watt aus der Steckdose.

    Auf Audio-Seite gibt es 3-mal Koax, 3-mal Toslink und 4 analoge Cinch-PĂ€rchen zum Anschluss von Tonquellen. Die 4 XLR-VorverstĂ€rkerausgĂ€nge lassen sich wie bereits erwĂ€hnt zum Anschluss aktiver Subwoofer nutzen. Obendrein verfĂŒgt der „Astral 16“ ĂŒber 2 zusĂ€tzliche XLR-Outputs, die stets einen Stereo-Downmix aller anliegenden Signale ausgeben. 2 USB-Buchsen und der Ethernet-Port sorgen fĂŒr Datenaustausch, hinzu kommen 4 Trigger-Outputs sowie je ein IR-Input bzw. IR-Ouput zum Fernsteuern ĂŒber externe Lösungen. Um seinen High-End-Anspruch zu untermauern, ist das GerĂ€t zudem kompatibel mit Home-Automation-Systemen von Crestron, Control4, Savant und RTI.

    Die Schrauben ĂŒber den HDMI-Ports verhindern das komplette Einstecken von Steckern mit großem Kopf.

    Komplexe Bedienung

    Beim Thema Bedienung gehört Plug&Play nicht zu den Tugenden, ein grĂŒndliches Studium der Betriebsanleitung ist Pflicht. Ebenso ein PC,  MAC oder Tablet, denn die Grundeinrichtung funktioniert ausschließlich ĂŒber einen Internet-Browser, der via IP-Adresse auf das Web-Interface des „Astral 16“ zugreift. Auch die alltĂ€gliche Steuerung (Volume, Quellenwahl, EQ etc.) kann so erfolgen, komfortabler ist jedoch die Bedienung via App fĂŒr iOS- und Android-GerĂ€te. Die App stammt ĂŒbrigens nicht von Focal, sondern von Storm Audio. Eine klassische Fernbedienung, ĂŒber die sich auch jeder High-Ender freuen wĂŒrde, gibt es hingegen nicht. FĂŒr App-Muffel ist das GerĂ€t kompatibel mit der Universal-Fernbedienung Logitech Harmony.

    Das kalibrierte Mikrofon fĂŒr die Einmessung kommt von miniDSP. Mittels eines kleinen StĂ€nders lĂ€sst sich das Mikro exakt ausrichten. FĂŒr die Messung von 3D-Sound sollte der Mikrofonkopf zur Decke zeigen.

    16 KanÀle, alle 3D-Tonformate

    Neben Dolby Atmos und DTS:X beherrscht der „Astral 16“ auch Auro 3D. NatĂŒrlich sind die Upmixer Dolby Surround, DTS Neural:X und AuroMatic ebenfalls an Bord, mit denen das Cross-Format-Upmixing möglich ist; eine Ausnahme bilden die nativen 3D-Ton-Streams. Außer einem Stereo-Downmixer, der alle Tonformate in ein 2.0-Signal mĂŒnzt, gibt es keine Klangprogramme.

    Die 16 KanĂ€le lassen sich in mannigfaltigen Konfigurationen betreiben, 3D-Sound ist mit bis zu 6 DeckenkanĂ€len möglich. 3 Netzteile versorgen je 4 Digital-Endstufen, weitere 4 XLR-Pre-outs machen den Astral 16 zum Multitalent fĂŒr jedes Heimkino sowie fĂŒr Multiroom-Installationen: Es lassen sich so viele Boxen-Layouts anlegen, bis alle KanĂ€le „aufgebraucht“ sind, also etwa ein 7.1-System plus ein 5.1-System plus Stereo-Boxen.

    Das Boxen-Setup

    Focals „Astral 16“ verarbeitet bis zu 16 KanĂ€le, die allesamt individuell konfiguriert und frei zugewiesen werden können. Das bietet einerseits große Freiheiten bei der Lautsprecherwahl und deren Aufstellung, macht andererseits die Konfiguration nicht ganz einfach.

    Zur Erstellung eines Boxen-Layouts stehen unzĂ€hlige vordefinierte Konfigurationen zur Auswahl, eine ĂŒbersichtliche Tabelle gibt Auskunft darĂŒber, welche Lautsprecher bei welcher Konfiguration aktiv sind.

