Focal schickt sich an, den High-End-Surround-Markt aufzumischen. 20.000 Euro kostet der neue âAstral 16â, der 3 Netzteile fĂŒr insgesamt 12 Endstufen bietet. Ansteuern kann der Bolide sogar 16 KanĂ€le, woher auch der Name rĂŒhrt.
Surround-VerstĂ€rker fĂŒr High-Ender sind dĂŒnn gesĂ€t. Zu Trinnov, Storm Audio oder McIntosh gesellen sich nun die Franzosen von Focal. Deren âAstral 16â schlĂ€gt mit 20.000 Euro zu Buche â ein Preis, fĂŒr den nicht wenige ein komplettes Heimkino bauen. Das viel zitierte Preis-/Leistungs-VerhĂ€ltnis spielt bei High-End-Audio allerdings ohnehin nur eine untergeordnete Rolle, denn hier zĂ€hlen in erster Linie ExklusivitĂ€t und Luxus. Ob ein GerĂ€t das Geld bis auf den letzten Euro wert ist, steht damit nicht zur Debatte. Ob Technik und Ausstattung ĂŒberzeugen, dagegen schon.

Die Geburt des âAstral 16â erfolgte in Kooperation mit den französischen Kollegen von Immersive Audio Technologies, die ihre Produkte unter dem Label Storm Audio an den Mann bringen. Offensichtlich ist die Verwandtschaft zum AV-VerstĂ€rker âI.ISP 3D.16.12â, der Focals âAstral 16â in Design, Ausstattung und Funktionsumfang â um es mal vorsichtig zu formulieren â Ă€hnelt. Mit unserer Beobachtung konfrontiert schrieb Focal-Produkt-Manager Andreas Hostmann: âDer Astral 16 ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Focal und Immersive Audio Technologies aus dem Jahr 2018. Er ist also neuer als der I.ISP 3D.16.12 und hat zusĂ€tzliche Funktionen.â

