Beim EH-LS650B bewirbt Epson erstmals sein dynamisches Tone Mapping, um HDR-Inhalte bestmöglich zu projizieren. Doch der jüngste Zugang der EpiqVision-Projektor-Serie hat noch erheblich mehr zu bieten, wie unser Test zeigt.
Epson will das Home-Entertainment-Erlebnis mit dem EH-LS650B erweitern, für den das Unternehmen einen Preis von 2.700 Euro aufruft. Den Projektor gibt es in den Farben Schwarz (EH-LS650B) und Weiß (EH-LS650W). Mit 7,4 Kilogramm und den Maßen von 46,7 x 40 x 15,3 Zentimeter (Breite / Tiefe / Höhe) fällt der Ultrakurzdistanz-Projektor (im Volksmund gerne auch LaserTV genannt) angenehm kompakt aus und passt auf alle gängigen Sideboards.
Das Design ist nicht nur optisch gefällig, sondern punktet mit durchdachter Bedienmöglichkeit und einem Anschlussfeld, das komplett auf der Rückseite des Gehäuses eingelassen ist. Praktisch ist der Fokus-Regler, der sich hinter einer Klappe auf der rechten Seite befindet, um die Schärfe für unterschiedliche Bildgrößen exakt einzustellen. Erfreulich finden wir, dass die maximale Leistungsaufnahme mit 163 Watt im Betrieb überraschend deutlich unter der Herstellerangabe von 264 Watt (Peak) liegt. Vergleichbar helle Lampenprojektoren haben wir schon mit viermal so viel Stromverbrauch gemessen. Einen klassischen Ausschalter gibt es nicht, um den Projektor komplett vom Stromnetz zu trennen – was in Anbetracht eines Stromverbrauchs von 0,2 Watt im Standby aber nicht weiter tragisch ist.
Der Luftfilter sollte regelmäßig gereinigt werden. Ersatz bietet Epson für knapp 30 Euro an. Wer eine passende Leinwand für den Ultrakurzdistanz-Projektor sucht, wird ebenfalls bei Epson fündig. Die 100-Zoll-Variante (ALR-Screen ELPSC35) kostet 850 Euro, das 120-Zoll-Tuch (ALR-Screen ELPSC36) 1.150 Euro.
Die Tastatur auf der Fernbedienung ist nicht hinterleuchtet. Sie bietet Direktwahltasten für Sprachsteuerung, Mainmenü, Bildeinstellungen, Lautsprecher-Pegeleinstellung und Helligkeitsregelung für die Laserdioden.



Neben dieser Helligkeitsregelung gibt es die digitalen Kontrastverstärker. Diese verändern unabhängig von der obigen Laserlicht-Regelung die Gammakurve je nach Inhalten. Vor allem dunkle Bereiche werden angehoben. Hierbei interagieren die drei Tools „Super-resolution“, „Auto Kontrast Anhebung“ und „Szenen-adapt. Gamma“.



Ausstattung und Technik
Wie schon der große und 1.000 Euro teurere Bruder EH-LS800 (Test in 1-2023) besitzt auch der EH-LS650B die 3LCD-Technologie von Epson mit drei 0,62 Zoll große Cine-Fine-Chips und nativer Full-HD-Auflösung. Via 4K-Enhancement erfolgt die UHD-Darstellung sequentiell, indem die Pixel diagonal verschoben projiziert werden. Die Full-HD-Auflösung wird auf diese Weise verdoppelt.
Als Lichtquelle sind moderne Laserdioden verbaut, deren Lebensdauer auf 10 Jahre beziffert wird, wenn der Beamer fünf Stunden täglich genutzt wird. Das entspricht über 18.000 Stunden, bis sich die Lichtausbeute halbiert. Epson ist so von der Langlebigkeit seines Projektors überzeugt, dass es fünf Jahre oder 12.000 Stunden Garantie (was zuerst eintrifft) auf den EH-LS650 gibt.
Während alle Ein-Chip-DLP-Projektoren den berüchtigten Regenbogen-Effekt mehr oder weniger stark erzeugen, tritt dieser beim EH-LS650B nicht auf. Hintergrund: Dank der 3LCD-Technologie werden die Farben bereits im Gerät „zusammengesetzt“ und anschließend projiziert.
Die High-Dynamic-Range-Technologien HDR10 und HLG werden unterstützt. Dafür kommt ein dynamisches Tone Mapping zum Einsatz (siehe Kasten nächste Seite). Dolby Vision und HDR10+ sind nicht an Bord. Diverse dynamische Helligkeitsregelungen erhöhen den Kontrastumfang. Ein Augenschutz soll neugierige Gemüter vor möglichen Sehschäden bewahren. Hierfür registrieren Umgebungssensoren, wenn sich jemand der Laserlicht-Quelle zu dicht nähert, und schalten diese dann aus. Ab Werk ist das Tool eingeschaltet, kann aber im Menü deaktiviert werden.
Android TV ist als Betriebssystem installiert und für Streaming und Smartfunktionen zuständig. Überdies wird Chromecast unterstützt. Zahlreiche Apps sind vorinstalliert, weitere können über den Google Play Store heruntergeladen werden. Dazu gehören natürlich auch kostenpflichtige Dienste wie Disney+, AppleTV, Prime Video und Zattoo. Wünschenswert wären noch Antennenanschlüsse, CI-Slot und Tuner, um einen Fernseher vollständig zu ersetzen.


