Yamaha RX-A3080 (Test)

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Yamahas neues Receiver-Flaggschiff RX-A3080 nutzt künstliche Intelligenz für den bestmöglichen Klang. Was es mit der Technik „Surround:AI“ auf sich hat und wie sie klingt, klären wir in unserem XXL-Test.

 

Nicht stur nach Schema F, sondern intelligent analysiert und in Echtzeit optimiert soll Yamahas neues Klangprogramm „Surround AI“ Heimkino-Sound aufpolieren. Wir erklären, was dahinter steckt und wie es klingt.

Yamahas neues Raumklang-Programm „Surround: AI“ möchte eine Revolution im Heimkino einläuten. Hierbei sollen intelligente Rechenprozesse Tonsignale für bestmöglichen Klang in Echtzeit analysieren und optimieren.

Der Begriff „Artifizielle Intelligenz“ (kurz AI) stammt aus der Informatik und beschreibt die Automatisierung intelligenten Verhaltens sowie maschinelles Lernen. Ziel ist die Erschaffung von Computern, die zu menschen­ähnlichen Entscheidungsprozessen und damit zur eigenständigen Lösung von Problemen fähig sind. In der Praxis ist man jedoch noch weit davon entfernt.
Yamaha münzt den dehnbaren Ausdruck der Künstlichen Intelligenz auf sein neues Sound-Programm namens „Surround:AI“ und impliziert damit, der Sound-Decoder denke und lerne mit, um eingehende Toninformationen individuell zu interpretieren und nicht nur stur nach definierten Algorithmen abarbeiten zu können. Laut den Japanern analysiere die AI-Technologie 5 mal pro Sekunde Tonsignale Szene für Szene in Bezug auf Elemente wie Dialoge, Hintergrundmusik, Umgebungsgeräusche und Sound-Effekte. Der Surround Sound werde dann in Echtzeit optimiert, „ganz so, als ob ein Yamaha-Techniker den besten Klang für Sie ganz persönlich einstellen würde“, verspricht der Werbetext.
Das Surround-AI-Programm ist Teil von Yamahas umfangreicher Klangprogramm-Riege, die unter dem Namen CINEMA DSP HD3 zusammengefasst ist. Die HD3-DSPs lassen sich auch auf 3D-Ton mit Dolby Atmos und DTS:X anwenden, 2D-Ton mit Dolby Digital und DTS rechnet Surround:AI bis auf 7.1.4-Kanäle hoch und tritt damit als Alternative zu den 3D-Ton-Upmixern Dolby Surround und DTS Neural:X auf. Konträr zu den meisten DSP-Programmen ist eine manuelle Anpassung der Surround:AI-Schaltung nicht möglich – und soll es auch nicht sein. Die AI möchte das Bestmögliche aus den Tonsignalen herauskitzeln und dem Zuhörer die Arbeit abnehmen.

Von nichts Geringerem als einer „Heimkino-Revolution“ spricht Yamaha, wenn es um die Anpreisung der neuen Sound-Technik  „Surround: AI“ geht. Die soll in Echtzeit Tonsignale analysieren und intelligent optimieren, was cool und irgendwie nach Science-Fiction klingt. Ob Surround-Sound mit „AI“ tatsächlich intelligenter oder doch nur „artifizieller“ klingt, haben wir ausführlich im Rahmen dieses Tests überprüft.

Wie klingt denn nun Yamahas künstliche Intelligenz? Um diese Frage zu beantworten, haben
wir verschiedene Tonformate mit Yamahas AI ausführlich Probe gehört und mit den gängigen
3D-Upmixern verglichen – mit differenziertem Ergebnis.

Beim 7.1.4-Upmix von Stereo-Ton nutzt die AI-Schaltung den Decoder DTS Neo:6 Cinema als Basis – auch wenn eine Dolby-Spur anliegt.

