Samsung GQ75Q950T (Test)

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Wer bei Samsung das beste Bild will, muss zum 8K-Topmodell GQ950T greifen. Wir haben den 75-Zöller auf Herz und Nieren gecheckt, um herauszufinden, ob sich die Anschaffung lohnt.

Mehr Auflösung, mehr Ausstattung und mehr Dimming-Zonen als beim GQ950T kann man bei Samsung derzeit nicht bekommen. Der 75 Zöller kostet 7.300 Euro, zusätzliche Varianten gibt es für 5.500 Euro in 65 und für 11.200 Euro in 85 Zoll. Mit 480 lokalen Dimming-Zonen bildet der QLED aktuell die Speerspitze im Sortiment der Koreaner. Das 1,5 Zentimeter tiefe und 75 Zoll große Display mit ansprechendem Edelstahl-Rahmen und 7.680 x 4.320 Pixeln steht nicht senkrecht, sondern ist einige Grad nach hinten geneigt (Bild rechte Seite). Mit massivem Fuß wiegt der GQ75Q950T beacht­liche 44 Kilogramm. Eine Wandmontage ist dank VESA-Standard 400 x 400 Millimeter möglich. Die sogenannte No-Gap-Wandhalterung für eine fast lückenlose Installation gehört zum Lieferumfang. Schon auf dem Papier klingt das integrierte Soundsystem eindrucksvoll: Hier arbeitet eine 4.2.2-Kanal-Anlage mit 70 Watt Ausgangsleistung. Alle Anschlüsse sind in die One Connect Box ausgelagert, die über ein einziges dünnes Kabel mit dem TV verbunden ist und so auch die Stromversorgung sicherstellt.

Praktische Anschlussbox: Die schwarze Kiste mit vier HDMI-2.1-Ports und drei USB-Buchsen wird über ein dünnes Kabel mit dem Fernseher verbunden.

Ausstattung & Praxis
In der Anschlussbox sitzen unter anderem die Twin-Tuner für Kabel, Satellit und DVB-T2. Außerdem vier HDMI-Buchsen, die Variable Refresh Rate (VRR), Auto Low Latency Mode (ALLM), eARC und 120 Hertz bei 4K-Auflösung (HFR) unterstützen. 4K mit 120 Hertz sowie 8K mit 60 Hertz sind dem HDMI-Port 4 vorbehalten, eARC klappt lediglich über Buchse 3. TV-Aufnahmen und das zeitversetzte Fernsehen (Time-Shift) gelingen über eine externe USB-Festplatte.

Die Liste der Besonderheiten, die der 75-Zöller an Bord hat, ist lang. Fangen wir beim Quantum Prozessor 8K mit Künstlicher Intelligenz (AI) zum Hochskalieren jeglicher Inhalte an. AI soll Texturen hervorheben, Kanten schärfen sowie störendes Rauschen Pixel für Pixel entfernen. Das Feature „Adaptives Bild“ optimiert Helligkeit und Kontrast in den vier verschiedenen Betrachtungsbedingungen „Dunkel“, „Normal“, „Hell“ und „Sehr hell“.
Beim Thema Ton waren die Koreaner besonders kreativ. So sitzen oben, seitlich und unten im Gehäuserahmen jeweils zwei Lautsprecher (OTS+) für eine möglichst breite Klangkulisse. Mittels „Adaptiver Ton+“ wird der Klang in Echtzeit analysiert und automatisch für Dialoge, Sport, Musik oder Actioninhalte angepasst. Der aktive Sprachverstärker erkennt laute Umgebungsgeräusche und erhöht sofort die Sprachausgabe. Wer in das System eine Soundbar der Q-Serie von Samsung einbindet, kann dank „Q-Symphony“ gleichzeitig den Sound aus dem Klang­riegel und den TV-Lautsprechern ausspielen.

Im GQ75Q950T ist die „HD+“-App integriert und steht ein halbes Jahr ohne Zusatzkosten zur Verfügung. Mit Apple TV und Disney+ fällt das App-Angebot vorzüglich aus (mehr auf Seite 48). Praktisch sind die Sportworld-Anwendung, ein spezieller Programmführer nur für Sportsendungen, und der Universal Guide, der versucht, individualisierte Programmvorschläge aus TV-Inhalten und Streaminganbietern vorzuschlagen.

Ebenfalls an Bord befinden sich die zwei Sprachassistenten Bixby und Alexa, zwischen denen man sich im TV-Menü entscheiden darf. Beide können direkt über ein Mikrofon im Fernseher aktiviert werden, die Fernbedienung ist nicht erforderlich. Während Bixby speziell für TV-Einstellungen zuständig ist, punktet Alexa mit Allgemeinwissen aus dem Internet. Die silberne Metallfernbedienung kennt man schon aus dem Vorjahr: Sie ist hochwertig verarbeitet, kompakt und kommt dank Doppelbelegung mit wenigen Tasten aus.

