UHD-Blu-ray-Test: Zurück in die Zukunft – 35th Anniversary Limited Edition Trilogy

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Schon um die Jahrhundertwende faszinierte H.G. Wells Kultroman „Die Zeitmaschine” Menschen auf der ganzen Welt. Auch Hollywood nahm sich des Zeitreise-Phänomens in Dutzenden von Filmen an: Vom Sci-Fi-Klassiker „Planet der Affen“ in den 1960er-Jahren bis hin zum skurrilen Agentenklamauk „Austin Powers“. Bezüglich Einfallsreichtum und Unterhaltungswert schoss Robert Zemeckis mit der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie aber eindeutig den Vogel ab.

Die Geschichte des 17-jährigen Marty McFly (Michael J. Fox), der sich nach einer missglückten Zeitreise in den 1950er-Jahren wiederfindet und versucht, seine Eltern miteinander zu verkuppeln, begeisterte Groß und Klein in aller Herren Länder. Mit einem weltweiten Kasseneinspiel von 956 Millionen Dollar zählen die Filme zu den erfolgreichs­ten der 80er-Jahre. Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums des ersten Teils wurde die komplette Trilogie aufwändig restauriert.

Audiovisuelle Optimierung
Fertigte man für die Blu-ray-Premiere noch 2K-Abtastungen vom Interpositiv an, wurden diesmal die Kameranegative in 4K-Auflösung eingescannt – wie uns Autor und Produzent Bob Gale im Interview verriet (siehe hier). Vor dem Hintergrund überrascht die Qualitätssteigerung nicht. Verglichen mit den alten Blu-rays wirkt alles detailreicher und harmonischer, auch weil man den Einsatz von Schärfe- und Rauschfiltern diesmal auf ein Minimum reduziert hat. Zudem sind die Farben kräftiger und frischer, wobei ein neues Color-Grading vor allem beim ersten Teil das Bild insgesamt wärmer erscheinen lässt. Zu guter Letzt verleiht die HDR-Encodierung den Geschehnissen mehr Tiefe und Dynamik. Egal, ob der in die Rathausuhr einschlagende Blitz oder die Feuerstreifen des DeLorean beim Zeitsprung, dank HDR knallt es richtig rein. Wobei wir zwischen HDR und HDR10+ keinen Unterschied feststellen konnten. Dolby Vision setzt noch einen drauf, etwaige Differenzen hängen hier allerdings stark vom eingesetzten Fernseher ab.

Bei den optisch ins Bild kopierten Spezialeffekten, wie hier ein doppelter Biff in Teil 2, geht die Schärfe und Detailzeichnung sichtbar in die Knie.

Mindestens so groß sind die Verbesser­ungen beim Ton. „Wie auf den DVDs hört man dem deutschen 5.1-Upmix seine Dolby-Surround-Herkunft an. Die rückwärtigen Kanäle werden mit wenig Volumen und beschränkter Frequenz angesteuert.“ So urteilten wir einst über die Blu-rays. Das Statement ist Geschichte, denn der neue Dolby-Atmos-Mix beschert dem Zuschauer nicht nur eine klangliche Erweiterung nach oben, sondern liefert auch in der 2D-Ebene eine dynamische und detailreiche 7.1-Abmischung, die dem Original nicht nachsteht.

Endlich vollwertiger Surround-Sound: In Teil 3 fährt der Zug links aus dem Bild und in die linke Surround-Box inklusive lautem Schnaufgeräusch der Lok (80:41).

Bereits die in der Eröffnungsszene in allen Boxen tickenden Uhren, geben die akus­tische Marschrichtung vor. Leider haben sich einige Tonfehler eingeschlichen, der auffälligste am Ende von Teil 1 in Form eines fehlenden Halbsatzes. Universal wird die Discs gegen korrigierte Scheibe tauschen.

Tonaler Aussetzer: In der deutschen Atmos-Spur von Teil 1 fehlt Martys Satzanfang (111:31). Auf der DTS-Spur der normalen Blu-ray ist hingegen alles zu hören.

