XTZ Cinema-M8-Set (Test)

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Mit seinem neuen THX-Ultra-Set Cinema-M8 hat der schwedische Lautsprecher-Hersteller XTZ das ganz große Heimkino-Besteck ausgepackt – und tischt seinen Kunden dabei einige Innovationen auf.

In kaum einer anderen Region sind so viele Boxenbauer ansässig wie in Skandinavien. Vor einigen Jahren stieß auch der schwedische Direktversender XTZ dazu. Zum Glück für hiesige Interessenten werden die Lautsprecher über eine deutsche Dependance in der Nähe von Karlsruhe verschickt, so dass die Kosten gering sind und die Verständigung unproblematisch ist.

Technik

Das Heimkino-Programm der Schweden enthält einiges an neuen Ideen. Bei normalen Hochtönern ist das Rundstrahlverhalten meist wenig homogen, vor allem bei der Trennfrequenz zum Tieftöner. Um dies zu vermeiden, nutzt XTZ nicht nur einen, sondern sechs dicht beieinander montierte Hochtöner. Diese „Hex-Array“ genannte Anordnung weist eine ähnliche Richtwirkung auf wie eine einteilige Membran, die sich über alle sechs Kalotten erstreckt. Dadurch richten die Chassis im Trennbereich mehr und sorgen für einen bruchlosen Übergang des Rundstrahlverhaltens zum Tieftöner. Ein nicht zu vernachlässigender Effekt ist auch, dass die sechs zusammengekoppelten Chassis einen höheren Wirkungsgrad aufweisen als ein einzelnes. Dadurch muss jedes der sechs Chassis weniger hart arbeiten als ein einziges, um den gleichen Schalldruck zu erzeugen. Das senkt den Klirrfaktor und den Hub und ermöglicht es, die Trennfrequenz zu beiden Tief-tönern auf 950 Hertz zu senken.

Um zu verhindern, dass die kombinierte Membranfläche der Kalotten bei hohen Frequenzen zu stark richten, lassen die Entwickler fünf der Chassis lediglich bis 2.500 Hertz laufen. Einzig Chassis Nummer 6 bearbeitet die Frequenzen von diesem Punkt aufwärts, so dass die Abstrahlung auch zu hohen Frequenzen breit ausfällt.

Jeweils zwei Chassis mit 20 Zentimetern Durchmesser übernehmen beim M8-Tower den Tieftonpart. Ihre Membranen aus beschichtetem Papier arbeiten auf einem Bassreflexgehäuse, dessen Öffnung am unteren Rand angeordnet ist. Die wird ab Werk mit einem Schaumstoff-Stopfen ausgeliefert, den wir für den Test auch dort belassen haben.

Eine weitere Besonderheit ist die Gehäuseform der für das Heimkino entwickelten Cinema-M8-Serie. Die Schallwände der Standlautsprecher Cinema M8 Tower sind jeweils spiegelverkehrt um 7,5 Grad nach innen angewinkelt, so dass sie auch bei Aufstellung direkt vor der Wand zum Hörplatz hin ausgerichtet sind. So verbessert sich bei vielen Lautsprechern die räumliche Abbildung. Auch gibt es durch diese Bauweise weniger parallele Gehäuse-wände, was Hohlraum-Resonanzen vermindert. Zudem sind die Boxen aus steifem HDF (hochdichte Faserplatte) gefertigt, was klanglich Schwingungen der Gehäusewände verringern soll.

Damit die Lautsprecher auch in Heimkinos mit Projektor und Leinwand optisch nicht störend in Erscheinung treten, sind sie mit einer mattschwarzen, das Licht absorbierenden Lackoberfläche versehen. Nur die Schallwand-Aufsätze sind in Hochglanz-Schwarz lackiert, was aber auf Wunsch von den mitgelieferten Frontbespannungen verdeckt wird.

Beim Center wurde die identische Bestückung verwendet. Das Hochton-Array wurde allerdings um 90 Grad gedreht, auch ist das Gehäuse geschlossen ausgeführt. Die Surroundboxen Cinema S5 weisen ebenfalls ein Hochton-Array auf, das bei ihnen aber nur aus zwei übereinander angeordneten Kalotten besteht. Sie bilden mit dem oberhalb der Hochtöner montierten 10-Zentimeter-Tieftöner ein direkt abstrahlendes Zweiwege-System. Die S5 ist zugleich ein Dipol, in ihrer linken und rechten Seitenfläche ist jeweils ein Breitbandchassis untergebracht. Mit Hilfe des Anschlussterminals lassen sich die Boxen für drei Betriebsarten konfigurieren: In Modus 1 arbeiten nur die Chassis auf der Front als Direktstrahler, in Modus 2 nur die Breitbänder als Dipol. Bei Modus 3, den XTZ Dipol 3X nennt, sind sowohl die Frontchassis als auch die Breitbänder aktiv, was für eine weiträumige, einhüllende Wiedergabe bei ausgezeichneter Ortbarkeit sorgen soll.

Bisher gab es für die Surround-Lautsprecher eines Heimkino-Sets zwei unterschiedliche Ansätze: Direkt abstrahlende Boxen sorgen für eine punktgenaue räumliche Abbildung und sind somit für die Musikwiedergabe bestens geeignet. Film-Soundtracks sind jedoch für das Kino abgemischt, bei denen es in aller Regel nicht nur zwei, sondern ganze Reihen von Lautsprechern gibt, die den Klang im Raum verteilen und daher nicht ortbar sein sollen. Solche Reihen lassen sich mit sogenannten Dipol-Lautsprechern am besten nachahmen. Die schicken den Schall zu großen Teilen nach vorn und hinten, um ihn von den Raumwänden reflektieren zu lassen, bevor er beim Zuhörer ankommt. Direkt zum Hörplatz schicken Dipol-Boxen hingegen wenig. Für Soundtracks ist diese Strategie genau richtig, Mehrkanal-Musik wird aber allzu oft ihrer Rauminformation beraubt. Der Klang wird diffus und die Ortbarkeit ungenau.

