Der neue AVC-A10H ordnet sich in der großen Denon-Verstärker-Riege direkt hinter dem Flaggschiff AVC-A1H ein. Wie die Nomen klatur andeutet, gibt es zwischen den beiden viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede.
Bei der Produktbezeichnung muss man schon ganz genau hinschauen, wurde beim Neuen doch lediglich eine Zahl ergänzt: Während Denons letztes Jahr eingeführtes Topmodell auf den Namen AVC-A1H hört (Test in Ausgabe 3-2023), firmiert der nun zweitgrößte AV-Verstärker der Japaner unter der Bezeichnung AVC-A10H. Das mag dem ein oder anderen seltsam vorkommen, denn 10 ist ja mehr als 1.
Wie dem auch sei, die namentliche Ähnlichkeit soll die technische Verwandtschaft der beiden Boliden unterstreichen – und sie gleichzeitig von der darunter angesiedelten X-Serie absetzen. Eine nicht ganz unwesentliche Tatsache, denn wenn man seine 13 integrierten Endstufen zugrunde legt, tritt der AVC-A10H eigentlich die Nachfolge des AVC-X8500HA (Test in 8-2021) an. Vom Topmodell AVC-A1H trennen ihn hingegen stolze 2.300 Euro. Ob diese Differenz gerechtfertigt ist, klären wir auf den folgenden Seiten.

Differenzen zum Flaggschiff
Der offensichtlichste Unterschied betrifft die Anzahl der verbauten Leistungsverstärker. Während im A1H satte 15 Stück ihren Dienst verrichten, sind es im A10H „nur“ deren 13. Die symmetrische Endstufenkonstruktion ist hingegen bei beiden Geräten in Mono-Block-Bauweise konstruiert, um eine gegenseitige Beeinflussung der Komponenten zu minimieren. Auch bei den Pre-outs muss man mit etwas weniger auskommen, es bleiben 15.4-Kanäle beim A10H gegenüber 17.4 beim A1H. Die interne Signalverarbeitung, das heißt die maximal zeitgleiche Verarbeitung von Kanälen, beläuft sich allerdings auf 13.4, beim A1H auf 15.4, entspricht also der Anzahl der integrierten Endstufen.
Eine sinnvolle Sache – etwa falls externe Endstufen vorhanden sind – ist die Option, für Center und jedes Kanalpaar zwischen dem Betrieb mit internen Leistungsverstärkern oder der alleinigen Nutzung der Pre-outs wählen zu können. Im „Vorverstärker“-Modus kann man den AVC-A10H auch ausschließlich über die Pre-outs betreiben. Nicht benutzte Endstufen werden von der Vorstufe abgetrennt, was den Klirr verringern und damit für besseren Klang sorgen soll. Der Endstufenmodus „Benutzerdefiniert“ erlaubt die individuelle Zuweisung der Signalkanäle an die Boxenausgänge.
Eingespart hat Denon beim Power-Transformator samt OFC-Wicklungen, der etwas kleiner ausfällt und statt 11,5 nun 8,1 Kilo auf die Waage bringt. Zudem sind die Kondensatoren von 33.000 μF auf 22.000 μF in der Kapazität geschrumpft. Ferner gibt es statt der 10 im A1H nur noch 9 DACs, in beiden Geräten der Typ ES9018K2M von ESS. Als DSP-Chip kommt ein ADSP21593 (Griffin Lite XP) zum Einsatz, der auch im A1H werkelt.
Zu unserer Überraschung ist die Unterstützung für Amazon Alexa weggefallen, eine Sprachsteuerung kann aber weiterhin über den Google Assistant und Apple Home Pod erfolgen.



Man kann zwischen einer Version mit eingeschränkter Frequenzgang-Korrektur (20 bis 500 Hz) für 259 Dollar und der Vollversion mit kompletter Frequenzgang-Korrektur (20 Hz bis 20 kHz) für 349 Dollar wählen. Ein Upgrade von „limitiert“ zu „voll“ ist zwar für 99 Dollar stets möglich, unabhängig vom Preis halten wir die Vollversion aber für die sinnvollere Anschaffung.
Ebenso erhältlich ist das „Bass Control“-Feature. Das Erweiterungspaket soll Basslöcher ausbügeln und damit im gesamten Hörbereich für einen gleichmäßigen Tiefton sorgen. Dazu gehört auch die Optimierung der Übergänge (Crossover) zwischen Subwoofer und den restlichen Lautsprechern. Die Software wurde zum Testzeitpunkt für 299 Dollar angeboten und kann für beliebig viele Subwoofer genutzt werden. Wer sowohl „Dirac Live“ (Vollversion) als auch „Bass Control“ zusammen kaufen möchte, für den gibt es ein vergünstigtes Komplettpaket für 599 Dollar. Diracs „Active Room Treatment“ (ART) wurde zum Testzeitpunkt noch nicht unterstützt, soll aber folgen.