Das Betriebssystem Tizen OS reagiert sehr schnell und erfreut durch seine übersichtliche und intuitiv gestaltete Oberfläche. Es erlaubt die Strea­ming-Technologien Bluetooth, AirPlay 2, Chromecast sowie Miracast. Über die Gratis-Anwendung „SmartThings“ kann man den Samsung nicht nur steuern, sondern den Smartphone-Bildschirm auch auf den 75-Zöller spiegeln und im Gegenzug TV-Inhalte sowie Filme von Streamingdiensten drahtlos auf das Mobiltelefon übertragen. Ebenso erlaubt „SmartThings“ den Zugriff auf die zahlreichen „Ambient“-Einstellungen. Dieser Dienst wartet mit einer Vielzahl an optischen und informativen Hintergründen wie Kunstwerken, Fotos oder Grafiken auf, um die große schwarze Fläche in TV-Pausen attraktiver zu gestalten.
Über die „Galerie“ hat man bequemen Zugriff auf sämtliche Fotos und Videos, die man auf seinem Smartphone in den unterschiedlichsten Ordnern und Apps gespeichert hat. Der leistungsstarke Mediaplayer erlaubt 360-Grad-Ansichten, das Verändern von Blickwinkeln sowie das Ein- und Auszoomen. Gamer können sich über einen kurzen Input Lag von 10 Millisekunden sowie das Feature Game Multi-View freuen, um gleichzeitig zu spielen und Videos zu schauen.

Begeistert sind wir, wie unkompliziert der GQ75Q950T 8K-Inhalte abspielt: Sowohl von USB-Festplatte als auch via YouTube erweckt er die Clips mit 7.680 x 4.320 Pixeln auf Anhieb zum Leben. Besitzer des Samsung-Smartphones S20/S20+ können selbst 8K-Videos erstellen und diese direkt auf den Fernseher übertragen. Bei optimalen Inhalten kann man sich dem Display auf 30 bis 40 Zentimeter nähern, ehe man erst einzelne Pixel erkennt, sofern man sich auf diese konzen­triert. ­YouTube hält mit „Collection of Animals“ einen wunderbaren 8K-Teststreifen bereit. Die graue Katze direkt zu Beginn zeigt jedes noch so kleine Haar sowie Spiegelungen und Muster in den Augen. Schuppentiere im Laufe des Clips explodieren förmlich vor Details, besonders das Spiel mit der Unschärfe gelingt dem 8K-TV famos. Ein wesentlicher Fortschritt gegenüber 4K-Inhalten ist die gesteigerte Plastizität und Raumtiefe, die beispielsweise bei Landschaftsaufnahmen und Städteansichten deutlich wird. Das Bild ist nicht nur brutal scharf, sondern auch wahnsinnig homogen. Selbst bei normalem Sitzabstand wirken 8K-Filme auf diesem Display schärfer, detaillierter und gleichmäßiger.

Super Zeichnung: Gerade in extrem detaillierten Bildbereichen kommt dem Samsung seine enorme Pixelpower mit einer Fülle an Informationen zugute.

8K per YouTube: Entsprechende Clips lassen sich in der höchsten Auflösung ohne Probleme auf dem 75-Zöller darstellen.

Bild- und Tonqualität
Wir gehen zunächst der Frage nach: Wie gut arbeitet die direkte Hintergrundbeleuchtung mit 480 Dimming-Zonen? Dazu holen wir uns die schwarzen Kapitelvorspänne mit weißer Schrift der Blu-ray „Deutschland von oben“ im „Film“-Modus auf den Bildschirm. Wichtig: Das lokale Dimming darf auf keinen Fall auf „Gering“ stehen, sonst ist der Hintergrund nicht schwarz, sondern dunkelgrau. Mit „Standard“ erreicht man hingegen ein sattes Schwarz, und Lichthöfe um die weiße Schrift sind so gut wie kein Thema. Diese fallen erst auf, wenn man die Dimmung auf „Hoch“ dreht. Dafür legt die Leuchtkraft beim Weiß deutlich zu. Besonders störend werden die Aufhellungen um weiße Bereiche in diesem Setting bei seitlicher Betrachtung. Der einzige Ausweg besteht deshalb darin, die lokale Dimmung auf den mittleren Wert runterzuschrauben. Der Unterschied zum günstigeren GQ75Q800T (Test in 7-2020), der mit nur gut 100 Dimming-Zonen auskommt, ist bezüglich der Schwarzperformance und der Ausleuchtung geringer als gedacht. Trotz seines extrem dunklen Schwarz kann der GQ950T bezüglich der Aufhell-Problematik nicht ganz mit der OLED-Technik konkurrieren.
Dafür hat er bei der Helligkeit die Nase klar vorne. Im optimalen „Film“-Set­up sind in Spitzlichtern 973 Candela drin, die Werte schrumpfen bei 50- bzw. 100-prozentigem Weißanteil auf immer noch ordentliche 521 bzw. 418 Candela. Im „Natürlich“-Modus haben wir 1.142 Candela gemessen. Die maximale Leuchtkraft im „Dynamisch“-Setting konnten wir mit einem statischen Bild mit einem Weißanteil von 10 Prozent nicht ermitteln, weil der 75-Zöller hier sofort abdunkelte und dann lediglich 265 Candela ausspuckte, offenbar ein Software-Fehler unseres Test-Gerätes. Mit statischem Messbild lasen wir mit unserem Konica-Spektrometer 1.346 Candela ab.

