Teufel Cinebar Pro (Test)

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Gelungen: Die leichte und übersichtliche Fernbedienung besteht zwar nur aus Plastik, die gummierten Tasten besitzen aber einen sauberen Druckpunkt.

Mit der 1.300 Euro teuren „Cinebar Pro“ fährt der Berliner Boxenbauer Teufel schwere Geschütze auf. Ob die gewaltige Soundbar/Subwoofer-Kombi samt neuer „Dynamore Ultra“-DSP-Technik einlöst, was die eindrucksvollen Maße versprechen, zeigt unser Test.

„Absolute Klangtreue, extrem hohe Pegel und abgrundtiefer Bass, wie es sich der Künstler wünscht – das sind die Markenzeichen der stärksten Soundbar.“ Mit diesen Worten preist Teufel sein neues Soundbar-Flaggschiff an.  Ginge es allein nach der Größe, dann gäben wir den Berlinern sofort recht. Doch viel Volumen und noch mehr Chassis sind nur die halbe Miete, für großen Klang muss auch die DSP-Technik stimmen – denn ohne die virtuellen Sound-Trickser tönt es nicht selten eher bescheiden und klein aus den Klangriegeln.

Wuchtiger Woofer

Was bei audiophilen Hörern verpönt ist, gehört bei Soundbars seit Jahren zum guten Ton. Teufel begegnet dem potenziellen Problem des Mini-Klangs aus im Vergleich zu Standboxen kleinem Gehäuse mit der DSP-Technik „Dynamore“, die für eine räumliche Auffächerung des Sounds auf seitlich sitzende Chassis zugreift. Für noch mehr Surround-Sound lässt sich die Cinebar Pro mit zwei physischen Rear-Speakern zu einem 4.1-System ausbauen, die man jedoch separat erwerben muss.

Wie die meisten Soundbar-Hersteller nutzt auch Teufel die moderne Digital-Signalverarbeitung (DSP), um aus vergleichsweise kleinen Gehäusen größtmög­lichen Raumklang zu zaubern. Die Berliner tauften ihre Klangprogramme „Dynamore“ und „Dynamore Ultra“, wobei die größere „Ultra“-Variante Soundbars vorbehalten bleibt, während die Standard-Version bei kompakten Bluetooth-Speakern zum Einsatz kommt.
Der technische Unterschied zwischen den beiden Systemen besteht neben der Signalverarbeitung auch in der Chassis-Bestückung der Geräte, denn „Ultra“-Modelle besitzen zusätzlich seitlich angebrachte Töner, um eine größere Räumlichkeit des Klangs bzw. virtuellen Raumklang zu erzielen. Die seitlich abstrahlenden Treiber schicken Schall zu den Wänden, von wo aus die Toninformationen über Reflexionen zum Hörplatz gelangen und somit den Anteil indirekten Schalls erhöhen. Ziel ist jedoch weniger ein einhüllender Surround-Klang als vielmehr eine Verbreiterung des Stereo-Panoramas; Teufel möchte damit den Klang von zwei HiFi-Lautsprechern simulieren.

Damit „Dynamore“ optimal arbeitet, sollte man im Grundmenü den Abstand der Bar zum Hörplatz und zu den Seitenwänden eintragen.

Damit dies nicht nur in der Theorie funktioniert, sollten die Raumwände möglichst schallhart sein und keine Hindernisse im Schallweg liegen. Aber auch Abstrahl- und Einfallswinkel des Schalls spielen bei Ortung und Räumlichkeitswahrnehmung eine wichtige Rolle.

Rückseite: Die drei roten Gummilaschen sind keine Haltegriffe, sondern dienen zur Aufnahme der Kabel. Die Lochaufhängungen der Metallschienen links wie rechts ermöglichen die Wandmontage.

Zum Lieferumfang gehört dagegen der 38 x 35,1 x 48,3 cm (H/B/T) große Bassreflex-Subwoofer T10, der dank flexibel montierbarer Füße sowohl in Downfire- als auch Frontfire-Betriebsart aufgestellt werden kann. Letztere kann in Abhängigkeit von der Raumakustik und Aufstellung zu einem präziseren Sound führen. Der 25 Zentimeter große Treiber des mattschwarz folierten Basswürfels wird von einem 150 Watt starken Digitalverstärker befeuert. Auf der Rückseite des rund 15 Kilogramm schweren Bass-Boliden findet man entgegen vielen Woofer/Bar-Kombis ein gut bestücktes Bedien- und Anschlusspanel samt Pegel und Phase zur manuellen Anpassung der Bass-Performance an den Hörraum.

 

Massive Maße

Konzipiert als 2.1-System mit Bassreflex-Gehäuse arbeiten in der Cinebar Pro insgesamt 8 Treiber: 2 Hochtöner (25 mm) und 4 Mitteltöner (je 10 cm) strahlen nach vorne, zwei Mitteltöner seitlich zu den Wänden, 6 Digitalendstufen mit insgesamt  200 Watt befeuern das Chassis-Ensemble, das laut Teufel auch in großen Räumen bis 35 Quadratmeter noch laute Pegel produzieren kann.