Streaming & Anschlüsse
Für volle Streaming-Funktionalität scheint ein Nutzerkonto bei Denons HEOS-System Voraussetzung zu sein. Zumindest konnten wir ohne HEOS-Anmeldung die WiFi-Konfiguration nicht erfolgreich abschließen. Apropos WiFi: Das Netzwerkmodul des HEOS-Systems besitzt eine WPA3-WiFi-Verschlüsselung; zudem kann man Bluetooth, AirPlay, WiFi und Spotify separat an- bzw. abschalten. Die Internetverbindung via LAN/Ethernet-Kabel klappt auch ohne HEOS-Konto. Wie der A1H ist auch der Neuling ein waschechter Verstärker, es gibt weder UKW-Radio noch einen Tuner für DAB+. Webradio ist natürlich an Bord.
Anschlussseitig ergeben sich einige Unterschiede: So fehlen dem A10H die vier XLR-Pre-outs und der eine XLR-Stereo-Eingang des A1H sowie zwei Cinch-Pre-outs und vier Boxen-Terminals. Dafür kann der A10H mit drei analogen Video-Inputs (2x FBAS, 1x YUV) punkten, die dem großen Bruder fehlen. Zudem gibt es beim A10H drei statt nur zwei Trigger-Outs und ein Cinch-Input-Pärchen mehr (nämlich 7). Die Boxen-Terminals wirken nicht ganz so hochwertig wie beim Spitzenmodell, die Kontakte sind aber ebenfalls vergoldet.
Das Gehäuse in wahlweise Schwarz oder Premium-Silber ähnelt dem A1H wie ein Ei dem anderen, dass es 1,2 Zentimeter kürzer ist, fällt nur im direkten Vergleich auf. Mittig sitzt ein informatives XXL-Display, das man dimmen oder abschalten kann. Links und rechts daneben befinden sich große Regler für Quelle und Lautstärke. Mächtig Eindruck schindet auch die 0,9 Millimeter dicke Alu-Klappe. Darunter sitzen Bedienelemente, mit denen sich das Gerät fast komplett steuern lässt. Den Deckel hätten wir uns allerdings etwas stabiler gewünscht.
Die Fertigung der Denon-Boliden erfolgt im eigenen Werk in Shirakawa Japan und wurde nicht nach China ausgelagert. So kann Denon die strengen Qualitätsstandards besser kontrollieren. Der A10H wurde zudem vom Denon-Soundmaster Shinichi Yamauchi von Hand abgestimmt.
Technische Highlights
Eine runde Sache bei Denon ist die Unterstützung von bis zu 4 separat ansteuerbaren Subwoofern. Eine Eigenart ist die Option „Subwoofer Modus / Gerichtet“. Tönt hierbei zum Beispiel die hintere, linke und als klein definierte Surround-Box, werden deren Bass-Signale auch nur an den hinteren, linken Subwoofer weitergegeben statt an alle 4 Bassboxen. Voraussetzung ist allerdings die Anordnung der Subs nach Denon-Vorgaben. Ebenfalls positiv erwähnenswert ist die Option zur Steuerung eines Körperschallwandlers (Bodyshaker). Der kommt an den Subwoofer-Pre-out Nr. 4 und lässt sich in Pegel und Tiefpass-Filter (40 bis 250 Hertz) justieren.
Die Signalverarbeitung des A10H unterstützt 13.4-Kanäle. So werden Setups bis zu aktiven 7.4.6- oder 9.4.4-Kanälen möglich; sogar die selten anzutreffenden Front-Wide-Speaker lassen sich integrieren. Konfigurieren kann man sogar 9.4.6-Kanäle, der Receiver entscheidet dann selbst, welche Boxen in Abhängigkeit vom gewählten Decoder bzw. vom anliegenden Tonsignal spielen.
Seit 2023 unterstützen ausgewählte Modelle von Denon das Dirac-Einmess-System. Der Lizenzschlüssel muss trotz des nicht gerade günstigen Anschaffungspreises allerdings zusätzlich gekauft werden (siehe Kasten). Ab Werk und ohne Zusatzkosten kommt im A10H das bewährte Einmess-System Audyssey MultEQ XT32 zum Einsatz. Für 20 Euro ist die optionale Audyssey-App eine sinnvolle Ergänzung für alle, die den Sound nach eigenen Wünschen anpassen wollen.