    Die Prozedur beginnt im MenĂŒ „Main Speaker“, wo der Nutzer entweder ein neues „Theater“ oder Hörzonen (Mono, Stereo, Kopfhörer) erstellen kann. FĂŒr Mehrkanal ist demnach „Theater“ die richtige Wahl. Wurde ein „Theater“ angelegt, erhĂ€lt man ĂŒber den Button „Configure“ eine Auflistung aller möglichen Boxen-Layouts; von Stereo bis 3D-Sound ist alles dabei. Aktive Subwoofer können ĂŒber die vier XLR-Pre-outs angeschlossen werden, passive an jeden der ĂŒbrigen 12 KanĂ€le, die sich frei den Lautsprechern zuweisen lassen. So kann der Center etwa auf Kanal 2 oder auf Kanal 12 sitzen. Allerdings kann jeder Kanal nur einmal vergeben werden. Wer etwa ein 7.1.2-Theater anlegt, dem stehen fĂŒr sein „Theater 2“ nur noch 6 KanĂ€le zur VerfĂŒgung; das reicht fĂŒr ein zusĂ€tzliches 5.1-Setup oder zwei weitere Stereo-Layouts.

    Seine Boxenauswahl darf man sich auch in einer Grafik veranschaulichen lassen. Die Farbgebung Blau, Rot oder Weiß verrĂ€t, ob es sich um native (Standard)oder duplizierte Lautsprecher handelt.

    Ein gelungenes Feature ist das Duplizieren eines Kanals auf mehrere Boxen: So lassen sich Setups mit 8 Surround-Boxen verwirklichen. FĂŒr große Heimkinos ist das durchaus sinnvoll, zumal die Kanal-Duplikate voll konfigurierbar sind, also auch in Delay, Pegel und im Bassmanagement.

    Das Boxen- bzw. Bassmanagement erlaubt neben einer frei definierbaren Crossover-Frequenz auch die Einstellung der Flankensteilheit des Crossover-Filters, zur Wahl stehen 12 dB und 24 db Abfall pro Oktave. Der TiltEQ dunkelt den Klang ab oder hellt ihn auf – praktisch etwa, falls die Boxen hinter einer schalltransparenten Leinwand stehen und man auf die Schnelle den Sound heller stellen möchte.

    Ist die Kanal-Konfiguration abgeschlossen, kann man sich ans Bass-Management wagen: Hier lĂ€sst sich fĂŒr jeden „klein“ definierten Lautsprecher die Bass-Trennfrequenz frei definieren, zusĂ€tzlich die Flankensteilheit (12 oder 24 dB). FĂŒr „groß“ definierte Boxen darf man wĂ€hlen, ob deren Bassanteile im Signal auch auf den Subwoofer dupliziert werden. Die AbstĂ€nde einzelner Boxen zum Hörplatz dĂŒrfen in Millisekunden, Fuß oder Meter (z.B. 3,84), die Pegel in 0,1-dB-Schritten justiert werden. Benutzt man die Filter der Einmessung, werden das Bassmanagement, Delay und Level gesperrt; eine nachtrĂ€gliche Bearbeitung ist nur dann möglich, wenn man das Dirac-Profil in ein neues Profil umkopiert. Dann ist auch eine Bearbeitung via Equalizer oder TiltEQ realisierbar, ebenso die Nachkorrektur von Pegel, Delay, Phase und mehr.

    Das aufwĂ€ndige Bassmanagement erlaubt fĂŒr jeden Kanal frei definierbare Crossover-Frequenzen sowie die Einstellung der Filter-Flankensteilheit mit 12 oder 24 dB Abfall pro Oktave. FĂŒr das Klang-tuning steht ein parametrischer Equalizer fĂŒr jeden der 16 KanĂ€le bereit, der zwar nicht gerade intuitiv zu bedienen, dafĂŒr aber enorm anpassungsfĂ€hig ist. Kopiert man das Dirac-Live-Profil der Einmessung in ein neues Profil, kann dieses via EQ und Boxen-Setup nach eigenen WĂŒnschen nachjustiert werden.

    VIelseitiger Equalizer

    Der parametrische Equalizer im „Astral 16“ ist eine wahre Spielwiese, auf der man seine gewĂŒnschten EQ-Kurven exakt modellieren kann. Das dauert allerdings, denn per Drag & Drop geht hier nichts. Vielmehr muss jedes Filterband ĂŒber variable Optionen definiert werden, bis zu 20 Filter stehen pro Kanal zur VerfĂŒgung.

