UHD-Blu-ray-Test: Showgirls

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Nomi Malone (Elizabeth Berkley) zieht aus der Provinz nach Las Vegas, um als Showgirl Karriere zu machen. Doch statt auf den großen Bühnen der weltbekannten Casinos landet sie als erotische Tänzerin in einem schäbigen Striplokal.

Eigentlich sollte „Showgirls“ einen ernsthaften Blick hinter die Kulissen der Glücksspielmetropole und der US-amerikanischen Unterhaltungsindus­trie werfen, so hatte es „Robocop“-Regisseur Paul Verhoeven eigentlich geplant. Doch stattdessen verkommt die Story zur unfreiwillig komischen Fleischbeschau inklusive grenzdebilen Dialogen und einer Hauptdarstellerin, die den Begriff „Over-Acting“ neu definiert.

Doch die mit 7 Goldenen Himbeeren einst zum schlechtesten Film des Jahrzehnts gekürte 40-Millio­nen-Dollar-Produktion hat sich im Laufe der Jahre für viele zum missverstandenen Meisterwerk gemausert. Die Dokumentation „You Don’t Nomi“, die Teil der limitierten UHD-Collector´s-Edition ist, zeichnet den unglaublichen Weg vom verachteten Kinokassen- und Kritikerflop zum gefeierten Kultklassiker nach. Der 90-minütige Rückblick, der sich auf einem separaten Silberling befindet, ist informativ und amüsant, muss allerdings ohne neuen Input der Verantwortlichen und ohne eine deutsche Synchronisation auskommen – Untertitel sind aber vorhanden. Selbiges gilt leider nicht für den Audiokommentar von Filmkritiker David Schmader, in den man trotzdem unbedingt reinhören sollte (sie Kasten unten).

Wie der Kommentar befindet sich der Rest der Extras sowohl auf der UHD-Filmscheibe als auch auf der beiliegenden Blu-ray. Wer schon immer wissen wollte, wie man seinem Partner einen richtigen Lap-Dance verpasst und korrekt strippt, wird hier fündig. Über die richtige Aussprache des Wortes „fuck“ informiert der nette Beitrag „A Showgirls Diary“ (10:46). Den Rest kann man sich hingegen weitgehend schenken: PR-Featurette (4:43), Szenen vom Set (4:48) und Interviews (17:12).

Neben der von uns getesteten Version erscheint auch eine 2-Disc Limited Collector‘s Edition im Media­book ohne UHD-Scheibe.

Film
Für die einen der Trash des Jahrzehnts, für die anderen Kultkino vom Feinsten. Zumindest die Schauwerte sind unbestreitbar.

Bild
Im Rahmen einer 4K-Restauration wurde eine Farb- und Kontrastkorrektur vorgenommen. So ist die plakative Neon-Optik der alten Blu-ray einem natürlicheren, aber auch etwas trist wirkenden Look gewichen. Vor allem auf der beiliegenden Blu-ray, die ebenfalls auf der 4K-Abtastung basiert, ist der Unterschied enorm. Dank HDR bringt die UHD-Scheibe wieder mehr Farbe und Kontrast ins Spiel, tendiert bei hellen Flächen, die gelegentlich weich und gefiltert erscheinen, aber zum Überstrahlen. Der Gewinn an Auflösung ist hingegen uneingeschränkt positiv zu bewerten, auch die Detailzeichnung in Schattenbereichen ist besser. Für eine HDR-Präsentation untypisch, wirkt das Cinemascope-Bild insgesamt etwas zu hell, was sich negativ auf die Plastizität auswirkt.

Helle Bildanteile wie die Sphinx und der Turm tendieren trotz HDR-Encodierung zum Überstrahlen (34:05).

Ton
Während der zahlreichen Revue-Nummern (11:10, 60:10, 98:45) trumpft der 5.1-HD-Mix mit hoher Dynamik, kräftigem Bass und guter Räumlichkeit auf – und setzt die rückwärtigen Kanäle oft direktional ein. Egal, ob das Klatschen des Publikums, feuerspeiende Vulkane oder auf der Bühne kreisende Motorräder – die Einbindung der Rears ist beachtlich. Im englischen Original klingt aber alles differenzierter und im Hochtonbereich weniger belegt. Obwohl auch eine Restauration beim Sound vorgenommen wurde, konnten wir keine Unterschiede zur Blu-ray-Erstauflage von 2011 feststellen.

Extras
Film-Disc: Audiokommentar, „A Showgirl‘s Diary“ (11:13), PR-Featurette (4:55), „Dance Tuto­rial“ (5:08), B-Roll (5:00), Interviews (17:12), Trailer. Bonus-Disc: „You Don’t Nomi“ (91:29), 24-seitiges Booklet.

Wenn Sie sich dieses Jahr nur einen Audiokommentar anhören, sollte es der „Showgirls“-Track von David Schmader sein. David wer? Schmader ist ein US-Autor, der in den 90er-Jahren den „Showgirls“-Kult mit Filmvorführungen und Vorträgen unterstützte. Schmader echauffiert sich auf eine derart charmante wie bitterbös-sarkastische Art über den vermeintlich schlechtesten Film der 90er, dass man mit dem Lachen nicht mehr hinterherkommt. Hier einige Kostproben seiner unterhaltsamen Liebes-/Hass-Beziehung, die leider nicht untertitelt sind:

• „Basically Nomi has two emotions: staring and kicking.“
• „So many bad movies are bad in the exact same way. But
Showgirls‘ is bad in a fresh way – every single second.“
• „A lot of times Nomi‘s dancing makes you want to call an
ambulance.“
• „That‘s a sniff that deserves an Oscar.“
• „And just when you thought it couldn’t get more entertaining
– monkeys.“
• „Still you can‘t restrain her magic, not even garlick monkey shit.“
• „Nothing beats the comforting power of a hamburger.“

Die Wertung 
Film 3 von 6 Punkten
Bildqualität 4 von 6 Punkten
Tonqualität 4 von 6 Punkten
Bonusmaterial 4 von 6 Punkten
Die technischen Daten
Anbieter Capelight
Bildformat 2,35:1 (UHD-Blu-ray)
Tonspur Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1
Tonspur Englisch DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel deutsch, englisch

 

 

1 Kommentar

  1. Gibt es von diesem Film eig. auch eine Standard-Version? Ich bezahle nicht so gern super-duper-hyper Versionen. Passt auch nicht so zu meiner Collection-Optik im Regal.

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