Am Anschlussterminal lässt sich durch Setzen einer Brücke sowie Einstecken des Anschlusskabels in verschiedene Buchsen der Betriebsmodus, also Direktstrahler, Dipol oder Mischbetrieb (Dipol 3X) vorwählen.

Die „Dipol 3x“-Technik von XTZ versucht, beides in Einklang miteinander zu bringen. Die damit ausgerüsteten Cinema S5 enthalten sowohl einen direktstrahlenden Teil sowie je ein Breitband-Chassis links und rechts, die verpolt angeschlossen sind und somit einen Dipol-Strahler darstellen. Über das Anschluss-Terminal lässt sich die Betriebsweise der Boxen festlegen, also ob sie als Dipol, Direktstrahler oder im Mischbetrieb arbeiten. Letzterer funktioniert unserer Erfahrung nach prima, der Mehrkanal-Klang wird schön einhüllend, ohne dass die Ortbarkeit darunter leidet.

Wie bei den Frontboxen lässt sich beim Subwoofer Cinema Sub 1X12 die schlitzförmige Bassreflexöffnung am unteren Rand der Front mit einem Schaumstoff-Stopfen verschließen, was einerseits der Impulswiedergabe entgegenkommt, andererseits für eine flach abfallende Flanke sorgt. Daher haben wir den Sub im Hörtest so betrieben.

Mit Hilfe des „Room Gain EQ“-Filters kann der Sub an eine wandnahe Aufstellung und die damit einhergehende Bassanhebung angepasst werden. In Schalterstellung „Anechoic Room EQ“ ist dieses Filter deaktiviert. Neben den Cinch-Eingängen verfügt der 1X12 auch über symmetrische Anschlüsse. Einer wird als Eingang verwendet, der andere als Durchschleif-Ausgang für einen weiteren Sub.

Tonqualität Surround

Vorbildlich präsentierten sich die Schweden im Messlabor: Die Frequenzgänge von Front und Center haben nur eine minimal fallende Tendenz zu hohen Frequenzen. Bis auf einen kleinen Einbruch bei 2 Kilohertz gilt das gleichfalls für die Surroundboxen, die jedoch fast 10 Dezibel leiser spielen als die zugegebenermaßen mit fast 88 Dezibel recht wirkungsgradstarken Cinema M8. Hervorragend gelingt dem Center das Rundstrahlverhalten: Auch im so wichtigen oberen Mitteltonbereich strahlt er breit und gleichmäßig ab, so dass auf wirklich jedem Sitzplatz die Sprachverständlichkeit hervorragend ist. Der Subwoofer verfügt mit einer unteren Grenzfrequenz von 29 Hertz über einen vielversprechenden Tiefgang – zudem spielt er mit seinem Maximalpegel von 107 Dezibel ausreichend laut – auch für Pegel-Freaks.

Große Freude bereitete der Hörtest: Das Klangbild „rastet“ sofort ein und überzeugt durch präzise, dynamische Spielweise. „Away From the Sun“ von 3 Doors Down tönt mit Wucht und homogen, aber auch bei hohem Pegel entspannt und ohne einen Hauch von Kompression. Im Bass geht das XTZ-Set dabei knochentrocken und mit Macht zur Sache – Bassdrum und E-Bass haben Live-Charakter. Wie nach dieser Vorstellung nicht anders zu erwarten, ist Actionkino ebenfalls ein Genuss: Der Donnerschlag und die Schrotflinte aus der Eingangsszene von „Ratatouille“ krachen dermaßen authentisch, wie es nur wenige Sets schaffen. Dazu kommt die zwar angenehm weite und dreidimensionale, dabei aber punktgenaue Räumlichkeit des Sets – die auch Mehrkanal-Musik zum Genuss macht. Ein spezielles Erlebnis ist hier „ListenUp!“ von und mit Omar Hakim, das so abgemischt ist, dass der Hörer in der Band sitzt – und genau so fühlt man sich mit dem XTZ-Set.

Tonqualität Stereo

Dank der üppigen Tieftöner-Fläche ist der Einsatz der Cinema-M8-Tower auch ohne Sub kein Problem. Der Bass bei „Beautiful Stranger“ von San Glaser kommt mit Volumen und schön präzise. Die Stimme der niederländischen Sängerin ertönt verfärbungsarm und präzise zwischen den Boxen platziert – was auch für die restlichen Instrumente gilt. Hier beweisen die Standboxen auch ihren Sinn fürs Sanfte, sie benötigen keine XXL-Lautstärken, um ihre Qualitäten unter Beweis zu stellen.    

Der Testbericht XTZ Cinema-M8-Set (Gesamtwertung: 91, Preis/UVP: 6100 Euro) ist in audiovision Ausgabe 3-2018 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

91 sehr gut

Wer gut 6.000 Euro für ein Lautsprecher-Set zur Verfügung hat, sollte sich das Cinema-M8-Set von XTZ ganz genau anhören. Denn es bietet einen hervorragenden Klang, ausgezeichnete Verarbeitung und gut durchdachte Detaillösungen – und zieht verdient in unsere Referenzklasse ein.
Michael Nothnagel

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