Flexibel: Die vier Füße können unten oder seitlich montiert werden, womit das Chassis entweder nach unten oder nach vorne abstrahlt.

Entsprechend üppig fallen die Maße der nur in Schwarz lieferbaren Soundbar aus: Mit montiertem Standfuß ragt die 1,2 Meter breite Cinebar Pro stolze 14 Zentimeter in die Höhe und versperrt damit bei direkter Platzierung vor dem Fernseher einen Teil des Bildes. Ergo muss die Cinebar Pro in ein Regalfach darunter oder der TV über der Bar an der Wand befestigt werden. Alternativ lässt sich auch der Klangriegel an die Wand montieren, Halter gehören zum Lieferumfang. Die sauber verarbeitete Gehäuseoberfläche besteht aus gebürstetem Aluminium, zum Schutz der Chassis verläuft ein stabiles Metallgitter um Front und Seiten.

Die Cinebar Pro geizt nicht mit Anschlüssen: 4 HDMI-Eingänge, HDMI-Out samt ARC, Toslink, Koax, 2-mal Klinke sowie Woofer- und Rear-Pre-outs sind üppig.

Kontaktfreudig

Bis auf die vordere Kopfhörer-Buchse befinden sich alle Anschlüsse auf der Rückseite: 4-mal HDMI-In sowie ein Ausgang zum TV samt ARC und CEC sind spitze und bei Soundbars selten. Die Buchsen entsprechen dem 2.0-Standard und akzeptieren 4K/60p-Signale mit HDR10. Ton findet ferner über Toslink, Koax sowie 2 Klinkenbuchsen in die Bar, Drahtlos-Streaming kann über Bluetooth und Apps mit Chromecast-Technik erfolgen; die beiden WLAN-Antennen sorgen für einen stabilen Empfang. Die Einrichtung der Bar erfolgt bequem über ein Onscreen-Menü, das Geräte-Display ist auch aus 3 Metern gut lesbar.

An den Seiten verbaute Teufel je einen 10 Zentimeter großen Treiber, die den Klang räumlicher machen sollen.

Tonqualität

An Klang-Decodern haben die Teufel-Ingenieure Dolby Digital, den Dolby Prologic II Upmixer sowie DTS verbaut. Hinzu kommen die „Dynamore“-Schaltungen „Wide“ und „Ultra“, die sich auch auf die 4 DSP-Programme „Music“, „Voice“, „Movie“ und „Night“ anwenden lassen. Klangjustagen sind bei Bass und Höhen möglich, ein Equalizer oder ein Einmess-System fehlt hingegen – ebenso wie die THX-Zertifizierung anderer Soundbars von Teufel.

Doch auch ohne THX-Veredelung konnte uns der Sound der Cinebar Pro begeistern: Wenig überraschend stemmte der mächtige Riegel auch Pegel weit jenseits der Zimmerlautstärke, zusammen mit dem T10-Woofer spielte die Kombi überaus druckvoll, voluminös und souverän. In den Mitten klang es relativ neutral, Höhen wirkten luftig und angenehm. Die Sprachverständlichkeit war trotz fehlendem Center-Kanal bei zentraler Hörposition ausgezeichnet, ließ bei seitlichen Winkeln aber nach und Dialoge tönten zunehmend verfärbt.

Ohne DSP-Programme erstreckten sich Soundeffekte meist kaum über die Maße der Bar hinaus, die „Dynamore“-Schaltungen sorgten dagegen für ein hörbar größeres Raumgefühl – dann öffnete sich der Sound nach hinten wie seitlich. Verhallt klang es dabei nicht, allerdings merklich verfärbter und etwas unpräziser. Fürs Filmegucken ist das „Dynamore“-Processing trotzdem ein Gewinn, auch wenn wir der Cinebar Pro damit keinen vollwertigen Surround-Sound mit Ton von der Seite oder gar im Rücken entlocken konnten. Weniger an der Räumlichkeit als vielmehr an der Klangcharakteristik schrauben die DSP-Programme. „Night“ bot eine gute Dynamikreduktion, „Movie“ spielte etwas präziser und direkter als ohne Sound-Programm. „Music“ machte sich besonders gut bei seinem vorgesehenen Zweck: Songs jeden Genres verlieh die Schaltung mehr Glanz, Luftigkeit und einen weniger direkten Sound als ohne DSP.     

Der Testbericht Teufel Cinebar Pro (Gesamtwertung: 81, Preis/UVP: 1300 Euro) ist in audiovision Ausgabe 1-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

81 sehr gut

Teufels gewaltige „Cinebar Pro“ überzeugt mit ebenso großem Klang, dicker Ausstattung und Top-Verarbeitung. Der Preis von 1.300 Euro ist allerdings auch keine Kleinigkeit.
Andreas Oswald

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