Sony VPL-VW570 (Test)

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Zahlreiche Direkttasten der beleuchtbaren Fernbedienung ermöglichen das schnelle Umschalten zwischen wichtigen Bildfunktionen. 

Gegenüber dem VW270 punktet der Sony VW570 vor allem mit einer höheren Lichtleistung. Was ihn sonst vom kleinen Bruder unterscheidet, zeigt unser Test. 

Konkurrenz belebt das Geschäft: Zwei Jahre behauptete sich Sonys 4K-Projektor VW550 (Test in 3-2017) trotz mittlerweile veralteter Signalverarbeitung am Markt. Doch in Anbetracht der neuen „N-Serie“ von JVC, die ebenfalls über ein natives 4K-Panel verfügen, hat Sony das Nachfolgermodell VW570 auf den neuesten Stand gebracht. Dabei wurde der Preis von 10.000 auf 8.000 Euro gesenkt, was ihn zum Konkurrenten des JVC N7 macht. Doch auch gegenüber dem haus-eigenen Einsteiger-Modell VW270 (Test in 12-2018) muss der VW570 seinen Aufpreis von 3.000 Euro durch Mehrleistung begründen.

Ausstattung und Praxis

Im schwarzen oder weißen Kleid – optisch gleichen sich alle lampenbasierenden 4K-Modelle von Sony wie ein Ei dem anderen, doch der Kenner erkennt die gehobene Beamer-Klasse an zwei Merkmalen: Relativ auffällig erscheint das Belüftungsgitter um das Objektiv, das beim VW570 in Gold gehalten ist (beim VW270 lediglich in Schwarz).

Beim weißen Modell kommt noch ein elegantes mattes Finish der Belüftungsfront hinzu, mit dem das große Chassis (50 x 46 x 20 Zentimeter) noch eleganter wirkt als mit der glatten Front des kleinen Bruders.  Wie beim VW270 ist der Sockel des Chassis durch eine neue Signalelektronik um einen Zentimeter gewachsen, sie bietet die volle HDMI-2.0-Bandbreite von 18 Gbit/s und eine UHD-Zwischenbildberechnung (bei Sony „Motionflow“ genannt).

Lampenprojektoren unterliegen nach wie vor einem gewissen Farbdrift, da sich das Spektrum des Leuchtgases im Lampekolben im Laufe der Zeit verändert. Dies macht eine Nachkalibrierung nach langer Nutzung notwendig. Während hierfür bei anderen Modellen aufwändiges Messequipment bemüht werden muss, ist beim VW570 alles im Chassis integriert: Aktiviert man die Autokalibrierung, wird eine interne Fotodiode genutzt, die die Helligkeiten der Grundfarben und ihr Verhältnis zueinander misst. Gibt es dabei Abweichungen vom Neuzustand, wird das ursprüngliche Verhältnis wiederhergestellt. Der angenehme Nebeneffekt: Durch diese „Low Level“-Anpassung werden auch alle nachträglichen Kalibrierungen angepasst. Die ganze Prozedur dauert nur wenige Minuten, komfortabler geht es nicht.

Nach der Autokalibrierung wird dem Anwender ein Protokoll mit wichtigen Detailinformationen eingeblendet.

Interessant und für den Aufpreis verantwortlich sind die verbesserten inneren Werte, die dem VW570 vor allem in Hinblick auf HDR-Inhalte bildtechnisch auf die Sprünge helfen können: Für eine gesteigerte Lichtleistung sorgt eine stärkere Lichtquelle inklusive eines stärkeren Netzteils.

Haupterkennungsmerkmal des VW570 ist der goldene Belüftungsring um das Objektiv.

Damit Schwarz nicht heller wird, wurde der Lichtweg um eine adaptive Iris ergänzt, die sich im Brennpunkt des Objektives befindet. Die kann sich automatisch an den Bildinhalt anpassen oder statisch genutzt werden. Einen DCI-Filter zur vollen Abdeckung des Kinofarbraums gibt es weiterhin nicht, auch der VW570 zeigt eine leichte Grünschwäche. Um eine hohe Farbpräzision über die gesamte Nutzungsdauer zu gewährleisten, verfügt der Projektor über ein integriertes Einmesssystem, das auf Knopfdruck eine automatische Nachkalibrierung auslöst. Eine „Lens-Memory“-Funktion rundet die Top-Ausstatutung ab.