Da der RX-A3080 nur 9 Endstufen besitzt, lief unser 7.1.4-Boxenset in den Konfigurationen 5.1.4 oder 7.1.0. Natürlich wurden alle Lautsprecher mit Yamahas YPAO-System eingemessen. Als Besonderheit mischt der RX-A-3080 5.1-Ton grundsätzlich auf 7.1 hoch, sofern Back-Rear-Boxen im Boxen-Setup aktiviert wurden – selbst wenn man den Klangmodus „Straight“ wählt. Nur die „Pure Direct“-Schaltung umgeht den Upmix, dann greifen jedoch keine Klangprogramme, auch nicht Surround:AI.
Über mehrere Tage lief der RX-A3080 etliche Stunden mit unterschiedlichstem Material: von Spielfilmen über Serien bis zu Live-Konzerten und Musikvideos, abgespielt von Blu-ray, DVD, CD und Youtube via ARC vom Fernseher. Neben dem Hörraum in der Redaktion musizierte der RX-A3080 auch im privaten Heimkino eines Redakteurs, wo sich unsere AI-Höreindrücke im Großen wiederholten.
Zusammenfassend wirkte sich „Surround AI“ vor allem auf die Verteilung von Toninformationen im dreidimensionalen Klangraum sowie bei der Addition von Hall aus. In anderen Kategorien wie Bass, Dynamik oder Tonalität griff die AI-Schaltung wenig bis gar nicht hörbar ein, so zumindest unser Eindruck. In einigen Fällen glaubten wir, Dialoge etwas präsenter oder verhangener zu hören, hier und da schallte es etwas digitaler oder verhallter. Klangfarben veränderten sich, wenn überhaupt, nur marginal. Insgesamt vermittelte Surround:AI stets ein verändertes Raumgefühl und wirkte sich je nach Tonmaterial vor- oder auch nachteilig aus.

Surround:AI darf man auch bei Dolby Atmos-Ton aktivieren; das animierte Symbol zeigt die Aktivität der Schaltung an.

AI bei 2.0-Ton: Bei der Decodierung von 2.0-Signalen in den Formaten PCM, Dolby Surround oder DTS Surround nutzt Yamahas AI-Schaltung als Basis den DTS-Decoder „Neo:6 Cinema“. Dieser ist eigentlich ein klassischer 2D-Ton-Decoder, den die AI um vier Höhenkanäle erweitert, sofern diese im Boxen-Menü aktiviert wurden. An einem 7.1.0-Boxenset ohne Höhen-Speaker klang die AI im Vergleich zu „Neo:6 Cinema“ recht ähnlich, der dezente Nachhall der AI-Schaltung fiel erst bei zweitem Hinhören auf; meist tat er es nicht, was aber auch von der abgespielten Aufnahme abhängig war.
AI bei 7.1-Ton: Bei diskretem Mehrkanal-Ton werden alle Karten neu gemischt: Statt „Neo:6 Cinema“ setzt Yamaha die DSP-Algorithmen von Surround:AI dem nativen Ton-Decoder oben drauf – AI Dolby, AI DTS oder AI PCM könnte man daher sagen. Mit einem 7.1.0-Set­up waren bei 5.1- und 7.1-Ton Unterschiede zwischen „Straight“ und AI je nach Material teils deutlich hörbar – bei Musik mehr als bei effektlastigen Blockbustern: AI addierte Hallanteile auf verschiedene Boxen, am wenigsten auf den Center und stark auf die Surround-Speaker. Seitlich wie hinten klang es damit dezent „wattiert“ und folglich etwas runder bzw. indirekter. Im Gegenzug schallte es aber auch weniger greifbar, was etwa bei präzisen Effekten von Nachteil sein kann.

AI bei Dolby Atmos und DTS:X: Ob Sound mit Dolby Atmos oder DTS:X, auch hier hatte AI hörbare Auswirkungen – selten mehr, häufig weniger. Mit Surround:AI klang etwa Makoto Nakuras Xylophon-Spiel von der Dolbys Atmos Demo Disc ein wenig weiter entfernt auf den Rear-Boxen. Der addierte Hall von AI kollidierte allerdings suboptimal mit dem natürlichen Hall der Aufnahme, es klang verwaschener, heller und nach „digital“. Je nach Hörbeispiel fiel dieser Hall-Effekt nur dezent auf, mit trocken und präzise gemischten Sounds wie dem „DTS:X 7.1.4 Callout“ empfanden wir den plötzlich stark hörbaren Hall als störend.