Bonusmaterial ohne Ende
In Sachen Sonderausstattung übertrifft die 35-jährige Jubiläumstrilogie alle vorherigen Editionen. Denn zum einen wurden fast alle Boni portiert (verzichten muss man auf die Bild-in-Bild-Spur und einen Trivia-Track), zum anderen gibt es Neues.

Überragend ist die aus sechs Teilen bestehende und auf die drei Film-Discs verteilte Retro-Doku­mentation „Geschichten aus der Zukunft“, in der alle Beteiligten (von Michael J. Fox bis Steven Spielberg) die Produktion der drei Filme gut zwei Stunden lang Revue passieren lassen. Den Beitrag „Die Physik und Zurück in die Zukunft“ sollte man sich ebenfalls nicht entgehen lassen, hier erläutern Bestseller-Autor und Physiker Dr. Michio Kaku die naturwissenschaftlichen Aspekte der Filme – und kommen zu einem überraschenden Fazit. Ebenfalls interessant ist das ursprüng­liche Ende des ersten Teils in Storyboard-Form samt Kommentar von Produzent und Drehbuchautor Bob Gale. Apropos Kommentar: Alle Filme haben zwei Kommentarspuren, wobei diese nur zum Teil filmbegleitend sind, was den Informationsgehalt aber kaum schmälert.

Auf der Bonus-Disc befinden sich teils neue Extras. Aus nicht ersichtlichen Gründen hat man den „Back to the Future“-Originaltitel hier nicht übersetzt.

Die größtenteils neu produzierten bzw. bisher unveröffentlichten Goodies befinden sich auf einer Bonus-Disc. In einem Beitrag führt der Präsident des Hollywoodmuseums durch eine „Zurück in die Zukunft“-Ausstellung mit Requisiten und Erinnerungsstücken. Zudem können Fans sich bislang verschollene Casting-Aufnahmen mit Stars wie Ben Stiller, Kyra Sedgwick oder Billy Zane ansehen. Dass das „Zurück in die Zukunft“-Phänomen weiterlebt, zeigt ein Blick auf die Produktion eines geplanten Musicals. Zwar birgt der Bonus-Silberling noch einiges mehr, doch die deutlich informativeren Beiträge befinden sich auf den Film-Discs.

Film
Die „35th Anniversary Limited Edition Trilogy“ enthält die drei „Zurück in die Zukunft“-Filme auf UHD-Blu-ray und remasterter Blu-ray. Dabei befindet sich jeder Teil in einem separaten Steelbook. Beim siebten Silberling handelt es sich um eine Bonus-Blu-ray. Bereits am Tag der Veröffentlichung war diese Edition ausverkauft. Einzeln sind die UHD-Blu-rays derzeit nicht erhältlich. Auch nach 35 Jahren sind die drei Filme noch immer der größte Zeitreise-Spaß aller Zeiten.

Bild
Schärfer, bunter, kontrastreicher – die UHD-Discs übertreffen dank aufwändiger Restaurierung inklusive 4K-Abtastungen vom Original-Negativ die alten Blu-rays in allen Belangen. Filmkorn sieht jetzt nach Filmkorn aus und letzte Verschmutzungen wurden beseitigt. Eine durchweg rasiermesserscharfe Hochglanzoptik darf man aber nicht erwarten, vor allem Szenen mit Spezialeffekten fallen ab. HDR (optional in HDR10+ und Dolby Vision) verleiht dem Bild mehr Plastizität und hebt es von den beiliegenden Blu-rays ab, die auch auf den 4K-Abtastungen basieren.