Bei Kinofilmen gibt es zwei Hauptformate: Das Breitbildformat „Cinemascope“ mit einem Seitenverhältnis von rund 2,40:1 und die schmaleren Standardformate 1,85:1 beziehungsweise 1,77:1 – oft auch oft als 16:9 bezeichnet. Viele Großbildfans installieren eine Cinemascope-Leinwand in ihrem Heimkino, um so ein möglichst breites Bild zu realisieren und dem echten Lichtspielhaus näher zu kommen.

Bei vollem Zoom wird die Cinemascope Leinwand voll ausgefüllt. Bei 16:9-Material verkleinert der Projektor das Bild per „Lens Memory“-Funktion auf Knopfdruck.

Das Problem dabei: Möchte man auf der breiten Leinwand ein herkömmliches 16:9 Bild projizieren, muss der Zoom des Projektors optisch verkleinert werden. Manuell ist das mühsam, weshalb der VW570 eine „Lens Memory“-Funktion eingebaut hat. Sie erlaubt es, verschiedene Zoom-Positionen des Objektivs zu speichern, die per Knopfdruck anschließend wieder automatisch angefahren werden.

Ansonsten ist der VW570 praktisch bau-gleich zum VW270: Im Zentrum stehen die selbst entwickelten SXRD-Chips, die nicht nur mit der nativen 4K-Auflösung von 4.096 x 2.160 Pixeln das aktuelle Maß der Dinge sind, sondern auch mit ihrer extrem niedrigen Reaktionszeit von weniger als 2,5 Millisekunden Bestwerte erzielen. In Kombination mit einem Input-Lag von unter 20 Millisekunden bei Full-HD und unter 30 Millisekunden bei UHD ist der Sony VW570 einer der besten Gaming-Beamer, die es gibt.

Der Sockel, in dem sich die Signalelektronik befindet, wurde für eine bessere Kühlung um 1 Zentimeter erhöht. Das Anschluss-Terminal ist mit zwei gleichwertigen HDMI-Eingängen bestückt, die Datenraten bis 18 Gbit/s unterstützen.

Licht und Farbe

Wie bereits erwähnt, konzentrieren sich die technischen Verbesserungen vor allem auf die Lichtleistung und den Kontrast. In der Helligkeit bedeutet dies mehr „netto vom brutto“, denn mit über 1.600 kalibrierten Lumen kann der VW570 eine größere Leinwand ausleuchten als der kleine Bruder, nach unserem Test sind 5 Meter kein Problem. Von der stärkeren Lampe profitieren auch die Ohren, denn der VW570 ist im leiseren und langlebigeren Eco-Modus mit 1.300 Lumen so hell wie ein VW270 im hohen Modus. Besonders positiv wirken sich die zusätzlichen Lichtreserven auf die Darstellung von HDR-Spitzlichtern aus, denn für die notwendige Strahlkraft kommt es einzig und allein auf die maximale Helligkeit an.

Das Rezept für die höhere Leuchtkraft des VW570 ist denkbar einfach: Man nehme ein Lampenmodul mit mehr Leistung (380 Watt) und kombiniere dies mit einem stärkeren Netzteil. Dies steigert zwar den Stromverbrauch auf über 400 Watt und macht den 570er nicht gerade zu einem Energiesparer, bewirkt aber die gerade für HDR-Inhalte so wichtige Lichtsteigerung. Entsprechend ist das stärkere Lampenmodul nicht kompatibel zu den kleineren Modellen VW260 und VW270.

Das stärkere Lampenmodul passt nur in den VW570.

Mehr Lichtleistung bedeutet auch helleren Schwarzwert. Um dieses Manko auszugleichen, dimmt eine adaptive Blende dunkle Filmszenen in Echtzeit. Durch die Positionierung im Brennpunkt des Objektivs steigert sie dabei gleichzeitig den nativen Kontrast auf bis zu 20.000:1.