AI als 5.1.4-Upmixer: Bei 7.1-Ton an einem 5.1.4-Boxen-Setup rückte der aktive AI-Upmixer die Surround-Lautsprecher etwas aus dem Fokus, sie wurden unauffälliger, aber auch etwas diffuser und „hohler“ als ohne Klangschaltung („Straight“). Der Hall der AI-Automatik fällt meist kaum ins Gewicht, störte aber vereinzelt, etwa wenn zu Beginn von „Transformers 3“ die Sterne des Paramount-Logos akustisch im Kreis fliegen.
Verglichen mit Dolbys Surround-Mixer packte die AI-Schaltung weniger Toninformation der 2D-Klangebene auf die Höhenboxen, auf denen es mit AI klarer und weniger verhallt tönte. Dolbys Mixer spielte tonal deutlich heller, Effekte schallten auch deshalb etwas präsenter im 3D-Klangfeld. Ohne die Aufhellung des Dolby-Mixers, aber mit erhöhter Klarheit auf den Rear-Speakern lieferte Neural:X eine plastischere und größere Räumlichkeit als der AI-Mixer, der Details der rückwärtigen Speaker in eine sanfte Klangwolke wattierte. Zudem klang es auf den Höhenboxen via Neural:X plastischer und vollwertiger, Tonobjekte der Höhenkanäle wurden nicht verstümmelt bzw. nicht nur angerissen wiedergegeben wie bei der AI-Schaltung.
Anders sah es beim Upmix von 2.0-Ton aus: Ob Film oder Musik, das Duell zwischen DTS Neural:X und AI gewann Yamahas Klangintelligenz, nicht zuletzt aufgrund der luftigeren und räumlich ausgewogeneren Spielweise; mit Neural:X „klebte“ der Sound regelrecht an den Boxen. Dolbys Surround-Mixer bot konträr zu AI ein größeres Schallfeld, kämpfte aber mit einem helleren und verhallten Klang, der recht künstlich tönte.

Unser Fazit: Yamahas AI-Technologie stellt aus klang­licher Sicht keine Revolution dar, eignet sich aber gut als 3D-Upmixer und damit Alternative zu den Decodern von Dolby und DTS.

Doch nicht nur Neues steckt drin im RX-A3080, auch Bekanntes wurde verbessert: Etwa die grafische Benutzeroberfläche, die dringend eines Face Lifts bedurfte. Zudem wurde die Fernbedienung überarbeitet, was aus unserer Sicht ebenso sinnvoll war. Zu guter Letzt besitzt der RX-A3080 einen zusätzlichen DAC (ESS SABREPRO 9007S), der den etablierten ESS ES9026PRO SABRE unterstützt.

Der Preis blieb im Vergleich zum Vorgänger RX-A3070 (Test in Ausgabe 11-2017) konstant, 2.500 Euro veranschlagt Yamaha für das neue Flaggschiff, womit sich der AV-Receiver in ähnlichen Preisgefilden bewegt wie die Topmodelle der Konkurrenz.

  

Überarbeitete Bedienung

Bestens bestückt: Alle wichtigen Anschlüsse inklusive Phono finden sich in ausreichender Zahl, auch 11.2.-Pre-Outs für 7.2.4-Ton sind vorhanden. Trotz 9 Endstufen lassen sich 11 Paar Lautsprecher verkabeln, der Decoder entscheidet in diesem Fall, welche Boxen aktiv sind. Die Antennen (nicht im Bild) für WiFi und Bluetooth lassen sich abschrauben.

Die komplett neu gestaltete Fernbedienung ist mit 24,5 Zentimetern Länge riesig. Der Geber wirkt wertig, auch wenn das Gehäuse nur aus Kunststoff besteht; die Oberseite wurde vollständig gummiert und fühlt sich angenehm an. Weniger gelungen empfinden wir die Tasten: Diese bestehen aus kleinen Erhebungen und Vertiefungen, die schwer zu erfühlen sind und nur einen winzigen Druckpunkt besitzen. Genaues Hinsehen bei jedem Tastendruck ist fast unerlässlich und selbst dann kann man sich mal verdrücken. Die Tastenbeleuchtung hilft bei der Navigation im Dunkeln und springt an, sobald man den Geber bewegt beziehungsweise in die Hand nimmt. 

Zonen: Mit den obersten Tasten ist wählbar, ob Befehle für die Hauptzone oder die Nebenräume 2 bis 4 gelten.

Scenes: Mit den 8 Szenen-Tasten ruft man zuvor definierte Befehlsketten auf. Mit INPUT zappt man durch alle aktiven Eingänge.

Navigation: Mittig sitzt das Steuerkreuz zur Navigation durch Menüs. Die HELP-Taste („?“) liefert weiterführende Erklärungen, sobald im Bildmenü das ?-Symbol auftaucht.