FĂŒr einen Test zur MarkteinfĂŒhrung konnte uns Focal leider kein 100-prozentiges SeriengerĂ€t zur VerfĂŒgung stellen, daher hatte der 20-Kilo-Bolide mit einigen Wehwehchen zu kĂ€mpfen, die noch behoben werden sollen. Um was es sich dabei handelt, erfahren Sie auf den folgenden Seiten.
Kompletter 3D-Sound
Wie bei High-End-GerĂ€ten ĂŒblich, beschrĂ€nkt sich der âAstral 16â auf das Wesentliche: Streaming, Radio, DSP-Klangprogramme und Sprach-Assistenten bleiben auĂen vor. Im Gegenzug bekommt der 3D-Klangfreund ein dickes Paket geschnĂŒrt, denn neben Dolby Atmos und DTS:X ist auch Auro 3D an Bord. Und die 12 Endstufen erlauben 7.1.5-Sound inklusive Voice-of-God-Kanal ohne externe VerstĂ€rker. ZusĂ€tzlich sind 4 XLR-Pre-outs vorhanden, die sich frei den Lautsprechern zuweisen lassen. Damit sind Layouts mit 4 aktiven Subwoofern kein Problem. Dank Multiroom-Management ist zudem die Beschallung einer zweiten Hörzone möglich â aktiv wie passiv. Das Boxen-Management ist aber eine Herausforderung. Die Einmessung aller Lautsprecher erfolgt ĂŒber das hochwertige âDirac Liveâ-System, das auch Arcam fĂŒr seine AV-GerĂ€te einsetzt. Zur Nutzung der Dirac Live-Software wird ein PC oder Mac mit jĂŒngerem Betriebssystem benötigt. Zum Lieferumfang gehört ein kalibriertes Messmikrofon der Marke miniDSP sowie ein kleiner Mikro-StĂ€nder.
Mikrofon an den AV-Receiver stöpseln, im MenĂŒ âEinmessung startenâ drĂŒcken und schon geht es los. So einfach kann die Lautsprecher-Kalibrierung sein, bei Focal lĂ€uft der Hase aber anders bzw. komplizierter.
Die erste HĂŒrde fĂ€llt noch gering aus, denn man benötigt einen PC- oder Mac-Rechner zur Installation der âDirac Liveâ-Mess-Software. Diese kann man kostenlos von der Dirac-Webseite www.dirac.com laden und benötigt in der neuesten Version Windows 10 oder MacOS Mojave. Auf nicht mehr ganz aktuellen Rechnern könnte âDiracâ daher nicht mehr laufen, so geschehen bei einem GroĂteil unserer Redaktions-Computer. Das Mess-Mikrofon UMIK-1 des Herstellers miniDSP gehört zum Lieferumfang, die dazugehörige Kalibrierungsdatei mussten wir nach Eingabe der Mikro-Seriennummer von der miniDSP-Webseite laden. Nach dem Anschluss des Mikros am PC lĂ€sst sich ĂŒber Dirac Live die Kalibrierungsdatei dem Mikro zuordnen, das System ist nun einsatzbereit.
Anders der âAstral 16â, denn hier mĂŒssen zuerst alle Lautsprecher manuell konfiguriert werden (siehe Kasten Seite 17). Aktiviert man im Boxen-MenĂŒ den Button âDIRACâ, taucht in der Dirac-Software am externen PC der âAstral 16â im MenĂŒ auf â vorausgesetzt PC und VerstĂ€rker befinden sich im gleichen Netzwerk. Haben sich beide einmal gefunden, kann die eigentliche Einmessung aller Boxen beginnen.
Nach Auswahl des Mikrofons in âDirac Liveâ erfolgt das Einpegeln aller Lautsprecher auf eine annĂ€hernd gleiche LautstĂ€rke. Die unverstĂ€ndliche und nur in Englisch verfĂŒgbare Hilfefunktion des Programms darf man ignorieren und sollte gleich zur Bedienungsanleitung (zum Testzeitpunkt auch nur auf Englisch erhĂ€ltlich) greifen. So muss man den âMic gainâ (Mikrofon-Empfindlichkeit) auf +100 dB stellen und den âMaster outputâ (HauptlautstĂ€rke) schrittweise erhöhen; mit -20 dB klappte es gut. Ăber den Play-Button der einzelnen KanĂ€le lĂ€sst sich ein Testrauschen abspielen, die Pegelanzeige sollte hierbei innerhalb des grĂŒn markierten Bereichs (nicht im Bild zu sehen) liegen. Hat man alle KanĂ€le in etwa auf den gleichen Pegel gebracht, folgt die Sitzauswahl (âArrangementâ); zur Option stehen Sessel oder Sofa, jede Sitzart berĂŒcksichtigt bis zu 9 Messpositionen.

Das Beste kommt zum Schluss: Nach der Einmessung aller Lautsprecher darf man im Punkt âFilter Designâ seine eigene Zielkurve modellieren, auf deren Basis Dirac die Frequenzgang-Korrektur vornimmt. Im letzten Schritt werden die Daten an den âAstral 16â ĂŒbertragen und dort als Preset gespeichert. Es empfiehlt sich, die Daten der Einmessung auch lokal oder auf seinem optionalen Dirac-Account zu hinterlegen. Andernfalls mĂŒsste man fĂŒr das Anlegen einer neuen Zielkurve die Einmessung wiederholen.

50 Zentimeter, 20 Kilo
Bei den Ă€uĂeren Werten setzt Focal auf Understatement, denn das minimalistische Design mutet eher wie das eines professionellen StudiogerĂ€ts an. Alles andere als knauserig sind die Abmessungen, denn die knapp 50 Zentimeter Tiefe (und 44 cm Breite) bauchen ihren Platz. 20 Kilo sollten hingegen die meisten Möbel stemmen, die Flaggschiffe von Pioneer, Yamaha & Co. wiegen praktisch genauso viel. Das MetallgehĂ€use samt 12 Millimeter dicker Front ist sauber verarbeitet und ziemlich robust. Einen Blick ins Innenleben gewĂ€hren wir auf der nĂ€chsten Seite.

