Yamaha RX-V585 (Test)

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Die Yamaha-Fernbedienung ist klar strukturiert, sinnvoll untergliedert und liegt gut in der Hand. Eine Beleuchtung wäre wünschenswert.

Das Verlegen von Lautsprecherkabeln gehört wohl zu den unliebsamsten Aufgaben eines jeden Heimkino-Besitzers. Nicht nur, dass lange Kabel viel Geld kosten, meist liegen sie auch unschön und störend im Weg herum – besonders beim Staubsaugen. Wer es etwas aufgeräumter haben möchte, der dürfte für Yamahas neuestes Feature ein offene Ohr haben: „MusicCast Surround“ nennen die Japaner die Option, Surround-Boxen und Subwoofer ohne Kabel mit den neuen AV-Receivern der 85er-Baureihe  betreiben zu können, zu der auch der hier getestete RX-V585 gehört. Der Neuling kann allerdings nicht zu jedem beliebigen Aktivlautsprecher Kontakt aufnehmen, denn für den Wireless Sound werden Wireless Speaker mit MusicCast-Funktion benötigt – und die kommen natürlich auch von Yamaha.

Abseits des aufgerüsteten MusicCast-Systems  haben die Japaner im Vergleich mit dem Vorjahresmodell RX-V583 (ein 584-Modell gab es nicht) nur Details verbessert. So soll der Eco-Modus noch mehr Energie sparen, im Test reduzierte dieser den durchschnittlichen Verbrauch von 230 auf gute 138 Watt. Außerdem spielt der Mediaplayer nun WAV- und AIFF-Files mit bis zu 192 kHz / 32 Bit (statt 24 Bit) sowie DSD-Dateien mit bis 11,2 MHz (statt 5 MHz). Den DAB+ Empfänger des kleineren Modells RX-V485 bekam der große Bruder hingegen nicht spendiert – schade eigentlich.

Ausstattung und Technik

Am Aussehen des in Schwarz und Titanfarben erhältlichen RX-V585 hat sich nichts verändert. Die Front besteht nur aus Plastik, was in dieser Preisklasse allerdings Standard ist – ebenso die saubere Verarbeitung mit geraden Spaltmaßen, abgesofteten Kanten und makellosem Oberflächen-finish.

Auf der Front finden Kopfhörer, Zuspieler mit Mini-Klinkenanschluss und USB-Geräte Kontakt. Die Rückseite bietet 4 HDMI-Eingänge und einen HDMI-Ausgang, was für den normalen Heimkino-Einsatz ausreichen sollte. Digital-Quellen finden einmal via Toslink und zweimal via Koax Anschluss, analoge Zuspieler docken an den drei Stereo-Cinch-Terminals an. Auch die drei FBAS-Inputs und der Monitor-Ausgang dürften im Digitalzeitalter eher wenig Beachtung finden. Vergeblich suchen wir dagegen einen Phono-Anschluss für Plattenspieler, die gerade besonders angesagt sind. So benötigt man für den Betrieb eines Vinyl-Drehers am RX-A585 einen externen Phono-Vorverstärker.

Ausgedünnt: 4 HDMI-Eingänge und 1 Ausgang sind für kleine Heimkinos ausreichend. Hinzu kommen 4 analoge FBAS-Videobuchsen. Neben 3 Digital-Inputs stehen 3 Paar analoge Cinch-Buchsen zur Verfügung, ein Phono-Eingang fehlt dagegen. Oben links wie rechts lassen sich zwei Wireless-Antennen aufschrauben.

