Yamaha Bar 400 (Test)

0

Die mittelgroße Fernbedienung erleichtert die Kontrolle mit großen, gut lesbaren und wenigen Tasten. Sie liegt gut in der Hand und besitzt separate Volume-Tasten für Soundbar und Subwoofer.

Yamaha schickt eine neue Mittelklasse-Soundbar ins Rennen: Die BAR 400 bietet für 700 Euro einen externen Subwoofer und virtuellen 3D-Sound mit DTS Virtual:X.

Yamaha ist ein alter Hase, was Soundbars  anbelangt. Vom preisgünstigen Einstieg bis zum 2.000 Euro teuren High-End-Klangprojektor haben die Japaner so ziemlich alles im Programm, um TV-Sound aufzupäppeln. Mit ihren 700 Euro landet die Bar 400 im Mittelfeld, kann aber bereits mit 3D-Sound punkten – wenn auch nur virtuell via DTS Virtual:X-Decoder. Ein externer Subwoofer gehört zum Lieferumfang, optional lässt sich die Bar mit Rear-Boxen aufrüsten. Hierfür kommen derzeit die hauseigenen Speaker „MusicCast 20“ und „MusicCast 50“ in Frage.

6 Töner, 100 Watt

Optisch wirkt die Bar 400 sehr gefällig, auch an der Verarbeitung hatten wir nichts auszusetzen. Mit nur 6 Zentimetern Höhe sollte der Riegel bei Platzierung vor dem Fernseher nicht ins Bild ragen, für eine Wandmontage gibt es Lochhalter. Die Oberseite besteht aus einer Aluminium-Platte, eingefasst von einem Kunststoffrahmen. Um die Vorderkante verläuft mittig eine 40 Zentimeter lange Kunststoffblende, die Raumlicht leider stark reflektiert; das Glänzen bzw. Glitzern kann beim TV-Genuss stören. Das robuste Frontgitter aus Metall schützt wirkungsvoll die 6 Chassis, bestehend aus 4 Mittel-/Tieftönern mit 4,5-Zentimeter-Konus, sowie 2 Kalotten-Hochtönern mit 2,5 Zentimetern Durchmesser. Die Treiber strahlen allesamt von vorn ab. Einen mittig sitzenden Center-Kanal gibt es ebenso wenig wie seitliche Membrane für simulierten Surround-Sound via Schallreflexionen über die Zimmerwände. Insgesamt stehen den Treibern 2 x 50 Watt Leistung zur Verfügung.

Ausstattung & Praxis

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite der Bar, die Kabel werden durch Aussparungen geführt. Vorhanden ist nur ein HDMI-Eingang sowie ein HDMI-Ausgang inklusive Audio-Return-Channel (ARC). Alternativ kann Ton auch via Toslink-Kabel zugespielt werden, analog geht es über 3,5-mm-Klinke in die Bar.

An Decodern bringt die Bar 400 neben PCM auch Dolby Digital und DTS sowie die Upmixer   Dolby ProLogic II und DTS Virtual:X mit. DSD-Streams von SACD über HDMI akzeptierte die Bar im Test übrigens nicht, entsprechende Signale müssen im Player ins PCM-Format gewandelt werden.

Alle Anschlüsse befinden sich auf der Unterseite: Zu einem HDMI-Eingang sowie einem HDMI-Ausgang mit ARC gesellen sich Toslink, 3,5mm-Klinke und LAN.

An Klangschaltungen gibt es „TV Program“, „Movie“, „Music“, „Sports“ und „Game“, die  den Tasten „Surround“ und „3D Surround“ der Fernbedienung zugeordnet sind. Welches der 5 Programme spielt, lässt sich allerdings nur über Yamahas  MusicCast-App einstellen. Die „3D Surround“-Taste aktiviert zudem DTS Virtual:X, die Sound-Verbesserer „Clear Voice“ und „Bass Extension“ lassen sich zu allen Klangprogrammen bzw. Decodern zuschalten. Regler für Bass/Höhen oder einen Equalizer hat der Klangriegel nicht zu bieten, immerhin darf man den Subwoofer-Pegel getrennt zur Lautstärke der Soundbar steuern. Auf ein Lip-Sync zur Synchronisierung von Bild und Ton sowie eine Dynamik-Kompression fürs Leisehören bei Nacht muss man verzichten.