Die Front ziert ein groĂes TFT-Display mit den wichtigsten Informationen, dazu gibt es 3 Eingabe-tasten und den Volume-Regler. Auf der RĂŒckseite stechen die 12 massiven, vergoldeten und mit transparentem Plastik isolierten Boxen-Terminals hervor. Lose Litzen lassen sich dank KabelfĂŒhrungen kurzschlusssicher verschrauben, die Terminals akzeptieren allerdings auch Bananenstecker. Zu 7 HDMI-EingĂ€ngen gesellen sich 2 AusgĂ€nge. Suboptimal platziert sind die Schauben direkt ĂŒber allen HDMI-Buchsen, die zum Verschrauben spezieller HDMI-Stecker mit Halter gedacht sind. Bei normalen HDMI-Kabeln verhindern diese Schrauben jedoch das vollstĂ€ndige EinfĂŒhren von Steckern mit groĂem Kopf. NatĂŒrlich kann man die Schrauben entfernen, dann sind die HDMI-Buchsen aber anfĂ€lliger fĂŒr Belastungen. Â

Auf Audio-Seite gibt es 3-mal Koax, 3-mal Toslink und 4 analoge Cinch-PĂ€rchen zum Anschluss von Tonquellen. Die 4 XLR-VorverstĂ€rkerausgĂ€nge lassen sich wie bereits erwĂ€hnt zum Anschluss aktiver Subwoofer nutzen. Obendrein verfĂŒgt der âAstral 16â ĂŒber 2 zusĂ€tzliche XLR-Outputs, die stets einen Stereo-Downmix aller anliegenden Signale ausgeben. 2 USB-Buchsen und der Ethernet-Port sorgen fĂŒr Datenaustausch, hinzu kommen 4 Trigger-Outputs sowie je ein IR-Input bzw. IR-Ouput zum Fernsteuern ĂŒber externe Lösungen. Um seinen High-End-Anspruch zu untermauern, ist das GerĂ€t zudem kompatibel mit Home-Automation-Systemen von Crestron, Control4, Savant und RTI.

Komplexe Bedienung
Beim Thema Bedienung gehört Plug&Play nicht zu den Tugenden, ein grĂŒndliches Studium der Betriebsanleitung ist Pflicht. Ebenso ein PC, MAC oder Tablet, denn die Grundeinrichtung funktioniert ausschlieĂlich ĂŒber einen Internet-Browser, der via IP-Adresse auf das Web-Interface des âAstral 16â zugreift. Auch die alltĂ€gliche Steuerung (Volume, Quellenwahl, EQ etc.) kann so erfolgen, komfortabler ist jedoch die Bedienung via App fĂŒr iOS- und Android-GerĂ€te. Die App stammt ĂŒbrigens nicht von Focal, sondern von Storm Audio. Eine klassische Fernbedienung, ĂŒber die sich auch jeder High-Ender freuen wĂŒrde, gibt es hingegen nicht. FĂŒr App-Muffel ist das GerĂ€t kompatibel mit der Universal-Fernbedienung Logitech Harmony.

16 KanÀle, alle 3D-Tonformate
Neben Dolby Atmos und DTS:X beherrscht der âAstral 16â auch Auro 3D. NatĂŒrlich sind die Upmixer Dolby Surround, DTS Neural:X und AuroMatic ebenfalls an Bord, mit denen das Cross-Format-Upmixing möglich ist; eine Ausnahme bilden die nativen 3D-Ton-Streams. AuĂer einem Stereo-Downmixer, der alle Tonformate in ein 2.0-Signal mĂŒnzt, gibt es keine Klangprogramme.
Die 16 KanĂ€le lassen sich in mannigfaltigen Konfigurationen betreiben, 3D-Sound ist mit bis zu 6 DeckenkanĂ€len möglich. 3 Netzteile versorgen je 4 Digital-Endstufen, weitere 4 XLR-Pre-outs machen den Astral 16 zum Multitalent fĂŒr jedes Heimkino sowie fĂŒr Multiroom-Installationen: Es lassen sich so viele Boxen-Layouts anlegen, bis alle KanĂ€le âaufgebrauchtâ sind, also etwa ein 7.1-System plus ein 5.1-System plus Stereo-Boxen.
Focals âAstral 16â verarbeitet bis zu 16 KanĂ€le, die allesamt individuell konfiguriert und frei zugewiesen werden können. Das bietet einerseits groĂe Freiheiten bei der Lautsprecherwahl und deren Aufstellung, macht andererseits die Konfiguration nicht ganz einfach.