Zum Standard auch in dieser Preisklasse gehören Decoder für Dolby Atmos und DTS:X. Auro 3D verbaut Yamaha in keinem ihrer Geräte. Die 3D-Sound-Mischer Dolby Surround und DTS Neural:X erlauben mit Einschränkungen das Cross-Format- Upmixing – so konnte Neural:X im Test keine Dolby-True-HD-Signale in die dritte Dimension hochrechnen; Dolby-Digital-Ton dagegen schon. Ebenfalls an Bord sind die alten, aber bewährten 2D-Mixer DTS Neo:6 Cinema und Neo: 6 Music. Eine Spezialität von Yamaha sind die unzähligen „Cinema DSP 3D“-Klangprogramme, die 2D-Ton nach Yamahas eigenen Algorithmen zu 3D-Ton konvertieren. Der AX-V585 bietet ferner die „Virtual Surround Back Speaker“- und „Virtual Presence Speaker“-Funktionen, die via Cinema DSP nicht vorhandene Back-Surround-Boxen bzw. Front-Height-Boxen simu-lieren.

Apropos Rear-Boxen: Mit 7 Paar Lautsprecher-Terminals kann man entweder Back-Rear-Boxen oder zwei Höhen-Boxen verkabeln. Mit seinen 7 verbauten Endstufen unterstützt der RX-V585 maximal 7.1- bzw. 5.1.2-Kanäle. Echter 9.2-Sound ist der Maschine nicht zu entlocken, auch nicht mit der Unterstützung zweier Aktiv-Lautsprecher durch das MusicCast Wireless-Surround-System. Pre-outs für größere Setups mit 5.1.4- und 7.1.4-Kanälen fehlen, Vorverstärkerausgänge gibt es nur für zwei Subwoofer, die stets dasselbe Signal ausgeben. Bei Nutzung eines 5.1-Sets können die verbleibenden Endstufen für die aktive Beschallung eines zweiten Hörraums verwendet werden. Im 5-Kanal-Betrieb ist das Bi-Amping der Hauptlautsprecher möglich. Höhen-boxen lassen sich nicht nur vorne, sondern nun auch mittig an der Decke („Lichte Höhe“) definieren. Aufsatzboxen (Dolby Enabled) dürfen nur vorne Platz nehmen.

Yamahas Einmess-Mikrofon lässt sich auf ein Stativ schrauben.

Verbesserungspotenzial sehen wir bei der Lautsprecher-Konfiguration mit ihren zu groben Distanzschritten von 5 Zentimetern (1 Zentimeter wäre optimal), was wir bei Yamaha schon seit Jahren monieren. Auch die Einstellung von nur einer Crossover-Frequenz (40 bis 200 Hz) für alle Boxen empfinden wir als suboptimal. Der Grafik-Equalizer regelt bis auf den Subwoofer alle Boxen einzeln zwischen 63 Hz und 16 KHz mit 7 Bändern. Yamahas Einmess-System YPAO unterstützt beim RX-V585 nur einen Messpunkt, auch die Winkel-/Höhenmessung der teureren Aventage-Modelle fehlt.

Video und Multimedia

Mit 4K/60p-Unterstützung samt HDR10, HLG und Dolby Vision ist der kleine Yamaha auf dem aktuellen Stand der Video-Technik – HDMI 2.1 kommt erst nächstes Jahr. Der rudimentäre Scaler rechnet 1080p-Material auf 4K-Auflösung hoch, einen Video-Equalizer gibt es nicht. In Sachen Multimedia klotzt Yamaha mit der Music-Cast-App, die neben einer Vielzahl von Streaming-Diensten auch etliche Multiroom-Lösungen bereithält. Ferner findet Musik ihren Weg über Bluetooth, AirPlay, DLNA, WiFi-Direct und iPod-Direktanschluss in den Receiver. Der Media-player akzeptiert Hi-Res-Formate wie FLAC, ALAC, WAV, AIFF und DSD. Darüber hinaus findet man ein Web-Radio sowie die Streaming-Dienste „Juke“, „Napster“, „Deezer“, „Tidal“, „Qobuz“ und „Spotify“ im Receiver integriert.

Yamaha hat sein Multiroom-System MusicCast um eine interessante Funktion erweitert: „MusicCast Surround“ bietet die Option, Surround-Boxen drahtlos mit den AV-Receivern der 85er-Baureihe zu betreiben. Lästiger Kabelsalat im Wohnzimmer entfällt damit. Gleiches gilt für den Subwoofer. Der Haken daran: Als proprietäre Lösung ist man bei der Wahl der Lautsprecher auf MusicCast-fähige Produkte von Yamaha beschränkt – und sonderlich groß ist die Auswahl bislang nicht.