Mit der „Panelkalibrierung“ hat Epson dem EHLS650 ein Feature spendiert, mit dem der Nutzer die Konvergenz exakt einstellen kann. Entweder auf der gesamten Bildfläche oder mittels 4-Ecken-Anpassung. Bei Letzterer können jeweils in einem Viertel des Bildes RGB horizontal und vertikal angepasst werden. Das gelingt in der Praxis so gut, dass wir nach der Anpassung keine Konvergenzfehler mehr ausmachen können. Sinnvoll ist dieses Tool, weil durch die extreme Weitwinkel-Optik des Beamers Farbsäume abhängig von der Bildgröße auftreten können.


Installation und Bedienung
Direkt nach dem Einschalten drehen die Lüfter mächtig auf, um mögliche Staubablagerungen aus dem Gerät zu blasen. Das hört sich fast an wie ein leiser Staubsauger und dauert rund 10 Sekunden, danach läuft der Epson mit 25 Dezibel flüsterleise.
Das Installations-Menü nimmt den Nutzer direkt an die Hand und führt diesen durch das Einstellprozedere. Sprachauswahl und Netzwerkeinstellung gelingen im Handumdrehen. Die Verbindung mit unserem Google-Konto funktioniert via Smartphone oder On-Screen-Tastatur. Die Bildanpassung erfolgt mit Epsons Setting Assistant App, die das Bild mit einem Klick automatisch ausrichtet. Dafür wird ein Smartphone benötigt. Alternativ kann das Bild manuell ausgerichtet werden. Dank 4-Ecken-Anpassung wird eine Leinwand geometrisch perfekt ausgeleuchtet, auch wenn Sideboard oder Bildwand nicht ganz in Waage sein sollten. Die hinteren Standfüße können zur Nivellierung separat herausgedreht werden.
Aus einer Distanz von gerade mal 13 Zentimetern wird bereits eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand formatfüllend ausgeleuchtet. Laut Epson können Projektionsflächen von 1,33 Meter (60 Zoll) bis 2,66 Meter (120 Zoll) verwendet werden. Viel größere Bildbreiten sind nicht wirklich sinnvoll, weil der Fokusregler limitiert ist und der Wandabstand für viele Sideboards zu groß werden könnte. Zu den rund 15 Zentimetern Distanz für 120 Zoll kommen noch 40 Zentimeter Gehäusetiefe, so dass der Wandabstand der Vorderseite rund 55 Zentimeter beträgt.
Der Fokus ist über die gesamte Bildfläche ordentlich. Von üblichen Sitzabständen sind keine Defizite auszumachen, so dass das Menü durchweg scharf abgebildet wird, ebenso wie Texte und Laufschriften vom Live-Ticker diverser TV-Sendungen.
Die Fernbedienung besitzt keine hinterleuchteten Tasten. Diese sind jedoch so logisch angeordnet, dass wir auch in dunkler Umgebung treffsicher durch das OSD (On Screen Display) navigieren können. Selbst die Sprachsteuerung funktioniert fehlerfrei. Der Eingangswechsel geht zügig vonstatten. Der Handshake dauert nur wenige Sekunden.
Licht und Farbe
Der Epson EH-LS650B wird im Farbmodus „Lebendig“ ausgeliefert, der mit 7.776 Kelvin sichtbar zu kühle Farben darstellt. Daher wechseln wir auf „Kino“. Hier macht die Farbtemperatur mit 6502 Kelvin nominell eine Punktlandung. Allerdings verzeichnen wir ein leichtes Gründefizit, so dass der D65-Punkt nicht exakt getroffen wird. Das HDTV-Farbspektrum fällt rund sieben Prozent größer aus als der Farbraum Rec.709. Grün und Gelb sind dadurch etwas gesättigter. Der HDR-Farbraum DCI-P3 wird mit 85 Prozent abgedeckt. Hier weisen Rot, Grün und Cyan eine zu geringe Sättigung aus, was für etwas blassere Farben von UHD-Inhalten sorgt. Korrigieren lassen sich die Abweichungen leider nicht, weil es dem EH-LS650B an den benötigten Reglern fehlt. Aus diesem Grund ist es schon mal gut, dass bereits in der Werkseinstellung natürlich wirkende Farben dargestellt werden.
Im Gegensatz zum statischen Tone Mapping werden HDR-Signale nicht mehr einmalig analysiert, angepasst und über die gesamte Film-Laufzeit so belassen. Stattdessen analysiert das dynamische Tone Mapping jedes einzelne Bild und passt dieses an die Performance des Projektors bestmöglich an. Dadurch werden Filme in HDR nicht mehr zu dunkel dargestellt. Es sind also keine manuellen Anpassungen durch den Nutzer nötig, was viel Komfort mit sich bringt. Von 0,0 bis 2.500 Nits kann der LS650B die HDR-Bildsignale reproduzieren. Sollten höhere Nits-Werte im Quellsignal vorhanden sein, clippen diese allerdings ins Weiß.