Die Prozedur beginnt im MenĂŒ âMain Speakerâ, wo der Nutzer entweder ein neues âTheaterâ oder Hörzonen (Mono, Stereo, Kopfhörer) erstellen kann. FĂŒr Mehrkanal ist demnach âTheaterâ die richtige Wahl. Wurde ein âTheaterâ angelegt, erhĂ€lt man ĂŒber den Button âConfigureâ eine Auflistung aller möglichen Boxen-Layouts; von Stereo bis 3D-Sound ist alles dabei. Aktive Subwoofer können ĂŒber die vier XLR-Pre-outs angeschlossen werden, passive an jeden der ĂŒbrigen 12 KanĂ€le, die sich frei den Lautsprechern zuweisen lassen. So kann der Center etwa auf Kanal 2 oder auf Kanal 12 sitzen. Allerdings kann jeder Kanal nur einmal vergeben werden. Wer etwa ein 7.1.2-Theater anlegt, dem stehen fĂŒr sein âTheater 2â nur noch 6 KanĂ€le zur VerfĂŒgung; das reicht fĂŒr ein zusĂ€tzliches 5.1-Setup oder zwei weitere Stereo-Layouts.

Ein gelungenes Feature ist das Duplizieren eines Kanals auf mehrere Boxen: So lassen sich Setups mit 8 Surround-Boxen verwirklichen. FĂŒr groĂe Heimkinos ist das durchaus sinnvoll, zumal die Kanal-Duplikate voll konfigurierbar sind, also auch in Delay, Pegel und im Bassmanagement.

Ist die Kanal-Konfiguration abgeschlossen, kann man sich ans Bass-Management wagen: Hier lĂ€sst sich fĂŒr jeden âkleinâ definierten Lautsprecher die Bass-Trennfrequenz frei definieren, zusĂ€tzlich die Flankensteilheit (12 oder 24 dB). FĂŒr âgroĂâ definierte Boxen darf man wĂ€hlen, ob deren Bassanteile im Signal auch auf den Subwoofer dupliziert werden. Die AbstĂ€nde einzelner Boxen zum Hörplatz dĂŒrfen in Millisekunden, FuĂ oder Meter (z.B. 3,84), die Pegel in 0,1-dB-Schritten justiert werden. Benutzt man die Filter der Einmessung, werden das Bassmanagement, Delay und Level gesperrt; eine nachtrĂ€gliche Bearbeitung ist nur dann möglich, wenn man das Dirac-Profil in ein neues Profil umkopiert. Dann ist auch eine Bearbeitung via Equalizer oder TiltEQ realisierbar, ebenso die Nachkorrektur von Pegel, Delay, Phase und mehr.
Das aufwĂ€ndige Bassmanagement erlaubt fĂŒr jeden Kanal frei definierbare Crossover-Frequenzen sowie die Einstellung der Filter-Flankensteilheit mit 12 oder 24 dB Abfall pro Oktave. FĂŒr das Klang-tuning steht ein parametrischer Equalizer fĂŒr jeden der 16 KanĂ€le bereit, der zwar nicht gerade intuitiv zu bedienen, dafĂŒr aber enorm anpassungsfĂ€hig ist. Kopiert man das Dirac-Live-Profil der Einmessung in ein neues Profil, kann dieses via EQ und Boxen-Setup nach eigenen WĂŒnschen nachjustiert werden.
Der parametrische Equalizer im âAstral 16â ist eine wahre Spielwiese, auf der man seine gewĂŒnschten EQ-Kurven exakt modellieren kann. Das dauert allerdings, denn per Drag & Drop geht hier nichts. Vielmehr muss jedes Filterband ĂŒber variable Optionen definiert werden, bis zu 20 Filter stehen pro Kanal zur VerfĂŒgung.