Nicht perfekt: Während die Cyan-, Gelb-, Blau- und Magenta-Töne stimmen, meint es der Samsung mit Rot und Grün ein klein wenig zu gut.

Keine 100 Prozent: Im DCI-P3-Spektrum mussten wir den Farben per Hand den letzten Schliff verpassen. Beim grünen Messpunkt ist noch etwas Luft nach oben.

Leicht geneigt: Das riesige Panel des 75-Zöllers steht nicht ganz waagerecht. Im TV-Alltag fällt es jedoch kaum auf, dass der Bildschirm minimal gewinkelt ist. Der schicke Metallrahmen des Samsung ist nur 1,5 Zentimeter dick.

Die ideale Farbtemperatur stellten wir in der Werkseinstellung „Warm2“ mit 6.382 Kelvin fest. Sowohl im SDR- als auch im HDR-Bereich konnte das 8K-Gerät messtechnisch nicht auf Anhieb überzeugen. Hier mussten wir detailliert Hand anlegen, um die Messpunkte zu präzisieren. Im SDR-Segel waren Rot und Grün etwas zu kräftig, während Blau-, Magenta-, Gelb- und Cyantöne perfekt reproduziert wurden. Der ANSI-Kontrast fällt mit 1.650:1 hoch, aber nicht überragend aus.

Nicht nur 8K-Material sieht auf dem TV-Riesen genial aus, auch Filme mit UHD-Auflösung skaliert er sauber hoch mit toller Schärfe und enormer Detailfülle. Die Plastizität weiß zu gefallen, die Farben sind kräftig und leuchtend, Farbübergänge sind exakt und Helligkeitsunterschiede differenziert. Bei einigen Filmen haben wir bei normalem Sitzabstand gegenüber 4K-TVs eine höhere Schärfe und ausgeprägtere Detailfreudigkeit erkannt. Für HDR-Darstellungen unterstützt der GQ75Q950T HLG, HDR10 und HDR10+, aber kein Dolby Vision. Speziell in lichtdurchfluteten Räumen spielt der Samsung ob seiner Panel-Helligkeit sein Potenzial aus, dazu muss man nicht mal in den „Dynamisch“-Modus wechseln. Im „Filmmaker“-Setup werden sämtliche Bildverbesserer deaktiviert, der Zuschauer soll den Film mit der optischen Intention des Regisseurs erleben. Erheblichen Einfluss auf die Darstellung hat der Modus „Adaptives Bild“. Dieser modifiziert nicht nur die Helligkeit, sondern auch die Farben massiv. Spielfilme und Dokus erhalten somit einen neuen Charakter. Man muss ausprobieren, ob einem der Look gefällt. Bewegungen gelingen dem QLED geschmeidig. Das Panel ist hervorragend entspiegelt, die Blickwinkelstabilität ist ebenfalls top.

Kompakt und übersichtlich: Die Metallfernbedienung des Samsung verzichtet auf eine Tasten-Odyssee. Durch einen langen Druck auf bestimmte Tasten kann man zusätzliche Funktionen nutzen. Das ist zwar nicht ganz so intuitiv, aber nach kurzer Zeit hat man den Dreh raus.

Vorbildlich: Die Tizen-Benutzeroberfläche stellt alles auf einen Blick dar, was wichtig ist – Apps, Einstellungen, Quellen, TV-Programm und Senderlisten.

EPG extra für Sportfans: In der bereits vorinstallierten App „Sportworld“ sieht man, welche sportlichen Höhepunkte auf welchem Kanal übertragen werden.

Ein kleines Ausstattungsdefizit hat der 75-Zöller beim Ton: Er unterstützt kein Dolby Atmos. Das 70 Watt starke 4.2.2-System mit sechs Lautsprechern klingt trotzdem füllig. Gerade durch die enorme Breite des Geräts mit 166 Zentimetern entsteht eine weite Klangbühne. Auch wer weiter außen sitzt, wird akustisch in die Handlung hineingezogen. Über die Option „Verstärken“ wird die Dynamik erhöht. Bei instrumentaler Musik fällt auf, dass der Samsung mit „Adaptiver Ton+“ noch etwas feinfühliger agiert, die Detailtreue anhebt, einzelne Instrumente klarer voneinander trennt. Das Bassfundament ist überschaubar. Auch bei höheren Pegeln bleibt der GQ950T standfest und tendiert erst relativ spät zu leichten Verzerrungen.

                             

Der Testbericht Samsung GQ75Q950T (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 7300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 10-2020 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

93 Sehr gut

Der GQ75Q950T ist ein herausragender Fernseher mit super Bild, sattem Ton und üppiger Ausstattung. Mit nativem 8K-Material liefert der Samsung eine überragende Detailfülle. Der Aufpreis gegenüber dem fast genauso guten GQ75Q800T ist allerdings nicht gerade klein.

REFERENZKLASSE

Jochen Wieloch

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