Der Schwarzwert liegt nativ bei 3,98 Lumen. Dynamisch lässt sich der Wert auf 1,50 Lumen verbessern. Die Folge sind unter anderem aufgehellte Letterboxbalken in Spielfilmen, die eher Mittelgrau als Schwarz erscheinen. Der statische On/Off-Kontrast beträgt 775:1 und lässt sich dynamisch auf 2.066:1 steigern, ohne dass Helligkeitspumpen sichtbar wird. Wünschenswert sind ebenfalls bessere Kontrastwerte von Inbild (760:1) und ANSI (102:1). Von der beworbenen Maximalhelligkeit von 3.600 Lumen bleiben im „Kino“-Modus hervorragende 3.030 Lumen für SDR und HDR. Das reicht, um Bildbreiten von 2,66 Meter (120 Zoll) mit 72 Footlambert oder 246 cd/m² zu befeuern. Damit setzt sich der Beamer auch gegen leichten Tageslichteinfall durch.
Die Color Uniformity ist mit 96 Prozent so gut, dass wir keinen Helligkeitsabfall von der Mitte zum Rand ausmachen.
Bildqualität
Bildsignale mit 24, 50 und 60 Hertz werden originalgetreu projiziert. Die Bewegungsschärfe kann mit der dreistufigen Zwischenbildberechnung (Frame Interpolation) verbessert werden. Auf „Niedrig“ arbeitet das Feature praktisch fehlerfrei. In den Modi „Mittel“ und „Hoch“ sind zunehmend Artefakte in Form von Grießeln um feine Strukturen auszumachen. Außerdem nimmt der Seifenoper-Effekt sichtbar zu, so dass wir den niedrigen Modus empfehlen.
Auch wenn die Auflösung von Projektoren mit nativer UHD-Darstellung (derzeit vertreten von Sony und JVC) nicht erreicht wird, sind die Bildsignale durchweg scharf. Als Elvis im gleichnamigen Film erstmals auf der Bühne steht, sind alle Zuschauer im dunklen Saal klar und deutlich auszumachen, seine Haarsträhnen bestens differenziert. Während einer Rückblende sitzt der junge Elvis auf einer Bank vor einer Tankstelle. Der aufgewirbelte Staub, den sein heranstürmender Kumpel erzeugt, ist hierbei klar auszumachen.
Das dynamische Tone Mapping für HDR arbeitet hervorragend. Innerhalb der Performance des EHLS650B werden alle Inhalte bis 2.500 Nits auf der Leinwand dargestellt. Auf Nachtaufnahmen liegt hingegen ein Grauschleier, trotzdem sind Schattenbereiche bestens durchgezeichnet. Bei zunehmend helleren Elementen lichtet sich der Schleier und Tageslicht-Szenen begeistern dann auf 120 Zoll mit ihrer hohen Farbbrillanz und Plastizität. Die Tanzszenen in „West Side Story“ machen riesigen Spaß, sowohl in SDR als auch in HDR. Für Sportübertragungen muss das Wohnzimmer am Nachmittag nur rudimentär abgedunkelt werden, weil sich die hohe Lichtausbeute exzellent gegen das Umgebungslicht behaupten kann.
Tonqualität
Ausgestattet ist der Epson EH-LS650B mit einem 2.1-Soundsystem von Yamaha. Zwei 5-Watt-Stereo- und ein 10-Watt-Tiefbasstreiber sind verbaut. Verschiedene Tonmodi stehen zur Auswahl: „Theater“, „TV“, Studio“, Stadion“, „Konzert“ und „Karaoke-Modus“. Der „Virtual Surround“ lässt sich ebenso anpassen wie „Klare Stimmen“ und der „Klangraum“. Wir belassen den Tonmodus in der Werkseinstellung „Theater“ und erleben einen überraschend transparenten Klang in Höhen und Mitteltönen. Das Soundsystem ist den meisten Fernsehern überlegen und muss sich hinter günstigen Soundbars nicht verstecken. Räumlichkeiten bis zu 30 Quadratmeter können bei Bedarf über Zimmerlautstärke beschallt werden.


Der Testbericht Epson EH-LS650B (Gesamtwertung: 74, Preis/UVP: 2.700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2023 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Der Epson EH-LS650B ist ein leiser 4K-Ultrakurzdistanz-Projektor, der mit seiner hohen Lichtausbeute, dem dynamischen Tone Mapping und der langlebigen Laserlicht-Quelle ein tolles XXL-Großbilderlebnis im Wohnzimmer erzeugt. Allenfalls im komplett dunklen Heimkino wäre ein besserer Schwarzwert wünschenswert.
Michael B. Rehders