Gesteuert wird alles mit der kostenlosen HEOS-App. Mit Alexa von Amazon (nicht beim AVC-A10H), Google Assistant und Apple Home Pod ist zudem eine Sprachsteuerung von Musikwiedergabe und AV-Verstärker möglich, allerdings wird hierfür ein kompatibler Smartspeaker benötigt. HEOS unterstützt Streaming-Dienste wie Spotify und Spotify Free, Napster, Amazon Music (HD), TuneIn (Radio gibt es beim AVC-A10H nur in Web-Form), Deezer, SoundCloud und TIDAL. Auch das einfache Zuspielen von lokaler Musik auf Tablets, Smartphones, Servern oder USB-Geräten ist möglich. Via AirPlay 2 lassen sich Songs von Apple Music kabellos zum AV-Receiver streamen; außerdem erlaubt es die Gruppierung mit anderen AirPlay2-kompatiblen Geräten. Das Musik-Streaming kann auch über Bluetooth erfolgen, zudem sendet der AV-Verstärker Bluetooth-Signale aus, etwa an kompatible Lautsprecher und parallel an einen Bluetooth-Kopfhörer.
Der AVC-A10H verfügt über eine „Roon Ready“-Zertifizierung und eignet sich damit für das Zusammenspiel mit dem Music-Server-System „Roon“.

Bei den Decodern lässt Denon nichts anbrennen: Dolby Atmos, DTS:X Pro und Auro 3D sowie deren Upmixer Dolby Surround, DTS Neural:X und die Auro-Matic sind an Bord. Auch IMAX-Enhanced-Inhalte gibt der Verstärker wieder, bei den Virtualisierern sind DTS Virtual:X und die Dolby Atmos Height Virtualization dabei. Eine Besonderheit ist die Unterstützung von Sonys Raumklangformat 360 Reality Audio. Die MPEG-H-Norm vom Fraunhofer-Institut wird ebenso abgespielt. Fünf DSP-Raumklang programme plus „Multi Channel Stereo“ komplettieren die Klangschaltungen.
Apropos Klangtuning: Der im AVC-A1H integrierte Grafik-Equalizer eignet sich nur bedingt als Werkzeug zur Behebung von Raumakustik-Problemen. Die Subwoofer lassen sich gar nicht regeln, alle anderen Kanäle erst ab aus unserer Sicht zu hohen 63 Hertz. Überdies kann man den EQ nicht zusammen mit Audyssey nutzen.
Auf Videoseite unterstützt der AVC-A10H, wie es sich für eine aktuelle Heimkino-Zentrale gehört, den HDMI 2.1-Standard an allen Eingängen und an zwei von drei Ausgängen. 8K/60Hz bzw. 4K/120Hz samt HDCP 2.3, VRR, ALLM und HDR (Dolby Vision, HDR10+, HDR10, Dynamic HDR und HLG) sind so ohne Umwege möglich; zudem gibt es ein 8KScaling von 2K- und 4K-Quellen. Einen manuellen Video-Equalizer sucht man vergebens.
Nicht neu, aber trotzdem erwähnenswert ist das elegant-moderne Menü-Design. So erscheinen am unteren Bildrand ausführliche Erklärungen, was die Bedienung vereinfacht und meist den Blick in das Handbuch erspart. Besagter Blick muss elektronisch erfolgen, da dem Gerät in gedruckter Form lediglich ein Quick-Guide beiliegt. Die Auflösung der Menüs wurde zudem auf 1080p erhöht, so dass auf einem 4K-TV alles ansprechend aussieht.
Leistung im Überfluss
Bei den Messungen lieferte der AVC-A10H zwar etwas weniger Leistung als der AVC-A1H, die Reserven fallen aber noch immer üppig aus. Mit 5 aktiven Endstufen legte der A10H 160 (6 Ohm) bzw. 193 (4 Ohm) Watt pro Kanal an den Tag und damit 11 Watt an beiden Lasten weniger als der große Bruder. Im Stereo-Modus kletterte die Power auf stolze 272 Watt (4 Ohm) bzw. 220 (6 Ohm) Watt – um 15 bzw. 2 Watt weniger als beim A1H. Im 7.1-Betrieb waren es an 6-Ohm-Last 135 Watt pro Kanal, 153 Watt beim A1H.
Da wir zum Jahreswechsel unsere Bewertungskriterien in der Kategorie „Ausgangsleistung“ etwas verschärft haben, heimst der A10H hier nicht die volle Punktzahl ein, trotz der üppigen Kraftreserven. Der durchschnittliche Stromverbrauch lag bei 360 Watt, im Eco-Modus „On“ sank der Verbrauch um die Hälfte auf 180 Watt.
Für den Hörtest nutzten wir Audyssey. Die Einmessung klappte, wie nicht anders erwartet, problemlos – nur unsere rückwärtigen Kompakt-Lautsprecher erkannte Audyssey als „groß“, was aufgrund des Bassboosts durch die wandnahe Aufstellung der Boxen vielen Korrektur-Systemen passiert. Im Boxen-Menü kann man das aber manuell korrigieren, ebenso alle anderen Einstellungen wie Pegel, Abstände und besagte Crossover-Frequenzen. Dann ging es los.