Der native Kontrast liegt auf dem für die VW-Serie typischen Niveau von 13.000:1 bis 18.000:1, abhängig von der Zoom-Größe. Um den Dynamik-umfang des VW570 zu steigern, passt eine adaptive Iris den Lichtstrom an den Bildinhalt an. Der sich ergebende „Streckungsfaktor“ von zwei bis drei steigert den On/Off-Kontrast des Projektors bis über 40.000:1. Damit kann sich der VW570 in Sachen Schwarzwert klar von seinem kleinen Bruder absetzen. Der für den Inbild-Kontrast wichtige ANSI-Kontrast lag bei unserem Testgerät bei sehr guten 440:1, was der Bildplastizität von helleren  Film-szenen zugute kommt. Der zuschaltbare „Contrast Enhancer“ optimiert zudem den angestrebten HDR-Look, indem das Gamma in Echtzeit an den Bildinhalt angepasst wird und so den limitierten Kontrast eines Beamers optimal ausreizt.

Für eine korrekte Farbdarstellung müssen zwei Videonormen eingehalten werden, die sich durch unterschiedliche Farbräume auszeichnen: Im „Referenz“-Modus mit „BT709“-Farbraumsetting zeigt der VW570 eine sehr gute Abstimmung auf die herkömmliche HD-Norm, alle drei Grundfarben werden fast punktgenau eingehalten, lediglich Rottöne erscheinen ohne Kalibrierung leicht übersättigt. Für 4K/HDR-Material ist hingegen der originale Kinofarbraum „DCI P3“ relevant, der von dem VPL-VW570 in Blau und Rot sehr gut eingehalten wird. Lediglich die Grundfarbe Grün enthält zu viele gelbe Spektralanteile, doch das fällt nur bei intensiven Grüntönen auf, die in Filmen eher selten vorkommen. Für beide Normen identisch ist der Weißabgleich auf die (Tageslicht-)Farbtemperatur von 6500K / D65. Auch hier ist die Werkseinstellung vorbildlich.

Schärfe und Bildverarbeitung

Bei den optischen Komponenten gibt es keine Unterschiede zum Vorgänger. Entsprechend verfügt auch der VW570 über das unter Großbildfans umstrittene Kunststoff-Objektiv. In diversen Tests hat sich gezeigt, dass es die UHD-Auflösung adäquat abbildet und eine gute Detaildarstellung gewährleistet. Für eine optimale Leistung sollte allerdings der Zoom möglichst groß sein und der Lens-Shift wenig genutzt werden. Denn je weiter der Projektor von der Leinwand steht und je stärker der horizontale Lens-Shift genutzt wird, desto unpräziser zeigt sich die Randschärfe. Berücksichtigt man diese Umstände bei der Installation, ist der VW570 zu einer hervorragenden optischen Schärfe in der Lage, die zusätzlich von einer leistungsfähigen Signalverarbeitung unterstützt wird: Die „Reality Creation“ erhöht den Intra-Pixel-Kontrast durch eine geschickte Bildnachbearbeitung in Echtzeit und arbeitet feine Details so noch besser heraus.

Für eine gesteigerte Schärfe in Bewegungen ist eine leistungsfähige Zwischenbildberechnung notwendig, die in Form der neuesten „Motionflow“ Generation im VW570 integriert wurde.

Mit der vierfachen Full-HD-Auflösung profitieren besonders UHD-Projektoren von einer gesteigerten Bildschärfe und Detailtreue, denn der Betrachtungsabstand des Zuschauers ist im Verhältnis zur Bildgröße hier deutlich geringer als bei einem Fernseher. Doch je schärfer das unbewegte Ausgangsmaterial, desto mehr fällt die Diskrepanz zur geringeren Bewegungsschärfe auf. Je schneller die Bewegung, desto weniger Auflösung verbleibt.

Der Rechenaufwand ist in UHD enorm: Bis zu vier Bilder werden zwischen zwei Originalbildern in Echtzeit berechnet und ergänzt. Vor allem Sportübertragungen profitieren von den zusätzlichen Informationen.

Bei Spielfilmen kommt das unter Umständen störende 24p-Stottern hinzu. Bei Full-HD gibt es seit vielen Jahren mit der bei Sony „Motionflow“ genannten Zwischenbild­berechnung Abhilfe: Sie berechnet zusätzliche Bilder und fügt diese zwischen den Originalbildern ein. Die Bildfrequenz wird so erhöht und die Bewegung erscheint schärfer. Aufgrund der hohen Rechenleistung fehlt „Motionflow“ für 4K-Inhalte bei vielen Projektoren, so auch beim Vorgänger VW550. Der Nachfolger VW570 behebt dieses Manko.