LED-Lichter auf der Oberseite der Bar zeigen den Status an. Leider sind diese je nach Aufstellung der Bar weniger bis gar nicht vom Sitzplatz aus sichtbar bzw. lesbar.

Zur Bedienung der Bar verbaute Yamaha an der Oberseite des Gehäuses 5 Sensortasten. LED-Lichter zeigen zwar Status, Lautstärke und Eingangsquelle an, sie sind vom Sitzplatz aus aber kaum bis gar nicht sichtbar – je nach Aufstellung der Bar. Da es auch kein Onscreen-Menü gibt, fehlt eine optische Rückmeldung auf getätigte Befehle. Die LEDs darf man dimmen oder abschalten, was nötig wird, falls sie Lichtkegel auf das TV-Bild werfen.

Der 18 x 41,7 x 40,5 (B/T/H) Zentimeter große Bassreflex-Subwoofer gehört zur Soundbar und sorgt für ein kräftiges Tieftonfundament.

Die 12,5 x 5,2 Zentimeter große Fernbedienung  besteht aus Kunststoff und fällt entsprechend leicht aus. Die wenigen großen und gummierten Tasten erlauben die zielsichere Bedienung selbst im Dunkeln – auch ohne Tastenbeleuchtung. Die Bar 400 darf man auch mit Yamahas MusicCast-App sowie mit Amazons Sprachdienst Alexa steuern, für Letzteren wird jedoch ein kompatibler Smart-Speaker benötigt.

Video & Multimedia

Die beiden HDMI-Terminals schleifen 4K/60p-Signale durch und beherrschen neben HDR10 auch HLG und Dolby Vision für erhöhten Kontrast und erweiterte Farben von der UHD-Blu-ray. Video-EQ und Scaler gehören nicht zur Ausstattung. Dank Drahtlos-Streaming gelangt Musik mit Bluetooth und AirPlay in den Klangbalken; über Kabel und WLAN greift die Bar 400 auf Netzwerkserver zu. Die USB-Buchse dient nur für Firmware-Updates und gewährt nicht den Zugriff auf entsprechende Datenspeicher. Die MusicCast-App bietet den Zugang zur Musik-Streaming-Welt samt Hunderten kostenloser Webradio-Sendern und Bezahldienste wie Spotify, Tidal, Napster, Deezer und Qobuz.     

Yamahas MusicCast-App bietet eine Vielzahl an kostenlosen und kostenpflichtigen Musikdiensten. Playlisten und Favoriten erlauben die Zusammenstellung bzw. das schnelle Auffinden von Lieblingssongs.

100 Watt starker Bass-Quader

Der Subwoofer fällt mit 18 x 41,7 x 40,5 Zentimetern recht groß für einen Soundbar-Begleiter aus. Das 6,5-Zoll-Chassis wird von einem 100 Watt starken Verstärker angetrieben und strahlt zur Seite ab. Auf der Front verstärkt ein Bassreflex-Rohr tiefe Frequenzen. Das schwarz folierte Holzgehäuse ist sauber verarbeitet, wenn auch kein Luxus. Der Basswürfel verbindet sich drahtlos und automatisch per Funk mit der Soundbar, die Inbetriebnahme gelang im Test problemlos. Auf physische Schnittstellen verzichtet der Bass-Quader gänzlich, ebenso auf Optionen wie Crossover und Phase.

Tonqualität

Mit 200 Watt bringt es das Yamaha-Gespann auf ordentliche Lautstärken, die so manchen Nachbarn auf die Palme bringen können. Der Subwoofer ist für einen relativ ausgewogenen Klang unverzichtbar und verschmolz im Test harmonisch mit der Soundbar. Mit Atmos-Trailern gefiel uns die Bar 400 gut, voran der „Surround“-Modus produzierte eine breite und tiefe Räumlichkeit auf der Frontbühne. Bei Actionfilmen wie etwa dem Sound-Spektakel „Hunter Killer“ überzeugte der Riegel mit räumlich großem, dynamischem sowie druckvollem Klang, der Explosionen packend rüberbrachte und dabei die meisten TV-Lautsprecher alt aussehen lässt. Leichte Klangverfärbungen fallen hier kaum ins Gewicht, zumal man sich schnell daran gewöhnt.