    Der parametrische Equalizer im „Astral 16“ ist komplex und etwas umstĂ€ndlich zu bedienen, der Funktionsumfang ist aber top. Wer weiß, was er tut, kann so den Klang seines Focals exakt manipulieren.

    Mit dem „Create EQ“-Button legt man das erste Filterband an. Danach muss das „Filter Type“ ausgewĂ€hlt werden, es stehen 5 Hauptkategorien (High Pass, Low Pass, Bell, High Shelf und Low Shelf) sowie deren Subkategorien zur Auswahl. Ist die Filterart definiert, lassen sich die manipulierbare Frequenz (oder ein FQ-Bereich), Breite bzw. GĂŒte (Q) und die StĂ€rke (Gain) bestimmen. Die Änderungen werden ĂŒber farblich gekennzeichnete Grafen veranschaulicht.
    Sehr praktisch ist die Kopierfunktion, womit sich ein fertig modellierter Frequenzgang samt allen Filtern auf andere KanĂ€le ĂŒbertragen lĂ€sst; das spart enorm viel Zeit und garantiert die exakt gleichen Filter-Justagen fĂŒr jeden Kanal.

    Video und Multimedia

    Das Video-Board des „Astral 16“ unterstĂŒtzt 4K/60p-Signale, HDCP 2.2 und HDR mit Dolby Vision, HDR10 und HLG. Die 4K-Skalierung und  Video-Nachbearbeitung ĂŒberlĂ€sst der Astral 16 anderen, das GerĂ€t schleift eingehende Bildsignale unbearbeitet durch; es gibt noch nicht mal ein BildschirmmenĂŒ. Neben einem Media-Player fehlen auch Blue-tooth, AirPlay, Sprachassistenten, Web-radio oder Musikdienste. All das kostet Punkte.

    Unser Test-Sample beherrschte noch keinen eARC und erkannte an HDMI-Ausgang 1 den HDCP-2.2-Kopierschutz nicht. Ohne RĂŒckmeldung ĂŒber HDCP 2.2 skalieren UHD-Player die Bildausgabe auf Full-HD-Auflösung, so dass 4K-Blu-rays nur mit verminderter Auflösung zum Astral 16 gelangen und damit zum TV bzw. Projektor. Am HDMI-Ausgang 2 funktionierte dagegen alles problemlos. Die beiden HDMI-AusgĂ€nge sind ĂŒbrigens nicht fĂŒr den Parallelbetrieb bestimmt, da es hierbei zu HDCP-Konflikten kommt; in unserem Test war deshalb nur ein Port besetzt. Der Unterschied beider AusgĂ€nge liegt in ihrer Belegung: HDMI 1 arbeitet nach dem Standard 2.0 mit eARC, HDMI 2 nutzt den 2.0a-Standard ohne ARC. Beide Ports unterstĂŒtzten Datenraten bis 18 Gbps. 

    1.500 Watt und ein Knall

    Bei der Leistungsmessung klotzte der „Astral 16“ mit satten 315 Watt bei 5 zeitgleich aktiven KanĂ€len an 6 Ohm Last – das schaffen nur die wenigsten VerstĂ€rker. Bei der 4-Ohm-Messung machte dann jedoch die Sommerhitze in unserem Labor dem Kraftmeier die Arbeit schwer und schickte den Boliden mit lautem Klack einer durchbrennenden Sicherung in die Zwangspause. Hier rĂ€chen sich die fehlenden LĂŒftungsschlitze am Deckel. Nach erfolgreichem Austausch der Feinsicherung – dies ist durch das Herausziehen einer Halterung an der GehĂ€userĂŒckseite problemlos möglich – beschlossen wir, das Wetter als „höhere Macht“ gelten zu lassen und den „Astral 16“ bei der Ermittlung der restlichen Leistungswerte nicht mehr ganz auszureizen, sprich nicht mehr die 1% Klirr anzuvisieren. Die von uns ermittelten Werte entsprechen daher nicht der Maximalleistung, sondern bewegen sich im oberen Drittel. Im Alltag ist die zeitgleiche Vollauslastung aber ohnehin nicht anzutreffen – und Stereo-Werte um 450 (4 Ohm) sowie Mehrkanal-Power um 300 (5.1) bzw. 200 Watt (7.1) sind ĂŒber jeden Zweifel erhaben und bringen die maximale Punktzahl. Trotz aller Vorsicht verabschiedete sich im 7-Kanal-Betrieb an 4-Ohm-Last auch die Ersatzsicherung, hier lieferte der „Astral 16“ noch rund 150 Watt pro Kanal, bevor es knallte.