Besonders schnelle Bewegungen profitieren sichtbar vom Motionflow, sie werden fast so scharf wie unbewegte Bilder. Spielfilme verlieren zudem ihr 24p-Ruckeln, das viele Zuschauer stört.

Bildqualität in der Praxis 

Schon der VW270 hat sich in unserem Test als vollwertiger UHD/HDR-Projektor erwiesen. In nahezu allen bildrelevanten Hauptaspekten wie Schärfe,  Kontrast und Farben konnte er überzeugen und brillierte mit einer Plastizität und einem Detailreichtum, die nur wenige Beamer auf dem Markt erreichen. Alleine in der maximalen Lichtausbeute, die besonders für die korrekte Darstellung von Spitzlichtern bei High-Dynamic-Range-Inhalten wichtig ist, zeigten sich seine Limitationen.

Diesen widmet sich der VW570: Durch seine stärkere Lichtquelle gelingt es ihm, rund 30 Prozent mehr Licht zu mobilisieren, die HDR-Inhalten signifikant zugute kommt. Die Bildplastizität nimmt zu und die Authentizität steigt. Vor allem gut gemasterte UHD-Blu-ray-Filme wie „Mad Max: Fury Road“, „Lucy“ oder „Mord im Orient Express“ sehen auf dem VW570 noch etwas spektakulärer aus als auf dem  VW270.

Dank des Contrast Enhancers ist es sogar möglich, bei Bildbreiten unter 2,9 Meter auch bei HDR auf den Eco-Modus zu wechseln, was vor allem geräuschempfindlichen Zuschauern gefallen wird. In unserem Sichttest auf einer 3,2 Meter breiten Leinwand zeigte sich der VW570 stets als ausreichend leuchtstark und ließ keine Wünsche offen. Auch am unteren Ende der Kontrast-skala, die für HDR nicht minder wichtig ist, bietet der VW570 sichtbare Vorteile in der Praxis. Schwarzwert und Schattenzeichnung in dunklen Szenen sind tiefer als beim kleinen Bruder.

Das Restlicht in Schwarz wird unter die Schwelle gedrückt, bei der der „Nebelschleiereffekt“, der dunkle Szenen störend aufhellt, nicht mehr auftritt. Dadurch wirkt die Optik bei entsprechendem Material plastischer.  Auch in schwierigen dunklen und kontrastarmen Filmpassagen zeigte der VW570 keine echten Schwächen. Diese sehr guten Kontrast- und Helligkeitsleistungen vermag der Projektor zudem mit einer sehr guten Farbtreue zu kombinieren, die dem Kino–Original kaum nachsteht. Lediglich seine kleine Grünschwäche konnten wir mit besonders farbenfrohen Animationsfilmen in unserem Praxistest aufzeigen.

Als nativer 4K-Projektor liegt die größte Stärke des VW570 zweifelsohne in der Detailauflösung: Egal ob Spielfilme, Serien, Sport oder Videospiele, die Kombination aus reaktionsschneller SXRD-Paneltechnologie und Reality Creation Signalverarbeitung sorgt nach wie vor für eine unangefochtene Spitzenposition im Schärfeerlebnis.

Bei all dem Lob, das für einen 8.000 teuren Projektor nicht gerade ungewöhnlich ist, wollen wir einige Kritikpunkte nicht verschweigen. So erreicht die Farbtiefe nicht die 10-Bit-Marke auf der Leinwand: Bei genauem Hinsehen und Überblendungen erkennt das geübte Auge nach wie vor Farbreduktionen, die mit sogenanntem „Banding“ einhergehen. Farbverläufe wirken nicht so fließend, wie sie in der Signalquelle aufgezeichnet wurden. Auch bei Konvergenz und Bildruhe gibt es nach wie vor Optimierungs-Potenzial. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.                      

                            

Der Testbericht Sony VPL-VW570 (Gesamtwertung: 92, Preis/UVP: 8000 Euro) ist in audiovision Ausgabe 6-2019 erschienen.

Der entsprechende Testbericht ist in unserem Shop als PDF-Dokument zum Download erhältlich.

AV-Fazit

92 sehr gut

Schon Sonys 4K-Einsteiger VW270 konnte uns als vollwertiger HDR-Projektor überzeugen. Der große Bruder VW570 legt die Messlatte mit mehr Helligkeit und besserem Kontrast noch höher. Ob diese Verbesserungen einen Aufpreis von 3.000 Euro wert sind, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ekki Schmitt

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