Klangprogramme: Mit „Program“ kann man sich durch die zahllosen Klangschaltungen hangeln. „Sur.Decode“ steuert dagegen direkt die Decoder von Dolby und DTS an. „Surround: AI“ und der Klangverbesserer „Enhancer“ bekamen  eigene Tasten spendiert.

Die „Pure Direct“-Taste sitzt entgegen unserer Logik weit abseits, nämlich fast ganz oben am Geber.

Alternativ darf man den Receiver auch via Yamahas MusicCast-App oder Controller-App steuern. 

Die vollständige Konfiguration des Receivers kann auch anhand des umfangreichen, aber recht verschachtelten Web-Interfaces erfolgen: Es wird über die IP-Adresse in einem normalen Web-Browser aufgerufen und arbeitet daher unabhängig vom Betriebssystem. Vornehmlich die Bedienung von Streaming-Funktionen funktioniert auch mit Amazons Sprachdienst Alexa, wofür jedoch ein kompatibler Smart-Lautsprecher benötigt wird.

Als gelungen empfinden wir das neue, schnörkellose Design der grafischen Menüs im RX-A3080. Die verschachtelte Navigationsstruktur früherer Geräte ist passé, sämtliche Reiter sitzen nun links, während rechts zum gewählten Menüpunkt teils ausführliche Erklärungen erscheinen. Die blaue bzw. grüne Hintergrundfarbe wirkt elegant, die Schrift modern. Allerdings hapert es bei der Schärfe, denn Texte sehen noch immer aus, als wären sie von SD- auf Full-HD-Auflösung hochgerechnet.

 

Hochwertige Komponenten

Das Vollmetallgehäuse ist bestens verarbeitet, der Deckel wirkt robust und die schwere Aluminium-Frontklappe wurde aus dem Vollen gefräst. Das große Punktmatrix-Display samt Kanalmatrix und separater Pegelanzeige lässt sich hervorragend ablesen und 4-stufig dimmen, bedauerlicherweise aber nicht ganz abschalten. Der stabile Rahmen mit mittig sitzender Verstrebung im Inneren sorgt für ein recht verwindungssteifes Gehäuse, das Vibrationen minimieren soll. Die Verstärkerbausteine sind symmetrisch links und rechts des mittig sitzenden Transformators platziert, wovon sich die Yamaha-Entwickler eine optimierte Stereo-Kanaltrennung versprechen.

Yamahas Einmess-Mikrofon arbeitet zuverlässig und gehört zum Lieferumfang.

Bei den Anschlüssen auf der Rückseite gab es zwei Veränderungen: Hinzugekommen sind zwei Pre-outs im XLR-Format für die Kanäle Front Links/Rechts. Dank zweier XLR-Eingänge lässt sich der Receiver somit für das Stereo-Hören komplett symmetrisch verkabeln. Neu ist zudem der dritte HDMI-Ausgang, der separate AV-Signale an einen Nebenraum liefert. Dafür fiel der HDMI-Input unter der Frontklappe weg. Mit 7 HDMI-Eingängen sollten trotzdem selbst in großen Heimkinos keine Engpässe aufkommen. Vinyl-Freunde werden den Phono-Eingang begrüßen, Radio-Fans dürfen sich neben dem analogen FM-Empfang auch über DAB+ für terrestrisches Digitalradio freuen; die dafür benötigte Antenne liegt im Karton. Entgegen früheren Modellen besitzt der RX-A3080 keine Onscreen-Menüs mehr für die Bedienung der Tuner, so dass man fürs Radiohören auf das Geräte-Display oder die Nutzung von Yamaha MusicCast-App angewiesen ist.

Unter dem Deckel zeigt der Yamaha RX-A3080 ein aufwändiges Innenleben: Den heißen Bauteilen wie dem Trafo (mittig) und den links wie rechts symmetrisch angeordneten Endstufen steht ausreichend Platz zur Verfügung, so dass die Entwickler auf einen Ventilator verzichten konnten. Die mittige Strebe verleiht dem Gehäuse mehr Stabilität und soll so Vibrationen minimieren.