Die Tonqualität
Da uns das Flaggschiff AVC-A1H nicht mehr zur Verfügung stand, war leider kein Vergleich möglich, den hatte der A10H aber auch nicht nötig – denn er spielte ohnehin wie ein ganz Großer.
Schon mit den ersten Tönen fi el der enorm transparente, luftige Klang auf, der sich von den Boxen völlig löste; Musik schwebte geradezu „majestätisch“ im Raum. Hinzu gesellte sich eine wunderbare Feinauflösung bei seidigem Glanz mit viel Ruhe und Kraft. Das Akustik-Gitarren-Solo aus „Mission Impossible II“ von der Konzert-Blu-ray „The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration“ (Dolby Atmos) wurde zum wahren Genuss, die Flamenco-Rhythmen hatten Pfeffer und Feingefühl, der Denon musiziert dynamisch und doch mit Kontrolle sowie schönen Klangfarben.
Wie ein Fels in der Brandung gab sich der dicke Denon auch bei Dolby-Atmos-Trailern. Abermals verzückte die dreidimensionale Räumlichkeit, die hohe Präzision sowie die Staffelung von Sound- Objekten im großen Schallfeld. Effekte in „Amaze“, „Audiosphere“ oder „Horizon“ saßen körperhaft an ihrem Platz, Ambient-Geräusche umhüllten uns realistisch und auch Höhen-Effekte wurden genau dort hörbar, wo gewünscht: plastisch und nachvollziehbar über dem Kopf. Klasse auch, wie der Amp unseren Subwoofer unter Kontrolle hatte, so zupackend, rabenschwarz und dabei sauber haben wir den Krawallmacher schon länger nicht mehr wüten gehört. Das Actionfinale von „Ghost in the Shell“ mit einem Kampfpanzer rumpelte dann auch ordentlich in der Kiste mit vielen Bass-Nuancen in Tiefe und Druck.
Stereo-Musik hörten wir immer im „Pure Direct“-Modus für die reinste Klangwiedergabe. Auch so spielte der Denon schön klar, transparent, feinauflösend sowie dynamisch und verkniff sich Härten oder tonale Auffälligkeiten. Selbst YouTube-Clips klangen auf dem A10H „anhörbar“. Zur Höchstform lief der Bolide dann mit High-End-Aufnahmen wie dem Album „Hobo“ von Sara K auf. Das Gitarrenspiel schallte wunderbar körperhaft und dynamisch, Gesang stand wie zum Greifen zwischen den Frontboxen, der Kontrabass groovte mit Druck, doch sauberem Spiel. Begeistert waren wir zudem von den Upmix-Fähigkeiten des A10H: Stereo-Musik spielte mit dem Dolby-Surround-Mischer wie selbstverständlich und bot eine natürlich anmutende Räumlichkeit, die so manchem 5.1-Ton das Wasser reicht. Klasse Sache.



Der Testbericht Denon AVC-A10H (Gesamtwertung: 95, Preis/UVP: 4.700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2025 erschienen.
Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.
AV-Fazit
Wer auf die zwei zusätzlichen Endstufen des AVCA1H verzichten kann, liegt mit dem Denon AVC-A10H goldrichtig: Er bietet praktisch gleichwertigen Klang mit fast identischer Ausstattung zum deutlich günstigeren Preis – und zieht damit ebenfalls locker in unsere Referenzklasse ein.
Andreas Oswald