Mit dem âCreate EQâ-Button legt man das erste Filterband an. Danach muss das âFilter Typeâ ausgewĂ€hlt werden, es stehen 5 Hauptkategorien (High Pass, Low Pass, Bell, High Shelf und Low Shelf) sowie deren Subkategorien zur Auswahl. Ist die Filterart definiert, lassen sich die manipulierbare Frequenz (oder ein FQ-Bereich), Breite bzw. GĂŒte (Q) und die StĂ€rke (Gain) bestimmen. Die Ănderungen werden ĂŒber farblich gekennzeichnete Grafen veranschaulicht.
Sehr praktisch ist die Kopierfunktion, womit sich ein fertig modellierter Frequenzgang samt allen Filtern auf andere KanĂ€le ĂŒbertragen lĂ€sst; das spart enorm viel Zeit und garantiert die exakt gleichen Filter-Justagen fĂŒr jeden Kanal.
Video und Multimedia
Das Video-Board des âAstral 16â unterstĂŒtzt 4K/60p-Signale, HDCP 2.2 und HDR mit Dolby Vision, HDR10 und HLG. Die 4K-Skalierung und Video-Nachbearbeitung ĂŒberlĂ€sst der Astral 16 anderen, das GerĂ€t schleift eingehende Bildsignale unbearbeitet durch; es gibt noch nicht mal ein BildschirmmenĂŒ. Neben einem Media-Player fehlen auch Blue-tooth, AirPlay, Sprachassistenten, Web-radio oder Musikdienste. All das kostet Punkte.
Unser Test-Sample beherrschte noch keinen eARC und erkannte an HDMI-Ausgang 1 den HDCP-2.2-Kopierschutz nicht. Ohne RĂŒckmeldung ĂŒber HDCP 2.2 skalieren UHD-Player die Bildausgabe auf Full-HD-Auflösung, so dass 4K-Blu-rays nur mit verminderter Auflösung zum Astral 16 gelangen und damit zum TV bzw. Projektor. Am HDMI-Ausgang 2 funktionierte dagegen alles problemlos. Die beiden HDMI-AusgĂ€nge sind ĂŒbrigens nicht fĂŒr den Parallelbetrieb bestimmt, da es hierbei zu HDCP-Konflikten kommt; in unserem Test war deshalb nur ein Port besetzt. Der Unterschied beider AusgĂ€nge liegt in ihrer Belegung: HDMI 1 arbeitet nach dem Standard 2.0 mit eARC, HDMI 2 nutzt den 2.0a-Standard ohne ARC. Beide Ports unterstĂŒtzten Datenraten bis 18 Gbps.Â
1.500 Watt und ein Knall
Bei der Leistungsmessung klotzte der âAstral 16â mit satten 315 Watt bei 5 zeitgleich aktiven KanĂ€len an 6 Ohm Last â das schaffen nur die wenigsten VerstĂ€rker. Bei der 4-Ohm-Messung machte dann jedoch die Sommerhitze in unserem Labor dem Kraftmeier die Arbeit schwer und schickte den Boliden mit lautem Klack einer durchbrennenden Sicherung in die Zwangspause. Hier rĂ€chen sich die fehlenden LĂŒftungsschlitze am Deckel. Nach erfolgreichem Austausch der Feinsicherung â dies ist durch das Herausziehen einer Halterung an der GehĂ€userĂŒckseite problemlos möglich â beschlossen wir, das Wetter als âhöhere Machtâ gelten zu lassen und den âAstral 16â bei der Ermittlung der restlichen Leistungswerte nicht mehr ganz auszureizen, sprich nicht mehr die 1% Klirr anzuvisieren. Die von uns ermittelten Werte entsprechen daher nicht der Maximalleistung, sondern bewegen sich im oberen Drittel. Im Alltag ist die zeitgleiche Vollauslastung aber ohnehin nicht anzutreffen â und Stereo-Werte um 450 (4 Ohm) sowie Mehrkanal-Power um 300 (5.1) bzw. 200 Watt (7.1) sind ĂŒber jeden Zweifel erhaben und bringen die maximale Punktzahl. Trotz aller Vorsicht verabschiedete sich im 7-Kanal-Betrieb an 4-Ohm-Last auch die Ersatzsicherung, hier lieferte der âAstral 16â noch rund 150 Watt pro Kanal, bevor es knallte.
TonqualitÀt
In weiser Voraussicht erfolgt die Leistungsmessung bei unserem Testprozedere stets zum Schluss, so dass der Hörtest nicht ins Wasser bzw. der Hitze zum Opfer fiel. Hier spielte der Focal seine ĂŒppigen Kraftreserven voll aus. So eine straffe, trockene und kontrollierte Basswiedergabe haben wir selten gehört. Bei derber Action-Kost wie âOperation: Overlordâ (Dolby Atmos) sorgte das wuchtige Tiefton-Fundament fĂŒr regelrechte Erdbeben -â und das ganz spielend ohne den Hauch von Anstrengung und Verzerrung, so dass man selbst bei Pegeln jenseits von Gut und Böse noch das GefĂŒhl hatte: âDa geht noch mehr!â Auch die explosive Dynamik der 12 Endstufen trug maĂgeblich zum Wow-Erlebnis bei. Zum Leidwesen lĂ€rmgeplagter Familienmitglieder funktionierte im Test die Schaltung zur Dynamikreduktion nur bei Dolby-Ton, nicht aber DTS-Streams.