 

Nur 9 Endstufen

Mit 9 verbauten Leistungsverstärkern zieht der RX-A3080 gegenüber den Flaggschiffen von Denon, Marantz, Pioneer und Onkyo den Kürzeren, die allesamt mit 11 bzw. 13 verbauten Endstufen aufwarten können. Auch auf die Unterstützung von Auro 3D muss man bei Yamaha nach wie vor verzichten. Beide Defizite kosten in der Disziplin „Ausstattung“ wertvolle Punkte.

Unter Zuhilfenahme von 2 externen Endstufen ist der RX-A3080 dank entsprechender Pre-outs und 11.2-Kanal-Processing aber fit für 7.2.4-Lautsprechersets mit Deckensound. Apropos Höhenboxen: Nutzt man nur zwei davon, beschränkt der Yamaha die Auswahl auf die vorderen Positionen, hinten lassen sich dann keine Höhenboxen betreiben. Zudem fehlt eine in Längsachse mittige Platzierung, wie sie Dolby für 5.1.2-Setups empfiehlt.

Die 2 Subwoofer-Kanäle kann man individuell in Pegel, Distanz, Phase und Equalizer justieren und sogar stereophon (links/rechts, vorne/hinten) ansteuern. Die Schrittweite der Boxendistanzen fällt mit 5 Zentimetern aus unserer Sicht zu grob aus, 1 Zentimeter wäre optimal. Vorbildlich ist die Pegel-justage mit 0,5-dB-Schritten. Ausgezeichnet gefällt auch die Option, zwei komplette Boxen-Setups getrennt speichern zu können. So kann man etwa die Auswirkung zweier unterschiedlicher Einmessvorgänge per Knopfdruck vergleichen oder sich separate Lautsprecher-Konfigurationen fürs Filmgucken und Musikhören anlegen.

Die internen Verstärker und Pre-Outs des Yamaha lassen sich flexibel auf 4 Hörzonen (Main, Zone 2 bis 4) zuweisen. Natürlich unterstützt der RX-A3080 auch das Bi-Amping. Zudem hat Yamaha sein Multiroom-System MusicCast um eine interessante Funktion erweitert: „MusicCast Surround“ bietet die Option, Surround-Boxen und einen Subwoofer drahtlos mit den aktuellen AV-Receivern zu betreiben. Die proprietäre Lösung ist allerdings auf MusicCast-fähige Lautsprecher von Yamaha beschränkt, was die Auswahl derzeit auf die Streaming-Lautsprecher MusicCast 20, MusicCast 50 und den MusicCast SUB 100 beschränkt.

 

DSPs, Decoder und YPAO

Drei DSP-Chips liefern die Rechenleistung für Yamahas zahlreiche „Cinema DSP HD3“-Raumklangprogramme, die sich auch auf Dolby-Atmos- und DTS:X-Ton anwenden lassen. Die Konfigu-ration der 24 DSP-Programme erledigt man am besten über die anschaulichen Grafiken von Yamahas AV Controller App. Mittels seiner Klangprogramme kann der RX-A3080 Lautsprecher auch virtuell erzeugen, in der Praxis sind reale Schallwandler den virtuellen aber deutlich überlegen. Lobenswert finden wir die Integration des DTS Neo:6-Decoders („Cinema“, „Music“), der als gute 2D-Alternative zu den 3D-Upmixern von Dolby und DTS fungiert. Leider fehlen wie schon erwähnt die Decoder von Auro und auch das Cross-Format-Upmixing ist beim RX-A3080 nur noch eingeschränkt möglich. 

Bereits in der letzen Ausgabe hatten wir darüber berichtet, dass Dolby die Wiedergabe ihrer Tonformate mit Decodern der Konkurrenz unterbinden möchte. Yamaha hat nun offenbar dem Druck der Kalifornier nachgegeben und sperrt im RX-A3080 bestimmte Decoder-Funktionen. So lassen sich Datenströme in den Formaten Dolby TrueHD, Dolby Digital Plus und Dolby Atmos nicht mehr mit dem DTS-Upmixer Neural:X wiedergeben.
Das Kuriose: Liegen Dolbys HD-Formate an, kann der Neural:X-Decoder trotzdem ausgewählt werden, im Geräte-Display sowie im aufpoppenden Onscreen-Hinweis erscheint die Bestätigung hierfür. Hörbare Auswirkungen besitzt der Neural:X-Decoder allerdings nicht, es wird stattdessen der originale Dolby-Stream ohne Upmixer abgespielt. Das Kleingedruckte in der Bedienungsanleitung bestätigt unsere Beobachtungen: „Der Neural:X-Dekoder ist für Signale der Art Dolby Digital Plus und Dolby TrueHD nicht verfügbar.“ Die „Falschanzeige“ sollte sich durch ein Firmware-Update beheben lassen.