Mit dem Virtual:X-Decoder versprechen die Sound-Tüftler von DTS Surround- und Höhenton ganz ohne Rear- und Höhenboxen. Bei Soundbars sind für 3D-Klang meist seitlich wie oben integrierte Chassis zuständig, auf welche Yamahas Bar 400 jedoch verzichtet.

Auf der Gehäuserückseite der Yamaha Bar 400 weist das DTS Virtual:X-Logo auf die Option für künstlich errechneten 3D-Sound hin.

Der Name „Virtual:X“ gibt bereits Aufschluss darüber, wie das Ganze funktionieren soll. Hierbei manipulieren sogenannte psycho-akustische Rechenalgorithmen Tonsignale, um den Ohren Schallquellen vorzugaukeln, die physisch gar nicht existieren. Neu ist das Konzept nicht, denn Soundbars nutzen ähnliche Techniken seit Jahren, um Raumklang aus einer einzigen Box zu erzeugen – meist mit bescheidenem Ergebnis.

Der Virtual:X-Decoder geht aber noch weiter und möchte unabhängig von der Anzahl der Lautsprecher immersiven 3D-Surround-Sound ins Wohnzimmer holen. Musik und Filmton sollen mit Virtual:X auch aus Stereo-Boxen ähnlich tönen wie aus einem 7.1.4-Set – so zumindest das Werbeversprechen. In der Praxis kann der virtuelle 3D-Sound dem mittels echten Lautsprechern erzeugten Klangerlebnis jedoch nicht annähernd das Wasser reichen – so unsere Erfahrungen. Wohl aber lässt sich mit künstlichen Klangschaltungen wie DTS Virtual:X die wahrgenommene Räumlichkeit bzw. das Raumgefühl steigern. Und jedes Mehr an Räumlichkeit ist bei oft flach, eingeengt und klein spielenden Soundbars mehr als willkommen.

Der „3D Surround“-Modus gab noch einen Schubs Raumgefühl oben drauf, von seitlich des Hörplatzes sowie im Rücken oder von über dem Kopf konnten wir allerdings nichts hören – und das bei allen Klangmodi. Leider hellte der Virtual:X-Decoder den Sound unangenehm auf. Zudem klangen  Dialoge unnatürlich und traten in den Hintergrund, klangen also leiser und entfernter. Eine bessere Sprachverständlichkeit und stimmigeren Sound boten daher die Klangmodi „Surround“ und „Stereo“ – auch beim Musikhören.

Apropos: Zum Hören von 2.0-Musik eignet sich die Bar 400 ausgesprochen gut, wobei der „Surround“-Modus dem „Stereo“-Modus in Sachen Räumlichkeit überlegen war und dazu tonal ausgewogener, kräftiger bzw. voluminöser schallte. Das „3D Surround“-Programm vergrößerte nochmals das Schallfeld, das höhenbetonte Klangbild und die verschlechterte Stimmwiedergabe wogen jedoch schwerer, weshalb Virtual:X aus blieb. Zudem deckten anspruchsvolle 5.1-Abmischungen Schwächen der Bar schnell auf, voran mit Klassikaufnahmen schallte es wenig differenziert und tonal recht verfärbt. Letzteres lässt sich aufgrund fehlender Klangregler auch nicht beheben bzw. kompensieren.     

Der Testbericht Yamaha Bar 400 (Gesamtwertung: 74, Preis/UVP: 700 Euro) ist in audiovision Ausgabe 4-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

74 gut

Yamahas Bar 400 schlägt sich bei Filmton wacker, der Virtual:X-Sound ist aber ausbaufähig. Die Ausstattung ist dank MusicCast und separatem Subwoofer dem Preis von 700 Euro angemessen.
Andreas Oswald

    Antworten