Nichts zu meckern gab es an der RĂ€umlichkeit der Darbietung: Effekte standen enorm plastisch im Raum; Breite, Tiefe und GröĂe des Klangfelds lieĂen keine WĂŒnsche offen. Auch auf den Deckenboxen spielte der âAstral 16â ausgesprochen ĂŒberzeugend und schob die Effekte diverser Atmos-Trailer ungemein prĂ€zise und rĂ€umlich ĂŒber unsere Köpfe.
Viel Freude bereitete auch Mehrkanal-Musik: Sara Kâs ultra-audiophile SACD âHell or High Waterâ verströmte viel AuthentizitĂ€t und Unmittelbarkeit, auch weil der âAstral 16â dem Sound nichts hinzufĂŒgt oder etwas weglĂ€sst. Da passt das Gesamtbild, hier stimmt die Harmonie im Ganzen wie im Detail. Klassische Musik mag der Focal besonders. Ob unsere viel genutzten Bach-Kantaten im 5.1-Mix oder Debussys âPrĂ©lude Ă lâaprĂšs-midi dâun fauneâ im Auro 3D-Sound â der âAstral 16â behielt stets den Ăberblick, arbeitete feinste Details klar heraus und verlieht der Musik eine majestĂ€tische Kraft und Ruhe, die den meisten AV-Receivern fehlt.
Zudem war das Hören von Stereo-Musik ein Genuss: High-End-Aufnahmen versprĂŒhten viel AuthentizitĂ€t und klangen nicht nur transparent und luftig, sondern auch klar und knackig im Tiefton. Selbst aus mauen bis mittelprĂ€chtigen Aufnahmen holte er erstaunlich viel heraus und brachte Ordnung wie Straffheit ins Musik-geschehen. Harsch, spitz oder unangenehm spielte der âAstral 16â zu keinem Zeitpunkt, stattdessen faszinierte seine unbestechlich-neutrale Spielweise.
Kritik ist jedoch an anderer Stelle angebracht: Das erstmalige Erkennen eines eingehenden Tonsignals dauert bei Dolby- und DTS-Streams recht lange. Das mag beim Start eines Films nicht auffallen, stört jedoch umso mehr beim Skippen durch eine SACD oder Pure-Audio-BD: Dann fehlen nĂ€mlich am Anfang eines jeden Songs einige Takte. Steht zu hoffen, dass dieses Problem per Firmware-Update behoben wird.       Â
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Der Testbericht Focal Astral 16 (Gesamtwertung: 89, Preis/UVP: 20000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 8-2019 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhÀltlich.
AV-Fazit
Focals 16-Kanal-VerstĂ€rker âAstral 16â bietet ĂŒberragenden Klang bei unbĂ€ndiger Leistung mit 12 Endstufen. Dass er es nicht in unsere Referenz-Klasse schafft, liegt an der lĂŒckenhaften Ausstattung und der wenig komfortablen Bedienung.
Andreas Oswald