Nicht jeder Decoder verträgt sich mit jeder Tonquelle: Dolby sperrt bei seinen HD-Formaten den Neural:X-Upmixer von DTS aus.

Yamahas neues 3D-Klangprogramm Surround:AI lässt sich übrigens auf alle von uns getesteten Tonformate anwenden. Um nicht den Überblick zu verlieren, haben wir in einer Tabelle zusammengefasst, welcher Upmix-Decoder bei welchem Tonformat greift.

Apropos Upmixing: Anliegender 5.1-Ton wird bei Betrieb eines 7.1-Boxen-Set-ups automatisch auf 7.1-Kanäle verteilt – selbst im „Straight“-Modus, also ohne aktivierte Upmixer und Hallprogramme. Für nativen 5.1-Ton muss man ein Lautsprecher-Setup ohne Back-Surround-Boxen wählen, was dank der Möglichkeit zur Speicherung von zwei unabhängigen Boxen-Konfigurationen kein Problem darstellt. Dank der Szenen-speicher lassen sich alle wichtigen Einstellungen samt Boxen-Setup, Hörmodus, Eingangsquelle und Lautstärke direkt über 8 Tasten auf der Fernbedienung aufrufen.

Der DAB+ Tuner bekam kein eigenes Onscreen-Menü spendiert, was den Blick aufs Geräte-Display nötig macht.

Yamahas Einmess-System „YPAO R.S.C.“ arbeitet mit 64 Bit, berücksichtigt bei der Entzerrung des Frequenzgangs bis zu 8 Messpositionen und errechnet auf Wunsch auch Winkel und Höhe der Lautsprecher; für deren Messung liegen spezielle Mikrofon-Sockel bei. Wer die Ergebnisse der Einmessung noch feintunen möchte, kann dies mit dem parametrischen Equalizer tun, der für jede Box 7 Einzelfilter (je 4 für die 2 Subwoofer-Kanäle) zur Verfügung stellt, die sich in der Frequenz (31-stufig) sowie in Verstärkung, Absenkung und Band-breite regeln lassen. Dank der Neustrukturierung des EQs ist dieser nur übersichtlicher und einfacher zu bedienen.

Nicht optimal: Beim Hochrechnen von 1080p-Material auf UHD-Auflösung produziert der RX-A3080 Doppelkonturen, wie das linke Bild zeigt. Im Foto rechts ist das 4K-Upscaling durch den Fernseher abgebildet.

 

Video und Multimedia

Das Videoboard des Yamaha RX-A3080 akzeptiert 4K/60p-Sig-nale samt HDCP-2.2-Kopierschutz, 4:4:4-Farbraum, HDR10, Dolby Vison und HLG. Bei Bedarf skaliert der Receiver SD/HD-Signale auf 4K-Auflösung, hierbei entstehen aber Doppelkonturen beziehungsweise Säume an Kanten das Hochrechen sollte man daher besser der Quelle oder dem Display überlassen. Unabhängig davon bearbeitet der Video-EQ des Yamaha Bilder nach Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Detail- und Randschärfe. Zudem korrigiert das Lip-Sync-Delay dem Bild nachhinkenden Ton um bis zu 500 Millisekunden.

Das neue Hauptmenü ist übersichtlich gegliedert, ausführliche Erklärungen erleichtern die Einstellungen.

Die Kontaktaufnahme zu Musik erfolgt beim RX-A3080 über WiFi, AirPlay, DLNA, Bluetooth und Yamahas App MusicCast. Der Media-player versteht sich auch auf Hi-Res-Dateien im DSD-, WAV- und FLAC-Format. Online-Musik gibt es über das Internet-radio, sämtliche Streaming-Plattformen wie Napster, Spotify, Qobuz, Tidal und Deezer stehen dagegen ausschließlich über die MusicCast-App bereit; hier fehlen allerdings beliebte Dienste wie Amazon Music und Apple Music.

Das Internet-Radio bietet umfassende Sortierfilter inklusive separater Podcast-Liste.