    TonqualitÀt

    In weiser Voraussicht erfolgt die Leistungsmessung bei unserem Testprozedere stets zum Schluss, so dass der Hörtest nicht ins Wasser bzw. der Hitze zum Opfer fiel. Hier spielte der Focal seine ĂŒppigen Kraftreserven voll aus. So eine straffe, trockene und kontrollierte Basswiedergabe haben wir selten gehört. Bei derber Action-Kost wie „Operation: Overlord“ (Dolby Atmos) sorgte das wuchtige Tiefton-Fundament fĂŒr regelrechte Erdbeben -– und das ganz spielend ohne den Hauch von Anstrengung und Verzerrung, so dass man selbst bei Pegeln jenseits von Gut und Böse noch das GefĂŒhl hatte: „Da geht noch mehr!“ Auch die explosive Dynamik der 12 Endstufen trug maßgeblich zum Wow-Erlebnis bei. Zum Leidwesen lĂ€rmgeplagter Familienmitglieder funktionierte im Test die Schaltung zur Dynamikreduktion nur bei Dolby-Ton, nicht aber DTS-Streams.

    Die „StormRemote“ von Storm Audio soll die klassische Fernbedienung ersetzen.

    Nichts zu meckern gab es an der RĂ€umlichkeit der Darbietung: Effekte standen enorm plastisch im Raum; Breite, Tiefe und GrĂ¶ĂŸe des Klangfelds ließen keine WĂŒnsche offen. Auch auf den Deckenboxen spielte der „Astral 16“ ausgesprochen ĂŒberzeugend und schob die Effekte diverser Atmos-Trailer ungemein prĂ€zise und rĂ€umlich ĂŒber unsere Köpfe.

    Viel Freude bereitete auch Mehrkanal-Musik: Sara K‘s ultra-audiophile SACD „Hell or High Water“ verströmte viel AuthentizitĂ€t und Unmittelbarkeit, auch weil der „Astral 16“ dem Sound nichts hinzufĂŒgt oder etwas weglĂ€sst. Da passt das Gesamtbild, hier stimmt die Harmonie im Ganzen wie im Detail. Klassische Musik mag der Focal besonders. Ob unsere viel genutzten Bach-Kantaten im 5.1-Mix oder Debussys „PrĂ©lude Ă  l‘aprĂšs-midi d‘un faune“ im Auro 3D-Sound – der „Astral 16“ behielt stets den Überblick, arbeitete feinste Details klar heraus und verlieht der Musik eine majestĂ€tische Kraft und Ruhe, die den meisten AV-Receivern fehlt.

    Zudem war das Hören von Stereo-Musik ein Genuss: High-End-Aufnahmen versprĂŒhten viel AuthentizitĂ€t und klangen nicht nur transparent und luftig, sondern auch klar und knackig im Tiefton. Selbst aus mauen bis mittelprĂ€chtigen Aufnahmen holte er erstaunlich viel heraus und brachte Ordnung wie Straffheit ins Musik-geschehen. Harsch, spitz oder unangenehm spielte der „Astral 16“ zu keinem Zeitpunkt, stattdessen faszinierte seine unbestechlich-neutrale Spielweise.

    Kritik ist jedoch an anderer Stelle angebracht: Das erstmalige Erkennen eines eingehenden Tonsignals dauert bei Dolby- und DTS-Streams recht lange. Das mag beim Start eines Films nicht auffallen, stört jedoch umso mehr beim Skippen durch eine SACD oder Pure-Audio-BD: Dann fehlen nÀmlich am Anfang eines jeden Songs einige Takte. Steht zu hoffen, dass dieses Problem per Firmware-Update behoben wird.              

        

    Der Testbericht Focal Astral 16 (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 20000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2019 erschienen.

    Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.

    • Focal Astral 16 (audiovision 8-2019)In den Warenkorb

      Focal Astral 16 (audiovision 8-2019)

      PDF-Download €1,99

    AV-Fazit

    89 sehr gut

    Focals 16-Kanal-VerstĂ€rker „Astral 16“ bietet ĂŒberragenden Klang bei unbĂ€ndiger Leistung mit 12 Endstufen. Dass er es nicht in unsere Referenz-Klasse schafft, liegt an der lĂŒckenhaften Ausstattung und der wenig komfortablen Bedienung.
    Andreas Oswald

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