Für Wireless-Surround geeignet: Die Speaker MusicCast 20 (links), MusicCast 50 (unten) und der Woofer SUB 100 vernetzen mit Yamaha-Receivern.

Zur Wahl stehen die Streaming-Lautsprecher MusicCast 20 und MusicCast 50, die vollständige Aktiv-Speaker sind und mit vielseitigen Funktionen wie der Alexa-Sprachsteuerung, Hi-Res-Audiowiedergabe und Musik-Streaming via MusicCast-App aufwarten. An Subwoofern gibt es nur einen, den 25,2 x 37,3 x 41,8 Zentimeter großen MusicCast SUB 100, dessen 8-Zoll-Chassis von einem 130-Watt-Verstärker angetrieben wird. Alle Boxen sind in Schwarz oder Weiß lieferbar.

Tonqualität

Bei der Leistungsmessung knickte der RX-V585 böse ein: Bescheidene 12 Watt (6 Ohm) bzw. 20 Watt (4 Ohm) waren unserem Testmuster pro Kanal bei zeitgleicher Auslastung aller 7 Kanäle zu entlocken. Im 5-Kanal-Betrieb waren es kaum mehr, 25 (4 Ohm) respektive 33 Watt (4 Ohm) sind unterdurchschnittlich. Dies wirkt sich natürlich auf unsere Wertung aus und ist der einzige Grund, warum der Yamaha als einziger Test-Kandidat nur ein „ausreichend“ bekommt. Im Stereo-Modus waren die Werte mit 95 (6 Ohm) und 110 (4 Ohm) Watt dagegen im erwartbaren Rahmen.

Im Hörtest fiel die schwache Brust des Japaners allerdings nicht sonderlich auf. So schob er barocke Orchester-Musik von 5.1-SACD angenehm luftig, leicht und locker  in unseren Hörraum, wobei der Receiver auch den nativen DSD-Stream der Disc erkannte. Doch auch rockigere Töne lagen dem kleinen Japaner, der hier mit mit druckvollen und federnden Bässen Akzente setzte. Die Einmessung lieferte plausible Werte, im Ergebnis spielte der RX-V585 unten herum etwas konturierter, in den Obertönen etwas heller. Den „Powerful Bass“ in Dolbys Atmos-Clip „Amaze“ meisterte er tadellos, das Gewitter grummelte tief, druckvoll und ohne Störgeräusche aus unserem Subwoofer.

Auch in Sachen Räumlichkeit wusste der Japaner mit seinem großen Klangfeld zu überzeugen, in dem Soundobjekte präzise umherflogen. Selbst bei Tönen aus den Deckenboxen hatten wir das Gefühl, den Sound von oben zu hören – und nicht etwa von halb oben oder von vorne, was beim Einsatz von nur 2 Höhenboxen öfter vorkommt.

Im Stereo-Betrieb spielte der RX-V683 klar und aufgeräumt sowie mit präziser räumlicher Abbildung von Stimmen und Instrumenten. Der „Enhancer“ schraubte ordentlich Bässe und Höhen für einen dynamischeren Sound in den Klang – was komprimierter Musik mehr Leben einhaucht.

Der Testbericht Yamaha RX-V585 (Gesamtwertung: 60, Preis/UVP: 570 Euro) ist in audiovision Ausgabe 9-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

60 befriedigend

Der kleine Yamaha RX-V585 punktet mit 3D-Ton-Decodern, vielen Klangprogrammen, aktueller 4K-Funktionalität sowie vielseitiger Multimedia-Ausstattung. Die geringen Leistungsreserven kosten aber wertvolle Punkte und bescheren dem Japaner letztlich nur die Note „ausreichend“.
Andreas Oswald

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