Ton
Die neuen Dolby-Atmos-Abmischungen sind den alten 5.1-DTS-Tracks um Welten überlegen. Egal, ob der orchestrale Score, der Song-Klassiker „The Power of Love“ oder der durch die Zeit reisende DeLorean – der Atmos-Mix mit 7.1-TrueHD-Kern bietet Surround-Feeling vom Feinsten. Endlich werden auch bei deutscher Sprachwahl die rückwärtigen Kanäle mit vollem Volumen und Frequenzgang angesteuert. Sonderlich viele Effekte von oben gibt es aber nicht. Bei den deutschen Dialogen kommt es zwar an einer Handvoll Stellen zu leichten Ungereimtheiten, wirklich störend ist aber nur der fehlende Halbsatz von Marty McFly am Ende des ersten Teils.

Die neuen Dolby-Atmos-Abmischungen befinden sich ausschließlich auf den 4K-Discs, die beiliegenden Blu-ray-Discs verfügen hingegen nur über die 5.1-Tonspuren, die man von früheren Veröffentlichungen kennt.

Extras

Teil 1:
Zwei Audiokommentare, „Am Anfang“ (27:25), „Es wird Zeit“ (29:54), „Zeit bewahren“ (5:44), entfallene Szenen (10:44), Making-of 14:28, „Entstehung der Trilogie“ (15:30), „Back to the Future-Nacht“ (27:11), „Fragen & Antworten mit Michael J. Fox“ (10:20), Maskentests (2:18), verpatzte Szenen (2:49), „Szene mit nuklearem Testgelände“ (Storyboards), „Power of Love“-Musikvideo, Fotogalerien, Trailer.

Teil 2:
Zwei Audiokommentare, Bild-in-Bild-Spur, entfallene Szenen (5:45), „Die Zeit vergeht wie im Flug“ (28:37), „Die Physik von Zurück in die Zukunft“ (8:25), Making-of (6:40), „Entstehung der Trilogie“ (15:30), verpatzte Szenen (0:49), „Produktionsdesign“, „Design des DeLorean“ (3:31), „Design der Zeitreisen“ (2:41), „Schwebeboard-Test“ (0:58), „Entwicklung der Effekte“ (5:42), Trailer.

Teil 3:
Zwei Audiokommentare, entfallene Szenen (1:18), „Aller guten Dinge sind drei“ (17:07), „Die Zeit wird es zeigen“ (16:59), Making-of (7:32), „Entstehung der Trilogie“ (16:20), TV-Special (20:41), verpatzte Szenen (1:35), „Design der Stadt Hill Valley“ (1:09), „Design der Kampagne“ (1:18), „Doubleback“-Musikvideo, „Die Achterbahn“ (31:06), „FAQs zur Trilogie“ (Texttafeln), Trailer. Bonus-Disc: „Das Hollywoodmuseum auf den Spuren von Back to the Future“ (10:17), „Hinter den Kulissen des Musicals“ (34:03), „Wiederentdeckte Casting-Tapes“ (3:45), „Würdest du in den Back to the Future Filmen überleben?“ (19:47), „Eine Nachricht von Doc Brown“ (0:45), „Doc Brown rettet die Welt“ (9:38), „Restaurierung des DeLoreans“ (22:00), „Ein Blick auf Back to the Future“ (45:42), zwei Folgen der animierten Serie (46:42), „Jaws19-Trailer“ (1:28), „Hoverboard-Werbeclip“ (1:06).

Die Wertung 
Film 6 von 6 Punkten
Bildqualität 5 von 6 Punkten
Tonqualität 5 von 6 Punkten
Bonusmaterial 6 von 6 Punkten
Die technischen Daten
Anbieter Universal
Bildformat 1,85:1 (UHD-Blu-ray)
Tonspur Deutsch Dolby Atmos / 7.1 True HD
Tonspur Englisch Dolby Atmos / 7.1 True HD
Untertitel deutsch, englisch

 

1 Kommentar

  1. Danke für den Bericht audiovision 🙂👍🏻
    Mich würde mal interessieren, wenn ich heute kaufe, ob ich dann immer noch Scheiben mit defekter Tonspur bekomme oder schon korrigierte? 🤔

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