 

Tonqualität  Surround

Bei der Leistungsmessung überraschte der Yamaha mit geringeren Werten als sein Vorgänger. Nur 69 statt 116 (6 Ohm) und 102 statt 129 Watt (4 Ohm) pro Kanal im 7.1-Betrieb sind ein nicht unerheblicher Leistungsabfall, bei gleichzeitiger Belastung von 5 Kanälen lieferte der Yamaha 125 (6 Ohm) bzw. 161 Watt (4 Ohm) und damit 15 respektive 4 Watt weniger als der RX-A3070.

Was auf dem Papier unschön aussieht und Punkte kostet, spielt im Heimkino-Alltag praktisch keine Rolle, denn 70 Watt waren genug, um im Hörtest auch großen Boxen wahre Soundgewitter zu entlocken. Bei höllischen Pegeln, aber auch leisen Tönen verlor der Yamaha nichts von seiner Ruhe und Kraft und lieferte einen stressfreien, dynamischen sowie souveränen Sound. Oben herum kam uns das neue Receiver-Flaggschiff der Japaner etwas sanfter als gewohnt vor, dennoch verwischte die feine Hochtonwiedergabe keine Details. Die Basswiedergabe gelang dem Boliden bereits im „Pure Direct“-Modus trocken und tief.

Die DSP-Klangmodi (hier „Spectacle“) funktionieren auch bei 3D-Ton und lassen sich individuell anpassen.

Die Boxen-Einmessung für 8 Hörpositionen plus Winkel- und Höhenmessung erledigte der RX-A3080 gewissenhaft, auch wenn wir die Distanzen der Frontlautsprecher für eine optimale Mitten-ortung des Klangs anpassen mussten. Die Zielkurve „Natürlich“ des Equalizers spielte in unseren Ohren überaus angenehm und sogar etwas dunkler als die „Pure Direct“-Schaltung, „Linear“ hob Höhen für unseren Geschmack etwas stark an.

 

Mit YPAO faszinierte der Yamaha dank großer, präziser und vor allem glaubhafter Klangfelder. Effekte von Dolby-Atmos-Clips flogen ungemein plastisch umher, wobei uns besonders die nuancierte Wiedergabe von Höhen-Effekten überzeugte, selbst subtile Richtungsänderungen präsentierte der Yamaha über unseren Köpfen klar nachvollziehbar. Beim Actionfinale von „Ghost in the Shell“ (Dolby Atmos) produzierte der Yamaha eindrucksvolles Surround-Feeling mit explosiver Dynamik und kraftvollen wie kontrollierten Tiefbässen, die unsere Deckenverkleidung in Bewegung versetzten. Der Score formte eine gewaltige Klangwolke, in der Effekte greifbar verortet wurden. Die volle Punktzahl erhält der RX-A3080 in der Kategorie „3D-Surround“ dennoch nicht, denn 11 Endstufen und damit zwei zusätzliche Kanäle bringen einen Klanggewinn; in unserem Hörraum befeuerte der Yamaha mit seinen 9 Endstufen ein 5.1.4-Set.

Im Stereo-Betrieb („Pure Direct“) überzeugte der RX-A3080 mit seiner lebendigen, druckvollen und fein auflösenden Spielart, die auch bei lauten Pegeln nie lästig oder scharf wurde. Stets fühlten wir uns in Versuchung geführt, noch lauter aufzudrehen. Elektronik-Pop machte dank kräftiger wie knackiger Bässe viel Spaß, Rock preschte dynamisch drauf los und klassische Musik bot schöne Klangfarben. Komprimierter Kost etwa von YouTube hilft die „Enhancer“-Schaltung mit mehr Bass und Höhen für einen agileren Klang auf die Sprünge. Aber für klanglich minderwertige Kost ist ein Receiver wie der RX-A3080 eigentlich viel zu schade. 

Der Testbericht Yamaha RX-A3080 (Gesamtwertung: 88, Preis/UVP: 2500 Euro) ist in audiovision Ausgabe 12-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

88 sehr gut

Der RX-A3080 überzeugt mit tollem Klang und vielen DSP-Programmen samt neuer „AI“-Technik, was ihm unsere „Innovations“-Auszeichnung beschert. Die nicht optimale 7.1-Ausgangsleistung und nur 9 Endstufen verwehren Yamahas Flaggschiff aber den Zutritt in unsere Referenz-Klasse.
Andreas Oswald

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